Schulpastoral in der Erzdiözese München und Freising

1.
Schulpastoral als „Dienst der Kirche an den Menschen im Handlungsfeld Schule“ steht für das vielfältige Engagement von Christinnen und Christen im Lebensraum Schule. Vorrangig durch das personale Angebot vor Ort wird der spezifische christliche Beitrag zur Humanisierung von Schulleben und Schulkultur realisiert.
Es geht der Schulpastoral als Grundvollzug der Kirche im Raum der Schule darum, die „heil und froh machende Wirkung christlichen Glaubens“ im Lebensraum Schule zu bezeugen und erfahrbar zu machen. Damit stellt sie die zweite Säule – neben dem RU – im Gesamtkonzept religiöser Bildung in der Schule dar. - Träger (1) und Adressaten schulpastoralen Handelns können alle Menschen im Lebensraum Schule sein: Schüler/-innen, Lehrer-/innen, Eltern und weitere Angestellte in Technik und Verwaltung; vor allem sind Religionslehrer/-innen aufgefordert, sich in der Schulpastoral zu engagieren.

Die Schulpastoralen Zentren (SPZ) unterstützen die schulpastorale Arbeit in den Schulen, in besonderer Weise in den RS, GYM, BS, da hier die Erzdiözese weder eine zuständige Person für schulische Belange hat (analog dem Schulbeauftragten für GS/HS/FöS) noch die Möglichkeit besitzt, an Religionslehrer/-innen Deputatsstunden für pastorales Engagement an der eigenen Schule zu vergeben.
Nicht gering zu schätzen ist dabei auch die Chance, Kirche durch die SPZ-Mitarbeiter/innen in den Schulen präsent zu halten. Zudem machen die SPZ eigene Angebote, insbesondere im Bereich der Lehrerfortbildung (einschließlich spiritueller Angebote) und der Projektbegleitung an Schulen. Gerade in den wachsenden Seelsorgeeinheiten können die SPZ eine Brückenfunktion übernehmen für Schule und Seelsorgeeinheit/Pfarrei (s.u.). Erste gemeinsame Projekte von Schule – Pfarrgemeinde/Dekanat – SPZ gibt es bereits.

2.
Die Schule als soziale Wirklichkeit, als Lern- und Lebensraum rückt durch die tief greifende Veränderung der Schullandschaft zunehmend ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Alle maßgeblichen gesellschaftlichen Interessensgruppen, v.a. die Wirtschaftsverbände, suchen ihren Einfluss im Raum der Schule geltend zu machen und Bildung aus der jeweiligen Perspektive mit zu prägen.

Durch die Schulpastoral kommen genuin christliche Wertvorstellungen im Rahmen von Schulentwicklung und Schulkultur ins Spiel, die konkret und glaubwürdig in der Praxis vor Ort erfahrbar sind.
Damit wird dem zunehmend engeren „Ausbildungsverständnis“ ein christlich geprägtes, ganzheitliches Bildungsverständnis korrigierend/ergänzend gegenübergestellt. Schul-pastorale Angebote ermöglichen das Einüben von Werthaltungen, denn Werte-Aneignung geschieht über das Tun (z. B. Compassionprojekt, Schulsanitäter, Streitschlichter, Tutorenarbeit, Zfu-Assistenten, Gewaltfreie Kommunikation), das professionell begleitet werden muss.

3.
In zunehmenden Maß sind Schulen ein Brennpunkt gesellschaftlicher Einflüsse und verschiedenster Notlagen, die durchaus ein Zeichen der Zeit im Sinne des Konzils darstellen (vgl. GS), durch die sich die Kirche in ihrem diakonischen Anspruch herausgefordert weiß.

Menschen, die sich in der Schulpastoral engagieren, sind oftmals die ersten (kirchlichen) Ans-prechpartner für Schüler/-innen, aber auch Eltern und Lehrkräfte. Es geht dabei einerseits um das schlichte Da–Sein im Sinne einer mitgehenden Pastoral, andererseits auch um Professiona-lität in der Einschätzung von Problemlagen und um kompetentes Handeln.

In der Begleitung, in spezifischen Arbeitskreisen, durch bedarfsgerechte Angebote zur Fort- und Weiterbildung und nicht zuletzt durch qualitätssichernde Maßnahmen versucht der Fachbereich Schulpastoral in Zusammenarbeit mit den SPZ die hier nötigen Kompetenzen seitens der kirchlichen Mitarbeiter/-innen aufzubauen, um auf die häufig komplexen Situationen angemessen reagieren zu können (z.B. in der Begleitung bei Tod und Trauer, bei regelmäßigen Gesprächsangeboten, kreativen und meditativen Gestaltungsformen, gottesdienstlichen Feiern, Leitung von Gruppen, bei der Su-che nach einem Ausbildungsplatz).

(1) Träger schulpastoralen Handelns können nur getaufte Katholiken sein.
4.
Jeder Unterricht, insbesondere der Religionsunterricht, hat auch einen persönlichkeitsbildenden Auftrag. Der Religionsunterricht enthält damit auch eine pastorale Dimension.
Dennoch ist Schulpastoral etwas grundlegend Anderes als Unterricht (2): Leitend ist die Tatsache, dass für viele Menschen - in steigendem Maß auch außerhalb des Unterrichts - die Schule zum täglichen Lebensraum geworden ist, der gestaltet sein will.
Ihrem situativen Ansatz folgend leistet die Schulpastoral, d.h. die mit ihr befassten und beauftragten Personen, durch ihre Angebote hier einen genuinen Beitrag.

Neue Herausforderungen aber auch Chancen für die pastorale Arbeit der Kirche ergeben sich durch die Einführung und den kontinuierlichen Ausbau der Ganztagsschule (GTS) in der gebundenen und offenen Form (3). Kinder und Jugendliche verbringen zukünftig noch mehr Zeit in der Schule.
Dazu sind Veranstaltungen (Unterrichtsstunden/ Vertiefungsstunden/Neigungsgruppen/ Arbeitskreise) in den schulischen Tagesablauf eingebunden, die bisher fast nur im außerschulischen Bereich – wie z. B. in der kirchlichen Jugendarbeit – zu finden waren. Hier gilt es, kirchli-cherseits qualifizierte, dem Anforderungsprofil entsprechende Angebote zu entwickeln, die durch Religionslehrer/-innen i. K. bzw. durch kirchliches Personal und evtl. ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen eingebracht werden können.
Es geht somit um komplementäre Ergänzung nicht um Konkurrenz z. B. zur Kirchlichen Jugendarbeit. In Kooperation von Schule – Pfarrei – Schulpastoral sollten zudem Formen der Sakramentenpastoral erprobt werden, welche die strukturellen Veränderungen berücksichtigen.

5.
Schulpastoral hat im Lebensfeld Schule vielfältigen Kontakt zu Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie hat zudem mehrheitlich mit Menschen zu tun, die wenig oder keinerlei Bindung an Kirchengemeinden haben und auch in der kirchlichen Jugendarbeit eher nicht vorkom-men (z.B. Haupt-, Förder- oder Berufsschüler/-innen).
Im Kontakt zu Mitarbeiter/-innen in der Schulpastoral besteht für einen großen Teil der Schüler/-innen der einzige verbliebene Berührungspunkt zur institutionellen Kirche und ihrer Vertreter/-innen.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das schulpastorale Engagement als glaubwürdiger und uneigennütziger Beitrag und zugleich als eine positive Gestalt von Kirche gesehen wird.

6.
Schulpastoral stellt ein Bindeglied zwischen Schule und außerschulischen Institutionen und Lernorten, insbesondere Kirchengemeinden und der kirchlichen Jugendarbeit dar (s.o.).
Schulpastoral lebt substantiell von Kooperation auf den verschiedenen Ebenen. Je nach Situation initiieren und vermitteln die in der Schulpastoral Tätigen auch die Kooperation von Schule und Gemeinde und sind um wechselseitige Information und Zusammenarbeit bemüht.
Gleichzeitig bereitet Schulpastoral im Raum der Schule durch ihr hilfreich empfundenes Angebot und ihren wertvollen Beitrag zum Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule den Boden für die Offenheit und das Interesse an religiösen Themen und kirchlichen Einrichtungen. Kirchliche Angebote von Jugendarbeit, Pfarrgemeinden, Bildungseinrichtungen und Beratungsstellen können so mit der Schule vernetzt werden.
Nicht zuletzt leistet sie auch ihren Beitrag zu einer höheren Akzeptanz von Kirche in einer säkularen Umgebung und stellt durch ihr Auftreten im öffentlichen Raum der Schule auch eine Werbung für eine zeitgemäße und sympathische Gestalt von Kirche dar.

7.
Schulpastoral lädt Menschen zu einem lebendigen Glaubenszeugnis an ihrem Lern-/Arbeits- und Lebensort ein.
Das bedingt einerseits das eigene Bemühen um einladende Formen und Gestaltung ihrer Angebote unter den Aspekten Ökumene und Gastfreundschaft.
Andererseits sind die in der Schulpastoral tätigen Menschen auch besonders herausgefordert, selbst für per-sönliches Wachstum und Spiritualität Sorge zu tragen, um überzeugende Vertreter kirchlichen Handelns im Raum der Schule sein zu können.

In diesem Sinne versteht sich Schulpastoral auch als Teil einer missionarischen und gesprächsbereiten Kirche.

(2) Vgl. Punkt 1: Schulpastoral und Religionsunterricht bilden die zwei Säulen im Gesamtkonzept religiöser Bildung in der Schule.

(3) Der Ausbau der GTS in Bayern bedeutet keine Umstellung des gesamten Schulsystems auf eine für alle Schü-ler/innen verpflichtende GTS. Ziel ist, dass es an jeder Schule sowohl eine GTS-Klasse als auch weitere Halbtags-klassen geben soll.

Q: Standortbestimmung zur Schulpastoral, erstellt von der Konferenz der bayerischen Referent/-inn/en für Schulpastoral 2005, überarbeitet durch G. Rüttiger, Leiterin des FB Schulpastoral und Ganztagsschule im Schulreferat der Erzdiözese München und Freising 2009.