Hüter der kirchlichen Kunstschätze Wie Mesnerinnen und Mesner in der Freisinger Mesnerschule den richtigen Umgang mit liturgischen Geräten und Kunstwerken lernen

 
Das Erzbistum München und Freising ist berühmt für seine vielen prachtvollen Kirchen, die einen Schatz an prunkvollen Kunstgegenständen und liturgischen Geräten in sich tragen. Doch wie werden all die historischen Gewänder, Kelche und Monstranzen eigentlich gepflegt, und was gilt es dabei zu beachten? All das lernen die Mesnerinnen und Mesner bei speziellen Schulungen. 
 
Monstranzen und kirchlische Kunstschätze
Umsichtiger und bedachter Umgang mit wertvollen Kunstgegenständen wie Kelchen
Wenn sonntags um 9 Uhr in der barocken Kirche St. Peter und Paul in Weyarn die Heilige Messe beginnt, hat Mesner Johannes Rummel den größten Teil seiner Arbeit schon bewältigt. Seit über vier Jahren ist der 26-Jährige in Weyarn tätig. Für ihn bekanntes Terrain, schließlich gehört die Pfarrkirche zu seinem Heimatpfarrverband. Als Kind hat er schon mit den Patres ministriert.
 
Die Stiftskirche ist reich ausgestattet: Vor allem für die Schnitzfiguren von Ignatz Günter ist sie berühmt, aber auch die prachtvollen Stuckaturen und Fresken aus dem Jahr 1729 sind beeindruckend. Hinzu kommen die kostbaren Kelche und Messgewänder, für die Mesner Rummel die Verantwortung trägt. Da gibt es viel zu bedenken: „Entscheidend sind die Raum- und Lufttemperatur“, weiß er. Die wirke sich nicht nur auf die historischen Kunstgegenstände, sondern auch auf die Orgel aus.
 
Historische Messgewänder
 
Selbst die Sakristei strahlt eine gewisse Erhabenheit aus: Die kunstvoll verzierten Schränke und Schubladen sind genau auf die Größe und Bedürfnisse der einzelnen Gegenstände abgestimmt. Alles hat hier seinen festen Platz. Sofort fällt das große Kreuz mit dem sterbenden Jesus ins Auge. Eine kleine Bank bietet Gelegenheit, davor niederzuknien und dabei das Evangelium zu lesen.
 
In einem der Schränke befinden sich die historischen Mesgewänder. Sie müssen sprichwörtlich mit Samthandschuhen angefasst werden: „Wenn der Mesner das Gewand immer an derselben Stelle anfasst, sieht man irgendwann Fingerabdrücke.“ Der Trick: Einfach am Bügel anfassen. Die Gewänder werden, je nach Wert, entweder liegend oder hängend gelagert. Die Altäre dürfen nicht gewischt werden: „Damit kann man mehr kaputtmachen als alles andere“, hat Rummel gelernt. Abgestaubt werden sie entweder mit dem Pinsel oder dem Staubsauger.
 
Monstranz als Symbol der Trinität
 
Eine weitere Kostbarkeit ist die schwere goldene Monstranz. Sie stellt die Trinität (Vater, Sohn und Heiliger Geist) dar und bildet außerdem Maria ab, die ihre Arme ausbreitet. Das Allerheiligste, der Leib Christi, befindet sich im Herzen der Mutter Gottes. Die Kelche hingegen sind eher schlicht gehalten. „Die lege ich nach der Messe nie direkt wieder ins Etui, denn sie könnten noch feucht sein“, sagt Rummel.
 
Kirchliche Kunstschätze wie diese Monstranz gilt es richtig zu pflegen.
Die goldene Monstranz von St. Peter und Paul in Weyarn
Den umsichtigen und bedachten Umgang mit den wertvollen Kunstgegenständen hat Rummel von Martin Thullner gelernt. Er ist seit vierzig Jahren Mesner und leitet die Überdiözesane Mesnerschule im Palotti-Haus in Freising. Seine Aufgabe ist es, haupt -und nebenberuflichen Mesnern den Umgang mit Kunstobjekten und vor allem liturgischen Geräten näherzubringen.
 
Mesner soll Pfarrer entlasten

„Der Mesner ist derjenige, der vor Ort ist“, bringt es Thullner auf den Punkt. Das bedeutet: Ihm fällt auf, wenn sich Figuren verändert haben oder etwas beschädigt wurde. Schließlich habe der Pfarrer gar nicht die Zeit, auf so etwas zu achten. Der erfahrene Mesner weiß: „Mit Kleinigkeiten kann man viel kaputtmachen.“ Zum Beispiel sollte man Messgewänder nicht am Boden schleifen oder am Schmuck anfassen, da man sonst zum Beispiel Fingerabdrücke hinterlassen könnte.
 
Laut Thullner kommt es bei der Mesnerschulung vor allem auf die liturgischen Hintergründe an. Erst dadurch würde den Mesnern der Sinn ihrer Arbeit so richtig bewusst. So müssten die Mesner verstehen, warum die Weihnachtswoche anders aufgebaut ist als die Karwoche. Nicht nur die Namen der verschiedenen Kelche und anderen liturgischen Geräte würden den Mesnern nahegebracht, auch deren Pflege sei entscheidend. Die dreiwöchigen Schulungen für hauptamtliche Mesner finden im Diözesanen Kunstdepot in Neumarkt-St. Veit statt. Auf dem Stundenplan stehen unter anderem Liturgik und Sakramentspendung, eine Einführung in die Bibel, die Erhaltung und Betreuung von Kirchenglocken, aber auch Lektorendienst und der richtige Umgang mit Kerzen. Die Pflege der Kunstgegenstände und liturgischen Geräte sei dabei nur ein kleiner Teil, gibt Thullner zu bedenken. Dass viele Mesner auch Hausmeister sind, sei hilfreich, schließlich könnten sie dann auch für die Außenanlagen und die Friedhöfe Verantwortung tragen.
 
Praxis kommt nicht zu kurz
 
Bei so viel Theorie darf auch die Praxis nicht zu kurz kommen. Thullner weiß, was es alles zu bedenken gibt: „Wenn der Mesner die Kirche aufsperrt, muss er zuerst die Opferlichter und den Schriftenstand anschauen. Er muss aber auch wissen, wie er sich zu verhalten hat, damit in der Sakristei Ruhe einkehrt.“ In der Sakristei der Palottikirche wird dann geübt, wie man zum Beispiel ein Messgewand anlegt. Aber auch der „Ernstfall“ wird geprobt, zum Beispiel wenn Primizen oder Firmungen stattfinden oder der Kardinal zur Altarweihe eintrifft.
 
„Wenn der Pfarrer in die Sakristei kommt, müssen alle Bücher aufgeschlagen sein“, weiß auch Edward Kadoch. Er leitet den Diözesanverband der Mesnerinnen und Mesner. Gerade heutzutage stünden die Pfarrer unter enormem Zeitdruck und kämen manchmal erst fünf Minuten vor Gottesdienstbeginn an. Da müssen sie sich darauf verlassen können, dass die Mesner wissen, was sie tun. „Im Idealfall habe ich am Tag vor dem Gottesdienst schon alles vorbereitet“, erklärt Kadoch. Am wichtigsten sei es, früh genug da zu sein, am besten eine Stunde vor Gottesdienstbeginn. Da müsse man schon einmal etwas früher aufstehen, schmunzelt er.
 
St. Peter und Paul in Weyarn
Mesner Johannes Rummel
Von Schimmelbefall bis Kerzenflecken

Der Mesner muss auch das Gebäude instand halten, das bedeutet behutsames Abstauben, Wischen und Kontrolle auf Holzwurm- oder Schimmelbefall. Und er muss darauf vorbereitet sein, dass es mal turbulent wird: Zum Beispiel sei beim Sankt-Martins-Gottesdienst mit Kerzenflecken und Krümeln zu rechnen, schließlich werde dann ja in der Kirche gegessen.

In den Schulungen werde die richtige Handhabung gelehrt, zum Beispiel, wie man einen Kelch akkurat reinigt: „Dazu trägt man am besten Baumwollhandschuhe und verwendet zum Austrocknen ein Handtuch, um fettige Finger zu vermeiden“, erklärt der Mesner. Die Kirchenwäsche verlange besondere Beachtung: Die gesamte liturgische Kleidung, also die Gewänder, aber auch Altartücher, Kelchtüchlein und die Tücher zur Handwaschung, müssten aushängen. Die Bassgeigen, also die barocken Gewänder, müssten liegen. Früher hätten sich die Klosterschwestern um die Pflege der Gewänder gekümmert, heute müssen die Mesner selbst sehen, ob zum Beispiel ein Faden gezogen werden muss oder ob die Sachen schreien: „Wasch mich“, lacht Kadoch.
 
„Jeder Mesner fängt irgendwann einmal an und hatte vorher mit der Materie nix zu tun“, gibt er zu bedenken. Deswegen sei es für jeden wichtig, einen Blick für das Wesentliche zu bekommen. Dazu trägt die Mesnerschule bei.
 
Text: Maximilian Lemli, Redakteur beim Sankt Michaelsbund, November 2022
 
Der Einführungskurs für nebenberufliche oder ehrenamtliche Mesner findet in der Regel im Herbst statt - und ist in diesem Jahr bereits ausgebucht. Auch 2023 findet er wieder im November statt.
Der nächste Grundkurs im Rahmen der Ausbildung für hauptamtliche Mesnerinnen und Mesner findet im Juli 2023 statt.
Weitere Infos finden Sie hier.
 

 
Diözesanverband der Mesnerinnen und Mesner
Telefon: 089-54828414
Mesnerverband(at)eomuc.de
http://www.erzbistum-muenchen.de/Mesner
Diözesanleiter: Edward Kadoch
Stellv. Diözesanleiterin: Grazia Siino
Stellv. Diözesanleiter: Franz Bauer
Geistlicher Beirat: Dr. Otto Mittermeier
Pfarrverband Weyarn
Klosterweg 1
83629 Weyarn
Telefon: 08020-905 61 29
Fax: 08020-905 61 10
St-Peter-und-Paul.Weyarn(at)ebmuc.de
https://www.erzbistum-muenchen.de/pfarrei/pv-weyarn/Weyarn
St. Dionysius
St. Johann Baptist
St. Michael
St. Peter und Paul
Pater Michael De Koninck, Pfarrverbandsleitung
Pater Clemens Pieper, Pfarrvikar
Kunst
Kapellenstr. 4
80333 München
Telefon: 089 2137-2635
Kunst(at)eomuc.de
Hauptabteilungsleiterin:
Dr. Anja Schmidt

Fachreferent für zeitgenössische Kunst und Kirche
Dr. Alexander Heisig
Telefon: 089 2137-2630
E-Mail: AHeisig(at)eomuc.de

Fachreferent für kirchliche Kunstpflege
Dr. Hans Rohrmann
Telefon: 089 2137-2630
E-Mail: HRohrmann(at)eomuc.de

Fachreferentin für wissenschaftliche Grundlagen und Kunsttopographie
Dr. Martina Außermeier
Telefon: 089 2137-2630
E-Mail: MAussermeier(at)eomuc.de