„In allem geht es um Haltungsveränderungen“

Kardinal Reinhard Marx wirbt bei Vollversammlung des Diözesanrats um Reformen in der Kirche
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Moosburg, 12. März 2022. Bei der Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken am Samstag, 12. März, in Moosburg hat Kardinal Reinhard Marx für Reformen und eine Haltungsänderung in der Kirche geworben. „In allem geht es um Einstellungs- und Haltungsveränderungen gegenüber den Menschen“, sagte der Erzbischof von München und Freising. Das gelte auch gegenüber Betroffenen sexuellen Missbrauchs: „Nicht nur der Bischof ist aufgefordert, sich von den Betroffenen in Frage stellen zu lassen, sondern auch die anderen, die Priester, die Verantwortlichen, die Gremien. Dem müssen wir uns stellen und sehen, was das bedeutet.“ Das im Januar vorgestellte Gutachten zu Missbrauch in der Erzdiözese sei ein „wichtiger Baustein der Aufarbeitung“ und in seiner Konkretheit „heilsam“. Es habe unter anderem deutlich gemacht, „dass wir ganz anders auf die Betroffenen zugehen müssen“.
 
Kardinal Marx forderte auch, Kirche müsse sich den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen stellen: „Wahre Kirche kann man nicht erkennen an schöner Liturgie, sondern daran, Zeichen des Reiches Gottes zu sein.“ Die Situation in der Welt „im Kleinen und im Großen muss der Ausgangspunkt sein“. Als Beispiele nannte der Erzbischof den Krieg in der Ukraine sowie die Klimakrise und die Corona-Pandemie. „In dieser Situation wird noch sichtbarer, wofür wir als Kirche da sind, in einer Welt, die Zusammenhalt, Frieden, Hoffnung braucht. Die Kirche ist nicht für sich selbst da. Wenn sie die Aufmerksamkeit für das verliert, was in der Welt geschieht, ist sie sinnlos geworden.“ Das gelinge jedoch nur, wenn die Kirche offen für Reformen sei: „Hörbar bleiben geht nur mit einer erneuerten Kirche.“
 
Mit Blick auf den Ukraine-Krieg würdigte der Erzbischof die große Solidarität in der Gesellschaft. Er sehe, dass die Hilfsbereitschaft „geradezu explodiert“, und danke allen „für das, was schon getan wird und was noch lange unsere Verpflichtung sein wird“. Kardinal Marx ermutigte alle Gläubigen dazu, „in Zusammenarbeit mit der Caritas, mit den Kommunen wirklich hinzuschauen: Was können wir tun?“. Auch daran werde deutlich, „was es bedeutet, Zeichen des Reiches Gottes zu sein“.
 
Kardinal Marx würdigte zudem den deutschlandweiten Synodalen Weg und betonte, er sei „Teil des gesamten Aufarbeitungsprozesses“ und mache es möglich, „einen Aufbruch zu wagen in eine Veränderung der Haltung von Kirche“. In der Erzdiözese solle zeitnah eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden, die sich mit den bereits beschlossenen Texten des Synodalen Weges und ihrer Umsetzung in der Erzdiözese befassen solle, unter anderem mit einem Beschluss für mehr Gewaltenteilung in der Kirche. Es solle deutlich werden: „Der Synodale Weg hat jetzt schon Entscheidungen gefällt, die umgesetzt werden können.“
 
Zuvor hatten sich die Delegierten mit dem Schwerpunktthema „Armut – Gerechtigkeit statt Almosen! Recht auf ein Leben in Würde für alle“ befasst. missio-Präsident Wolfgang Huber sprach über globale Armut und die Vorständin des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising, Gabriele Stark-Angermeier, über Armut hierzulande, bevor sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Ansätzen zur Armutsbekämpfung befassten und Anstöße für politisches und kirchliches Handeln diskutierten. Auch der Generalvikar der Erzdiözese, Christoph Klingan, tauschte sich bei der Vollversammlung mit den Delegierten aus. Zum Abschluss feierten sie mit Kardinal Reinhard Marx einen Gottesdienst in der Kirche St. Kastulus. Der Diözesanrat der Katholiken ist das oberste Laiengremium der Erzdiözese. Die mehr als 200 Mitglieder des Diözesanrates treffen sich jeweils im Frühjahr und im Herbst zu ihren Vollversammlungen. (uq/bs)

 
Zwei weitere Ausgestaltungsprojekte wurden bereits im Rahmen des Gesamtstrategieprozesses angestoßen: Die Nutzung von kirchlichen Gebäuden durch Pfarreien sowie durch andere kirchliche Anbieter und Träger soll künftig zusammengedacht werden, um eine Immobilienstrategie zu entwickeln, die die Reduzierung der hohen Baulast zum Ziel hat, die die Erzdiözese und die Kirchenstiftungen tragen. Zudem soll die Wirksamkeit kirchlicher Angebote künftig anhand festgelegter Kriterien bewertet werden, um auf dieser Basis über den Einsatz von Ressourcen so zu entscheiden, dass sie eine möglichst große Wirkung erzielen.
 
„Mit diesen Projekten gehen wir weitere wichtige Schritte in der strategischen Neuorientierung unserer Erzdiözese“, betonte Klingan. „Wir sind bereit, uns den aktuellen und künftigen Herausforderungen zu stellen in einer Gesellschaft, die sich rasant wandelt und in der Kirche ihren Platz neu definieren muss.“ Besonders hob er das Ausgestaltungsprojekt zur Stärkung des Ehrenamts hervor: „Der größte Schatz der Kirche sind die Menschen, die Zeugnis für die christliche Botschaft ablegen. Die Arbeit der freiwillig Engagierten und Ehrenamtlichen, ihre Präsenz vor Ort, ihre Ideen und Kreativität können wir gar nicht hoch genug schätzen. Dieses unverzichtbare Engagement wollen wir nach Kräften fördern und unterstützen.“ So sollten beispielsweise Bildungsangebote gestärkt und die technischen Möglichkeiten der Ehrenamtlichen verbessert werden.
 
Zuvor hatten sich die Delegierten mit dem Schwerpunktthema „Armut – Gerechtigkeit statt Almosen! Recht auf ein Leben in Würde für alle“ befasst. missio-Präsident Wolfgang Huber sprach über globale Armut und die Vorständin des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising, Gabriele Stark-Angermeier, über Armut hierzulande, bevor sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Ansätzen zur Armutsbekämpfung befassten und Anstöße für politisches und kirchliches Handeln diskutierten. Auch der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, tauschte sich bei der Vollversammlung mit den Delegierten aus und feierte zum Abschluss mit ihnen einen Gottesdienst in der Kirche St. Kastulus.
 
Der Diözesanrat der Katholiken ist das oberste Laiengremium der Erzdiözese. In die Vollversammlung werden Vertreter der Dekanatsräte, die sich wiederum aus Vertretern der Pfarrgemeinderäte zusammensetzen, sowie Vertreter der katholischen Verbände und Organisationen entsandt. Die mehr als 200 Mitglieder treffen sich zweimal jährlich zu ihren Vollversammlungen. (uq/bs)