Juwel der Wallfahrer Feiern zum 400-jährigen Bestehen der Kirche auf dem Hohen Peißenberg werden verschoben

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Sie ist das Wahrzeichen des Pfaffenwinkels: die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf dem Hohen Peißenberg
Freude dem, der hierher kommt, Friede dem, der hier verweilt, Segen dem, der von hier weiterzieht.“ Diesen wunderbar passenden Spruch liest man auf der Einladung zum diesjährigen 400-jährigen Weihejubiläum der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf dem Hohen Peißenberg (Dekanat Rottenbuch). Auf dem Festprogramm standen über dieses Jahr verteilt zahlreiche Orgelkonzerte, Gottesdienste mit verschiedenen Bischöfen, der Jubiläumsgottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx sowie eine Experten-Kirchenführung mit dem schönen Titel „Der Stellenwert der Wallfahrtskirche in der Kunstgeschichte des Barock“.
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Rudi Hochenauer kennt die Geschichten rund um die Wallfahrtskirche und das Gnadenbild.
Das Coronavirus hat jedoch dazu geführt, dass alle Veranstaltungen abgesagt wurden. „Wir holen das nächstes Jahr nach“, verspricht Rudi Hochenauer optimistisch. Er kennt die Geschichte der Wallfahrtskirche wie kein anderer. Seit Jahren macht er Kirchenführungen und vermittelt dabei nicht nur die schlichten Fakten rund um die Entstehung zunächst der Gnadenkapelle im Jahr 1514, in der die spätgotische Muttergottesstatue aufgestellt wurde. Nein, Hochenauer weiß auch die eine oder andere unbekannte Geschichte.

Nachdem die Augustinerchorherren aus dem Stift Rottenbuch die „Wallfahrtsseelsorge“ übernommen hatten, begann unter ihrer Planung der Bau einer neuen Wallfahrtskirche, denn der Zustrom der Wallfahrer war enorm und die ursprüngliche Gnadenkapelle wurde schlicht zu klein. Vor 400 Jahren wurde die neue Wallfahrtskirche geweiht, ein Jahr zuvor war sie nach vier Jahren Bauzeit fertiggestellt. Ein Turm verband die beiden Gotteshäuser nun.
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Die hölzerne Muttergottesstatue, die auf dem Altar in der ursprünglichen Gnadenkapelle zu finden ist, wird zu verschiedenen Gelegenheiten „angekleidet“. Hochenauer besteht auf diesen Begriff: „Man zieht die Gottesmutter nicht einfach an oder auch aus. Das wäre unwürdig“, stellt er klar. Prächtige Gewänder für die Gottesmutter und dem auf ihrem Schoß sitzenden Kind werden in einem Schrank in der Sakristei aufbewahrt. Und so war es glücklicherweise nur das Kleid der Gottesmutter, das verbrannte, als 1769 bei einem furchtbaren Gewitter auf dem Berg ein Blitz in die Gnadenkapelle einschlug und der Altar brannte. Ein gewisser Pater Anselm Greinwald schaffte es damals in letzter Minute, die Muttergottesstatue vor dem wütenden Feuer zu retten.

Von einer weiteren Kuriosität erzählt Hochenauer. Es war von jeher schon immer das Bedürfnis eines jeden Wallfahrers, an dem Ort, zu dem er gepilgert war, ein Zeichen zu setzen. Votivtafeln, Bilder und Rosenkränze wurden daher zahlreich auf den Berg getragen. Bei der umfangreichen Renovierung der Gnadenkapelle von 2006 bis 2012 fand man beim Abtragen der verschiedenen Farbschichten an den Wänden aber etwas ganz Besonderes: Unzählige Namen von Pilgern aus früheren Zeiten standen darauf. „Viele Wallfahrer haben sich hier auf den Wänden signiert“, berichtet Hochenauer. Wenn dann die Wände vollgeschrieben waren, wurden sie kurzerhand übertüncht, um Platz zu schaffen für weitere Namen von Pilgern. Zur Blütezeit der Wallfahrt im 18. Jahrhundert kamen vom späten Frühjahr bis in den Herbst über 40.000 Pilger auf den Berg – viele Namen folglich für die Wände.

Heute liegt in der Gnadenkapelle ein Buch aus, in dem man seine Gedanken hineinschreiben kann. „Was für ein wunderbarer Ort“, ist da unter anderem zu lesen.

Text: Regina Wahl-Geiger, Mitarbeiterin der Münchner Kirchenzeitung

Pfarrverband Peiting-Hohenpeißenberg
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Robert Kröpfl, Pfarrverbandsleiter
Paul Nwandu, Pfarrvikar
Dietmar Pohl, Hauptberuflicher Diakon
Thomas Tralmer, Pastoralreferent
Siegfried Bleichner, Seelsorgemithilfe