„Österliche Bußzeit muss Weg in die Freiheit sein“

Kardinal Marx feierte den „Aschermittwoch der Künstler“ im Münchner Liebfrauendom
München, 18. Februar 2026. Kardinal Reinhard Marx hat zu Beginn der österlichen Bußzeit die Menschen dazu aufgerufen, sich wieder neu auf den Weg zu machen und sich zu fragen: „Wer bin ich? Wer will ich sein?“ In der Fastenzeit gehe es nicht darum, den Kopf hängen zu lassen und sich mit zu vielen Vorsätzen unglücklich zu machen, betonte der Erzbischof von München und Freising beim Gottesdienst zum „Aschermittwoch der Künstler“ am Mittwochabend, 18. Februar, im Münchner Liebfrauendom. Es komme vielmehr darauf an, wieder stärker darauf zu achten, was im Leben überflüssig sei und weggelassen werden könne: „Der Weg der österlichen Bußzeit muss ein Weg in die größere Freiheit sein.“
 
In seiner Predigt zitierte Kardinal Marx den von den Nationalsozialisten 1945 ermordeten Jesuitenpater Alfred Delp SJ, dessen Seligsprechungsverfahren am 2. Februar eröffnet wurde, der kurz vor seinem Tod im Gefängnis geschrieben habe: „Der Ursprung der menschlichen Freiheit ist die Begegnung mit Gott, mit einer Erfahrung, die uns deutlich macht: Ich bin nicht allein. Ich bin geborgen. Zeit und Raum werden hinter mir bleiben. Ich werde sterben, aber die neuen Möglichkeiten Gottes erfahren, wenn ich mich immer wieder neu einladen lasse auf diesen Weg. “ Er wünsche es allen, so Marx, vor allem den Künstlerinnen und Künstlern, dass sie verstehen und es vielleicht sogar in Wort und Bild ausdrücken können, dass alles, was die Menschen bewege, auch Gott bewege. „Wenn wir eintreten in die österliche Bußzeit, dann werden wir hineingeführt in diese Erkenntnis. Wir sind vergänglich. Staub sind wir, zu Staub kehren wir zurück. Aber wir sind eben auch Bilder Gottes, und die wahren Bilder Gottes sind die lebendigen Menschen.“ Zeit und Raum würden zwar das Leben, die Seele und das Denken prägen, so Marx weiter. „Wir bekommen Falten, werden kleiner, runzliger, kränker. So ist das eben. Aber es gibt auch diese unzerstörbare Hoffnung, auf die wir uns jetzt in den nächsten Wochen neu einladen lassen.“ 
 
Der „Aschermittwoch der Künstler“ wurde von dem katholischen Schriftsteller und Diplomaten Paul Claudel nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris begründet. Er wird mittlerweile in mehr als 100 Städten weltweit gefeiert. Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit, in der sich die Gläubigen auf das Osterfest vorbereiten. Zu den Gottesdiensten an diesem Tag gehört der Ritus der Aschenauflegung. Die Geistlichen zeichnen den Gläubigen ein Kreuz aus Asche auf die Stirn und sprechen dabei einen Vers aus dem Buch Genesis, „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“, oder aus dem Markus-Evangelium: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ Den künstlerischen Akzent beim „Aschermittwoch der Künstler“ im Münchner Dom setzte in diesem Jahr Lisa Granada mit der bildnerischen Intervention „Cartografía inconclusa / Unfinished Cartography“, bei der gebrauchte Teebeutel zu einem Tuch verbunden sind. Die Installation wird bis 31. März im Chorraum des Doms über dem Altar hängen und soll unter anderem an die Tradition des Fastentuchs erinnern. (hor)