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Heiliger Wolfgang

Bischof von Regensburg - 31. Oktober

Das 10. Jahrhundert stand ganz im Zeichen äußerer Bedrohung und innerer Umbrüche: Bis zur Mitte des Jahrhunderts bestand die Gefahr ungarischer Überfälle und noch Jahrzehnte später waren die Verwüstungen nicht behoben. Gleichzeitig gelang es dem sächsischen Herrscherhaus der Ottonen seine Herrschaft im ostfränkischen Reich zu festigen und damit das spätere Hl. Römische Reich deutscher Nation zu begründen. Parallel zu den Bemühungen der Ottonen, die Kirche an ihr Herrschaftssystem anzubinden, verfolgten kirchliche Kreise eine Reform des monastischen Lebens, weltliche Einflüsse sollten aus den Klöstern zurückgedrängt werden. Inmitten dieser Phase der Neuorientierung begegnet mit Wolfgang einer der großen Förderer der Klosterreform in Süddeutschland.
Die Herkunft des Heiligen liegt weitgehend im Dunkeln, vermutlich wurde er um 920 im schwäbischen Pfullingen geboren. Die Ausbildung Wolfgangs war einem Kleriker anvertraut, ehe durch den Besuch der Klosterschule auf der Insel Reichenau seine geistliche Laufbahn ihren Anfang nahm. Lerneifer, ein glänzendes Gedächtnis und hervorragende Begabung wurden dem Schüler attestiert, als er seinem Freund Heinrich zunächst auf die Domschule nach Würzburg und nach dessen Wahl und Ernennung zum Erzbischof von Trier 956 als Kanzler und Domdekan an die Mosel folgte. Nach dem frühen Tod Heinrichs 964 kehrte Wolfgang der Welt den Rücken zu und zog sich in das Kloster Einsiedeln zurück. Hier wurde er von Bischof Ulrich von Augsburg 968 zum Priester geweiht und begab sich 971 als Missionar nach Ungarn. Ein Jahr später wurde Wolfgang aus dem Missionsgebiet jedoch abberufen, denn auf Fürsprache des Passauer Bischofs Pilgrim hatte ihn Kaiser Otto l. zum Bischof von Regensburg erhoben.
Als Reichsbischof mit weltlichen Pflichten versehen geriet Wolfgang schon bald in die Auseinander-setzungen innerhalb der sächsischen Liudolfinger: Der Bischof stellte sich auf Seiten der im Reich herrschenden Ottonen und gegen die in Bayern regierende Nebenlinie unter Heinrich dem Zänker. Wolfgang zog sich aus der bayerischen Herzogsstadt Regensburg in Besitzungen seines Bistums im Salzkammergut und in Niederösterreich zurück, wo er zugleich bemüht war, die vorhandenen Schäden der Ungarneinfälle zu beheben. Erst nach der Niederwerfung Heinrichs 983 erfolgte die Aussöhnung zwischen Bischof und Herzog, in deren Folge Wolfgang die Erziehung der Herzogskinder Heinrich (später Heinrich II, der Heilige) und Gisela (später Gemahlin König Stephans von Ungarn) übernahm.
Seelsorgliche Überlegungen beeinflussten die Einwilligung Wolfgangs in die Abtrennung Böhmens vom Bistum Regensburg 973, das in der Folge über die eigene Diözese Prag pastoral betreut wurde und für die weitere Geschichte Böhmens wichtig werden sollte. Bedeutend waren die Bemühungen des Heiligen um die Erneuerung der Klöster in Süddeutschland, sie gelten als Wolfgangs eigentlicher Verdienst. Dem bemängelten Zustand einer zunehmenden Verweltlichung der Klöster wurde, ausgehend von den Reformzentren Gorze (Lothringen) und Cluny (Burgund), das Ideal monastischer Abgeschiedenheit und die Forderung einer stärkeren Beachtung der Benediktsregel entgegengestellt. Gegen den Willen des Domkapitels hob Wolfgang die bis dato übliche Personalunion von Bischof und Abt auf, wie sie in Regensburg zwischen Bistum und Kloster St. Emmeram bestand. Dass er seit seiner Trierer Zeit mit der Reformbewegung verbunden war, verdeutlicht die Berufung des Emmeramer Reformabts Ramwold von Trier, unter dem das Kloster seine erste Blütezeit erleben sollte. Das Ereignis hatte zugleich Signalwirkung auf weitere Klöster, etwa Niederaltaich, Tegernsee oder Münsterschwarzach, und auf Vermittlung Wolfgangs breitete sich die Reform über Süddeutschland aus.
Während einer Reise zu auswärtigen Besitzungen des Bistums Regensburg verstarb Wolfgang am 31. Oktober 994 im oberösterreichischen Pupping und fand im Kloster St. Emmeram zu Regensburg seine letzte Ruhestätte. Knapp 60 Jahre später, am 7. Oktober 1052, begründete Papst Leo IX. durch die Erhebung der Gebeine die Heiligenverehrung Wolfgangs.
Die zeitgenössische anonyme Vita Wolfgangs ist zwar verschollen, diente jedoch den Emmeramer Mönchen Arnold und Otloh im 11. Jahrhundert als Vorlage für ihre bekannten Heiligenviten. In der Legende hingegen wurde Wolfgang zum Einsiedler am Abersee, der sich nach segensreichem Wirken in das Salzburger Land zurückgezogen hatte. Dort soll er eigenhändig eine kleine Kapelle mit Zelle errichtet und fünf Jahre in Abgeschiedenheit gelebt haben, ehe er in die Welt zurückgekehrt sei; bis heute erinnert der Wolfgangsee (vormals Abersee) an diese vermeintliche Weltflucht des Heiligen. Der historische Kern der Legende, die dem von Wolfgang reformierten Kloster Mondsee zugeschrieben wird, dürfte im Rückzug des Bischofs auf die österreichischen Besitzungen während des Aufstandes Heinrichs des Zänkers zu suchen sein.

Brauchtum und Verehrung

Der Kult um den heiligen Wolfgang setzte im Spätmittelalter ein und fand im Reich und in Ungarn Verbreitung. Zum Zentrum der Verehrung wurde das zum Kloster Mondsee gehörige St. Wolfgang am Wolfgangsee. Nach dem Zeitalter der Glaubensspaltung erlebte der Kult in der Barockzeit eine zweite Blüte.

Darstellung, Attribute, Patronate


In der Barockzeit erwählte sich das Bistum Regensburg Wolfgang zu seinem Hauptpatron neben Emmeram und Dionysius. Der im Bischofsornat dargestellte Heilige gilt als Patron der Holzhauer, Zimmerleute, Hirten und Schiffer. Die Zuweisung erfolgte nicht zuletzt wegen eines Beils, das ihm neben einer Kirche als Hinweis auf seine Reformtätigkeit beigegeben ist.

Michael Volpert

Literatur

Bistumspatrone in Deutschland 158-166 (Paul Mai) Lebensbilder aus der Geschichte des Bistums Regensburg l 93-107 (Georg Schwaiger)


Lied/Gebet zum Heiligen
Gott, du hast uns im heiligen Wolfgang einen Mann des Geistes und der Tat geschenkt
und ihn dazu berufen, als Mönch und Bischof auf vielfache Weise deiner Kirche zu dienen.
Gib auch der Kirche unserer Zeit die Weite seines Geistes und die Kraft seiner Liebe.
Darum bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus.
Tagesgebet am Fest des hl. Wolfgang

aus:
Peter Pfister, (Hrsg.), Ihr Freunde Gottes allzugleich - Heilige und Selige im Erzbistum München und Freising, München 2003, S. 160-163.


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