Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos

Passionsspiele prägen „Aschermittwoch der Künstler“

Kardinal Reinhard Marx feiert Gottesdienst mit Kulturschaffenden im Münchner Liebfrauendom
München, 19. Februar 2020. Die Passionsspiele Oberammergau stehen im Mittelpunkt des diesjährigen Gottesdienstes zum „Aschermittwoch der Künstler“, den der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, am Mittwoch, 26. Februar, um 17.30 Uhr im Münchner Liebfrauendom feiert. Vor Beginn der Heiligen Messe im Liebfrauendom führt Thomas Schlichting, Leiter des Ressorts Seelsorge und kirchliches Leben im Erzbistum, ein Gespräch mit dem Regisseur der diesjährigen Passionsspiele, Christian Stückl, auf den Treppen vor dem Altar.
 
Musikalisch wird der Gottesdienst vom Chor und Orchester der Passionsspiele Oberammergau sowie von Domorganist Hans Leitner und Domkapellmeisterin Lucia Hilz unter der Leitung von Eva Kammerer und Markus Zwink gestaltet. Zur Austeilung der Asche erklingt die „Passionsmusik Nr. 2: Der Verlust des Paradieses“ von Rochus Dedler (1779-1822) und Markus Zwink (geb. 1956). Zur Kommunion singt der Chor Teile aus der „Passionsmusik Nr. 6: Das Pessachmahl vor dem Auszug aus Ägypten“ von Markus Zwink.
 
Die Gestaltung des Aschermittwochs der Künstler 2020 erfolgt in Zusammenarbeit mit Christian Stückl und dem Passionstheater Oberammergau in kritischer Auseinandersetzung mit den Inhalten und der Geschichte der Passionsspiele, in der es immer wieder antijüdische Tendenzen gab. Im Gottesdienst wird durch die Wiederaufführung der Messkomposition des jüdischstämmigen Komponisten Max Peter Meyer, der die Passionsspiele Oberammergau in den 1930er Jahren mitgeprägt hat, ein besonderer Akzent gesetzt. Er war 1935 aus München nach Oberammergau gekommen und ließ sich 1936 taufen, wurde aber trotz Teilnahme am Kirchenchor im Ort zunehmend isoliert. 1938 wurde er verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht, konnte aber aufgrund der Intervention des Ettaler Abtes nach England emigrieren. Nach dem Krieg kehrte Meyer nach Oberammergau zurück und war an der Vorbereitung der Passionsspiele von 1950 beteiligt.
 
Traditionell nehmen an dem Gottesdienst insbesondere Künstler und Kulturschaffende teil. Frederik Mayet, der bei den diesjährigen Passionsspielen Jesus spielt, und Eva-Maria Reiser, Darstellerin der Maria, tragen die Lesungen vor. Die Kollekte kommt dem Monsignore-Fellerer-Fonds zugute, der Künstlerinnen und Künstler in Notsituationen unterstützt. Im Anschluss an den Gottesdienst findet in schlichtem Rahmen eine Begegnung für geladene Künstler und Kulturschaffende statt.
 
Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit, eine Zeit der Umkehr und Buße, in der sich die Gläubigen auf das Osterfest vorbereiten. Zu den Gottesdiensten an diesem Tag gehört der Ritus der Aschenauflegung. Die Geistlichen zeichnen den Gläubigen ein Kreuz aus Asche auf die Stirn und sprechen dabei einen Vers aus dem Buch Genesis: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ oder aus dem Markus-Evangelium: „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“. Der „Aschermittwoch der Künstler“ wurde von dem katholischen Schriftsteller und Diplomaten Paul Claudel nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris begründet. Er wird mittlerweile in mehr als 100 Städten weltweit gefeiert. (hs)