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Familienforschung Fundorte und Anlaufstellen


Index

Fundorte_Anlaufstellen

1. Genealogie als historische Hilfswissenschaft

Genealogie als historische Hilfswissenschaft befasst sich mit
  • biologisch-verwandtschaftlichen, familiären Verbindungen zwischen Menschen
  • auf Abstammung beruhende Zusammenhängen zwischen Menschen
Sie ist verwandt mit den historischen Zweigwissenschaften
  • Personengeschichte: Biografik mit Bezug auf Einzelpersonen
  • Bevölkerungsgeschichte, Demographie: zahlenmäßige und soziale Zusammensetzung und Entwicklung der Bevölkerung
Genealogische Forschung kann auf verschieden begrenzte Bereiche angewandt werden:
  • Biographie von  Einzelpersonen
  • Familiengeschichte
  • Häuserbuch
  • Ortssippenbuch
Biologische Grundlagen führen zu
  • sozial-, rechts- und kulturgeschichtlichen Aussagen: Verwandtschaft, Heiratsregeln, Status, Berufsweitergabe …
  • demographischen Aussagen: Heiratsalter, Kinderzahl, Sterblichkeit …
  • medizinischen Aussagen: Vererbung von Krankheiten (z.B. Rot-Grün-Blindheit, Bluterkrankheit, Alzheimer)
 
 

2. Genealogische Institutionen und Organisationen

Verschiedene Institutionen und Organisationen bieten Rat und Hilfe in Fragen der Familienforschung:
 
Der 1922 gegründete gemeinnützige Verein hat seinen Sitz in München und Bezirksgruppen in den Regierungsbezirken Niederbayern (Passau), Oberbayern (München), Oberpfalz (Regensburg) und Schwaben (Augsburg). Er bietet sachkundige Anleitung und Beratung in Fragen der Familienforschung und Wappenkunde, die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten, Vorträge und Kurse (z.B. Lesen alter Schriften, Arbeit mit Quellen), Arbeitskreise und Exkursionen sowie den Zugang zu den vereinseigenen Archiv- und Bibliotheksbeständen (Fachbibliothek mit ca. 12.00 Bänden, z.Zt. in München, Metzstraße 14b).
Publikation: Blätter des Bayerischen Vereins für Familienkunde (BBLF, „Gelbe Blätter“)

Gegründet 1921, Sitz Nürnberg. Das Arbeitsgebiet umfasst die bayerischen Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken, aber auch benachbarte Gebiete in der Oberpfalz und in Baden-Württemberg, weiterhin Geschlechter-, Auswanderer-, Exulanten- und Hugenottenforschung.

Publikationen: Blätter für fränkische Familienkunde; Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte
 
Gegründet 1991, Sitz Regensburg. Publikationen: Familienkundliche Beiträge; Chroniken aus alten Zeiten; Forscherhilfe; Familiengeschichtliche Hefte
 
Genealogie und Haus-Chroniken im Gebiet nordwestlich von München
 
Die DZfG wurde 1967 als Zentralstelle für Genealogie in der DDR zur Verwaltung genealogischer Sammlungen, u.a. des Reichssippenamts, gebildet und unterstand der Staatlichen Archivverwaltung. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde sie unter der Bezeichnung Deutsche Zentralstelle für Genealogie als Spezialarchiv für Personen- und Familiengeschichte vom Freistaat Sachsen übernommen. 1995 wurde sie in das Staatsarchiv Leipzig eingegliedert. Die Zentralstelle stellt genealogische Unterlagen aus dem deutschsprachigen Raum, u.a. Kirchenbuchunterlagen, Ahnenlisten, genealogische Nachlässe und Sammlungen, Personenkarteien, Ortsfamilienbücher sowie Publikationen für die Benutzung bereit.
 
Forschungsprojekt mit Sitz am Historischen Museum Bremerhaven über die europäische Auswanderung in die USA, v.a. über deutsche Häfen
 
Museum (in Kooperation von städtischen Hamburger Stellen und privaten Betreibern) mit Forschungsmöglichkeit (in Kooperation mit Ancestry) zur deutschen Auswanderung in die USA 1850-1938
 
Der 1989 gegründete Verein ist heute die größte genealogische Vereinigung in Deutschland. Er bietet ein umfangreiches Informationsangebot im Internet und fördert genealogische Projekte mit EDV-Einsatz.
Publikation: Zeitschrift für Computergenealogie

Die weltweit größte genealogische Organisation und Datensammlung mit Zentrum in Salt Lake City entstand aufgrund der hohen religiösen Bedeutung, die der Familie und der Verbindung zu den Vorfahren in der Religionsgemeinschaft der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) zukommt. Sie bietet umfangreiche Internet-Recherchemöglichkeiten.
 
Privatwirtschaftliche Firma (Zentrale in Salt Lake City, Europa-Zentrale in Luxemburg) mit umfangreichen Internet-Angeboten (kostenpflichtig bzw. nur für Mitglieder), z.B. Hamburger Passagierlisten (1850-1914, 1920-1934), Kriegsranglisten und Kriegsstammrollen des Königreichs Bayern (1914-1918)

Kostenpflichtige Genealogie-Plattform mit Sitz in Israel, auf der Nutzende Ahnentafeln erstellen und auch Fotos hochladen sowie 12,5 Milliarden historische Aufzeichnungen und rund vier Milliarden Profile anderer Nutzenden (STand 2020) durchsuchen können.

Ein in Großbritannien ansässiger, kostenpflichtiger Online-Genealogie-Dienst mit über 4 Milliarden durchsuchbare Datensätze zu Volkszählungen, Adressverzeichnissen und anderen historischen Aufzeichnungen.
 
 
 

3. Im familiären Bereich

Es empfiehlt sich, zunächst die Quellen im familiären Bereich auszuwerten. In Frage kommen hierbei:
  • Familienbuch, Ahnenpass, Stammbaum
  • notarielle Urkunden
  • Heirats- und Übergabeverträge
  • Sterbebilder, Todesanzeigen
  • Grabstein
  • Briefe
  • Fotos
 
 

4. Kommunalarchiv/Standesamt

Seit dem 1. Januar 1876 werden in Bayern alle Geburten, Heiraten und Sterbefälle von den Standesämtern der Kommunen erfasst. Die historischen Standesamtsregister befinden sich in den Kommunalarchiven.
Es empfiehlt sich, nach den Unterlagen aus dem familiären Bereich zunächst die kommunalen Unterlagen (insbesondere die Standesamtsregister) zu nutzen.
 
Daneben können weitere Unterlagengattungen Informationen zur Familiengeschichte bieten:
  • Urkunden
  • Amtsbücher (z.T. bis ins Mittelalter zurückreichend): Ratsprotokolle, Kammerrechnungen, Steuerbücher, Bürgerbücher
  • Steuerlisten
  • Akten zum Gewerbewesen: Handels- und Gewerbelizenzen, Firmengründungen u.a.
  • Akten zu Einbürgerung, Auswanderung, Bürgerrechtsaufgabe, Heiratskonsens, Aufenthalts- und Heimatrecht
  • polizeiliche Meldeunterlagen (ab ca. 1810)
  • Häuserverzeichnisse, Adressbücher (z.T. gedruckt)
  • Nachlässe
Das zuständige Kommunalarchiv kann über das Angebot Archive in Bayern ermittelt werden. Für München wenden Sie sich an das Stadtarchiv München.
 
 

5. Staatliche Archive

Auch Unterlagen staatlicher Archive können Informationen zur Familiengeschichte bieten. Dabei können insbesondere Urkunden, Unterlagen zu Grundleihe und Belehnung sowie Briefprotokolle zeitlich weiter als die Pfarrmatrikeln zurückführen.
 
Wichtige Quellengattungen sind:
  • Briefprotokolle der Nieder- bzw. Landgerichte (16. Jh. - 1862) mit Beurkundungen zu Eheschließung, Hofübergabe, Austrag, Erbteilung, Kauf, Tausch, Quittung, Vormundschaft, Beglaubigung u.a.
  • Notariatsurkunden (ab 1862) mit Beurkundung zu Eheschließung, Hofübernahme, Haus- und Geschäftsübergabe u.a.
  • Unterlagen zu Grundleihe und Belehnung: Urbare, Salbücher, Stift- und Gültregister, Lehenbücher, Lehenprotokolle (jeweils in der Überlieferung des Grund- bzw. Lehensherrn)
  • Urkunden zu Kauf und Tausch, Quittungen u.a.
  • Steuerbücher, Herdstättenverzeichnisse, Konskriptionen (Untertanen-Verzeichnisse)
  • Gerichts- bzw. Verhörprotokolle (bei Strafprozessen), Zivilprozessakten, Amtsrechnungen der Gerichte, Nachlassakten, Vormundschaftsakten
  • Grund- und Häusersteuerkataster (seit 1808), Hypothekenbücher (seit 1826), Grundbuch (ab 1905/10)
  • Ansässigmachungs- und Verehelichungsakten (seit 1825)
  • Heimatakten (1825 - 1915)
  • Gewerbekonzessionsakten (seit 1825)
  • Auswanderungsgenehmigungen
  • Baugesuche (ab Mitte 19. Jh.)
  • Personalunterlagen von Hof- und Staatsbediensteten: Bestallungs- und Besoldungsbücher, Personalakten (ab 19. Jh).
  • Schriftgut der Bayerischen Armee (bis 1919): Stammrollen (Regimentslisten, ab 17. Jh.), Militärkonskriptionen (Erfassung aller Militärpflichtigen, ab Geburtsjahrgang 1799/1800), Offiziers- und Unteroffizierspersonalakten u.a.
  • Adelsmatrikel des bayerischen Reichsheroldsamts
  • Zweitschriften von Standesamtsregistern
  • Zweitschriften von Pfarrmatrikeln (1802 - 1875)
  • Zweitüberlieferung von Kirchenrechnungen
Zu den Staatlichen Archive Bayerns (Übersicht)
        
  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Schönfeldstraße 5, 80539 München,  Tel. 089/28638-2596   
  • Staatsarchiv München, Schönfeldstraße 3, 80539 München, Tel. 089/28638-2525
    Staatsarchiv Landshut, Schlachthofstraße 10, 84034 Landshut, Tel. 0871/92328-0
 
 

6. Kirchliche Archive

Die Pfarrmatrikeln bilden die zentrale Überlieferung für die Familiengeschichte von Katholiken vor 1876.