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Tagebuch Kardinal Faulhabers aus dem Jahr 1946 online

Einträge dokumentieren politische und gesellschaftliche Situation in Deutschland und Bayern
München, 7. Mai 2019. Seit 2015 werden die Tagebücher von Kardinal Michael von Faulhaber, Erzbischof von München und Freising von 1917 bis 1952, online veröffentlicht – jetzt sind die Einträge aus dem Jahr 1946 erschienen. Das Tagebuch aus diesem Jahr ist seit Dienstagnachmittag, 7. Mai, vollständig auf der Internetseite des Faulhaber-Online-Editionsprojekts www.faulhaber-edition.de zugänglich.
 
Die Einträge von 1946 beschreiben unter anderem Differenzen zwischen katholischen Medizinern und Geistlichen in der Frage über die Zulässigkeit von Schwangerschaftsabbrüchen bei vergewaltigten Frauen sowie die dramatische Lage russischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter, die sich der Rückholung in die Sowjetunion widersetzten. Dokumentiert werden auch die verbreitete Furcht vor der Ausbreitung des Kommunismus in Deutschland und Bayern und Faulhabers Ansichten zur Zukunft der Juden in Deutschland. Weitere Themen sind die Zusammenarbeit zwischen der katholischen Kirche und der bayerischen Sozialdemokratie und die Kontakte des Kardinals zur US-amerikanischen Besatzungsmacht. Bei den Aufzeichnungen aus dem November steht ein Konflikt um einen Weihbischof des Erzbistums im Vordergrund, dem unter anderem vorgeworfen wurde, mit der Gestapo kollaboriert und dabei das Domkapitel unterwandert zu haben.
 
Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten, zwölfjährigen Projekts „Kritische Online-Edition der Tagebücher von Michael Kardinal von Faulhaber (1911-1952)“ machen das Erzbischöfliche Archiv München, das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und das Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte in Münster die Tagebücher in einer umfangreich kommentierten Leseversion im Internet zugänglich. In den Tagebüchern Faulhabers sind Einträge zu etwa 52.000 Besuchen und Gesprächen notiert; die Aufzeichnungen ermöglichen einen Einblick in große politische Zusammenhänge sowie in die Gedankenwelt Faulhabers. Verfasst wurden die Einträge zum größten Teil in der Kurzschrift „Gabelsberger“, die heutzutage nur noch wenige Experten entziffern können. Mit Mitteln, die der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, bereitgestellt hatte, konnten an der Ludwig-Maximilians-Universität München Kurse zur Erlernung dieser Stenographie-Form eingerichtet werden. Die Tagebücher fielen erst im Jahr 2010 an den Erzbischöflichen Stuhl zurück, seit April 2012 sind sie der Forschung zugänglich. Bereits vollständig online abrufbar sind neben dem jetzt veröffentlichen Tagebuch die Jahrgänge 1911 bis 1919, 1933 bis 1935 und 1945. (ct)