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„Gott, der unbegreiflich ist, macht sich in Jesus zugänglich“

Kardinal Marx ruft zum Zeugnis auf für „Jesus, der sich nicht schämt, unser Bruder genannt zu werden“
München, 2. Februar 2020. Am Fest Darstellung des Herrn, auch Mariä Lichtmess genannt, hat Kardinal Reinhard Marx Christen dazu aufgerufen, „Zeugnis zu geben für Jesus, der sich nicht schämt, unser Bruder genannt zu werden“. Dass viele Menschen bereit seien, dieses Zeugnis abzulegen, habe sich bei der Eröffnung des Synodalen Wegs vom vergangenen Donnerstag bis Samstag gezeigt, so der Erzbischof von München und Freising am Sonntagabend, 2. Februar, in seiner Predigt im Münchner Liebfrauendom: Im Gottesdienst und im gemeinsamen Gebet sei deutlich geworden, dass der Auftakt zum Synodalen Weg vor allem „auch ein geistliches Ereignis“ gewesen sei.
 
Marx kritisierte, dass häufig „verharmlosend“ von Gott gesprochen werde – „als sei er unser Nachbar. Aber Vorsicht: Gott ist das absolute Geheimnis“, mahnte der Kardinal mit den Worten des Theologen Karl Rahner. Aber auch wenn Gott letztlich unbegreiflich bleibe, so habe er sich doch „zugänglich gemacht in der Gestalt Jesu: Das ist die Einladung, die im christlichen Glauben ergeht.“ Darin bestehe das Geheimnis der Menschwerdung, so der Erzbischof: In Jesus erscheine das Geheimnis Gottes „anziehend und doch erschütternd, unbegreiflich und doch so nah“.
 
Eröffnet wurde der Gottesdienst mit einer Kerzenweihe und einer Lichterprozession durch den Liebfrauendom. Zahlreiche Ordensleute waren gekommen, da das Fest Darstellung des Herrn seit 1997 auch als „Tag des geweihten Lebens“ begangen wird. Gestaltet wurde der Gottesdienst von den Domsingknaben und der Mädchenkantorei unter der Leitung von Gabriele Steck und Benedikt Celler mit der Missa de Angelis, Liedsätzen zum Gotteslob sowie Gesängen von Klaus Wallrath und Andreas Unterguggenberger.
 
Das Fest Darstellung des Herrn erinnert an die Darbringung Jesu im Tempel: Der jüdischen Tradition folgend, bringen Maria und Josef ihren erstgeborenen Sohn 40 Tage nach seiner Geburt in den Tempel, um ihn Gott zu weihen. Durch ein Geldopfer lösen sie ihn wieder aus. Der greise Simeon erkennt Jesus als Sohn Gottes und nennt ihn „Messias des Herrn“ und „ein Licht, das die Heiden erleuchtet“. Die Tradition der Lichterprozessionen entstand bereits im ersten Jahrtausend nach Christus, vermutlich auch in Anlehnung an Prozessionen in vorchristlicher Zeit. Aus der Lichtsymbolik erwuchs der Brauch, an diesem Tag die für das kommende Jahr benötigten Kerzen zu weihen.
 
Traditionell dauerte die liturgische Weihnachtszeit bis Mariä Lichtmess, erst die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils in den 1960er Jahren verschob ihr Ende auf das Fest Taufe des Herrn am Sonntag nach dem Dreikönigstag. In manchen Kirchen und Familien wird der Weihnachtsschmuck dennoch erst an Mariä Lichtmess abgenommen. Das Fest war lange Zeit auch im bäuerlichen Kalender ein wichtiger Termin, an dem die winterliche Arbeitspause endete. Knechte und Mägde bekamen ihren Lohn und konnten den Arbeitgeber wechseln. (ck)