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Heiliger Nonnosus

Abt von Sorakte - 2. September

Der Name und der Festtag eines Heiligen bleiben oft auch dann noch im Gedächtnis der Kirche,wenn die näheren Umstände seines Lebens in Vergessenheit geraten sind. Immer wieder werden Heilige aber auch »neu entdeckt«. Am Beispiel des hl. Nonnosus ist dies besonders gut zu verfolgen.

Die Reliquien eines Heiligen dieses Namens kamen durch Bischof Nitker (1039 -1052) nach Freising. Einige Zeit später (um 1190) ist überliefert, dass man ihn hier mit dem italienischen Mönch Nonnosus identifizierte, von dem Papst Gregor der Große (590-604) in einem ganzen Kapitel seines Buchs über die Heiligen Italiens (Dialoge I 7) erzählt. Nonnosus war demnach Mönch und später Prior des Klosters St. Silvester auf dem Berg Sorakte nördlich von Rom. Er war ein jüngerer Zeitgenosse des hl. Benedikt und starb um das Jahr 570. Gregor schildert ihn als Vorbild der Demut und Milde, der Frömmigkeit und des Gottvertrauens, aber auch als begnadeten Wundertäter. Er lebte in seinem Kloster unter einem äußerst strengen Abt, ertrug aber dessen Charakter stets mit wunderbarem Gleichmut, war selbst den Brüdern ein milder Oberer und besänftigte oft in Demut den Jähzorn des Abtes. Drei Wunder berichtet der Papst vom hl. Nonnosus: Da das Kloster auf dem Sorakte auf dem Gipfel des Berges lag, fanden die Brüder keinen Platz, um einen Garten anzulegen. Nur eine kleine Stelle bot sich an, auf der aber ein riesiger Fels lag. Auf das Gebet des Heiligen hin fanden die Mönche am anderen Tag den Stein an einer anderen Stelle. Ein anderes Mal entfiel Nonnosus eine gläserne Ampel beim Reinigen und zersprang. Als er in Angst vor dem strengen Abt betete und sich wieder aufrichtete, lag sie unversehrt vor ihm. Als in einem Jahr die Ölbäume des Klosters fast keine Frucht trugen, vermehrte er auf wunderbare Weise das Speiseöl der Mönche. In einem Brief Gregors des Großen wird Nonnosus - im Unterschied zu seinen »Dialogen« - als Abt bezeichnet.

Die erste »Wiederentdeckung«
des Heiligen in Freising ereignete sich beim Neubau des Doms nach dem Brand von 1159. Beim Ausheben der Fundamente fanden sich die sterblichen Überreste dreier Personen, die aufgrund der Aussagen hochbetagter Männer und sich ereignender Wunder als die Reliquien der Heiligen Alexander, Justinus und Nonnosus identifiziert wurden. lm Jahr 1161 übertrug Bischof Albert I. (1158-1184) in Anwesenheit des Salzburger Erzbischofs Eberhard I. die Nonnosus-Gebeine in die Domkrypta. Dort gerieten sie jedoch wieder in Vergessenheit.

Die zweite »Entdeckung« folgte 1708, bei der barocken Neugestaltung der Krypta. Ein an den alten Margarethen-Altar stoßender gemauerter Bogen wurde abgebrochen, durch den viele Rückenleidende zu schlüpfen pflegten, um wunderbare Heilung zu erlangen. Darin vermauert fand sich ein steinernes Behältnis mit dem Hauptteil der Nonnosus-Reliquien, dabei eine Inschriftplatte und die Siegel von 1161. Dieser Fund löste beim geschichtssinnigen Fürstbischof Johann Franz Eckher (1696-1727) größte Freude aus. Er ließ 1709 im Rahmen eines achttägigen Festes die Reliquien in einem eigenen Altar in der Domkrypta neu beisetzen. Hierher entwickelte sich in der Folgezeit eine lebhafte Wallfahrt.

Eine völlig neue Deutungsmöglichkeit zur Person des hl. Nonnosus eröffneten erst in jüngster Zeit archäologische Grabungen in der Pfarrkirche St. Tiburtius in Molzbichl (bei Spittal an der Drau in Kärnten). Hier, wo im frühen Mittelalter einmal ein Kloster bestanden hatte, entdeckte man 1987 eine an der Frontseite des barocken Hochaltars eingemauerte frühchristliche Inschriftplatte. Ihr Text lautet übersetzt: »Hier ruht der Diener Christi Nonnosus, Diakon, der mehr oder weniger 103 Jahre lebte. Er starb am 2. September und wurde an diesem Ort bestattet am 20. Juli im elften Jahr der Indiktion, drei Jahre nach dem Konsulat der ,viri clarissimi' Lampadius und Orestes« (d.h. im Jahr 533). Die spätantike Platte kann erst sekundär in die frühmittelalterliche Kirche übertragen worden sein; zuvor befand sie sich wohl in der 12 km entfernten antiken Bischofsstadt Teurnia (heute St. Peter in Holz). Dort könnte Nonnosus im 5. Jahrhundert als Diakon Sorge um die leiblichen Nöte der Menschen getragen haben. Eine Pilgerherberge bei der Bischofskirche wurde bei Ausgrabungen gefunden; caritative Hilfen aus Teurnia für die notleidenden Christen an der gefährdeten Donaugrenze in der Spätzeit des römischen Reiches sind bekannt. St. Peter in Holz war seit dem 9. Jahrhundert Besitz der Bischöfe von Freising, musste aber auf Druck der Erzbischöfe von Salzburg 1072 an diese abgegeben werden. Es ist vorstellbar, dass die Nonnosus-Reliquien zuvor nach Freising übertragen wurden. Eine Bestätigung dafür, dass es sich bei dem »Freisinger« Nonnosus um den Diakon aus Kärnten handelt, könnte das älteste Zeugnis der Nonnosus-Verehrung in Bayern sein: Ein um 1050/60 geschriebener Nachtrag zum Festkalender des Klosters St. Emmeram in Regensburg verzeichnet unter dem 2. September das Fest des »Diakons und Bekenners« Nonnosus.

Die wissenschaftliche Diskussion über den hl. Nonnosus ist noch nicht abgeschlossen. In jedem Fall aber stellt er eine Verbindung der heutigen Kirche von München und Freising zur blühenden Kirche der Spätantike dar - ob nun zum italienischen Mönchtum oder zu den frühen Christen an der Drau. Dieses Erbe gilt es - gleich dem hl. Nonnosus - immer wieder neu zu entdecken.

Brauchtum und Verehrung
Verehrung des Mönchs bzw. des Diakons Nonnosus gab und gibt es in Kärnten, im Umkreis des Monte Soratte und in Freising. In der Freisinger Domkrypta wird von manchen immer noch der alte Brauch geübt, unter dem Steinsarg mit den Reliquien hindurch zu schlüpfen. Die Benediktiner verehrten den Mönch Nonnosus als Ordensheiligen; der Diakon könnte zu einem Patron der Diakone werden.

Darstellung, Attribute, Patronate
Nonnosus wird einerseits als Benediktiner-Mönch (in schwarzem Habit) bzw. als Abt (mit Stab) dargestellt. Fels, Ampel und Ölkrug (bzw. –zweig) verweisen auf die bei Gregor dem Großen erzählten Wunder. In den neueren Darstellungen als Diakon trägt er die zu diesem Amt gehörende Dalmatik. Er wird in Freising als Nebenpatron der Domkirche verehrt und traditionell von Rückenleidenden um Hilfe angerufen.

Roland Götz

Literatur

Karl Amon (Hg.), Der heilige Nonnosus von Molzbichl (Das Kärntner Landesarchiv 27), Klagenfurt 2001

aus:
Peter Pfister, (Hrsg.), Ihr Freunde Gottes allzugleich - Heilige und Selige im Erzbistum München und Freising, München 2003, S. 112-115.