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Kardinal Wetter: „Der Friede sei mit euch“

Predigt anlässlich der Feier des 50. Jahrestags der Bischofsweihe von Kardinal Friedrich Wetter
Bischofsjubiläum Kardinal Wetter
Kardinal Friedrich Wetter (r.) mit dem Apostolischen Nuntius Nikola Eterovic. © EOM/Klinger
München, 1. Juli 2018. Kardinal Friedrich Wetter predigte am Sonntag, 1. Juli, beim Festgottesdienst anlässlich des 50. Jahrestags seiner Bischofsweihe. Den Festgottesdienst im Münchner Liebfrauendom feierte der emeritierte Erzbischof des Erzbistums München und Freising gemeinsam mit seinem Amtsnachfolger Kardinal Reinhard Marx. Domchor und Dombläser gestalteten die Messe musikalisch unter anderem mit der Missa de angelis von Wolfram Menschick.
 
Wetter erinnerte daran, dass er vor 50 Jahren als Wahlspruch seines bischöflichen Wirkens „Der Friede sei mit euch“ gewählt habe. Dieser österliche Gruß sei „die dichteste Zusammenfassung des Evangeliums: Als Friede, als Heil der Welt vom Vater geschenkt, tritt Jesus in die Mitte seiner Jünger“. Mehr als sich selbst – nicht nur in der Menschwerdung, sondern im Tod am Kreuz und der Auferstehung – könne Gott nicht schenken, erläuterte Wetter in seiner Predigt. Die Osterbotschaft gelte der ganzen Welt, daher sende Jesus seine Jünger aus und diese Sendung gehe weiter in den Nachfolgern der Apostel, den Bischöfen, „damit seine Botschaft zu allen Menschen gelange bis ans Ende der Welt“. In seinem Wahlspruch komme zum Ausdruck, in welcher Sendung der Bischof stehe und mit welch hoher Aufgabe er betraut sei.
 
Der Auftrag Jesu an die die Apostel, Menschenfischer zu sein, gelte auch für deren Nachfolger. Jesus sei es, der die Netze fülle, „wir aber müssen die Netze auswerfen, damit er sie füllen kann“, so der  Kardinal. „Ohne Jesus geht nichts. Das gilt für alle Bereiche des kirchlichen Lebens.“ Da werde viel getan, mit bester Absicht und gutem Willen, trotzdem gebe es viel Leerlauf. „Darüber brauchen wir uns nicht zu wundern. Was wir nicht in Jesu Namen, sondern auf eigene Faust hin unternehmen, läuft ins Leere.“ Er hoffe, dass das Netz, das er ausgeworfen habe, nicht leer geblieben sei. „Wie gefüllt es ist, wird sich erst zeigen, wenn ich es einmal aus dem Meer dieser Welt ans Ufer der Ewigkeit ziehen werde.“
 
Voller Dankbarkeit blickt Wetter auf sein bischöfliches Wirken zurück. „In diesen 50 Jahren habe ich viel Schönes erlebt, und viel Gutes ist geschehen. Ich denke an lebendige Pfarreien, tüchtige Priester und Diakone, treue Ordensleute, Laien in haupt- und ehrenamtlichen Aufgaben in Räten und Verbänden, an Familien und junge Menschen, die Leben in die Gemeinde gebracht haben. Ich kann das viele Gute gar nicht aufzählen.“
 
Gewiss seien ihm auch Enttäuschungen nicht erspart geblieben und er habe auch immer wieder seine Grenzen erfahren, räumte der Kardinal ein. Sorge bereite ihm seit Jahren der ständige Rückgang des kirchlichen Lebens. „Immer weniger Priester, weniger Ordensleute, weniger Teilnahme am Leben der Kirche, weniger Kraft, unsere Welt im Geist des Evangeliums mitzugestalten. Dieser Trend läuft schon lange, hat aber in diesen letzten Jahrzehnten an Wucht zugenommen, so dass sich manche fragen, ob die Kirche in der modernen Welt überhaupt noch zukunftsfähig ist.“ Um die Weltkirche müsse man sich nicht sorgen. „Doch der Rückgang bei uns stellt uns vor die Frage, woher diese Schwäche kommt. Nicht davon, dass sich der Herr von uns zurückgezogen hätte“, so Wetter. „Die Schwäche der Kirche kommt wohl von uns. Was fehlt uns? Der Apostel Paulus sagt: „Gleicht euch nicht dieser Welt an!“ (Röm 12,2). Wir müssen uns Christus angleichen. Christen leben anders, weil sie ihr Leben nach dem Leben Jesu Christi formen.“ (glx/kel)

Fotos: EOM/Klinger