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Hl. Arsacius

12. November

Das anmutige Ilmtal erhält seinen Anziehungspunkt in dem stattlichen Ilmmünster, das nahezu in der Mitte zwischen München und Ingolstadt an der Landstraße, 5 km südlich von Pfaffenhofen, von einem zur Seite gelegenen Hügel herab die nächste Umgebung beherrscht. Das Stift Ilmmünster und die Verehrung des hl. Arsacius gehören zusammen. Ilmmünster musste seinen Ursprung in der späten Agilolfingerzeit in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts haben. Dabei wird eine enge Verbindung zwischen Tegernsee und Ilmmünster angenommen. Neuerdings wird auch eine andere Version diskutiert, wonach die Gründung von Ilmmünster auf eine dem bayerischen Herzog Tassilo III. nahe stehende Familie zurückgehen soll.
Ilmmünster gehörte spätestens seit 902/903 als Filiale zu Tegernsee, als »monasterium Ilmina pertinens ad Tegirinseo«. Auf Veranlassung der Stifter von Tegernsee, Adalbert und Otkar, dürfte ihr Neffe Uto in Ilmmünster tätig gewesen sein. Uto wird auf einer Grabinschrift aus der Mitte des 9. Jahrhunderts als Priestermönch und Beschützer von Ilmmünster und als Überbringer der Arsaciusreliquien angesehen.
Gesicherte Nachrichten über das Leben des hl. Arsacius besitzen wir allerdings nicht. Sicher ist, dass Arsacius zu den so genannten Translationsheiligen gehört, deren Reliquien im 8. Jahrhundert von Rom bzw. von Italien nach Bayern gebracht wurden. Ein Kalendarfragment des 9. Jahrhunderts führt für den 11. Mai bereits die Weihe der neuen Arsacius-Kirche in Ilmmünster auf. Ab dem 9. Jahrhundert wird dann Arsacius mit Quirinus von Tegernsee in Verbindung gebracht. Bald nach 804 besteht nämlich bereits eine Verbindung zwischen Ilmmünster und Tegernsee, da Ilmmünster zu diesem Zeitpunkt eine Reliquie des hl. Quirinus beherbergte. In der Tegernseer »Passio s. Quirini« aus dem 12. Jahrhundert wurde dann festgeschrieben, dass die Tegernseer Klostergründer Adalbert und Otkar von Papst Zacharias Reliquien des hl. Arsacius erhalten hatten.
Man kann für die ersten fünf Jahrhunderte seit der Translation nach Ilmmünster für Arsacius sagen, dass erstens der hl. Arsacius zugleich mit dem hl. Quirinus von dem Mönch Uto (bzw. Eio), dem Neffen der Stifter von Tegernsee, im 8. Jahrhundert von Rom nach Bayern gebracht worden war, zweitens der hl. Quirinus als Märtyrer und der hl. Arsacius als »confessor« (Bekenner) verehrt wurden. Zum ersten Mal zeigte sich eine Abweichung von dieser allgemeinen Tradition in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts bei Konrad von Scheyern, der den hl. Arsacius als »episcopus« (Bischof) in das Scheyerer Kalendarium eingetragen hatte. Dieser Bruch mit der Tradition fiel zusammen mitdem Bau der romanischen Ilmmünsterer Kirche (nach dem Mailänder Vorbild Sant' Eustorgio).
Ab dem 15. Jahrhundert war dann die Vita des hl. Arsacius auf dem Hintergrund der Mailänder Tradition festgeschrieben: Arsacius lebte zur Zeit des Kaisers Theodosius I. (379-395) als hoher Beamter in Mailand. Die Heiligen Ambrosius {+ 379), Eustorgius (+ 518) und Auxanus (+ 557) wurden somit zu Zeitgenossen von Arsacius. In Mailand habe der hl. Ambrosius ihn zum Christentum bekehrt. Arsacius wurde Schüler des großen Kirchenlehrers und konnte durch sein christliches Zeugnis auch seine Eltern, seinen Bruder Eustorgius und viele andere zum Glauben an Christus bringen. Zusammen mit seinem Bruder Eustorgius reiste Arsacius nach Konstantinopel und überführte die Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Mailand. Auch die eherne Schlange des Mose hätten Arsacius und Eustorgius nach Mailand mitgebracht. (Die Schlange des Mose kam allerdings erst um das Jahr 1002 von Erzbischof Arnulf II. [999-1018] von Konstantinopel nach Mailand.) Das Motiv des wilden Tieres, das gezähmt in den Dienst des Heiligen tritt, findet auch in der Vita des hl. Arsacius Verwendung. Arsacius zwang auf seiner Überführungsreise von Konstantinopel nach Mailand einen Wolf, der ihm einen Zugochsen gerissen hatte, statt dessen den Wagen zu ziehen, in dem die Heiligen Drei Könige ruhten. Nach dem Tod des hl. Ambrosius legte der unmittelbare Nachfolger sein Bischofsamt schon nach einem Monat nieder. Arsacius sei dann einstimmig zum Bischof von Mailand gewählt worden.
Das Wort »Arsacius« (häufiger »Arsatius« geschrieben) könnte auch einer anderen Tradition entnommen sein. Nach der Quirinus-Legende wurde der Leichnam des hl. Quirinus von einem Perser und seiner Familie in Rom begraben. Dieser Perser könnte ebenfalls der hl. Arsacius sein. »Arsacius« wäre dann nicht als Eigenname, sondern auch in der Bedeutung »Perser« oder »Parther« zu verstehen. Demnach wäre Arsacius nicht nur ein Bekenner mit diesem Namen, sondern eben genau dieser Mann aus Persien. Dadurch würde Arsacius eindeutig nach Rom verwiesen.

Brauchtum und Verehrung

Bereits seit dem Beginn des 9. Jahrhunderts hatte sich in Ilmmünster eine Wallfahrt zum hl. Arsacius entwickelt. Am Ende des 15. Jahrhunderts, als das nunmehr in Ilmmünster bestehende Kollegiatstift an die Münchener Frauenkirche verlegt worden war, wurden auch die Reliquien des hl. Arsacius nach München gebracht. Herzog Albrecht IV. musste den erbitterten Widerstand der Ilmmünsterer Bevölkerung brechen. Arsacius wurde zum Stadtpatron Münchens ausgerufen. Seine Reliquien wurden in einem kostbaren Silberschrein über dem Kreuzaltar der neuen gotischen Frauenkirche aufgestellt. Seine Verehrung blieb in München allerdings bescheiden. Seit 1846 sind die Gebeine wieder in der romanischen Krypta von Ilmmünster. Seit der Überführung von Rom nach Ilmmünster wird das Fest des Kirchenpatrons am 12. November begangen, wobei dieser Termin mit der aus Neapel und Mailand überlieferten Tradition der Arsacius-Verehrung übereinstimmt.

Darstellung, Attribute, Patronate

Arsacius wird dargestellt als Bischof mit Stab und Mitra, mit dem Schrein der »Heiligen Drei Könige« und mit der ehernen Schlange des Moses. Da Arsacius der Legende nach einer armen Frau eine gefallene Kuh wieder zum Leben erweckt hatte, erlangte er als Patron gegen Viehfall Verehrung.

Peter Pfister

Literatur
Peter Pfister. Das Kollegiatstift Ilmmünster, Pfaffenhofen a.d. Ilm 1989

Lied/Gebet zum Heiligen
O Herr und Gott.
mögest du deine Ohren unseren flehentlichen Bitten öffnen,
die wir anlässlich der Überführung deines Bekenners Arsacius an dich richten.
Er möge stets für uns stellvertretend fürbittend eintreten, damit wir würdig werden,
von unseren Verfehlungen zu den Tugenden hinübergeführt zu werden.
Nach einem Gebet aus dem Messformular der Translationsfeier des hl. Arsacius, 12. Jahrhundert

aus:
Peter Pfister, (Hrsg.), Ihr Freunde Gottes allzugleich - Heilige und Selige im Erzbistum München und Freising, München 2003, S. 176-179.

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