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"Kirche ist eine Bewegung gegen die Angst“

Kardinal Marx feiert Gedenkgottesdienst in München zum 100. Geburtstag des Religionsphilosophen Eugen Biser
Gedenkgottesdienst zum 100. Geburtstag von Eugen Biser
Gedenkgottesdienst für Eugen Biser: Kardinal Marx segnet Gedenktafel in St. Ludwig. (Foto: Kiderle)
München, 12. Januar 2018. Bei einem Gedenkgottesdienst zum 100. Geburtstag Eugen Bisers hat Kardinal Reinhard Marx dazu aufgerufen, sich „neu inspirieren zu lassen von seiner Lebensgestalt und seiner Theologie“, und davor gewarnt, den 2014 verstorbenen Religionsphilosophen „zu musealisieren und ins Archiv einzusperren“. Bisers Werk und Leben könne auch heute wichtige Impulse „für den Weg des Glaubens, der Kirche und der Gesellschaft“ geben, so der Erzbischof von München und Freising am Freitag, 12. Januar, in der Universitätskirche St. Ludwig in München.
 
Für Biser ist laut Marx wesentlich gewesen, „eine Theologie zu schreiben und ein Zeugnis abzulegen gegen die Angst“. Und es sei „klar, dass die Angst vor dem Anderen, gewissermaßen auch vor Gott, Ursache ist für das Übel in der Welt, für die Gewalt, für die Sünde“. So sei die „Kirche eingeladen, eine Bewegung gegen die Angst zu sein“, sagte der Kardinal und betonte: „Alle Bewegungen in der Kirche und in der Gesellschaft, die mit Ängsten spielen und Ängste schüren, liegen nicht auf der Linie des Evangeliums.“
 
Als einen entscheidenden Punkt für die Zukunft der Theologie benannte Kardinal Marx das „Element der Erfahrung, der Biografie und auch der gesellschaftlichen Erfahrung“. Der Glaube sei „kein intellektueller Prozess, sondern eine Lebenserfahrung, eine Lebenserweiterung“, erklärte Marx. Gerade auch das Werk Eugen Bisers ermutige dazu, die „Zeichen der Zeit“ zu erkennen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. Für ein tieferes Verstehen des Zweiten Vatikanischen Konzils, wie es sich gerade unter dem Pontifikat von Papst Franziskus vollziehe, könne der vor hundert Jahren geborene Religionsphilosoph ein wichtiger Wegbegleiter sein.
 
Im Anschluss an den Gottesdienst enthüllte Kardinal Marx eine Gedenktafel in St. Ludwig, wo Eugen Biser 27 Jahre lang als Universitätsprediger wirkte. Der am 6. Januar 1918 im südbadischen Oberbergen geborene Fundamentaltheologe und Philosoph arbeitete nach seiner Habilitation an den Universitäten Passau und Würzburg, bevor er 1974 als Nachfolger von Karl Rahner für den einst für Romano Guardini geschaffenen Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie an die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) berufen wurde. Biser hatte den Lehrstuhl bis zu seiner Emeritierung 1986 inne, 25 Jahre lang leitete er zudem das von ihm aufgebaute Seniorenstudium an der LMU. Am 25. März 2014 starb Eugen Biser im Alter von 96 Jahren. (ck)