München, 29. Januar 2026. Kardinal Reinhard Marx würdigt die standhaft menschenfreundliche Haltung und das Gottvertrauen des am 2. Februar 1945 von den Nationalsozialisten hingerichteten Pater Alfred Delp SJ als „eine provozierende und zuversichtliche Botschaft auch für unsere Tage – gegen menschenverachtende Allmachtsphantasien, gegen Kriege und Ungerechtigkeit“. Pater Delp habe sich nicht „in eine Art Himmelreich-Sehnsucht geflüchtet“, sondern „stand vielmehr fest im Leben, war ein sehr wacher Zeitgenosse, der wusste, dass die Welt durch die Menschenverachtung der Nazis an den Abgrund geraten war“, erklärt der Erzbischof von München und Freising in einem Beitrag für die Rundfunkreihe „Zum Sonntag“, der am Sonntag, 1. Februar, gesendet wird. Die Erzdiözese München und Freising wird am Abend des 2. Februar, dem 81. Todestag von Alfred Delp, dessen Seligsprechungsverfahren eröffnen.
In dem Hörfunkbeitrag schildert Kardinal Marx die schrecklichen Bedingungen, unter denen Delp „gerade in den Monaten seiner Haft schier unglaubliche Texte geschrieben hat – zum Teil an den Händen gefesselt. Texte, die so dicht sind, dass sie uns auch nach Jahrzehnten unter die Haut gehen.“ Delp habe „auch in Not und extremen Situationen“ fest daran geglaubt, dass Gott immer da sei und dass, so zitiert Kardinal Marx aus einer Aufzeichnung Delps im Gefängnis, „die Welt Gottes so voll ist. Aus allen Poren quillt er uns entgegen.“ Eine Solche Haltung wirke auf den ersten Blick „unvorstellbar, fast übermenschlich“ und „fremd in unserer Zeit, die manche als gottlos empfinden mit all den Kriegen und der Gewalt oder im Blick auf ungezügelte Allmachtsphantasien mächtiger Menschen und gewissenloser Diktatoren“.
Und doch sei das Vertrauen Delps auf Gott nicht in einer entrückten Weltfremdheit begründet gewesen, sondern in der „Botschaft Jesu Christi, der als verletzliches Kind zur Welt kommt und als geschundener Mensch stirbt“. Durch diese Botschaft habe Delp „für seinen Glauben Hoffnung und Stärke gewonnen, die er mit großer innerer Freiheit verkündete“. Seine christliche Überzeugung habe es ihm erlaubt, zu wagen, „was viele nicht konnten oder wollten: Er hat seine Stimme erhoben, er hat gegen Unmenschlichkeit und Hass, gegen Terror und Ungerechtigkeit gepredigt und geschrieben.“ Trotz aller Versuchen der Nationalsozialisten, Pater Delp und sein Andenken zu vernichten, sei der Jesuit heute vielen Menschen ein Vorbild und ein Fürsprecher in der Bedrängnis, „der gegen Unrecht aufstand und die gottgeschenkte Freiheit der Menschen verteidigt hat.“ Diese Vorbilder braucht es nach Ansicht des Erzbischofs dringend – „gerade in unserer Zeit.“ (fho)
Hinweis: Der Hörfunkbeitrag wird am Sonntag, 2. Februar, um 7.25 Uhr von Bayern 2 Radio in der Reihe „Zum Sonntag“ ausgestrahlt und kann zudem unter
www.br.de/zum-sonntag gelesen und angehört werden.