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Dorfen - Mittelalterliches Flair im Isental

Marktplatz Dorfen
Aufn.: Giordano
Die Kleinstadt Dorfen liegt etwa 50 Kilometer östlich von München und knapp 35 Kilometer südlich von Landshut. Sie gehört heute zum Landkreis Erding und ist eingebettet in die hügelige Landschaft des Isentals. Der Stadtkern stammt aus dem 13. Jahrhundert. Trotz einiger Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg sind bis heute noch drei der vier mittelalterlichen Stadttore erhalten, Bürgerhäuser mit Fassaden aus Barock und Biedermeier säumen den länglichen Marktplatz. Das älteste erhaltene Haus ist die am westlichen Teil des Marktplatzes gelegene Waitl-Stubn (heute: Waitl Gaststätte) aus dem 14. Jahrhundert. Es lohnt sich, dieser einen Besuch abzustatten, die frühere Architektur ist noch gut erhalten, zudem wird dort erlesene bayerische Küche serviert.
 
Zwei Kirchtürme prägen das Relief Dorfens: Aus dem Zentrum sticht der hohe, schlanke Turm der Marktkirche mit barocker Zwiebelhaube hervor. Die Kirche stammt aus dem 14 Jahrhundert. Einzigartig ist im Inneren das Deckenfresko mit der historischen Ortsdarstellung von 1799. Jedes Jahr werden Anfang Dezember anlässlich des Dorfener Christkindlmarktes Führungen mit Besteigung des Kirchturms angeboten, von oben hat man einen schönen Blick auf die Dorfener Altstadt.
 
Stadttor
Aufn.: Giordano
Dorfen
Einen noch weitläufigeren Blick über Dorfen und sein Umland gewährt der Aussichtspunkt vor dem Pfarrhaus der zweiten und wichtigsten Kirche Dorfens. Mariä Himmelfahrt steht auf einem Hügel, dem so genannten Ruprechtsberg. Die Kirche wurde 1784 in ihrer heutigen Form erbaut, allerdings stand bereits im Hochmittelalter an dieser Stelle eine Kapelle. Historiker vermuten, dass im 15. Jahrhundert erste Wallfahrten stattgefunden haben. 1707 wurde nach dem Urteil einer bischöflichen Prüfungskommission das dortigen Marienbildes als wundertätig erklärt, woraufhin der Pilgerzustrom deutlich zunahm. Der Höhepunkt der Wallfahrten wurde wenige Jahrzehnte später erreicht: Aufzeichnungen zufolge empfingen im Jahr 1785 rund 58.000 Pilger in Dorfen die Kommunion, zwischen April und November wurden 5.400 Messen gelesen. Dorfen galt bis vor 100 Jahren als zweitgrößter Marienwallfahrtsort Bayerns (nach Altötting). Noch heute kann das historische Gnadenbild der Gottesmutter besichtigt werden: Es ist in den spätbarocken Altar eingebettet, der zugleich als bedeutendes Kunstwerk der Kirche gilt. Ursprünglich von Egid Quirin Asam erbaut, wurde er zwar im 19. Jahrhundert abgerissen, in den Sechziger Jahren jedoch aufwendig nach dem originalen barocken Vorbild rekonstruiert.

Entgegen der heutigen Verhältnisse war Mariä Himmelfahrt lange Zeit gar nicht die Hauptkirche, sondern nur Filialkirche der wohl noch etwas älteren Pfarrei im Stadtteil Oberdorfen. Die Kirche der Pfarrei Sankt Georg ist auf einem vom Stadtzentrum etwa zwei Kilometer entfernten Hügel errichtet. Der Weg führt durch ein Naturschutzgebiet, entlang an Mooren und wilden Wiesen, weshalb sich für Besucher eine fußläufige Besichtigung durchaus lohnt.
Der Kirchenbau stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist im spätgotischen Stil gehalten. Im Inneren schmücken ein spätbarocker Hochaltar und zwei Seitenaltäre im Rokokostil den Raum. Oberdorfen war bis 1813 ein mächtiger Pfarrsitz mit 16 Filial- und Nebenkirchen, woran auch der ansehnliche Pfarrhof erinnert, der im 17. Jahrhundert vom Münchener Hofbaumeister Domenico Zuccalli errichtet wurde.
 
Das über den Dorfener Umkreis hinaus geläufige Sprichwort: „Wen Gott hat verworfen, den schickt er nach Dorfen“, hat übrigens nur indirekt mit den traditionsreichen Kirchen zu tun. Weil es im 18. Jahrhundert für die Priester, die die vielen Wallfahrer betreuen sollten, kaum Unterkunftsmöglichkeiten in Dorfen gab, wurde westlich der Kirche ein neues Priesterhaus errichtet, das 1785 noch einmal erweitert wurde. Das Haus diente nicht nur der Unterkunft, sondern war zugleich auch ein Seminar, in dem junge Priester ausgebildet wurden. Als das Priesterseminar 1804 jedoch nach Landshut verlegt wurde, wurde aus dem Dorfener Haus eine „Genesungsheim“ in das Priester gebracht wurden, die sich leichte Verfehlungen zukommen hatten lassen. Das Sprichwort bezieht sich wahrscheinlich auf diese Zeit. 1852 wurde das Haus dann den Armen Schulschwestern übergeben, die dort den ersten Kindergarten Dorfens und eine Mädchenschule betrieben. Nach einer grundlegenden Renovierung in den 1910er Jahren und einer Modernisierung in den 70er Jahren dient das Haus heute als Alters- und Pflegeheim für die Schulschwestern aus der ganzen Region.
Text und alle Fotos: Giordano
 

Mariä Himmelfahrt
Ruprechtsberg 3
84405 Dorfen
Telefon: 08081-9313-0
Fax: 08081-9313-19
Mariae-Himmelfahrt.Dorfen(at)ebmuc.de
https://www.erzbistum-muenchen.de/pfarrei/pv-dorfen/maria-dorfen
Pfarrverband Dorfen
Janusz Gadek , Pfarradministrator
Gästebrief des Erzbistum München und Freising
Weitere Orte aus dem Erzbistum werden im Gästebrief 2019 vorgestellt.