Kirchenmusik vermag Herzen zu öffnen, Menschen zu verbinden und erfüllt einen zentralen Auftrag: den Glauben hörbar zu machen. Wie wir diesen Auftrag mit Leben füllen und damit Gottesdienste weit über die Grenzen unserer Erzdiözese hinaus prägen.
Verkündigung, historisches Erbe, Auftrag für Zukunft und Gesellschaft: Musik spielt eine elementare Rolle in unserem Erzbistum – und Kirchenmusik eine prägende in Kirche und Gesellschaft. Sie ist integrierender Bestandteil der Liturgie, bringt also Menschen mit der Liturgie in Einklang und macht sie erlebbar. Sie begleitet Menschen in allen Lebenssituationen und trägt zur kulturellen Identität über die Grenzen der Kirche hinaus bei.
Die Kirchenmusik hat ihre Wurzeln in der Kraft des Gebets und ihre Geschichte reicht bis in die Anfänge der Christenheit zurück. Der Papyrus Oxyrhynchus XV 1786, das älteste erhaltene Manuskript eines christlichen Hymnus, stammt aus der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts. Vom Gregorianischen Choral des Frühmittelalters bis hin zu zeitgenössischen Formen hat die Kirchenmusik in der gesamten Musikgeschichte Spuren hinterlassen. Noch immer besitzt sie die Kraft, das Evangelium hör- und spürbar zu machen und uns in eine besondere Stimmung zu versetzen.
Wofür ist Kirchenmusik eigentlich da? Sie öffnet Herzen, schenkt Momente der Ruhe und hilft, den Alltag hinter sich zu lassen. Ihre eigentliche Aufgabe jedoch ist die Verkündigung: Kirchenmusik macht das Wort Gottes hörbar und spürbar. Im Gottesdienst gibt sie den Gläubigen die Möglichkeit zur aktiven Teilnahme – vor allem durch das gemeinsame Singen. Die Gemeinde wird so zum handelnden Akteur, eine Entwicklung, die durch das Zweite Vatikanische Konzil nachhaltig gefördert wurde.
Über die Grenzen hinaus bekannt und maßgeblich für die Praxis im ganzen deutschen Sprachraum ist das Münchener Kantorale. Inzwischen umfasst es mehrere Bände und gehört zu den zentralen Publikationen der Kirchenmusik im Erzbistum München und Freising. Es gilt als wichtige Orientierung für die musikalische Gestaltung der Liturgie. Neben den Druckausgaben stehen auch Online-Formate und Begleitmaterialien für Orgel, Bläser und Instrumentalgruppen zur Verfügung.
Das Erzbistum München und Freising leistet einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung und Förderung kirchenmusikalischen Nachwuchses. Dazu gehören die D- und C-Ausbildung für nebenamtliche Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker, die Münchener Kantorenschule mit ihren Kursen und Prüfungen sowie ein breites Spektrum an Fortbildungsangeboten für Chorleitung, Orgelspiel, Gregorianik und weitere Bereiche. Auch die Arbeit im Kinder- und Jugendchorbereich ist ein wichtiger Pfeiler der Förderung. Darüber hinaus werden in regelmäßigen Abständen „Tage Neuer Kirchenmusik“ veranstaltet, um das zeitgenössische Repertoire zu erweitern und die Kirchenmusik zukunftsweisend weiterentwickeln.
Die Orgellandschaft im Erzbistum München und Freising zeichnet sich durch eine besondere stilistische Vielfalt aus. Historische Instrumente aus Gotik, Barock und Romantik sind ebenso präsent wie Orgeln der klassischen Orgelbewegung des 20. Jahrhunderts oder symphonische Neubauten der Gegenwart. In den letzten Jahrzehnten haben Restaurierungen die klangliche Substanz vieler Altinstrumente bewahrt, während zahlreiche Neubauten – von barock inspirierten Schleifladenorgeln bis hin zu großen symphonischen Konzertinstrumenten mit innovativer Technik – neue Akzente setzen.
So finden sich in unserem Erzbistum Orgeln im süddeutsch-barocken Stil, neobarocke Instrumente aus der Nachkriegszeit, romantische Orgeln des 19. Jahrhunderts sowie moderne Neubauten, die deutsche Romantik und französisch-symphonische Klangideale verbinden. Diese Vielfalt spiegelt nicht nur verschiedene Epochen der Orgelbaukunst, sondern macht das Erzbistum auch zu einer einzigartigen Klanglandschaft.
Die diözesane Kirchenmusik begleitet Pfarreien dabei mit Fachgutachten und Beratung in allen Fragen rund um Planung, Restaurierung, Ausschreibungen und Pflege. So wird gewährleistet, dass dieses unvergleichliche Kulturgut bewahrt und zugleich weitergedacht wird.
Was wäre unser Erzbistum ohne ihren Klang? Glocken aus zehn Jahrhunderten läuten auf unseren Kirchtürmen. Immer wieder kommen auch neue hinzu, die sich nicht nur klanglich, sondern auch in eine faszinierende Geschichte einreihen. Warum es sich lohnt, genauer hinzuhören (auch möglich über die „Nationale Glockendatenbank“) und wo Glocken mit besonderer Geschichte hängen.
Kirchenmusik lebt von Menschen, die sie tragen. Im Erzbistum München und Freising sind tausende Chorsängerinnen, Chorsänger und Musiker aktiv. In fast allen Chor- und Musikgruppen lässt sich Zuwachs verzeichnen, wie die seit 2019 jährlich erhobene Statistik belegt:
Gemeinsam zu singen und zu musizieren, schafft Gemeinschaft und Identität – in Gottesdiensten ebenso wie in Konzerten. Das gemeinsame Lied verbindet Generationen und prägt unsere Gesellschaft weit mehr, als es vielen bewusst ist. Kirchenmusik stiftet Begegnung, Freude und Glauben – und wirkt damit weit über die Kirche hinaus in das öffentliche Leben hinein.
Leitung: Prof. Stephan Zippe
Schrammerstraße 3
80333 München