Die Königin aller Instrumente Die Orgel als Kircheninstrument schlechthin

Die Orgel ist heute unverzichtbarer Bestandteil der christlichen Liturgie. Auftragswerk für die Kirche war sie jedoch nie. Erst ab 1600 sprach sich die Kirche offiziell für die Orgel als Kircheninstrument aus und ihre Bedeutung wuchs stetig. Eine kleine Geschichte eines großen Intruments.
 
Michaelsorgel in der Jesuitenkirche St. Michael in München
Orgel, St. Michael München
Die Orgel gilt als Königin der Instrumente und ist untrennbar mit der christlichen Liturgie verbunden. Doch bis dahin war es ein langer Weg: „Die Orgel geht auf das dritte Jahrhundert zurück“, erklärt Diözesanmusikdirektor Prof. Stephan Zippe. Ein griechischer Techniker erfand das Instrument, das damals völlig anders ausgesehen haben mag als heute, doch das Prinzip hat sich kaum verändert: „Die Pfeifen erzeugten durch Luftdruck Töne. Da der Luftdruck durch Wasser erzeugt wurde, sprach man damals von einer Wasserorgel“, weiß der Experte.

Dass die Orgel zu dem Kircheninstrument schlechthin wurde, war eher Zufall. Zumindest gibt es keinen konkreten Anlass. Man könne bei der Orgel also nicht von einem Auftragswerk für die Kirche sprechen. Bereits zu Zeiten der Antike wurde die Orgel zur Umrahmung zeremonieller Anlässe verwendet, jedoch nicht im christlichen Kontext. Bis dahin war es noch ein langer Weg.
 
Orgel der Pfarrkirche St. Martin in Flintsbach
Orgel St. Martin, Flintsbach
Ehrenplatz auf der Westempore

Obwohl die Orgel ihren Ursprung in Alexandrien hat, hat sie bis heute keinen Eingang in die Liturgie der Ostkirche gefunden. Dort ist man der Ansicht, das Lob Gottes könne nur durch die Stimme und nicht durch ein Instrument erklingen. Im 8. Jahrhundert machte der byzantinische Kaiser Konstantin V. dem Frankenkönig Pippin dem Kleinen eine Orgel zum Geschenk. So erhielt die Orgel Einzug in den weltlichen Kulturkreis, wurde jedoch zunächst nur im weltlichen Sinne genutzt, um die Macht des Königs darzustellen und Zeremonien zu umrahmen. Im Jahr 1077 ist eine der ersten sakralen Orgelbauten im deutschen Kloster Weltenburg belegt und erst ab 1600 hat sich die Kirche offiziell für die Orgel als Kircheninstrument ausgesprochen.
 
Stephan Zippe
Prof. Stephan Zippe,
Diözesanmusikdirektor der Erzdiözese
Den optischen Reiz macht laut Prof. Zippe aus, dass die Orgel neben dem Altar einen der größten Einrichtungsgegenstände darstellt. Deshalb habe die Orgel bald einen Ehrenplatz auf der Westempore bekommen. Der Prospekt, also die Frontansicht der Orgel, könne besondere Akzente setzen, indem sie dem Baustil der Kirche entspreche oder durch seine Form und Gestaltung besonders hervorsteche. Der Klang des Instrumentes besticht durch seine Vielseitigkeit: Je nach Anlass könne es mal laut und feierlich, aber auch leise im Hintergrund erklingen. Die verschiedenen Klangkombinationen machten die Orgel einmalig.

Daraus ergibt sich auch ihre besondere Bedeutung für die Liturgie, weshalb sie im Zweiten Vatikanischen Konzil namentlich erwähnt ist: „Die Pfeifenorgel soll in hohen Ehren gehalten werden.“ Das hat mehrere Gründe: „Einerseits sorgt sie bei Gottesdiensten für die Feierlichkeit, andererseits motiviert die Orgel die Gemeinde zum Singen oder dient zur Begleitung von Chören und Kantoren.“
 
KiMu - Orgeln im PV
Orgelpfeifen, Pfarrverband St. Vinzenz/St. Clemens, München
Transzendente Dimension

Auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. betont in einem Text die Bedeutung der Orgel: „Durch das Orgelspiel im Gottesdienst werden die Kräfte des Kosmos geweckt.“ Damit schreibt er der Orgelmusik eine transzendente Dimension zu, die einen Zugang zum Jenseits ermöglicht.

Prof. Zippe faszinieren besonders die vielfältigen Möglichkeiten, die die Königin der Instrumente bietet: „Das findet man bei keinem anderen Instrument“, ist er sich sicher. Nur mit einer Orgel könne ein Einzelner dank der vielen Register ein ganzes Orchester zum Klingen bringen. Auch die akustische Bandbreite lässt den erfahrenen Kirchenmusiker nicht los: „Es können eine unfassbare Lautstärke und ungleich viele Töne erzeugt werden: Wenn man zehn Register zieht, können schonmal hundert Töne erklingen. Das ist mit keinem anderen Instrument möglich.“ Gleichzeitig sei der Organist mit seinem ganzen Körper gefordert: „Arme, Hände und Beine sind ständig in Aktion, zudem muss beim Spielen in einer schwebenden Sitzposition noch die Balance gehalten werden. Das ist schon sportlich“, meint er.

Bei aller Begeisterung - eine Lieblingsorgel will Zippe nicht benennen: „Das ist so, als wenn Sie einen Vater fragen, ob er ein Lieblingskind hat“, winkt er ab. Schließlich würde der ja auch an dem einen Kind eine Eigenschaft mögen und am anderen Kind eine andere. Elektronische Orgeln in Kirchenräumen lehnt er ab, meint ansonsten aber: „Wenn eine Orgel technisch gut in Schuss und gut intoniert ist, macht es Spaß, auf jeder Orgel zu spielen. Dann ist es egal, ob es ein romantisches, barockes oder vielleicht ein kleines Instrument ist.“
 
Text: Maximilian Lemli, Volontär Sankt Michaelsbund, September 2021
 

 
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