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Hl. Virgil

Bischof von Salzburg, Glaubensbote - 24. September

Virgil kam aus Irland, das er um das Jahr 742 als Missionar verlassen haben dürfte. Möglicherweise stammte er aus dem königlichen Geschlecht von Loegaire. Im Jahr 743 ist er am Hof des Frankenkönigs Pippin erstmals nachweisbar. Hier blieb Virgil etwa zwei Jahre. Er war als Gelehrter, der aufgrund seiner erdkundlichen Kenntnisse den Beinamen „Geometer“ trug, bei Hof hochgeschätzt. Pippin empfahl Virgil dann seinem Schwager, dem Herzog Odilo von Bayern. Hier wirkte er zunächst als geistlicher Berater, bevor Odilo ihm 746 oder 747 die Leitung der durch den Tod des Bischofs Johannes frei gewordene Diözese Salzburg übertrug. Da Virgil zunächst über keine bischöflichen Weihegewalten verfügte, wurden diese von einem seiner Gefährten, dem irischen Klosterbischof Dub Dá Chrich (Dobdagrecus) ausgeübt. Erst 749 wurde Virgil, der zugleich auch dem Kloster St, Peter in Salzburg als Abt vorstand, selbst zum Bischof geweiht. Virgil galt als bedeutender und genialer Gelehrter, nicht nur auf den Gebieten Theologie und Philosophie, sondern auch in der Geschichtsschreibung, der Astronomie und der Mathematik.

In Salzburg kam es schon bald zu Auseinandersetzungen mit dem päpstlichen Legaten Bonifatius. Dieser war zum einen von Herzog Odilo bei der Ernennung Virgils übergangen worden, zum anderen kamen nun theologische Streitigkeiten hinzu: Anlass war ein des Lateinischen offenbar kaum kundiger Salzburger Priester, der reihenweise Taufen mit der Formel „Baptizo te in nomine patria et filia et Spiritus sancti« Ich taufe dich im Namen Vaterland, Tochter und des Heiligen Geistes) vorgenommen hatte. Bonifatius Auffassung, in solchen Fällen müsse die Taufe wiederholt werden, widersprach nach einer Intervention Virgils in Rom schließlich auch Papst Zacharias - für seinen Legaten Bonifatius bedeutete dies eine Demütigung. So ließ eine erneute Auseinandersetzung zwischen Virgil und Bonifatius nicht lange auf sich warten. Diesmal klagte der Legat Virgil in Rom an, dieser würde die irrige Meinung von der Kugelgestalt der Erde vertreten, vor allem aber die Lehre von den Antipoden, also Menschen, die auf der gegenüberliegenden Seite der Erdkugel leben würden. Eine solche Auffassung war aber häretisch, denn die Antipoden konnten, da sie auf der gegenüberliegenden Seite der Welt, von dieser - aus Sicht der Anhänger des Ptolemaios - durch einen undurchdringlichen Feuerreifen getrennt waren, weder von Adam und Eva abstammen, noch durch Christus erlöst sein. Damit aber war die christliche Vorstellung der Einheit des Menschengeschlechts in Frage gestellt.

Der Konflikt zwischen Virgil und Bonifatius war vor allem auch eine Auseinandersetzung zwischen Männern unterschiedlicher intellektueller Prägung die aus sehr verschiedenen Kulturzusammenhängen stammten. Der weitere Verlauf des Streites zwischen beiden bleibt im Dunkeln, Häufig wurde angenommen, der »Aethicus Ister«, eine sehr eigenwillige Kosmographie und eine der sonderbarsten Schriften des Frühmittelalters sei von Virgil als Reaktion hierauf verfasst worden - dies blieb bislang jedoch nicht mehr als eine interessante These. Sicher ist Virgils Autorschaft hingegen bei einigen anderen Schriften, darunter die Streitschrift »Libellus Virgilii«, vielleicht auch die Urfassung der Lebensbeschreibung des hl. Rupert, die »Via Ruperti«.

Mit der Gestalt Virgils ist auch die erste kulturelle Blüte Salzburgs seit dem Ende der Römerzeit verbunden. Nicht nur, dass er den ersten, ungewöhnlich großen Dom in seiner Bischofsstadt errichtete, das Kunsthandwerk durch Aufträge förderte und die Gebeine seines Vorgängers Rupert von Worms nach Salzburg bringen ließ. Auf seine Anregung gehen auch Schriften zurück, wie das berühmte Salzburger Verbrüderungsbuch oder die Lebensbeschreibung des hl. Korbinian, durch seinen Freund und Amtsbruder, den Freisinger Bischof Arbeo. Zugleich wird auch der Ökonomische Aufstieg Salzburgs durch den Erwerb umfangreicher und weit ausgreifender Güter in dieser Zeit deutlich. Zu den bedeutenden Aufgaben, derer sich Virgil zudem annahm, gehörte die Slawenmission in Karantanien (in der Gegend des heutigen Kärnten), die von den drei Missionszentren Maria Saal, St. Peter in Holz und St Johann bei Knittelfeld ausging.

Nach fast vierzig Jahren im Bischofsamt starb Virgil am 27. November des Jahres 784 in Salzburg, er wurde im dortigen Dom bestattet.

Brauchtum und Verehrung

Das Grab Virgils wurde erst beim Neubau des Salzbürger Doms unter Erzbischof Konrad I. im Jahr 1181 wieder aufgefunden. Fünfzig Jahre später, am 18. Juni 1233, wurde er heilig gesprochen. Heute wird seiner besonders in den ehemals salzburgischen Teilen der Erzdiözese München und Freising gedacht.

Darstellung, Attribute, Patronate


Virgil wird im Gewand eines Bischofs mit einem Kirchenmodell, meist einem doppeltürmigen romanischen Dom dargestellt, das an die Errichtung des ersten Salzburger Doms durch ihn erinnert, manchmal auch bei der Heilung eines Besessenen - ein Wunder, das erst lange nach seinem Tod geschehen sein soll. Er gilt als Patron in Geburtsnöten und für Kinder.

Thomas Forstner


Literatur

* Herwig Wolfram, Die Zeit der Agilolfinger - Rupert und Virgil, in: Heinz Dopsch (Hg.), Geschichte Salzburgs. Stadt und Land I. Salzburg 31999. 121 - 156
* Bibliotheca Sanctorum XXII 1206-1208 (Niccolb Del Re]



Feierlicher Schlusssegen am Fest der Heiligen Rupert und Virgil


Gott, unser Vater, hat Rupert und Virgil gesandt,
unserem Land das Licht der Wahrheit zu bringen;
an ihrem Fest schenke er euch die Fülle seines Segens.
Nach dem Wort des Apostels
hat der eine den Glauben eingepflanzt,
der andere den Acker getränkt
Die Fürsprache beider erwirke das Reifen von Gott,
der allein das Wachstum gibt.
Auf ihrer Predigt ruht unser Bekenntnis zu Christus;
die Treue zu ihm präge euer irdisches Leben
und führe euch zur Herrlichkeit des Himmels.
Das gewährte euch der dreieinige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.