Mit Kindern über den Krieg sprechen Empfehlungen für Eltern

Medienberichte über den Krieg in der Ukraine erreichen in diesen Tagen auch viele Kinder. Fotos, Videos und viele andere Informationen aus dem Kriegsgebiet können Kinder verstören und verängstigen. Eltern stehen deshalb vor einer schwierigen Herausforderung: Wie sollen sie mit ihren Kindern über das Geschehene sprechen? Und welcher Umgang mit der Medienberichterstattung ist angebracht? Hinweise von Harald Karutz, Professor für Notfall- und Rettungsmanagement und Notfallseelsorger.
 
Vater und Tochter schauen auf Globus
Die Nachrichten aus der Ukraine sind allgegenwärtig. Mit Kindern über den Krieg zu sprechen, ist eine Herausforderung.
Ernst nehmen
Nehmen Sie die Sorgen und Ängste von Kindern ernst. Machen Sie sich bewusst, dass Kinder auch in den letzten Jahren schon mit sehr vielen Belastungen konfrontiert worden sind: Die Coronavirus-Pandemie und mehrere Naturkatastrophen haben ohnehin schon deutliche Spuren hinterlassen. Umso wichtiger ist es jetzt, dass Kinder besondere Aufmerksamkeit erfahren und man sich gut um sie kümmert.
 
Sprechen und Zuhören
Drängen Sie Kindern zunächst einmal keine Gespräche über den Krieg oder ihr Befinden auf. Zeigen Sie sich jedoch gesprächsbereit. Achten Sie auf mögliche Signale, die verdeutlichen, dass ein Kind etwas „mit sich herumträgt“ oder „loswerden möchte“ – und hören Sie aufmerksam zu, wenn Kinder von sich aus über den Krieg reden.
 
Beantworten Sie Fragen möglichst sachlich, offen und ehrlich. Antworten Sie aber „dosiert“, mit eher kurzen und einfachen Aussagen. Weitschweifende Vorträge können rasch überfordern, es sei denn, ein Kind fragt explizit immer weiter nach.
 
Versuchen Sie mit ihren Ausführungen nicht, das Kriegsgeschehen „herunterzuspielen“, um Kinder vermeintlich zu schützen. Dass der Krieg tatsächlich eine sehr bedrohliche Situation ist, haben viele Kinder ohnehin längst erkannt. Äußern Sie aber auch nichts, was unnötig zusätzliche Ängste auslösen könnte. Spekulationen über etwaige Folgen des Krieges oder eine befürchtete Ausbreitung des Krieges sind Kindern gegenüber zum Beispiel unangebracht.
 
Sicherheitsgefühl stärken
Nach Möglichkeit sollte das Sicherheitsgefühl von Kindern gestärkt werden, beispielsweise durch gemeinsame Aktivtäten sowie noch mehr Zeit als sonst für liebevolle Zuwendung, Nähe und vertrauensvolles Miteinander.
 
Ganz in Ruhe aus einem Kinderbuch vorzulesen, vermittelt Geborgenheit und lenkt auch ein wenig ab. Ebenso könnte es hilfreich sein, wenn ein Kind mit seinen vertrauten Bezugspersonen einen besonders schönen Ausflug unternehmen kann.
 
Darüber hinaus kann jeder Tag mit einem Mut machenden Ritual begonnen und auch abgeschlossen werden, etwa einem Segensspruch, einem kurzen Gebet oder einer anderen, Halt gebenden Aktivität.
 
Aufmerksamkeit auf positive Aspekte lenken
Lenken Sie die Aufmerksamkeit von Kindern auf positive Aspekte. Machen Sie z. B. deutlich, dass international sehr viel unternommen wird, um den Krieg rasch wieder zu beenden. Weisen Sie auf Spendensammlungen, Demonstrationen für Frieden, Lieferungen von Hilfsmaterialien sowie Rettungskräfte vor Ort hin, die sich um verletzte Menschen kümmern. Sprechen Sie auch darüber, wie Menschen sich gegenseitig trösten, in Sicherheit bringen und für Unterstützung sorgen können.
 
Medienberichte auswählen und dosieren
Kleinkinder sollten Bilder und Videos aus dem Kriegsgebiet grundsätzlich nicht zu sehen bekommen. Erst ab dem Grundschulalter ist es nicht mehr sinnvoll, Kinder von Medienberichten pauschal fernzuhalten. Lassen Sie Ihre Kinder mit solchen Medienberichten jedoch keinesfalls allein. Schauen Sie einzelne Meldungen, insbesondere spezielle Kindernachrichten, ggf. gemeinsam an.
 
Zudem sollte der Medienkonsum begrenzt werden: Häufige Wiederholungen von schrecklichen Bildern und Videos können stark belasten. Und schützen Sie Ihre Kinder vor Medienberichten, wenn sie darauf besonders ängstlich reagieren.
 
Aktivität ermöglichen
Überlegen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern, ob es etwas gibt, was sie im Augenblick selbst tun könnten. Kinder könnten z. B. symbolisch eine Kerze anzünden oder in einem Brief aufschreiben, was sie den Menschen im Kriegsgebiet gerne mitteilen würden.

Wenn es eine Frage gibt, die Sie nicht beantworten können, gestehen Sie dies ganz ehrlich ein. In einem solchen Fall können Sie sich gemeinsam auf die Suche nach einer klugen Antwort machen. Sprechen Sie beispielsweise mit weiteren Bezugspersonen oder suchen Sie im Internet – aber nur auf seriösen Nachrichtenseiten für Kinder – nach weiteren Informationen, die hilfreich sind.
 
Eigene Betroffenheit verständlich machen
Verheimlichen Sie Ihre eigene Betroffenheit nicht. Kinder spüren rasch, wenn Ihnen etwas vorenthalten wird und fühlen sich dann unter Umständen betrogen oder ausgegrenzt. Erklären Sie ggf., warum Sie auch selbst besorgt oder traurig sind, damit Kinder Ihr Verhalten angemessen einordnen können.
 
Mögliche Reaktionen beachten
Kinder können in der aktuellen Situation unterschiedliche Reaktionen zeigen. Dazu gehören zum Beispiel Konzentrationsschwierigkeiten, Alpträume, Ängstlichkeit, eine ausgeprägte Anhänglichkeit oder auch Gereiztheit und Aggressivität. Manche Kinder bringen ihre Befindlichkeit auch in Zeichnungen oder in ihrem Spiel zum Ausdruck.

Solche Reaktionen sind zunächst normal, zeigen Sie Verständnis dafür. In den meisten Fällen klingen diese Reaktionen nach kurzer Zeit wieder ab. Wenn sie jedoch sehr stark ausgeprägt sein sollten oder mehrere Wochen anhalten, sollten Sie sich an eine Fachkraft wenden. Manchmal kann professionelle Unterstützung bei der Bewältigung des Erlebten notwendig sein. Scheuen Sie sich dann nicht, diese in Anspruch zu nehmen! Auch wenn Sie selbst verunsichert sind und weitere Fragen zum Umgang mit Ihren Kindern haben, sollten Sie fachlichen Rat einholen.
 
Text: Prof. Dr. Harald Karutz, Diplom-Pädagoge, Notfallsanitäter, Notfallseelsorger, Professor für Notfall- und Rettungsmanagement, Februar 2022
 

 

Warum lässt Gott Leid und Krieg zu? Interview mit Monika Mehringer vom Fachreferat Kinderpastoral

Monika Mehringer
Der Krieg in der Ukraine verursacht unendliches Leid. Warum lässt Gott das zu?
Der Krieg ist eine besondere, wenn auch sehr extreme Form der Auseinandersetzung. Es wäre eine große Einschränkung, wenn wir uns nicht mehr streiten dürften. Streit muss manchmal sein, er ist menschlich und gehört dazu. Aber in einem Krieg setzen sich Menschen mit Waffen auseinander, die oft tödlich sind. Natürlich fragt man sich, warum sie sich das antun und warum Gott nicht eingreift. Aber Gott hat den Menschen die Freiheit gegeben. Es ist die Entscheidung der Menschen, so zu handeln.
 
Bei der Frage nach dem Leid muss man unterscheiden zwischen Krieg und beispielsweise Naturkatastrophen. Bei einem Naturereignis ist die Frage, warum Gott das zulässt, verständlich. Denn das hat keiner bewusst verursacht, keiner hat das gewollt. Es gibt keinen Verantwortlichen oder Schuldigen.
 
Wie können Eltern das ihren Kindern erklären?
Ich würde es darauf herunterbrechen, dass Menschen gegeneinander kämpfen. Im Krieg tun sie das mit Mitteln, die ganz schrecklich sind. Sie führen zum Tod von sehr vielen unbeteiligten Menschen. Menschen und auch Kinder müssen sich Gehör verschaffen. Sie haben Anliegen, die sie nur mit Kämpfen erreichen, vor allem wenn der „Gegner“ wirklich etwas verteidigen will. Es ist wichtig zu lernen, miteinander zu reden, sodass man im Streit mit Worten Lösungen findet

Gott hat den Menschen die Freiheit gegeben, für sich Verantwortung zu übernehmen und für sich zu handeln. Bei allem, was wir tun, haben wir die Möglichkeit zu wählen, wie wir mit Menschen umgehen. Das führt dazu, dass man manchmal gute Sachen macht und manchmal falsche – und auch manchmal falsche, die man hinterher bitter bereut. Gott möchte, dass wir in Frieden leben.
 
Was können und sollen Christen gegen den Krieg und seine Folgen tun?
Wir können den Menschen, die in Not sind, helfen. Mit Geld, mit Dingen, mit Obdach. Wir können also barmherzig handeln. Und wir können für die Menschen beten. Wir können Gott bitten, dass der Krieg aufhört und dass er den Menschen in ihrer Not hilft. Auch mit unserer eigenen Not und Angst können wir uns im Gebet an ihn wenden.
 
Interview: Christina Tangerding, freie Redakteurin, März 2022

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"Mit Kindern über den Krieg sprechen"

Publikation des Zentralinstituts für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG) der KU Eichstätt: „Mit Kindern über den Krieg reden – Was Kinder brauchen und Eltern wissen sollten"

Beitrag im "Kitaradio"

Mit Kindern über den Krieg sprechen - ein Beitrag des Münchner Kirchenradios aus der Reihe "Kitaradio" für Eltern und Erzieher

Kinderbücher

Eine Auswahl an Kinderbüchern über Krieg und Frieden, zusammengestellt von der Buchberatung des Michaelsbundes