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Heiliger Bonifatius

Bischof, Glaubensbote in Deutschland, Märtyrer - 5- Juni


Zwei Jahre nach dem Märtyrertod des Bonifatius beschloss eine Synode in seiner Heimat England 756, jedes Jahr seinen Todestag zu begehen und ihn neben Papst Gregor dem Großen und Erzbischof Augustinus von Canterbury als besonderen Patron des Landes zu verehren. Von Bischof Lullus in Mainz, dem Nachfolger von Bonifatius, wurde eine Lebensbeschreibung erbeten, die dieser durch den Priester Willibald erarbeiten ließ. In der 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts entstand eine weitere Vita in Utrecht, die für den letzten Lebensabschnitt des hl. Bonifatius neue Erkenntnisse brachte. Der Mönch Otloh von St. Emmeram in Regensburg schließlich verfasste während eines Aufenthalts in Fulda von 1062 bis 1066 eine Lebensbeschreibung, für die er alle erreichbaren Nachrichten über Bonifatius sammelte und dessen Briefsammlung sowie die Vita des Abtes Sturmius von Fulda, Bonifatius' Lieblingsschüler, auswertete. Auf Willibalds und Otlohs Darstellungen gehen im Wesentlichen alle späteren Lebensbeschreibungen des Heiligen zurück:

Bonifatius wurde 672/675
in Wessex (England) geboren. Seine Eltern, die vielleicht noch der ersten christlichen Generation des Landes angehörten, gaben ihm den Namen Winfrid. Die hl. Lioba und die heiligen Geschwister Walburga, Willibald und Wunibald gehören zur Verwandtschaft des Bonifatius und sollten ihm in die Missionsarbeit auf dem Kontinent folgen. Bonifatius wurde bei den Benediktinern von Exeter erzogen und trat dann in das Kloster Nursling ein, wo er zum Priester geweiht wurde und als Lehrer an der Klosterschule und im Predigtdienst tätig war. Ein erster Missionsversuch bei den Friesen 716 scheiterte und endete mit der Rückkehr nach England. Im Spätsommer 718 verließ Bonifatius England zum zweiten Mal, diesmal in Richtung Rom. Am 15. Mai 719 erhielt er dort von Papst Gregor II. (715-731) den erbetenen schriftlichen Missionsauftrag. Dieser gab ihm bei diesem Anlass einem damaligen Brauch folgend den Namen des Heiligen, dessen Fest in Rom am Vortag gefeiert worden war: Bonifatius, der römische Märtyrer und »Eisheilige« - für Winfrid Ausdruck seiner Verbundenheit mit Rom und dessen Bischof. Bis 721 verbrachte Winfrid-Bonifatius Lehrjahre bei Bischof Willibrord in Friesland, lehnte eine Nachfolge auf dem Bischofsstuhl von Utrecht jedoch ab. 722 wurde er während seines zweiten Romaufenthalts vom Papst zum Bischof geweiht und erhielt vom Frankenherrscher Karl Martell (714-741) einen Schutz- und Geleitbrief. Predigtaufenthalte bei den Hessen (Fällung der Donareiche bei Geismar) und ab 725 bei den Thüringern folgten. 732 ernannte ihn Papst Gregor III. (731 - 741) durch Übersendung des Palliums zum Erzbischof und 738 während eines dritten Romaufenthalts zum Legaten für Germanien. In dieser Funktion legte Bonifatius am 29. Oktober 739 die Grenzen der vier zum Teil von ihm errichteten Bistümer Salzburg, Regensburg, Freising und Passau fest.
Eichstätt, Würzburg, Büraburg und Erfurt folgten. 744 gründete er das Kloster Fulda, das unter seinem ersten Abt Sturmius benediktinisch ausgerichtet wurde. Den Höhepunkt seines Wirkens und seiner Reform der fränkischen Kirche bildeten die von ihm geleiteten Synoden von 745 und 747, als persönlichem Missionserzbischof wurde ihm 747 das Bistum Mainz übertragen. Nachdem Bonifatius die Nachfolge in Mainz und Fulda geregelt hatte, begab er sich 753 erneut als Heidenmissionar nach Friesland. Dort erlitt er am 5. Juni 754 zusammen mit 52 Gefährten bei Dokkum den Martertod.


Brauchtum und Verehrung
Die Überführung des toten Bonifatius erfolgte von Utrecht über Mainz nach Fulda. Die sofort einsetzende Verehrung blieb im Wesentlichen auf seine Heimat England und die zu Mainz gehörenden Kirchen in Hessen und Franken sowie auf Thüringen beschränkt. Von Volkstümlichkeit kann nicht die Rede sein, wenngleich Bonifatius seit dem 16. Jahrhundert als »Apostel der Deutschen« verehrt wird, eine Bezeichnung, die erstmals bereits 1160 in Fulda gebraucht wurde. Im 19. Jahrhundert kam es jedoch im Zusammenhang mit einer geschichtlichen Neuorientierung zu einer Belebung seiner Verehrung, die sich im Zuge der Auswanderungsbewegung bis nach Amerika auswirkte. In den liturgischen Kalender der Universalkirche wurde Bonifatius 1874 aufgenommen.


Darstellung, Attribute, Patronate
Bonifatius wird meist als Bischof dargestellt, zuweilen auch als Benediktinermönch oder -abt mit Flocke und InfuI - in der Frühzeit lediglich mit Stab und Buch, ab dem 15. Jahrhundert mit einem Dolch oder mit einem von einem Dolch durchbohrten Buch, das er der Legende nach über den Kopf gehalten haben soll, um den Todesstoß abzuhalten. Er ist Patron des Bistums Fulda und des Landes Thüringen. Die Verehrung als »Apostel der Deutschen« ließ für andere Patronate (Bierbrauer, Schneider oder Feilenmacher) keinen großen Entwicklungsraum.
Britta Klemenz


Literatur
Sankt Bonifatius. Gedenkgabe zum zwölfhundertsten Todestag, Fulda 1954
Theodor Schieffer, Winfrid-Bonifatius und die christliche Grundlegung Europas, Freiburg i.Br. 1954 (Nachdruck Darmstadt 1980)



Die Gestalt des Patrons der Basilika St. Bonifaz (auf einem Tafelbild Peter Burkarts an ihrer Südwand) antwortet auf die Frage: Wie wird durch die Jahrhunderte der Glaube weitergegeben; wie wird das in der Kirche gefeierte Geheimnis in die Welt hineingetragen?
Der aus England stammende Winfrid-Bonifatius hat im 8. Jahrhundert Jesu Auftrag an die Apostel »Verkündet das Evangelium allen Geschöpfen« (Mk 16,15) aufgenommen und wurde so der »Apostel der Deutschen«. Der rote Hintergrund deutet das Wirken des feurigen Gottesgeistes in der Geschichte an, aber auch das Blutzeugnis des Bonifatius, der am 5. Juni 754 den Martertod erlitt. Bonifatius stellt sich ganz in den Dienst des Evangeliums, jenes Lichts, in das seine rechte Hand das Buch stellt und das die Menschen, die von unten herandrängen, erleuchtet. Der Junge, der von der linken Seite her diesem Licht sich entgegenstreckt, erinnert an eine Episode aus dem Leben des Bonifatius, Als er bei den Nonnen von Pfalzel bei Trier zu Gast war, las der 14-jährige Gregor, ein Verwandter der Äbtissin, aus der heiligen Schrift vor. Bonifatius lobte ihn, fügte aber hinzu: »Verstehst du, was du liest?« (wie einst Philippus den äthiopischen Kämmerer). Bonifatius begnügte sich nicht mit dem nochmaligen Leseversuch Gregors, sondern forderte ihn auf, mit eigenen Worten, in seiner eigenen Sprache die Frohbotschaft wiederzugeben. Da Gregor dies nicht vermochte, legte Bonifatius selber das Evangelium so lebendig aus, dass der Knabe begeistert ihm als Schüler folgte.
Was uns aus der Vergangenheit und von anderen überliefert wird, muss eigene Überzeugung werden. Wenn unser Glaube immer neu lebendige Erfahrung und inneres Verstehen wird, kann er auch andere überzeugen.
Abt Odilo Lechner OSB, München