"Gott braucht uns manchmal auf einem schwierigen Platz" Gerhard Hirschfelder – Ein Kurzportrait zum 80. Todestag

 
Gerhard Hirschfelder, ein beliebter Jugendseelsorger, ließ an seiner entschiedenen Haltung gegen das nationalsozialistische Regime keinen Zweifel. So wird er 1941 von der Gestapo verhaftet und kurz darauf in das KZ Dachau verbracht, wo er 1942 an völliger Entkräftung im Alter von nur 35 Jahren starb. Er wird 2010 in Münster seliggesprochen und gilt als Brückenbauer für die Gläubigen in Ost und West, zwischen Polen, Tschechien und Deutschland. Sein Todestag jährt sich heuer zum 80. Mal.
 
Gerald Hirschfelder
 
Gerhard Hirschfelder wird am 12. Februar 1907 in der schlesischen Stadt Glatz als uneheliches Kind der ledigen Maria Hirschfelder geboren. Nach dem Abitur 1927 am katholischen Gymnasium seiner Heimatstadt studiert er Philosophie und Theologie an der Universität Breslau. Er ist getragen von den Gedanken und Grundsätzen der reformorientierten katholischen Jugendbewegung „Quickborn“, die um 1910 entsteht und vor allem unter Gymnasiasten und Studierenden schnell viele Anhänger findet.

In Breslau wird Hirschfelder 1932 auch zum Priester geweiht, ist aber als Priesteramtskandidat der Grafschaft Glatz, die bis 1946 zum Erzbistum Prag gehört, Priester der Erzdiözese Prag. Hirschfelder beginnt seinen Dienst als Kaplan an der Pfarrkirche im niederschlesischen Tscherbeney, dem heutigen Czermna in Polen.

Gerhard Hirschfelder begeisterte die Jugend

Hirschfelders Sorge gilt insbesondere der Jugend seiner Heimat, und so wird er 1939 zum Jugendseelsorger der Grafschaft Glatz berufen. Bald schon ist er ein überaus beliebter Geistlicher, der es beispielsweise versteht, mehr als 2000 junge Menschen für eine Wallfahrt zu begeistern.
Seligsprechung von Gerald Hirschfelder 2010 im Dom zu Münster
Seligsprechung von Gerhard Hirschfelder 2010 im Dom zu Münster
Kaplan Hirschfelder verurteilt in seinen Predigten immer wieder die Ideologie des NS-Regimes, er wird deshalb mehrfach denunziert und verhört. Am 1. August 1941 wird er während einer Jugendstunde verhaftet und zunächst in das Gefängnis seiner Heimatstadt Glatz eingeliefert, am 15. Dezember 1941 schließlich in das KZ Dachau überstellt und dort inhaftiert. Hier verstirbt der junge Kaplan am 1. August 1942 völlig entkräftet und ausgehungert. 
 
Die Urne mit seiner Asche ist auf dem Friedhof von Tscherbeney beigesetzt, dem heutigen Czermna, wo Hirschfelder als Jugendseelsorger wirkte.

Jährliche Wallfahrt im münsterländischen Telgte zu Ehren des Seligen
 
Am 19. September 2010 wurde Kaplan Gerhard Hirschfelder im Dom zu Münster seliggesprochen. Am Ort seiner Grabstätte im polnischen Czermna gab es am 10. Oktober 2010 eine Nachfeier zur Seligsprechung. Im Bistum Münster fanden nach Ende des Zweiten Weltkriegs viele aus den vormaligen deutschen Ostgebieten vertriebene Menschen eine neue Heimat. So halten seit 1947 bis heute Gläubige, deren Familien und Angehörige aus der Grafschaft Glatz stammen, der Heimat Gerhard Hirschfelders, ihre jährliche Wallfahrt in Telgte bei Münster ab.
 
Der Gedenktag des Seligen Kaplans Gerhard Hirschfelder ist der 2. August.

Weitere Informationen unter www.kaplanhirschfelder.de
 
Text: Dr. Christiane Schwarz, Stabsstelle Kommunikation, Juni 2022
 

Gottesdienst zum Gedenktag der Märtyrer von Dachau

Im Jahr 2022 jährt sich bei 40 der insgesamt 57 Seligen Märtyrer von Dachau der Todestag zum 80. Mal. Ihrer wird beim Gottesdienst anlässlich des jährlichen diözesanen Gedenktags der Märtyrer von Dachau diesmal in besonderer Weise gedacht. Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, feiert den Gottesdienst am Sonntag, 12. Juni, um 9 Uhr in der Todesangst-Christi-Kapelle auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau.
 

"Zeugen für Christus - Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts"

Von Papst Johannes Paul II 1994 initiiert, versteht sich das "Martyrologium" als Teil des Gesamtprojektes der deutschen Märtyrergeschichte des 20. Jahrhunderts. In Zusammenarbeit mit den Bistümern und den Ordensgemeinschaften haben 160 Fachleute Lebensbilder von 900 katholischen Martyrern und Martyrerinnen erarbeitet und in vier Kategorien vorgestellt: die Blutzeugen unter Hitlers Terror; die Blutzeugen in der Zeit des Kommunismus; das martyrium puriatis von Mädchen, Frauen, Ordensschwestern und ihren Beschützern; die Blutzeugen aus den Missionsgebieten.