Hl. Marinus, Bischof, Märtyrer, und hl. Anianus, Diakon

Glaubensboten - 15. November

Die Heiligen Marinus und Anianus führen uns in die frühe Zeit der bayerischen Geschichte, aus der vieles nicht mehr mit Sicherheit belegt werden kann.
Leben und Wirken von Marinus und Anianus werden in einer Vita geschildert, die in zwei Fassungen vorliegt und deren Glaubwürdigkeit umstritten ist. Die kürzere Fassung der Vita berichtet, dass Vandalen (vermutlich Slawen) zur Zeit der Regentschaft des Kaisers Leontius (695-698) in die Höhle des Marinus eindrangen und ihn zwingen wollten, ihnen den Weg zu bewohnten Gebieten zu zeigen. Als Marinus sich weigerte - er hatte gelobt, er werde seine Höhle nicht lebend verlassen -, wurde er von den Vandalen auf einem Holzstoß bei lebendigem Leibe verbrannt. Am gleichen Tag starb Anianus eines wundersamen Todes, nachdem er die Eucharistie empfangen und eine goldene Taube seinen Mund verlassen hatte. 50 Jahre später wurde dem Priester Priamus der Begräbnisort der beiden in Arrisium offenbart, Bischof Tolusius schließlich ließ die Reliquien feierlich erheben. Die längere Fassung berichtet über die Herkunft der Heiligen. Danach verließen Marinus und sein Neffe Anianus, von edler Abstammung und hoher Bildung, im Jahr 656 ihre irische Heimat und zogen als christliche Pilger nach Rom. Dort erhielt Marinus von Papst Eugen I. (654-657) die Bischofsweihe, Anianus die Diakonenweihe. Die beiden Pilger ließen sich schließlich in Bayern in der Waldeinsamkeit um den Irschenberg nieder, nur durch eine, tiefe Schlucht voneinander getrennt. Hier lebten sie 40 Jahre als Einsiedler, bis am 15. November 697 Marinus das Martyrium erlitt, und Anianus verstarb.
Seit langem stehen vor allem die ungeschichtlichen Namensbezeichnungen der Vita im Blickpunkt der Forschung sowie die Entstehungszeit und der Verfasser. Man versuchte, die Namen zuzuordnen und so Bischof Tolusius als den Freisinger Bischof
Joseph (748-764), den Presbyter Priamus als dessen Nachfolger Arbeo (764-783) und Arrisium als Irschenberg zu deuten, was jedoch vielfach bezweifelt wird. Arbeo wird als möglicher Verfasser der Vita gesehen.
Ebenso ist die Herkunft der beiden Heiligen umstritten. Die Namen Marinus und Anianus sprechen weniger für eine irische als für eine romanische Abstammung aus dem Frankenreich. So könnte aufgrund von Namensvergleichen Marinus aus Lérins stammen, Anianus aus Orléans. Diese These stützt zudem ihre Ansiedlung am Irschenberg, dessen Name sich vom romanischen Eigennamen »Urso« ableitet, der also romanisches Siedlungsgebiet war.
So wenig man - im historischen Sinn - Sicheres über das Leben und Wirken der Heiligen weiß, umso beeindruckender ist die Geschichte ihrer langen Verehrung. Das Fest des Bischofs Marinus ist bereits im Sakramentar Kaiser Heinrichs II. (1002-1024) belegt. In einer Urkunde aus dem 12. Jahrhundert werden neben dem hl. Petrus Marinus und Anianus als Patrone des Klosters Rott am Inn aufgeführt, im 13. Jahrhundert wird der Kult im Necrologium Tegernseense festgehalten. Anstelle einer früheren Kapelle in Alb, dem Aufenthaltsort des Anianus, weihte am 30. Oktober 1373 der Freisinger Weihbischof Dietrich eine Kapelle zu Ehren des Anianus ein. In Wilparting, wo Marinus gelebt hatte, wurde durch das Kloster Rott am Inn Ende des 15. Jahrhunderts anstelle des frühmittelalterlichen Tuffplattengrabes ein neues Hochgrab mit einem Marmorrelief der Heiligen errichtet. Die Grabinschrift besagt, dass die Heiligen in das Kloster überführt worden seien. Hier wurde fortan ihr Kult gepflegt, wogegen er in Wilparting zurückging. Nachdem 1672 aber in Wilparting die Kirchenglocken ohne menschliches Zutun wunderbar geläutet hatten, lebte die Verehrung von Marinus und Anianus am Irschenberg wieder auf, Wunder und Gebetserhörungen wurden bezeugt, die Wallfahrt am 15. November fand starken Zuspruch in der Bevölkerung. Es sollte nun endgültig geklärt werden, wo sich die Reliquien der Heiligen befinden, die sowohl Wilparting als auch Rott für sich beanspruchten. In den Jahren 1723 und 1776 wurde das Hochgrab geöffnet und verschiedene Untersuchungen der Freisinger Bistumsleitung bestätigten im 18. Jahrhundert wiederholt die Echtheit der in Wilparting gefundenen Reliquien, ebenso 1933 und 1938. Seit dem 17. Jahrhundert strömten zahlreiche Pilger nach Wilparting und Alb. Die Mirakelbücher und Votivtafeln sind Ausdruck der Kraft und Hilfe, die die Pilger an den Gräbern der Heiligen erfahren haben.
Trotz der Problematik der hagiographischen Quellen legt die über Jahrhunderte weitergetragene Verehrung der Heiligen durch die Gläubigen bis zum heutigen Tag Zeugnis von ihrer Bedeutung ab und verweist in die früheste Zeit des bayerischen Christentums.

Brauchtum und Verehrung

Am 15. November, dem »Mareistag«, besuchen viele Wallfahrer aus der Umgebung die Gottesdienste in Wilparting und gehen nach Alb. Die Ständigen Diakone der Erzdiözese München und Freising (deren Zeitschrift »Diakon Anianus« heißt) kommen jedes Jahr an diesem Tag nach Wilparting und feiern das Anianusfest.

Darstellung, Attribute, Patronate
Der hl. Marinus wird als Bischof dargestellt, mit Stab und Buch. Der hl. Anianus trägt die Dalmatik des Diakons, zudem ein Buch, bei manchen Darstellungen auch eine Taube. Anianus und Marinus werden in allen Nöten angerufen; Anianus ist zudem der Patron der Ständigen Diakone des Erzbistums. Er wird in jüngster Zeit auch häufiger bei Kinderlosigkeit aufgesucht.

Susanne Kornacker

Literatur

Bavaria Sancta III 21-32 (Karl Hausberger)

Lied/Gebet zum Heiligen

Heiligkeit ist eure Zier in des Himmel Höhen; Gottes Herrlichkeit dürft ihr unverhüllt nun sehen.
Sankt Marinus, Gottesmann, und auch du, Sankt Anian, bittet für uns Sünder!

Bischof warst du, treuer Hirt, uns von Gott gegeben, der zum Heil die Seinen führt,
weist uns Licht und Leben.
Heb auch heute deinen Stab, halte alles Böse ab, heiliger Marinus!

Diakon, dem Gottes Dienst an uns aufgetragen, Menschen du dem Herrn gewinnst einst in fernen Tagen.
Künd auch heute Gottes Wort, das uns froh mach immerfort, heiliger Anianus!

Christen sind wir in der Welt, Pilger durch die Zeiten, Hoffnung uns am Leben hält, trägt durch Traurigkeiten.
Geht auch heute uns voran, tut, was einstens ihr getan: Schenkt uns euren Glauben!

Marinus- und Anianuslied; Text: Josef Steiner, 1993; Melodie: Gotteslob 268



aus:
Peter Pfister, (Hrsg.), Ihr Freunde Gottes allzugleich - Heilige und Selige im Erzbistum München und Freising, München 2003, S. 180-183.

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