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„Die Menschen brauchen Ruhe“

Kardinal Marx: Nur wer sich Zeit nimmt, kann angesichts aktueller Fragen angemessen urteilen, reden und handeln
München, 6. August 2018. Wenige Tage nach dem Beginn der Ferienzeit in Bayern lädt Kardinal Reinhard Marx dazu ein, sich im Alltag regelmäßig Zeiten der Ruhe und des Nachdenkens zu nehmen. „Die Menschen brauchen Ruhe“, sagt der Erzbischof von München und Freising in einem Radiobeitrag für die Sendereihe „Zum Sonntag“ des Bayerischen Rundfunks, der am Samstag, 4. August, gesendet wurde. Der Sonntag als „Tag der Ruhe“ solle frei bleiben „von Arbeit und Konsum und so einen Gegenpol zum Alltag schaffen“. Die Feier der Eucharistie, zu der die Kirchen besonders am Sonntag einladen, wolle zeigen, dass „Gott den Menschen frei macht von allen Zwängen, die von außen kommen und die aus uns selber kommen.“
 
Gerade in der heutigen „zuweilen unruhigen und schnelllebigen“ Zeit sei der sonntägliche Ruhetag ein „Signal“, das „wir nicht überhören sollten“, betont der Kardinal: „In den letzten Monaten gab es einige Debatten in der Öffentlichkeit, die mich manchmal mit ihrer Unruhe und Unklarheit etwas ratlos zurückgelassen haben. Mein Eindruck wird stärker, dass wir doch in Zeiten leben, in denen vieles auf dem Spiel steht, vor allem aber die Freiheit des Menschen.“ Zeit und Muße seien notwendig, um intensiv über wichtige Fragen nachzudenken und dann in der Lage zu sein, „die Zeichen der Zeit zu verstehen, zu unterscheiden und auch zu urteilen“. Weiter erklärt Marx: „Diese drei Punkte – verstehen, unterscheiden, urteilen – sind wesentlich für ein Denken, das dann auch wieder zum angemessen Reden und Handeln führen kann.“ Dafür brauche es jedoch „Zeit ebenso wie eine äußere und auch innere Freiheit.“
 
Auch die Ferien- und Urlaubszeit böte die Möglichkeit, „Erholung, Abwechslung und Abstand vom Alltag“ zu erfahren, sagt der Kardinal. Gerade bei Ausflügen in die Natur „können wir den Kopf frei machen und das Herz öffnen, um neu auf die Welt zu schauen und unseren Horizont zu erweitern.“ Zu arbeiten und sich in der Gesellschaft einzubringen, sei gut und wichtig, so Marx. Mit Blick auf die Zehn Gebote stellt er allerdings fest: „Interessanterweise lautet keines der Zehn Gebote:  ‚Du sollst arbeiten‘. Wohl aber gibt es ein Gebot, das auf die Schöpfungsgeschichte zurückgeht: ‚Gedenke, dass du den Sabbat heiligst.‘“ Dies deute darauf hin, dass die Menschen nicht zur Arbeit, wohl aber zur Ruhe aufgerufen werden müssten. Die „alltägliche Geschäftigkeit“ berge die Gefahr, dass Menschen sich darin verausgabten, sagt der Kardinal. „Arbeit kann auch ein Ersatz werden, sogar ein Ersatz für Religion.“ (ct)