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Erklärung der Freisinger Bischofskonferenz

Herbstvollversammlung der bayerischen Bischöfe in Freising vom 11. bis 12. November 2015
1. Asyl, Flucht und Integration
 
Vor dem Hintergrund der unvermindert hohen Zahl von Flüchtlingen und Asylsuchenden haben sich die bayerischen Bischöfe gegenseitig über die vielfältigen Anstrengungen im Raum der Kirche und das Engagement in ihren jeweiligen Diözesen informiert. Die Hinwendung zu Menschen in Not unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Ethnie oder Religionszugehörigkeit, die karitative Hilfe, die Begleitung, Betreuung, Beratung, Bildung und Seelsorge sind Kernaufgaben und Kernkompetenzen der Kirche. Mit Dankbarkeit und hoher Anerkennung sehen die Bischöfe, dass sich in Bayern Zehntausende hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter unermüdlich den aktuellen Herausforderungen stellen. Sie leisten damit auch einen unschätzbaren Beitrag zur Integration der neu angekommenen Menschen und zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft.
 
Die Freisinger Bischofskonferenz geht davon aus, dass die Integration die vordringliche Aufgabe unserer Gesellschaft und damit auch der katholischen Kirche sein wird. Auf diesem Feld, etwa der Frage, wie die Flüchtlinge Arbeitsplätze finden können, wird sich entscheiden, ob unsere Gesellschaft die vor ihr liegenden Herausforderungen bewältigen kann. Bereits heute gibt es unter dem großen Dach der Kirche mit ihrer Caritas, ihren Verbänden, neu entstandenen Kreisen Ehrenamtlicher und auch an kirchlichen Schulen oder Kindertagesstätten eine Vielzahl von beispielhaften Projekten und Hilfeleistungen. Sie reichen von Deutschkursen, Berufsausbildung, Asylsozialberatung bis hin zu Schwimmkursen oder Fußballmannschaften. Die bayerischen Bischöfe bekräftigen den Appell, der vom Hirtenwort bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda ausgegangen war, danken allen Helfern und bitten sie: Bleiben Sie engagiert, lassen Sie sich von Hindernissen und Schwierigkeiten nicht entmutigen!
 
Die Diözesen sind dabei, Weichenstellungen für die weitere Verstärkung ihrer Bemühungen zu treffen und ihr bereits hohes Engagement nochmals zu intensivieren. Um ihr zukünftiges Handeln vorzubereiten und planen zu können, sind sie auf Informationen darüber angewiesen, welche Menschen zu uns kommen und welcher Bedarf dadurch entsteht. Die Bischöfe vertrauen darauf, dass die Handelnden in Politik und öffentlicher Verwaltung in ihren Bemühungen vorankommen und für einen entsprechenden Kommunikationsfluss sorgen.
 
Mit Sorge beobachten die Bischöfe, dass sich die öffentliche Diskussion zunehmend polarisiert. Die Gesellschaft benötigt indes eine differenzierte und ehrliche Debatte darüber, wie sie die Integrationsleistung erbringen will, wie viele Menschen in unserem Land aufgenommen werden können, welche Folgen dies für Wirtschaft und soziale Sicherungssysteme haben könnte. Wir werden nicht alle Notleidenden dieser Welt in Deutschland aufnehmen können. Aber diejenigen, die zu uns nach Europa kommen, müssen wir menschenwürdig behandeln. Die Bischöfe appellieren an die politisch Verantwortlichen in Europa, sich dieser Frage gemeinsam konstruktiv zu stellen und gleichzeitig auch die Ursachen der Flucht zu bekämpfen. Ebenso müssen die Länder in der Nachbarschaft von Krisenregionen in ihrer Sorge für Flüchtlinge unterstützt werden. Die kirchlichen Hilfswerke leisten hier weltweit bereits Vorbildliches.

   
2. Bericht der Kinder- und Jugendhilfe in der bayerischen Caritas
 
In den Einrichtungen der Caritas und ihrer Fachverbände wurden bis zum Herbst dieses Jahres rund 2.500 Plätze zur Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge geschaffen. Dies sind neben Plätzen in der Inobhutnahme und der Erarbeitung von Perspektiven vor allem Plätze zur pädagogisch begleiteten Nachbetreuung. Dazu kommt, dass aufgrund der großen Menge die Träger auch viele Plätze in der Notversorgung der Jugendlichen angeboten haben. Die Bischöfe würdigen diese Bemühungen um die häufig auch schwer traumatisierten Jugendlichen, denen dadurch vielfach ein neuer Anfang und Wege in ein gelingendes Leben eröffnet werden.
      
   
3. Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
 
Die bayerischen Bischöfe wollen für die Weiterentwicklung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KUEI) Sondermittel in Höhe von 5,5 Millionen Euro bereitstellen. Diese sollen in strukturelle Maßnahmen und in die weitere Profilierung von Forschung und Lehre fließen. Die Universität strebt  unter anderem die Vollmitgliedschaft in der Deutschen Forschungsgemeinschaft an. Darüber hinaus plant die KUEI den Aufbau eines Kompetenzzentrums für Flucht und Migration. Dieses soll fächerübergreifend Forschung, Lehre und Praxis bündeln und damit eine integrative Perspektive auf das Themenfeld Flucht und Migration eröffnen.
 
Die Bischöfe begrüßen es als wichtigen Beitrag für die Integration, dass die KUEI Flüchtlingen ab sofort die Möglichkeit bietet, als Gast an Lehrveranstaltungen in nicht-zulassungsbeschränkten Studiengängen teilzunehmen. Dazu können sich Interessierte kostenlos als Gasthörer einschreiben, sofern sie über eine Hochschulzugangsberechtigung sowie gute Deutsch- oder Englischkenntnisse verfügen.
 
Die Bischöfe gratulieren der Initiative „Tun Starthilfe“, die 2012 von Eichstätter Studierenden gegründet wurde, zur Auszeichnung mit dem Bürgerpreis des Bayerischen Landtags. Durch Sprachunterricht und individuelle Begleitung, etwa bei Behördengängen oder Arztbesuchen, und in Kooperation mit den Sozialarbeitern der Caritas und den Gemeinden des Landkreises Eichstätt stehen die Studenten Flüchtlingen zur Seite.
 
In seiner Funktion als Vorsitzender des Stiftungsrats der KUEI berichtete Weihbischof Anton Losinger  über Vorhaben und Weiterentwicklungen an der Hochschule. Die Freisinger Bischofskonfenrenz dankt ihm für sein großes Engagement.
   
      
4. Rückblick auf die Weltbischofssynode
 
Der Vorsitzende hat die Freisinger Bischofskonferenz über die Ende Oktober in Rom zu Ende gegangene Weltbischofssynode zu Ehe und Familie informiert. Daraus ergab sich ein intensiver Austausch. Die bayerischen Bischöfe bekräftigen, dass die Ehe zwischen Mann und Frau, die offen ist für die Weitergabe des Lebens, die Grundlage für die Zukunft der Gesellschaft ist. 
   
      
5. 100 Jahre Patrona Bavariae
 
Die Bischöfe laden die Gläubigen im kommenden Jahr dazu ein, unter dem Motto „Mit Maria unterwegs – offen für Gottes Wort“ in Eichstätt zusammenzukommen und den Schutz der Gottesmutter zu erbitten. Am 7. Mai werden die Wallfahrer von sieben Ausgangspunkten aus zum Residenzplatz ziehen und dort mit den Bischöfen einen Gottesdienst feiern. Die Freisinger Bischofskonferenz hatte bei ihrer Vollversammlung im Herbst 2010 in Vorbereitung auf die 100-Jahrfeier Patrona Bavariae 2017 beschlossen, die Gläubigen jährlich zum gemeinsamen Gebet und zur Wallfahrt einzuladen. Im vergangenen Mai waren die Bischöfe gemeinsam mit den Gläubigen in Augsburg zu Maria, der Knotenlösern, gepilgert, die auch von Papst Franziskus verehrt wird. Die Abschlussveranstaltung wird im Jahr 2017 auf dem Münchner Marienplatz stattfinden.