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Seliger Kaspar Stanggassinger

Priester - 26. September

Kaspar Stanggassinger hat einmal geschrieben: »Die Heiligen sind nicht deswegen heilig geworden, weil sie Wunder gewirkt, weil sie außerordentliche Offenbarungen hatten, sondern deswegen, weil sie treu waren im Kleinen.« Diesen Ausspruch kann man programmatisch über das Leben des Seligen stellen.

Kaspar Stanggassinger wurde am 12. Januar 1871 auf dem Unterkälbersteinhof bei Berchtesgaden als zweites von 16 Kindern geboren. Seine Eltern betrieben den großen Hof, der Vater war zudem politisch tätig, Nach der Volksschule in Berchtesgaden besuchte Kaspar ab 1881 das Domgymnasium in Freising. Zunächst wohnte er beim Stadtpfarrprediger Georg Roth, ab 1884 im Erzbischöflichen Knabenseminar in Freising. Nach anfänglichen Lernschwierigkeiten machte er nun durch seinen Fleiß große Fortschritte. 1890 trat der Abiturient in das Priesterseminar in Freising ein. Von Kindheit an trug er den Wunsch in sich, Priester zu werden. Den philosophischen und theologischen Studien widmete sich Kaspar intensiv, arbeitete aber vor allem an seiner inneren Entwicklung, wie sein geistliches Tagebuch bezeugt, das er seit seiner Schulzeit führte. Seine Frömmigkeit war geprägt vom Vertrauen auf die Gnade Gottes, er hoffte auf die Führung durch den Heiligen Geist.

Schon als Schüler
besuchte Kaspar häufig das Redemptoristenkloster Dürrnberg bei Hallein in Österreich und tendierte dazu, in den Orden einzutreten. Im September 1892 schließlich, vor dem Gnadenbild in Altötting, hörte er den Ruf in sich, nach Gars am Inn zu den Redemptoristen zu gehen. Am gleichen Tag bat er den dortigen Provinzial um die Aufnahme in den Orden.

Sein Vater hätte es aus verschiedenen Gründen lieber gesehen, wenn er Diözesanpriester geworden wäre und versagte ihm seinen Segen. Kaspar hätte eine seiner Schwestern als Haushälterin zu sich nehmen und sie somit versorgen können. Hinzu kamen politische Vorbehalte, weil der Orden durch die Kulturkampfgesetze in Deutschland noch immer verboten, in Bayern allerdings geduldet war. Seiner Berufung folgend begann Kaspar das Noviziat in Gars und wurde am 20. November 1892 eingekleidet. Am 16. Oktober 1893 legte er in Dürrnberg die Gelübde ab, dann folgte das weitere Studium der Theologie. Am 16. Juni 1895 wurde er in Regensburg zum Priester geweiht. Mit dem Vater hatte er sich mittlerweile versöhnt. Kaspar Stanggassinger hoffte, nun als Volksmissionar eingesetzt zu werden. Der Orden benötigte jedoch seinen Dienst als Präfekt und Gymnasiallehrer im Juvenat, dem Knabenseminar des Ordens in Dürrnberg. Er galt als fortschrittlicher Pädagoge, der die Eigenständigkeit der jungen Menschen achtete und die Entfaltung der Begabungen seiner Schüler förderte. Erziehung war ihm zugleich Seelsorge, er wollte die Jugend 2u Gott führen. Er legte ihr das Gebet ans Herz und betonte stets, dass Gottes- und Nächstenliebe zusammengehörten. Den beliebten Erzieher zeichneten Liebe, Geduld und Einfühlungsvermögen aus. Er schrieb: »Klopft es an die Tür, und ich habe schon oft meine Arbeiten unterbrechen müssen, so will ich nie Ungeduld zeigen, sondern jeden gerne aufnehmen, als hätte ich sonst nichts zu tun.« Zusätzlich machte er noch die Buchführung, arbeitete bei der Ausarbeitung einer neuen Juvenatsregel mit und war in der weiteren Seelsorge tätig.

Nach der Wiederzulassung des Ordens in Deutschland zog das Knabenseminar im September 1899 von Dürrnberg nach Gars. Kaspar Stanggassinger wurde in Anerkennung seiner Fähigkeiten zum neuen Direktor des Seminars ernannt. Bevor er sein Amt antreten konnte, verstarb er am 26. September 1899 in Gars an den Folgen einer Blinddarmentzündung im Alter von 28 Jahren.

Sein Wirken hatte sich bei seinen Schülern so nachhaltig eingeprägt, dass sie sein Gedächtnis bewahrten und ihn um Fürsprache in den vielfältigsten Anliegen anriefen. Der Münchener Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber bezeichnete Stanggassinger bei der Umbettung seiner Gebeine von der Klostergruft in die Herz-Jesu-Kapelle der Pfarrkirche von Gars am 9. Januar 1935 als »eine strahlende Leuchte«. Am 8. April 1935 wurde in München der Seligsprechungsprozess eingeleitet. Am gleichen Tag kam es zur wunderbaren Heilung einer Ordensschwester. Schließlich wurde Kaspar Stanggassinger am 24. April 1988 von Papst Johannes Paul II. in Rom selig gesprochen.

Sein Leben mag auf den ersten Blick nicht so außergewöhnlich erscheinen. Das Besondere liegt in seiner inneren Biographie, der Nachfolge im täglichen Leben. Friedrich Kardinal Wetter sagte in seinem Hirtenbrief für die Fastenzeit 1988 über Pater Stanggassinger: »Seine Größe besteht darin, dass er mit aller Entschiedenheit Gott zur Mitte seines Lebens gemacht hat, bis hinein in die Kleinigkeiten des Alltags, und zwar täglich.«

Brauchtum und Verehrung

Am 26. jeden Monats findet in Gars ein festlicher Gottesdienst zu Ehren des Seligen statt. Neben der Verehrung in der Erzdiözese München und Freising wird seiner auch im Bistum Salzburg gedacht, wo er Patron des Priesterseminars ist, sowie weltweit in den Ordensniederlassungen der Redemptoristen.

Darstellung, Attribute, Patronate

Die Darstellungen von Pater Stanggassinger lehnen sich an Photographien an. Bei der Seligsprechungsfeier hing ein Bild am Petersdom, auf dem er von Buben umgeben ist. Die Stanggassinger-Statue in Gars zeigt ihn mit einem Modell des Seminars und der Klosterkirche. Durch seinen Dienst an der Jugend gilt er als ihr Fürsprecher.

Susanne Kornacker

Literatur

Otto Weiß, Tun, was der Tag verlangt. Das Leben von Pater Kaspar Stanggassinger, Freiburg-Basel-Wien, 1989(2)
Friedrich Kardinal Wetter, Kaspar Stanggassinger. Leben und Wirken eines Seligen. Hirtenbrief zur Fastenzeit 1988. München 1988


Gebet


aus der Novene zum sel. Kaspar Stanggassinger von Matthias Stöbener, 1989

Allmächtiger Gott!
Der selige Kaspar war ein Mensch,
der sich unter seinen Mitmenschen für Versöhnung und Frieden eingesetzt hat.
Auf seine Fürbitte hin gewähre uns,
dass unsere Welt eine Welt des Friedens,
der Versöhnung und der Einheit werde.

Der selige Kaspar war ein Mensch,
der anderen Menschen Freiheit geschenkt hat
Auf seine Fürbitte hin gewähre uns,
dass wir in einer Welt der Freiheit leben können und alle Menschen,
die heute noch unter Unterdrückung leiden,
in Freiheit gesetzt werden.

Der selige Kaspar war ein Mensch,
der sich rückhaltlos für die Kirche eingesetzt hat.
Auf seine Fürbitte hin gewähre uns,
dass viele junge Menschen den Mut finden,
wie er Jesus nachzufolgen und
sich radikal für den Aufbau einer
lebendigen christlichen Gemeinde einzusetzen.

Um dies alles bitten wir durch Christus,
unseren Herrn. Amen.