Archiv - Bibliothek

Aus der Arbeit von Archiv und Bibliothek

Hier finden Sie in chronologischer Reihenfolge Mitteilungen und Pressemeldungen rund um die Arbeit von Archiv und Bibliothek.

Für die Forschung gesichert: Übernahme historischer religionspädagogischer Literatur

Transportwagen für übernommene Bücher
Foto: Transportwagen für übernommene Bücher
(Foto: Ulrike Hemmert, Katholische Stiftungshochschule München)
München, 21. März 2024. Die Diözesanbibliothek des Erzbistums München und Freising hat rund 30.000 Bände historischer religionspädagogischer Literatur durch Übernahme aus der Bibliothek der Katholischen Stiftungshochschule München (KSH) dauerhaft für die Forschung gesichert.
Die Bibliothek der Hochschule sah sich aus Platzgründen gezwungen, ältere Literatur, die im aktuellen Studienbetrieb kaum mehr genutzt wird, abzugeben. Dabei handelte es sich neben hochschuleigenen Beständen auch um solche, die der Hochschulbibliothek von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, vom Deutschen Katechetenverein (DKV) und vom ehemaligen Institut für kirchliche Dienste (IKD) übergeben worden waren.
Angesichts der großen Tradition religionspädagogischer Forschung und Lehre in München erklärte sich die Diözesanbibliothek zur Übernahme derjenigen Bände bereit, die von historisch-dokumentarischem Wert sind und in ihrer eigenen Sammlung bisher nicht vorhanden waren. Sie handelte damit im Sinn der seit 2009 in den deutschen Bistümern geltenden „Leitlinien zur Bewahrung von gefährdeten kirchlichen Bibliotheksbeständen“.
Da sowohl die Hochschul- als auch die Diözesanbibliothek Mitglieder im Bibliotheksverbund Bayern sind und dasselbe Bibliotheksprogramm verwenden, war für rund 45.000 angebotene Bände ein automatisierter Dublettenabgleich und eine Migration der Katalogdaten möglich. Letztlich übernommen wurden auf diesem Weg rund 22.000 Bände. Sie sind nun im Online-Katalog der Diözesanbibliothek recherchierbar und mit der Bemerkung „Aus Abgabe 2023 ‚religionspädagogischer Bestand Bibliothek der Katholischen Stiftungshochschule München‘“ gekennzeichnet. Darüber hinaus wurden ein umfangreicher Zeitschriftenbestand und nur in Zettelkatalogen erfasste ältere Literatur vom 16. bis zum 19. Jahrhundert übernommen, deren Bearbeitung noch läuft. Die Zettelkataloge wurden digitalisiert und dokumentieren weiterhin den ursprünglichen Gesamtbestand. Umfangreiche Sondermedien (u.a. Dias, Abschlussarbeiten) gingen an das Archiv des Erzbistums.
Das mit Abstand älteste übernommene Werk ist eine Erstausgabe des berühmten „Großen Katechismus“ von Petrus Canisius SJ aus dem Jahr 1554/55, die bisher in der Diözesanbibliothek nicht vorhanden war. Weitere über 100 Katechismen entstammen dem 17. bis 20. Jahrhundert.
Die umfangreichen Aushebearbeiten und der Transport von München ins diözesane Archiv- und Bibliotheksdepot in Neufahrn bei Freising erfolgten unter Anleitung von Bibliothekarinnen beider Seiten durch Arbeitsteams der Diözesanbibliothek und eine spezialisierte Spedition.
Die aus der Hochschule übernommene Literatur erweitert den religionspädagogischen Bestand der Diözesanbibliothek bedeutend. Dadurch ist ein wichtiger Bereich kirchlicher Tätigkeit nun noch umfassender dokumentiert. Dies ist eine wichtige Voraussetzung dafür, die theoretischen Grundlagen für Schulunterricht und kirchliche Erziehungseinrichtungen zu erforschen und damit auch das Umfeld von psychischem und physischem Missbrauch aufzuhellen.

Von Tod und Wundern: Fortbildungen für Kirchen- und Heimatführer

Titelseite des Sterbebuchs von Egern, 1688-1839
Titelseite des Sterbebuchs von Egern, 1688-1839
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 14. März 2024. Archiv und Bibliothek des Erzbistums bieten in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk im Landkreis Miesbach zwei Fortbildungsveranstaltungen für Kirchen- und Heimatführer an, die aber auch allen Interessierten offenstehen. In ihnen werden am Beispiel der Pfarrei Egern am Tegernsee jeweils grundlegende Themen der Kirchen- und Frömmigkeitsgeschichte behandelt. Referent ist der stellvertretende Direktor von Archiv und Bibliothek des Erzbistums, Dr. Roland Götz.
 
Dreierlei vom Tod: Fortbildung für Kirchenführer
Termin: Samstag, 6. April 2024, 9.30-16.00 Uhr
Tod und Auferstehung Jesu sind zentrale Inhalte des christlichen Glaubens. Sterben müssen wir alle, und die Kirche schreibt es auf. Und: Um viele Kirchen liegt der Friedhof. – Diese drei Aspekte rund um den Tod sind für die kirchliche Verkündigung und auch für Kirchenführungen relevant.
Egern eignet sich als Veranstaltungsort für dieses Thema besonders gut, denn es besitzt mit dem barocken Heiligen Grab, das 2024 wieder aufgestellt wird, ein frommes Schaustück ersten Ranges, die Einträge in den Sterbebüchern von Egern sind ungewöhnlich aussagekräftig, und auf dem Kirchenfriedhof liegen zahlreiche berühmte Tote begraben.
Im Wechsel zwischen Kirche, Pfarrsaal und Friedhof werden Möglichkeiten vorgestellt, den Tod in eine Kirchenführung einzubeziehen.
Kursnummer: 15831
Kosten: 25,00 EUR
Information und Anmeldung: https://www.kbw-miesbach.de/
Tel.: 08025 / 99 29-0
Barocker Wallfahrts-Kupferstich mit dem Gnadenbild von Egern
Barocker Wallfahrts-Kupferstich mit dem Gnadenbild von Egern
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
„Marianischer Wunderbaum“: Aus der Geschichte der Marienwallfahrt in Egern
Termin: Samstag, 4. Mai 2024, 10.00-12.00 Uhr
Rund 150 Jahre lang bestand in der Pfarrkirche Egern eine Wallfahrt zur Marien-Statue auf dem linken Seitenaltar. Einige barocke Votivbilder und -gaben legen davon bis heute Zeugnis ab, vor allem aber die rund 5.000 in „Mirakelbüchern“ aufgeschriebenen „Gebetserhörungen“. Sie erlauben einen einzigartigen Einblick in Entstehung und Entwicklung der Wallfahrt und in das Leben vieler „einfacher“ Menschen, die auf die Fürsprache der Gottesmutter vertrauten. Sie erzählen von Unfällen, Krankheiten und Kriegsereignissen (wie der „Sendlinger Mordweihnacht“ 1705), aber auch vom Wetter vor 300 Jahren.
Bei der gemeinsamen Lektüre von Originaltexten (in moderner Abschrift) begeben sich die Teilnehmer:innen auf eine Entdeckungsreise in die Lebens- und Glaubenswelt unserer Vorfahren. Dabei lernen sie auch die Angebote des Digitalen Archivs des Erzbistums kennen.
Kursnummer: 15799
Kosten: 5,00 EUR
Anmeldung: Tel.: 08022 / 704 448

Lernen an Quellen: Universitäre Übung mit dem Digitalen Archiv des Erzbistums

Seminarsitzung in der Bibliothek des Instituts für Bayerische Geschichte
Seminarsitzung in der Bibliothek des Instituts für Bayerische Geschichte
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 8. März 2024. Die mittlerweile rund 6,5 Millionen Seiten an digitalisierten Archivalien, die das Digitale Archiv des Erzbistums München und Freising online bereitstellt, bilden einen riesigen Quellenfundus, der auch für universitäre Lehrveranstaltungen genutzt werden kann. Praktiziert hat dies im Wintersemester 2023/2024 zum wiederholten Mal der Direktor von Archiv und Bibliothek des Erzbistums, Prof. Dr. Johannes Merz, der als habilitierter Historiker auch an der Ludwig-Maximilians-Universität München lehrt.
 
Die 2-stündige Übung „Geschichte original: Archivalien lesen und verstehen“ führte in den Umgang mit ungedruckten historischen Dokumenten ein und hatte zum Ziel, die angehenden Historiker:innen und Geschichtslehrkräfte zum sachgerechten Umgang mit handschriftlichen Dokumenten der Neuzeit zu befähigen. Ausgehend vom Lesen der alten deutschen Schrift und der Erschließung des Textverständnisses wurden Textsorten, Überlieferung und heutige Formen von Aufbewahrung und Präsentation behandelt. Aufgabe der Teilnehmer:innen war die Einordnung ausgewählter Quellenstücke in den jeweiligen historischen Kontext und in die aktuelle Forschungssituation.
 
Die ausgewählten, ausschließlich deutschsprachigen Quellen reichten von der Reformationszeit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts und waren zum größten Teil dem Digitalen Archiv des Erzbistums entnommen. In gemeinsamer Lektüre und in Referaten der Studierenden wurden u.a. folgende Archivalien behandelt:
  • Schreiben der bayerischen Herzöge an Pfleger und Magistrat von Schrobenhausen zu Gebühren für geistliche Amtshandlungen 1525 (AEM, AA001/1, V13)
  • Ladung der bayerischen Landstände zum Landtag 1532 (AEM DA009, V261)
  • Mandat Herzog Wilhelms IV. gegen die Reformation in der Herrschaft Hohenwaldeck 1584 (AEM, AA001/1, R0209)
  • Visitation der Pfarrei Tittmoning 1617 (AEM AB001/1, S21)
  • Eintrag im Mirakelbuch der Pfarrei Egern zu Teilnehmern der Sendlinger Mordweihnacht 1705 (AEM, CB068, 1)
  • staatliches Verbot der Mitternachtsmesse an Weihnachten 1801 (AEM, AA001/1, R3670)
  • Übergabe von Archivalien Salzburger Stellen an das Generalvikariat Freising 1812 (AEM, AA001/1, R6092)
  • Taufe von fünf Afrikanern im Münchner Dom 1839 (AEM, CB301, M9286)
  • Bitte um Genehmigung einer 900-Jahr-Feier der Kirche St. Sebastian in Ebersberg 1840 (AEM, BB001/3, PfarrA3901)
  • kirchliches Vorgehen gegen eine Frau mit 13 unehelichen Kindern 1858 (AEM, BB001/1, R104)
  • Befreiung der Geistlichkeit vom Militärdienst 1872 (AEM, BB001/1, R3020)
Bei zwei Terminen im Lesesaal von Archiv und Bibliothek hatten die Studierenden auch Gelegenheit, die Dokumente im Original sowie Grundzüge der Archivierung kennen zu lernen.
 
Die Online-Bereitstellung schafft neue Voraussetzungen für die Einbeziehung von Archivalien nicht nur in die universitäre Lehre, sondern auch in den Schulunterricht, die Erwachsenenbildung und andere Formen der Bildungsarbeit. Für Auskünfte und Anregungen hierzu steht der Fachreferent für Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit von Archiv und Bibliothek des Erzbistums, Dr. Roland Götz (rgoetz@eomuc.de), zur Verfügung.

Wissensschatz zur Bistumsgeschichte: „Beiträge zur altbayerischen Kirchengeschichte“ online

Titelblatt von Band 23/2 (1963) mit dem Signet des Vereins für Diözesangeschichte
Titelblatt von Band 23/2 (1963) mit dem Signet des Vereins für Diözesangeschichte
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 15. Februar 2024. Der Verein für Diözesangeschichte von München und Freising e.V. stellt mehr als 20.000 Seiten seiner Zeitschrift „Beiträge zur altbayerischen Kirchengeschichte“ aus den Jahren 1850–2019 online. Damit ist der Zugang zu einem bistumsgeschichtlichen Wissensschatz wesentlich erleichtert. Dies ist ein großer Gewinn auch für die Nutzer:innen des Archivs des Erzbistums, mit dem der Verein seit jeher eng zusammenarbeitet.
 
Die Zeitschrift wurde 1850 von dem vielfach um die Diözesangeschichte verdienten Münchner Generalvikar und Dompropst Martin von Deutinger (1789–1854) begründet. Unter dem Titel „Beyträge zur Geschichte, Topographie und Statistik des Erzbisthums München und Freysing“ gab er bis 1854 sechs Bände heraus, weitgehend mit eigenen Beiträgen. Nach längerer Unterbrechung erschien 1901–1921 eine „Neue Folge“. Seit 1929 wird die bistumsgeschichtliche Zeitschrift vom Verein für Diözesangeschichte herausgegeben, der 1925 gegründet wurde und somit 2025 sein 100-jähriges Bestehen feiern kann. Mit Ausnahme der Zeit des Zweiten Weltkriegs erscheint seitdem in der Regel jährlich ein Band, der den Vereinsmitgliedern kostenlos zugeht. Die Themen der einzelnen Beiträge entstammen der gesamten mehr als 1.300-jährigen Freisinger und Münchner Diözesangeschichte – von der Christianisierung Bayern bis zur kirchlichen Zeitgeschichte – und umfassen alle Aspekte des kirchlichen Lebens.
 
Durch die Digitalisierung und Online-Stellung werden einige längst vergriffene, aber wegen ihres dokumentarischen oder wissenschaftlichen Wertes immer noch gefragte Bände wieder zugänglich: Etwa die von Deutinger zusammengestellten Dokumente zur Freisinger Schulgeschichte und zur Geschichte des Oberammergauer Passionsspiels, die 1913 (und damit vor den Verlusten im Ersten Weltkrieg) von Matthias Seeanner publizierte Dokumentation sämtlicher Glocken im Erzbistum oder die volkskundliche Auswertung der Mirakelbücher der Marienwallfahrt Tuntenhausen durch Irmgard Gierl (1960).
 
Die online gestellten Bände sind durch mehrere Register und ein Gesamtinhaltsverzeichnis erschlossen. Die Einzelbeiträge können durch ‚Sprungmarken‘ rasch aufgesucht werden. Ein Großteil der älteren Bände ist nach wie vor auch im Original erhältlich. Sie können – ebenso wie die aktuellen Jahrgänge – bestellt werden unter: info@vdg-muenchen.de

Eine Münchner Prophetin: Dokumente zu Maria Anna Lindmayr online

•Maria Anna Lindmayr als Terziarin des Karmelitenordens; Ölgemälde von 1704 (Provinzialat des Teresianischen Karmel, München)
Maria Anna Lindmayr als Terziarin des Karmelitenordens; Ölgemälde von 1704 (Provinzialat des Teresianischen Karmel, München)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 8. Februar 2024. Mit der „Sammlung Lindmayr“ macht das Archiv des Erzbistums München und Freising einen der umfangreichsten Bestände weiblicher „Ego-Dokumente“ aus der Barockzeit in Bayern online zugänglich und eröffnet so neue Forschungsmöglichkeiten.
 
Maria Anna Lindmayr wurde 1657 in München als Tochter eines herzoglichen Kammerdieners geboren. Die fromme und wohltätige Familie zählte 15 Kinder. Mehrere davon gingen ins Kloster oder wurden Priester. Bei Maria Anna zeigte sich früh eine mystisch-visionäre Begabung. Mehrere Versuche, in ein Kloster einzutreten, scheiterten jedoch an mangelnder Mitgift oder an Erkrankungen. So blieb sie unter Anleitung von Beichtvätern (zuerst aus dem Jesuiten-, dann aus dem Karmelitenorden) „in der Welt“, gelobte aber freiwillig Armut, Keuschheit und Gehorsam.
 
Zunehmend erlebte sie „Zustände“: Ihr Körper erstarrte, sie sprach „von göttlichen Dingen“. In Visionen sah sie die Dreifaltigkeit, Heilige und hunderte Arme Seelen im Fegfeuer, für die sie stellvertretend Sühne leistete. 1691 wurde Maria Anna „Terziarin“ des Karmelitenordens und lebte fortan nach dessen strenger Regel. Immer mehr Bürger und Adelige erbaten von ihr Rat, selbst weibliche Mitglieder der Herrscherfamilien. Wie die biblischen Propheten scheute sie auch vor Kritik an den Herrschern ihrer Zeit nicht zurück und mahnte sie zu Bekehrung und politischer Einigkeit.
 
Mit vielfältiger Unterstützung brachte sie es zuwege, die 1704 im Spanischen Erbfolgekrieg von den Münchner Ständen gelobte Dreifaltigkeitskirche mit einem Kloster für Unbeschuhte Karmelitinnen zu verbinden. 1713 legte sie hier als Schwester Maria Anna Josepha a Jesu die ewige Profess ab und wirkte dann als Krankenschwester, als Priorin und schließlich als Novizenmeisterin. Sie starb 1726 im „Ruf der Heiligkeit“. Ein vom Freisinger Fürstbischof sofort eingeleiteter Prozess zu ihrer Seligsprechung wurde jedoch nie zu Ende geführt.
Erste Seite der autographen Autobiographie von 1702
Erste Seite der autographen Autobiographie von 1702
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)

Bis heute erhalten sind ihre umfangreichen, großenteils eigenhändigen Aufzeichnungen zu ihrem Leben und ihren visionären Erlebnissen sowie zahlreiche Briefe. Damit ist Maria Anna eine der wenigen weiblichen Stimmen aus dem alten München, die heute noch vernehmbar sind; denn derartige „Ego-Dokumente“ von Frauen ohne höhere Herkunft und Bildung und ohne öffentliche Stellung sind aus der Frühen Neuzeit selten. Das Material erlaubt eingehende Forschungen zur Kirchen- und Frömmigkeits-, Sprach- und Literatur- sowie zur Frauen- und bayerischen Landesgeschichte. Mehrere wissenschaftliche Projekte dazu befinden sich in Planung.
 
Die Sammlung ist im Archiv der Bayerischen bzw. Deutschen Provinz der Unbeschuhten Karmeliten erwachsen und umfasst verschiedenen ursprünglichen Provenienzen entstammendes Material von und über Maria Anna Lindmayr. Sie wurde 2008 durch das Provinzialat des Teresianischen Karmel (Unbeschuhte Karmeliten) als Depositum an das Archiv des Erzbistums übergeben. Auf die kürzlich erfolgte detaillierte Neuverzeichnung folgte die vollständige Digitalisierung und nun die Online-Stellung. Bereits seit längerem online nutzbar sind die Unterlagen, die im Zuge des Seligsprechungsprozesses im 18. Jahrhundert bei der Freisinger Geistlichen Regierung erwuchsen bzw. zusammengetragen wurden, darunter das Autograph einer besonders wichtigen Autobiographie von 1702.

Bistumsgeschichte original: Angebote zum „Tag der Archive“

Schenkung von Reliquien des hl. Korbinian an dessen Heimatpfarrei Arpajon durch Bischof und Domkapitel von Freising; kalligraphisch gestaltete Pergamenturkunde, 25. August 1711 (Ausschnitt)
Schenkung von Reliquien des hl. Korbinian an dessen Heimatpfarrei Arpajon durch Bischof und Domkapitel von Freising; kalligraphisch gestaltete Pergamenturkunde, 25. August 1711 (Ausschnitt)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 2. Februar 2024. Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising ermöglichen am bundesweiten „Tag der Archive“ am Samstag, 2. März, fundierte Einblicke in 1.300 Jahre Bistumsgeschichte anhand von Führungen, einer Online-Ausstellung und einer neuen Publikation zu historischen Quellen „von Korbinian bis heute“. Das ganze Jahr 2024 hindurch erinnert die Erzdiözese an das 1.300-jährige Jubiläum der Ankunft des heiligen Korbinian, Hauptpatron des Erzbistums, in Freising.
 
Am „Tag der Archive“ besteht die seltene Gelegenheit, Dokumente vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert im Original zu sehen und erläutert zu bekommen. Im barocken Lesesaal von Archiv und Bibliothek des Erzbistums (Karmeliterstr. 1, Eingang Pacellistr.) werden von 10 bis 16 Uhr jeweils zur vollen Stunde Führungen angeboten. Der Bogen spannt sich von der ältesten farbigen Darstellung des Freisinger Bistumswappens in einem Güterverzeichnis des Jahres 1316 über den Vertrag mit den Künstlerbrüdern Asam zur Barockisierung des Freisinger Doms (1723) und Akten zu unehelichen Müttern bis hin zu den Manuskripten der Silvesterpredigten von Erzbischof Julius Kardinal Döpfner (1961 bis 1975).
 
Zeitgleich wird unter www.erzbistum-muenchen.de/archiv-und-bibliothek eine Online-Ausstellung freigeschaltet, in der diese und weitere Quellen zur Bistumsgeschichte innovativ präsentiert werden: Hier können alle Interessierten in digitalisierten Handschriften und Drucken virtuell blättern und sich Transkriptionen und Übersetzungen ausgewählter Textpassagen anzeigen lassen.
 
Ebenfalls den Quellen zur Bistumsgeschichte war bereits im Mai 2023 eine wissenschaftliche Tagung gewidmet, die Archiv und Bibliothek des Erzbistums in Kooperation mit dem Verein für Diözesangeschichte von München und Freising und der Domberg-Akademie Freising veranstalteten. Forscherinnen und Forscher verschiedener Fachrichtungen beschäftigten sich mit ausgewählten Quellen „von Korbinian bis heute“ und befragten sie neu auf ihren Aussagewert. Die Referate der Tagung, ergänzt um einen Beitrag zu Impulsen aus der Geschichte für die Zukunft, liegen nun als Publikation vor. Der Band unter dem Titel „Bistumsgeschichte original. Historische Quellen von Korbinian bis heute neu befragt“ wird am „Tag der Archive“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Herausgeber sind Franz Xaver Bischof, emeritierter Professor für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Roland Götz, stellvertretender Direktor des Archivs und der Bibliothek des Erzbistums, sowie deren Direktor Johannes Merz. Das Buch kann anschließend über jede Buchhandlung oder (zzgl. Versandkosten) über den Verein für Diözesangeschichte (info@vdg-muenchen.de) bezogen werden.

Weihnachtsstress um 1500: Das Mesnerpflichtenbuch des Freisinger Doms

Beginn der Anweisungen zum Weihnachtsfest
Beginn der Anweisungen zum Weihnachtsfest
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 20. Dezember 2023. Während für die Meisten der vorweihnachtliche Stress an den Feiertagen hoffentlich nachlässt, sind bestimmte Berufsgruppen in dieser Zeit besonders gefordert. Dies betrifft nicht nur Polizei, Rettungs- und Pflegedienste, sondern insbesondere auch kirchliche Beschäftigte. Einen Blick zurück um mehr als 500 Jahre erlaubt das Mesnerpflichten- bzw. Verrichtungsbuch des Freisinger Doms, das im Archiv des Erzbistums München und Freising erhalten und über das Digitale Archiv des Erzbistums online zugänglich ist.
 
In diesem Buch sind die Anweisungen gesammelt, die die Freisinger Dommesner – in der Regel ein Ober- und ein Unter-„Custerer“ – das Kirchenjahr hindurch bei der Vorbereitung der Gottesdienste zu beachten hatten. Dies betraf das Zusammenläuten, das Bereitlegen der Paramente in der richtigen liturgischen Farbe, die Bereitstellung sonstiger Utensilien (z.B. Weihwasserkessel, Rauchfässer und das Vortragekreuz für Prozessionen), das Aufstellen von Reliquiaren auf den Altären und das Anzünden von Kerzen. Im mittelalterlichen Dom war auch darauf zu achten, wann am Hochaltar (der 1443 vom Wiener Jakob Kaschauer geschaffen wurde) die äußeren bzw. auch die inneren Flügel zu öffnen waren, so dass der Schrein mit den Statuen der Dompatrone (Maria, Korbinian und Sigismund) sichtbar wurde. Hatten die Mesner Zweifel, was zu tun war, sollten sie den Domdekan befragen und sich nach seinen Anweisungen richten.
 
Mit dem gänzlichen Öffnen des Hochaltars begannen am Morgen des 24. Dezember die Weihnachtsvorbereitungen. In einer Kathedrale waren nicht nur die allgemein üblichen Messen, sondern auch die vom Domklerus zu verschiedenen Tag- und Nachtzeiten verrichteten Chorgebete zu berücksichtigen. Zur Vesper am Heiligen Abend läutete man mit sämtlichen Glocken. Im Altarraum anwesend waren der Fürstbischof, der Weihbischof, das Domkapitel und (als Singknaben) die Schüler der Domschule mit ihrem Lehrer. Zwei junge Domherren hatten die auf den beiden Seiten des Chorgestühls Sitzenden mit Weihrauch zu „rauchen“. Für die langen nächtlichen Gottesdienste war insbesondere dafür zu sorgen, dass alle Beteiligten mit Kerzen ausgestattet waren. Wenn der Bischof selbst die Festmesse zelebrierte, waren für ihn über die normalen Paramente hinaus Mitra und Stab in der Sakristei bereitzulegen.
 
In ähnlicher Weise sind die Vorkehrungen für alle weiteren Festzeiten des Jahres, aber auch für die „normalen“ Zeiten aufgeführt, so dass auf dieser pragmatischen Ebene die damalige Domliturgie umfassend dokumentiert ist. Neben dem spätmittelalterlichen Verrichtungsbuch, von dem übrigens auch eine Abschrift aus dem frühen 19. Jahrhundert existiert, sind im Digitalen Archiv noch drei weitere derartige Instruktionen zu finden: Die nächstjüngere (mit dem Titel „Verzaichnus der Articl, so die zwen Custer betreffentt“) stammt wohl vom Anfang des 17. Jahrhunderts, jedenfalls von vor 1625, als der mittelalterliche Hochaltar noch stand. Bald darauf, 1633, wurde eine Neufassung für den nun im frühbarocken Stil umgestalteten Dom erstellt. Mit dem Verrichtungsbuch von 1743 ist auch der Stand nach der (zweiten) Barockisierung durch die Brüder Asam (1723/24) erfasst. Damit stehen für die Forschung Quellen bereit, welche die Entwicklung der Domliturgie über einen Zeitraum von rund 250 Jahren nachvollziehen lassen.

Bayern und die Welt: Akten des Ludwig-Missionsvereins online

„Salesianum“ (heute: Saint Francis de Sales Seminary) in St. Francis bei Milwaukee (Bundesstaat Wisconsin), Briefkopf eines Schreibens von 1862
„Salesianum“ (heute: Saint Francis de Sales Seminary) in St. Francis bei Milwaukee (Bundesstaat Wisconsin), Briefkopf eines Schreibens von 1862
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 15. Dezember 2023. Mit den Akten des 1838 gegründeten Ludwig-Missionsvereins sind im Digitalen Archiv ab sofort wichtige Quellen zur weltweiten Geschichte des Christentums online verfügbar. Sie dokumentieren die frühe Tätigkeit des heutigen Missionswerks „missio München“.
 
Nach französischem und österreichischem Vorbild entstand mit Unterstützung Königs Ludwigs I. 1838 in München ein bayerisches Missionswerk zur Unterstützung der jungen Kirche in Nordamerika und Asien. Ziel des nach seinem Protektor benannten Ludwig-Missionsvereins war es, hauptsächlich die aufblühenden nordamerikanischen und asiatischen Missionen mit Geldmitteln zu unterstützen, regelmäßig und solidarisch für sie zu beten sowie mit Schriften das Interesse an ihnen zu fördern. Einen Schwerpunkt bildete in der Anfangszeit die religiöse Unterstützung der zahlreichen deutschen Emigranten in Nordamerika durch die Gewährleistung deutschsprachiger Seelsorge und die Errichtung von Kirchen, Klöstern und kirchlichen Schulen.
 
1922 von Pius XI. in den Rang eines „Päpstlichen Werks der Glaubensverbreitung” erhoben, firmiert der Verein seit 1972 unter der Bezeichnung „missio – Internationales Katholisches Missionswerk Ludwig Missionsverein KdöR" (kurz: „missio München“) als bayerisches Schwesterinstitut des in Aachen ansässigen Hilfswerks „missio“. Es fördert bis heute alljährlich zahlreiche Projekte in Afrika, Asien und Ozeanien.
 
2017 hat „missio München“ u.a. seinen umfangreichen Archiv-Altbestand zum Ludwig-Missionsverein als Depositum dem Archiv des Erzbistums München und Freising übergeben. Nach Ordnung und Verzeichnung wurden die Akten nun vollständig digitalisiert und können online von allen Interessierten genutzt werden. Neben der fast vollständigen Reihe der Sitzungsprotokolle der „Zentraldirektion“ des Vereins von 1839 bis 1942 sind insbesondere die nach Ländern und Orten gegliederten Akten zu den einzelnen unterstützten Gemeinden bzw. Projekten bemerkenswert. So sind z.B. Korrespondenzen mit nicht weniger als 85 nordamerikanischen Partnern aus der Zeit zwischen den 1830er Jahren und dem Ersten Weltkrieg überliefert, die Einblicke in die frühe Geschichte der katholischen Kirche in den USA gewähren. Die Schreiben sind in der Regel in deutscher Sprache (und deutscher Schrift), nur fallweise in Englisch oder Französisch abgefasst.

Zum Beispiel Nußdorf: Neue „Pfarrakten“ im Digitalen Archiv

Nachlassinventar des Vikars Kajetan Wazinger von Nußdorf am Inn, 1793 (Ausschnitt)
München, 14. Dezember 2023. Mit rund 3.000 weiteren digitalisierten Akten zu den einzelnen Pfarreien des Erzbistums München und Freising setzt das Archiv des Erzbistums die Online-Bereitstellung dieser wichtigen Aktengruppe fort. Umfasst sind die Pfarreien von Niederaschau bis Pfrombach. Insgesamt sind nun rund 17.000 „Pfarrakten“ online verfügbar.
 
In den „Pfarrakten“ (die nicht mit den Unterlagen aus Pfarrarchiven verwechselt werden dürfen) sind alle pfarrlichen Angelegenheiten dokumentiert, mit denen sich die jeweilige kirchliche Oberbehörde zwischen dem späten 16. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts befasst hat, seien es Personal-, Bau- und Seelsorgethemen oder die Regelung des Nachlasses verstorbener Geistlicher.
 
Anschauliche Beispiele der thematischen Vielfalt und des Quellenwertes der „Pfarrakten“ sind die Unterlagen zur Pfarrei Nußdorf am Inn. Der Nußdorfer Sprengel - lange Zeit Filiale bzw. Vikariat der Tiroler Pfarrei Erl - lag bis 1811 im Archidiakonatsbezirk Chiemsee des Erzbistums Salzburg, wurde dann provisorisch vom Freisinger Domberg aus verwaltet und gehört seit 1821 zum Erzbistum München und Freising. Folglich setzen sich die „Pfarrakten“ zu Nußdorf im Wesentlichen aus Unterlagen des Archidiakonats Chiemsee und des Erzbischöflichen Ordinariats München zusammen.
 
Bis ins 17. Jahrhundert zurück reichen die Akten zur „Pfarrbeschreibung“, in denen die wichtigsten historischen und rechtlichen Informationen zur Pfarrei zusammengestellt sind. Im (traditionell so benannten) Gliederungspunkt „Akten vermischten Inhalts“ geht es um die Erhebung des Vikariats zur Pfarrei, aber auch um Beschwerden der Gemeinde gegenüber ihren Geistlichen, u.a. wegen Verleumdung und Schulden. Die umfangreichen Akten zu den „Verlassenschaften“ bieten mit detaillierten Inventaren des Nußdorfer Vikariatshauses Einblicke in die materielle Lebenswelt der Seelsorgegeistlichen. Im Gliederungspunkt „Pfarrkirchen- und Pfarrhofbauten“ geht es u.a. um den Neubau der 1754 durch Blitzeinschlag und nachfolgendes Feuer zerstörten Nebenkirche St. Leonhard in Nußdorf. Besonders vielfältig sind die unter „Pastoral- und Kultusgegenstände“ versammelten Themen: Errichtung und Aktivitäten der örtlichen Skapulierbruderschaft, Bau eines Altars zu Ehren des hl. Antonius von Padua (1683) und eines neuen Hochaltars (1735), eine Klage wegen eines nicht eingehaltenen Eheversprechens (1725), die Bestrafung eines 13-jährigen Bauernsohns wegen einer Rauferei mit Blutvergießen in der Kirche (1756), die Entstehung eines Leonhardiritts (1767) und die Weihe eines Kreuzes auf dem Heuberg (1919). Bemerkenswert erscheint, dass im 19. Jahrhundert zwischen der Pfarrgemeinde und dem Pfarramt ein Vertrag über die Abhaltung der Fastenpredigten und der Festpredigten an den Hochfesten im Gegenzug zum Verzicht auf mehrere Tanzveranstaltungen geschlossen wurde. Zahlreich sind im Gliederungspunkt „Filial- und Nebenkirchen“ die Unterlagen zur Tätigkeit von Einsiedlern an der Filial- und Wallfahrtskirche Kirchwald. Ebenso ist die Erweiterung und Weihe der Kirche dokumentiert, die sich 2022 zum 300. Mal jährte.
 
Die Neuverzeichnung, Digitalisierung und Online-Stellung der „Pfarrakten“ wird kontinuierlich fortgesetzt. Den Abschluss wird die Bearbeitung der umfangreichen Akten zu den Münchner Pfarreien bilden.

Zwischen Leonhardifahrt und Traktorensegnung. Dokumentation religiösen Brauchtums in den 1950er Jahren

Leonhardi-Fahrt in Bad Tölz (Foto-Postkarte aus dem Gebirgskarten-Verlag Peter Triem, München)
München, 6. Dezember 2023. Immer wieder in den letzten zwei Jahrhunderten mussten die Pfarrer für das Münchner Ordinariat den aktuellen Stand ihrer Pfarreien beschreiben oder schriftliche Ausarbeitungen zu pastoralen Themen einsenden. Die Pfarrer mag dies weniger gefreut haben. Doch sie schufen damit höchst aufschlussreiche Quellen, die Einblicke in das kirchliche Leben der näheren und ferneren Vergangenheit erlauben.
 
Im Archiv des Erzbistums München und Freising umfasst der Bestand „Pastoralkonferenzen“ den Zeitraum 1943-1965. Er versammelt die Einsendungen zu Themen, die das Ordinariat vorgab und mit denen sich die Geistlichen eines Dekanats bei ihren regelmäßigen Treffen zu befassen hatten. Darin geht es um verschiedenste pastorale Herausforderungen der jeweiligen Gegenwart (wie die Auswirkungen von Krieg und NS-Diktatur, die Integration von Flüchtlingen oder die Situation der christlichen Ehe), um Fragen des Religionsunterrichts, aber auch um historische Themen, die die Pfarrer anhand ihres Pfarrarchivs bearbeiten sollten.
 
Die vierte „These“ des Jahres 1958 hatte das „noch erhaltene, absterbende oder bereits abgestorbene religiöse Brauchtum des Seelsorgsbezirkes“ zum Thema. Für Vergangenheit und Gegenwart sollten sich die Pfarrer auf persönliche Erlebnisse, mündliche Berichte und historische Aufzeichnungen stützen. Sie sollten aber auch zukunftsweisende Anregungen und Vorschläge zur Erhaltung oder Wiederbelebung wertvoller Bräuche geben und Ansätze zur Bildung neuen Brauchtums aufzeigen. Besonders interessant macht die Berichte der Umstand, dass sie aus einer gesellschaftlichen Umbruchszeit stammen, in der nicht nur in Kirche und religiösem Brauchtum vieles in Frage stand.
 
Bisher wurden die rund 1.600 (!) Seiten zum Thema nie vollständig ausgewertet. Ein Beitrag in der jüngsten Ausgabe des Magazins „Gemeinde creativ“, die dem Thema „Bräuche und Riten im Wandel“ gewidmet ist, bietet einige Streiflichter, die zur weiteren Forschung anregen sollen.
 
Die Berichte zur Pastoralkonferenz von 1958 sind – nach Dekanaten geordnet – online unter folgenden Signaturen über das Digitale Archiv des Erzbistums einsehbar:
·         PastK119 (Dekanate Abens, Aibling, Baumburg, Chiemsee)
·         PastK120 (Dekanate Dorfen, Ebersberg, Egenhofen, Erding, Stadtkommissariat Freising, Dekanate Fürstenfeldbruck, Gars, Isen, Stadtkommissariat Landshut, Dekanate Miesbach, Mühldorf)
·         PastK121 (Dekanate München-Innere Stadt, München-Nordost, München-Nordwest, München-Süd, München-Südost, München-Südwest, München-Land)
·         PastK122 (Dekanate Rosenheim, Rottenbuch, Scheyern, Schloßberg, Seeon, Tegernsee, Teisendorf, Tittmoning)
·         PastK123 (Dekanate Tölz, Traunstein, St. Veit bei Neumarkt, Wartenberg, Wasserburg, Weihenstephan, Werdenfels, Wolfratshausen).

Praktikum im Kirchenarchiv: Beitrag des Diözesanarchivs zur archivarischen Ausbildung

Bearbeitung der Akten der Freisinger Geistlichen Regierung zum Tiroler Bistumsteil
Bearbeitung der Akten der Freisinger Geistlichen Regierung zum Tiroler Bistumsteil (Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 13. November 2023. In schöner Regelmäßigkeit absolvieren angehende Archivarinnen und Archivare unterschiedlicher Ausbildungsgänge mehrwöchige Praktika im Archiv des Erzbistums München und Freising. Diese dienen dazu, Einblicke in wichtige andere Archivsparten zu gewinnen und so die künftige Zusammenarbeit zu fördern. Feststehende Teile des Praktikumsprogramms sind ein Überblick über Aufgaben und Tätigkeitsbereiche eines Diözesanarchivs, ein Besuch im Archiv- und Bibliotheksdepot in Neufahrn bei Freising und eine Einführung in die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Archiv-Software ActaPro, die Digitalisierungsstrategie und die umfangreichen Online-Angebote des Archivs des Erzbistums. Daneben bearbeiten die Praktikantinnen und Praktikanten jeweils eine konkrete Aufgabe in der Ordnung und Verzeichnung kirchlicher Unterlagen. Dies gibt Gelegenheit, neben methodischen auch vielfältige inhaltliche Themen anzusprechen.
 
Die junge Historikerin, die im September zum Praktikum ins Archiv des Erzbistums kam, tat dies im Rahmen ihrer Ausbildung zur Diplom-Archivarin (FH) beim Landschaftsverband Rheinland bzw. an der Archivschule Marburg – Hochschule für Archivwissenschaft. Das Haus war ihr nicht unbekannt, hat sie doch ihr Geschichtsstudium in München absolviert und ihre Magisterarbeit im Fach Bayerische Geschichte anhand von Quellen aus dem Archiv des Erzbistums verfasst: „Das Salbuch der Pfarrei Fürholzen. Biografie und Selbstdarstellung eines barocken Pfarrers um 1750“.
 
Die Vertrautheit mit Handschriften der Frühen Neuzeit kam ihr bei der Bearbeitung von Akten zum ehemaligen Tiroler Anteil des Bistums Freising zugute. Die westlich von Kufstein gelegenen Pfarreien Angath, Breitenbach und Langkampfen gehörten bis zur Neuziehung der bayerischen Bistumsgrenzen 1821 zum Bistum Freising, lagen jedoch in habsburgischem Herrschaftsgebiet. Dies erforderte vielfach Spezialregelungen, was die Freisinger Geistliche Regierung zu einer separaten Ablage der „Tiroler Akten“ veranlasste. Für diesen Teil der Registratur ist das originale Findbuch von 1814 enthalten. Dieses und die auf einem Teil der Akten noch vorhandenen Altsignaturen ermöglichten es, den etwa zwei Regalmeter umfassenden Bestand wieder in die ursprüngliche Ordnung zu bringen und so neu zu verzeichnen. Im Rahmen des Praktikums konnte dies mit ca. 270 Archivalieneinheiten geschehen, die zugleich in säurefreie Mappen neu verpackt wurden.
 
Referendarinnen und Referendare der Bayerischen Archivschule mit dem Ergebnis ihrer Praktikumsarbeit
Referendarinnen und Referendare der Bayerischen Archivschule mit dem Ergebnis ihrer Praktikumsarbeit
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
Sechs Referendarinnen und Referendare der Bayerischen Archivschule waren von Mitte Oktober bis Mitte November im Archiv des Erzbistums. Es handelt sich um bereits promovierte Historiker:innen sowie einen auf Kirchengeschichte spezialisierten Theologen, die sich durch eine anspruchsvolle Zusatzausbildung für den staatlichen höheren Archivdienst qualifizieren. Der zweijährige „Vorbereitungsdienst“ gliedert sich in drei Theorieabschnitte (mit insgesamt 14 Monaten Dauer) und zwei Praktikumsabschnitte (mit zehn Monaten).
 
Ihnen wurde die Überarbeitung des vorhandenen, jedoch unzulänglichen digitalen Findbuchs zu einem der zentralen Bestände des Archivs anvertraut: der Akten der Erzbischöfe von München und Freising von der Bistumserrichtung 1821 bis zum Jahr 1917 (in dem mit dem Amtsantritt von Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber eine neue Epoche der Aktenbildung begann). Es galt, die vorhandenen Angaben zu Betreff und Laufzeit zu überprüfen, detailliertere Inhaltsangaben zu verfassen und dabei auch den jeweiligen Erhaltungszustand zu dokumentieren. Die 43 in den Akten enthaltenen, oft schwer lesbaren Papsturkunden waren einzeln zu erfassen. Insgesamt wurden auf diese Weise 354 Archivalieneinheiten bearbeitet. Dabei ergab sich für die Praktikantinnen und Praktikanten ein vertiefter Einblick in kirchenrechtliche Zusammenhänge, die kirchliche Verwaltung und die Tätigkeit eines Erzbischofs.
 
Die Ergebnisse beider Praktika werden nach Vervollständigung bzw. weiterer Überarbeitung in das Online-Angebot des AEM eingehen.

Frauen als Kriegsbeute: Kriegs- und Einmarschberichte des Erzbistums in Fernseh-Dokumentation

Kriegs- und Einmarschbericht der Pfarrei Ramsau bei Berchtesgaden (Ausschnitt)
Kriegs- und Einmarschbericht der Pfarrei Ramsau bei Berchtesgaden (Ausschnitt)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 6. November 2023. Rund 560 „Kriegs- und Einmarschberichte“, in denen die Pfarrer des Erzbistums 1945 vom Ende des Zweiten Weltkriegs berichteten, verwahrt das Archiv des Erzbistums München und Freising. Wegen ihres hohen Quellenwertes wurden sie bereits 2005 vollständig gedruckt; die mittlerweile vergriffene Edition ist kostenlos online zugänglich.
 
Für ihr 2015 erschienenes, inzwischen in 3. Auflage vorliegendes Buch „Als die Soldaten kamen“ hat die in Konstanz lehrende Historikerin Miriam Gebhardt die Kriegs- und Einmarschberichte erstmals als wichtige Quellen für die Vergewaltigung deutscher Frauen bei Kriegsende herangezogen.
 
Am 25. September 2023 wurde in der ARD zum selben Thema die Dokumentation „1945 – Frauen als Kriegsbeute“ von Henrike Sandner ausgestrahlt. Dreharbeiten dafür fanden u.a. im Lesesaal des Archivs des Erzbistums statt. Auch die Bedeutung der Kriegs- und Einmarschberichte kommt zur Sprache. Der 44-minütige Film aus der Reihe „ARD History“ ist noch bis zum 24. Dezember 2023 in der Mediathek der ARD greifbar.

Quellen zum bayerischen Landtag online: Landtagshandlungen der Reformationszeit im Digitalen Archiv des Erzbistums

Titelseite der „Landtagshandlungen“ von 1519 (Ausschnitt)
Titelseite der „Landtagshandlungen“ von 1519 (Ausschnitt)
München, 27. Oktober 2023. Anlässlich des ersten Zusammentritts des neu gewählten 19. Bayerischen Landtags weisen Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising darauf hin, dass in ihrem Online-Angebot wichtige handschriftliche Quellen zum Landtag der Frühen Neuzeit bequem nutzbar sind.
 
Seit dem späten Mittelalter versammelten sich Vertreter der mit Grund- und Herrschaftsrechten ausgestatteten bayerischen „Landstände“ (Adel, Geistlichkeit, Städte und Märkte) zu „Landtagen“, um gegenüber dem Landesherrn ihre politischen Mitbestimmungsrechte (insbesondere bei Steuererhebung und Finanzverwaltung) auszuüben. Die Verhandlungen mit dem Landesherrn wurden durch die Niederschrift der gewechselten Schriftstücke und ergänzender Erläuterungen dokumentiert. Von den so entstandenen „Landtagshandlungen“ wurden zahlreiche Abschriften für einzelne Landstände gefertigt. Diese ältere Form der bayerischen Landtage als Ständevertretung endete durch die politische Neuordnung des Königsreichs Bayern 1808.
 
Obwohl die „Landtagshandlungen“ zentrale Quellen für die bayerische Geschichte des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit darstellen, sind sie in gedruckter Form bislang nur unvollständig und in über 200 Jahre alten, heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen kaum genügenden Publikationen greifbar. Insbesondere für die wichtige Epoche der Reformationszeit (1517-1555) fehlen Veröffentlichungen der „Landtagshandlungen“ fast vollständig.
 
Das Archiv des Erzbistums besitzt aufgrund von Sammeltätigkeit im 19. Jahrhundert eine umfangreiche Folge handschriftlicher Exemplare von „Landtagshandlungen“. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung und Online-Stellung wichtiger Altbestände sind auch sie mittlerweile über das Digitale Archiv des Erzbistums bequem nutzbar. Zum Aufrufen der einzelnen Bände reicht es aus, die jeweilige Signatur in das Suchfeld der Volltextrecherche-Maske einzugeben.

Signatur: V253; Jahr des Landtags: 1514
Signatur: V254; Jahr des Landtags: 1515
Signatur: V254; Jahr des Landtags: 1515
Signatur: V255; Jahr des Landtags: 1516
Signatur: V256; Jahr des Landtags: 1519
Signatur: V257; Jahr des Landtags: 1522
Signatur: V258; Jahr des Landtags: 1526
Signatur: V260; Jahr des Landtags: 1529
Signatur: V261; Jahr des Landtags: 1532
Signatur: V262; Jahr des Landtags: 1535
Signatur: V265; Jahr des Landtags: 1541
Signatur: V263; Jahr des Landtags: 1543
Signatur: V264; Jahr des Landtags: 1544
Signatur: V266; Jahr des Landtags: 1545
Signatur: V267; Jahr des Landtags: 1547
Signatur: V268; Jahr des Landtags: 1550
Signatur: V269; Jahr des Landtags: 1550
Signatur: V270; Jahr des Landtags: 1552
Signatur: V271; Jahr des Landtags: 1553
Signatur: V272; Jahr des Landtags: 1556
Signatur: V273; Jahr des Landtags: 1557
Signatur: V274; Jahr des Landtags: 1568
Signatur: V275; Jahr des Landtags: 1570
Signatur: V276; Jahr des Landtags: 1583

Jahrtage, Wunder und Sonstiges Fünf neue ausgewählte Einzelstücke im Digitalen Archiv

Wappen von Pfarrer Heinrich Wambold (1498-1508) und Kirchpröpsten im Kalendarium von Landshut-St. Jodok
Wappen von Pfarrer Heinrich Wambold (1498-1508) und Kirchpröpsten im Kalendarium von Landshut-St. Jodok
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 15. September 2023. Das Digitale Archiv des Erzbistums erweitert sein Angebot um fünf herausragende Einzelstücke, die aus Pfarrarchiven stammen. Die Digitalisate sind ab sofort in der „alternativen Beständeübersicht“ in der Rubrik „ausgewählte Objekte (nach Orten)“ zu finden.
 
Aus der Pfarrei Landshut-St. Jodok und der Pfarrei Gmund am Tegernsee stammen zwei mittelalterliche, auf Pergament geschriebene liturgische Kalender, die 1491 bzw. 1496 angelegt wurden. Ihr primärer Zweck war, die regelmäßige Feier gestifteter Gottesdienste (v.a. Jahrtage für Verstorbene) im Jahreslauf sicherzustellen; im Verlauf der Jahrhunderte kamen immer wieder neue diesbezügliche Einträge hinzu. Darüber hinaus wurden darin Urkundentexte und historische Notizen verschiedenster Art eingetragen, die sie zu einer Art Geschichtsbuch ihrer Pfarrei machten.
 
So sind im Landshuter Kalender (auf der Innenseite des vorderen Einbanddeckels) auch Unwetterschäden an der Kirche aus den Jahren 1494 und 1580 dokumentiert. Vor allem zeichnet sich dieser Kalender an seinem Anfang aus durch farbige Darstellungen der Wappen des jeweiligen Pfarrers und der jeweils zwei „Kirchpröbste“, die aus der Gemeinde zur Mitverwaltung des Kirchenvermögens bestellt waren.
 
Besonders vielfältig sind die Zusatzeinträge im „Calendarium Gmundense“, vielfach von der Hand des historisch bewanderten und interessierten Pfarrers P. Leonhard Buchberger OSB aus dem Kloster Tegernsee (amtierend 1784-1806): eine Liste der Gmunder Pfarrer 1657-1883; Spendung von Firmungen in der Umgebung 1773-1799; Aufzeichnungen über Kriegsanleihen 1704-1745; und ein Verzeichnis der 1708 für die Weihe der Kapelle Maria Schmerzen in Festenbach benötigten Utensilien.
 
Drei barocke Mirakelbücher, die jüngst bei der laufenden Neuverzeichnung der Pfarrakten erfasst wurden, ergänzen die bereits seit April 2022 online verfügbare Kollektion von Beispielen dieser speziellen kirchlichen Quellengattung. Somit stehen nun 55 digitalisierte handschriftliche Mirakelbücher aus 17 Pfarreien bzw. Wallfahrtsorten zur Verfügung.
 
Es handelt sich um die Aufzeichnung von Gebetserhörungen aus folgenden Orten: Schliersee (Dekanat Miesbach), Marienwallfahrt, mit 1.544 Mirakeln aus den Jahren 1733-1754; Priel (Dekanat Moosburg), Wallfahrt zum Gnadenbild der „Muttergottes mit dem geneigten Haupt“, mit ca. 1.300 Mirakeln aus den Jahren 1746-1832; Neukirchen am Simssee (Pfarrei Riedering, Dekanat Inntal), Wallfahrt zum Gnadenbild „Maria Stern“, mit Mirakel-Aufzeichnungen aus den Jahren 1739-1798 im Anhang zum pfarrlichen Verkündbuch.
 
Im Rahmen des „Schlierseer Kulturherbstes“ stellt Dr. Roland Götz, stellvertretender Direktor von Archiv und Bibliothek des Erzbistums, die Quellengattung der Mirakelbücher am Beispiel des neu digitalisierten Schlierseer Buchs vor: Der Vortrag „Wunder über Wunder. Schliersee in der barocken Wallfahrts-Landschaft des Landkreises Miesbach“ mit musikalischer Begleitung findet am Donnerstag, den 26. Oktober 2023, um 20.00 Uhr im Heimatmuseum Schliersee (Lautererstraße 6) statt. Kartenvorverkauf über die Gästeinformation Schliersee oder München Ticket.

Ertrag der Forschung Belegexemplare in der Diözesanbibliothek

Schutzumschlag des Werks „Taufe – Ehe – Tod. Praktiken des Verzeichnens in frühneuzeitlichen Kirchenbüchern“ mit einer Abbildung des ältesten Taufbuchs der Pfarrei Landshut-St. Jodok
Schutzumschlag des Werks „Taufe – Ehe – Tod. Praktiken des Verzeichnens in frühneuzeitlichen Kirchenbüchern“ mit einer Abbildung des ältesten Taufbuchs der Pfarrei Landshut-St. Jodok
(Foto: Wallstein Verlag, Göttingen)
München, 8. September 2023. Vielfältige Forschungen, für die Quellen aus Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising genutzt wurden, sind dokumentiert durch die in der Diözesanbibliothek gesammelten Belegexemplare von wissenschaftlichen Publikationen.
 
Gemäß § 8 Abs. 7 der „Anordnung über die Sicherung und Nutzung der Archive der Katholischen Kirche“ (KAO) sind Forscherinnen und Forscher „verpflichtet, von einem Druckwerk […], das unter wesentlicher Verwendung von Archivgut verfasst oder erstellt wurde, nach Erscheinen dem zuständigen Archiv unaufgefordert ein Belegexemplar unentgeltlich abzuliefern“. Die meisten tun dies sehr bald nach Erscheinen ihres Werkes, nicht selten verbunden mit einem Dank für die in Archiv und Bibliothek des Erzbistums erfahrene Betreuung. Auch bei Verwendung von Abbildungen aus Archiv und Bibliothek ist die Übersendung eines Belegexemplars üblich.
 
Die Werke werden von der Diözesanbibliothek gesammelt, katalogisiert und über den Lesesaal von Archiv und Bibliothek in München zur Nutzung bereitgestellt. Damit ist der Ertrag oft jahrelanger Forschung dokumentiert und für die Öffentlichkeit zugänglich. Er kann somit als Grundlage für weiterführende Forschungen dienen.
 
Einen Eindruck von der Vielfalt der Forschungsthemen, zu denen diözesane Unterlagen herangezogen wurden, vermittelt die nachfolgende Auswahl von in letzter Zeit eingegangenen Belegexemplaren:
  • Andreas Holzem / Antonia Leugers, Krieg und Frieden in München 1914-1939. Topografie eines Diskurses – Darstellung und Dokumente, Paderborn 2021
  • Wilhelm Liebhart, Kloster Altomünster. Geschichte und Gegenwart, St. Ottilien 22021
  • Willi Eisele, Zwischen Ordensregel und politischer Gefolgschaft. Abt Alban Schachleiter OSB (1861-1937) (= Beuroner Schriften und Studien 3), Berlin 2021
  • Olga Sparschuh, Fremde Heimat, fremde Ferne. Italienische Arbeitsmigration in Turin und München 1950-1975, Göttingen 2021
  • Christoph Kürzeder / Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus (Hg.), 1121 – 900 Jahre Kloster Beuerberg (= Kataloge und Schriften des Diözesanmuseums für christliche Kunst des Erzbistums München und Freising 78), München-Freising 2022
  • Caecilia-Désirée Hein, Librorum copia. Einblicke in die Geschichte der Klosterbibliothek Beuerberg 1121-1803 (= Studien zur altbayerischen Kirchengeschichte 17), München 2022
  • Johann Wagner, Adlwinus. Beiträge zur Geschichte der Pfarrei Taufkirchen-Lafering, Tüßling 2022
  • Franziska Nicolay-Fischbach, Erziehung zur „Sittlichkeit“. Schutz und Ausgrenzung in der katholischen Jugendarbeit in Bayern 1918-1945 (= Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 130), Berlin-Boston 2022
  • Norbert Jocher / Georg Lindl / Hanns-Martin Römisch (Hg.), Die Pfarrkirche St. Oswald und Traunstein, Regensburg 2023
  • Eva Marie Lehner, Taufe – Ehe – Tod. Praktiken des Verzeichnens in frühneuzeitlichen Kirchenbüchern (= Historische Wissensforschung 22), Göttingen 2023
 
Alle genannten Titel sind über die Online-Kataloge der Diözesanbibliothek und des Bibliotheksverbunds Bayern recherchierbar.

Kirchenhistorischer Stadtrundgang: Auf weiblichen Spuren durch die Münchner Innenstadt

Roland Götz mit Teilnehmerinnen des Stadtrundgangs vor der Dreifaltigkeitskirche
Roland Götz mit Teilnehmerinnen des Stadtrundgangs vor der Dreifaltigkeitskirche
(Foto: Ralf Augsburg, Stabsstelle Kommunikation des Erzbischöflichen Ordinariats München)
München, 4. September 2023. Frauen spiel(t)en in der Kirchengeschichte Münchens oft eine bedeutende Rolle. Dennoch muss man heute schon recht genau hinschauen, um im Stadtbild ihre Spuren zu entdecken. Ein Stadtrundgang mit Dr. Roland Götz von Archiv und Bibliothek des Erzbistums tut genau dies. Jeweils vor Ort werden dabei kurze Frauen-Geschichten erzählt: traurige, halbkomische und erstaunliche – von der namenlosen unehelichen Mutter, die ihr Baby aussetzt, bis zur Kaiserin-Witwe und natürlich zur „stärksten Frau Bayerns“.
 
Ralf Augsburg, Online-Redakteur in der Stabsstelle Kommunikation des Erzbischöflichen Ordinariats ist kürzlich mitgegangen und stellt in einem dreiteiligen Bericht auf der Homepage der Erzdiözese die dabei behandelten 15 Frauenfiguren kurz vor.
 
Der kirchenhistorische Stadtrundgang wird als Fortbildungsveranstaltung für Lehrkräfte im Fach Katholische Religionslehre angeboten; vgl. das aktuelle Fortbildungsprogramm 2023/2024. Die Anmeldung zu Fortbildungen für Religionslehrkräfte i. K. erfolgt über das Lehrerportal; staatliche Lehrkräfte melden sich über FIBS an.

Neu im Digitalen Archiv: Pfarrmatrikeln, ein verbrecherischer Pfarrer und fünf bedeutende Geistliche

Vorsatzpapier aus dem Sterbebuch der Pfarrei Pürten für die Jahre 1852-1908 (AEM M10421)
Vorsatzpapier aus dem Sterbebuch der Pfarrei Pürten für die Jahre 1852-1908 (AEM M10421)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 11. August 2023. Das Digitale Archiv des Erzbistums München und Freising hat bei der jüngsten Aktualisierung sein Online-Angebot erweitert. Bei 663 der im Diözesanarchiv verwahrten Pfarrmatrikel-Bände wurden die durch Ablauf der kirchengesetzlich festgelegten Schutzfristen (vgl. Archivordnung für die Seelsorgestellen und kirchlichen Einrichtungen im Erzbistum München und Freising § 16 Abs. 2) allgemein zugänglich gewordenen Seiten online gestellt. Dies betrifft bei Taufbüchern den Jahrgang 1902, bei Trauungs- und Sterbebüchern den Jahrgang 1922. Darüber hinaus sind nun rund 150 Matrikelbände, die in letzter Zeit aus 30 Pfarreien neu an das Archiv des Erzbistums abgegeben wurden, verzeichnet und - je nach Laufzeit - teilweise oder ganz online nutzbar.
 
Im Zuge der Neuerschließung der umfangreichen Akten der Diözesanverwaltung über Pfarreien („Pfarrakten“) wurde das detaillierte Verzeichnis von 1.250 Akten über die Pfarreien mit dem Anfangsbuchstaben P online gestellt. Die Digitalisierung dieser Akten erfolgt derzeit; nach Abschluss der Qualitätsprüfung und technischer Vorarbeiten ist gegen Ende des Jahres 2024 mit der Online-Stellung der Digitalisate zu rechnen. Bereits vorab online zugänglich gemacht wurde ein umfangreicher Akt zur Pfarrei Peiting (PfarrA16429) aus den Jahren 1777-1784, in dem es um Untersuchungen der Freisinger Geistlichen Regierung gegen Pfarrer Franz Xaver Kuile geht. Dem Geistlichen wurde u.a. die Vergewaltigung einer Dienstmagd vorgeworfen. Teile dieses Akts, der vor allem Protokolle von Zeugenbefragungen enthält, wurden kürzlich in dem Band „Kirchliche Quellen zu Sexualität und Partnerschaft. Sechs ‚Fälle‘ im Originaltext“ (Schriften von Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising 20) ediert, der anlässlich der Sonderausstellung „Verdammte Lust! Kirche. Körper. Kunst.“ des Diözesanmuseums Freising erschien.
 
Darüber hinaus sind nun die Findbücher zu den im Archiv des Erzbistums verwahrten Nachlässen (bzw. Nachlassteilen) von fünf bedeutenden Geistlichen online: Bei den in München tätigen Oratorianern Klemens Tillmann (1904-1984) und Franz Schreibmayr (1907-1985) handelt es sich vor allem um Unterlagen zu ihrer weithin ausstrahlenden religionspädagogischen und katechetischen Tätigkeit; bei den beiden Pfarrern Karl Hobmaier (1911-2003) und Josef Alois Rosenegger (1912-2010) um Materialien aus ihren regionalhistorischen Forschungen zur Geschichte von Oberhaching bzw. des Inntals. Der Nachlassteil von Weihbischof Matthias Defregger (1915-1995) betrifft nur einen Teil seines Wirkens im Erzbistum; er umfasst in erster Linie die alphabetisch abgelegte Korrespondenz Defreggers ab der Mitte der 1980er Jahre (private Korrespondenz, Gratulationen, Korrespondenz aus seiner Mitgliedschaft im Deutschherrenbund ab den 1960er Jahren) sowie die Unterlagen zu seiner Zugehörigkeit zum Metropolitankapitel München (ab 1963). Hier nicht dokumentiert ist sein in jüngster Zeit erneut diskutiertes Handeln als Offizier im Zweiten Weltkrieg.

Späte Rückkehr: Altbestands-Neuerwerbungen der Diözesanbibliothek

Exlibris des Klosters Höglwörth von 1725 und handschriftlicher Kaufvermerk von 1821
Exlibris des Klosters Höglwörth von 1725 und handschriftlicher Kaufvermerk von 1821 (Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 4. August 2023. Die Diözesanbibliothek des Erzbistums München und Freising konnte jüngst drei Bände erwerben, die ihre historischen Bestände glücklich ergänzen. Neben der Bereitstellung von aktueller wissenschaftlicher Literatur zu kirchlichen Themen (insbesondere zu Geschichte und Gegenwart des Erzbistums) hat die Diözesanbibliothek auch die Aufgabe, die ihr anvertrauten historischen Buchbestände kirchlicher Institutionen zu pflegen; hierzu zählen u.a. Reste der alten Freisinger Dombibliothek und die Bibliotheken aufgelöster Klöster. Fallweise besteht die Gelegenheit, diese historischen Bestände durch Neuerwerbungen zu erweitern.
 
Zwei Bände aus der Bibliothek des ehemaligen Augustiner-Chorherrnstifts Höglwörth (Landkreis Berchtesgadener Land) wurden für die Diözesanbibliothek aus Privatbesitz angekauft. Sie ergänzen den hier bereits seit 1824 vorhandenen umfangreichen Höglwörther Buchbestand.
 
Das Augustiner-Chorherrenstuft Höglwörth wurde – weil damals noch im Erzstift Salzburg gelegen – nicht in der allgemeinen Säkularisation von 1802/3, sondern erst 1817 durch das Königreich Bayern aufgehoben. Der historisch oder wissenschaftlich interessante Teil der Klosterbibliothek wurde – wie bei früheren Klosteraufhebungen – in die Münchner Hofbibliothek (die heutige Bayerische Staatsbibliothek) überführt. Den Rest bot man im Auftrag von König Max I. Joseph dem Metropolitankapitel München an, das gerade dabei war, in der neuen Bischofsstadt München eine Arbeitsbibliothek für die Diözesanverwaltung und den Klerus aufzubauen. In diesem Zusammenhang verfasste der Priester und frühere Höglwörther Klosterdiener Kasimir Andre einen handschriftlichen Katalog, der 624 Nummern aufführte (AEM FSB3). Für den möglichst kostengünstigen Transport nach München stellte der Teisendorfer Dekan Franz Steinwender sein Pferdefuhrwerk zur Verfügung.
 
Einzelne Bände aus der Klosterbibliothek gelangten jedoch schon zuvor in Privatbesitz; so berichtete Pfarrer Georg Hunklinger 1975 in seinem Aufsatz „Das Ende des Stiftes Höglwörth“, er habe „kürzlich in einem abbruchreifen Bauernhaus“ ein 1737 in Augsburg gedrucktes Altes Testament in Latein und Deutsch gefunden mit dem Vermerk „Mesner von Höglwörth Johann Nepomuk Trauner 1821 gekauft“. Ein ähnliches Schicksal erfuhren zwei großformatige Bände aus den Jahren 1621 und 1622, die in deutscher Übersetzung das Hauptwerk des französischen Staatsmanns und Geschichtsschreibers Jacques-Auguste de Thou (1553-1617) enthalten, eine Darstellung der europäischen Geschichte von 1543 bis 1607.
 
Die ursprüngliche Zugehörigkeit der Bände zur Höglwörther Bibliothek bezeugt ein jeweils vorne eingeklebtes Exlibris von 1725, welches das Klosterwappen (gekreuzte Schlüssel) sowie Wappen und Initialen des Propstes Johann Baptist II. Puechner (amtierend 1725-1743) zeigt. Darüber ist handschriftlich zu lesen: „Johann Nepomuck Trauner Mesner in Kloster Heglwerd gekauft 2 f. im Jahr 1821.“ Dadurch ist sowohl das historische Interesse der Höglwörther Chorherren als auch die Bücherliebe des damaligen Mesners bezeugt, was die Bände zu einmaligen Geschichtsdokumenten macht.
 
Einbandprägung mit dem Wappen des Regensburger und Freisinger Fürstbischofs Johann Theodor von Bayern
Einbandprägung mit dem Wappen des Regensburger und Freisinger Fürstbischofs Johann Theodor von Bayern (Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
Auf einer Buchauktion ersteigert werden konnte ein Band, der durch seine Einbandprägung ausgezeichnet ist: Sie präsentiert auf Vorder- und Rückseite jeweils das Wappen des Herzogs Johann Theodor von Bayern (1703-1763) als Fürstbischof von Regensburg (seit 1721) und Freising (seit 1727), also jedenfalls vor seiner zusätzlichen Wahl zum Bischof von Lüttich (1744) und seiner Erhebung zum Kardinal (publiziert 1746). Das Wappen kombiniert die Insignien der Bistümer Regensburg (Schrägbalken) und Freising („Mohr“) mit denen Kurbayerns (Löwen und Rauten) im Herzschild. Dadurch ist der Band als persönliches Eigentum des Fürstbischofs gekennzeichnet.
 
Das enthaltene Werk wurde 1730 vom Abt des Oberpfälzer Benediktiner-Klosters Ensdorf (Landkreis Amberg-Sulzbach) herausgegeben und hat zum Thema den heiligen Bischof Otto I. von Bamberg (regierend 1102-1139), den das Kloster als seinen besonderen Förderer verehrte. Auf dem Titelblatt wird zudem auf die Klosterstifter aus dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher verwiesen, die der Fürstbischof zu seinen Vorfahren zählen konnte. Das Buch ist mit mehreren Kupferstichen illustriert; sie zeigen u.a. den heiligen Otto, die Klosteranlage von Ensdorf und das vom Kloster betriebene Hammerwerk in Leidersdorf.
 
Beide Werke sind über den Online-Katalog der Diözesanbibliothek recherchierbar und dort auch mit vollständigen Digitalisaten verknüpft (Thou, Band 1; Thou, Band 2; Ensdorf). Diese geben allerdings andere Exemplare (aus staatlichen Bibliotheken) wieder und zeigen deshalb nicht die exemplarspezifischen Merkmale, die die neu erworbenen Bände für die Diözesanbibliothek gerade interessant machten.

Neuerscheinung: Kirchliche Quellen zu Sexualität und Partnerschaft

Kirchliche Quellen zu Sexualität und Partnerschaft (Buchcover)
Buchcover von Band 20 der Schriften von Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising
München, 22. Mai 2023. Wie kommt Liebe ins Archiv? Mit dieser Frage beschäftigt sich der neue Band der Schriften von Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising: „Kirchliche Quellen zu Sexualität und Partnerschaft. Sechs ‚Fälle‘ im Originaltext“.
 
Dass so persönliche Lebensbereiche wie Sexualität und Partnerschaft im Archiv aufscheinen, setzt voraus, dass eine Behörde sich damit beschäftigte, dabei Schriftstücke produzierte und dass diese auch über die Zeiten erhalten blieben. Ist das aber der Fall, kann gerade das so spröde erscheinende Verwaltungsschriftgut tiefe Einblicke erlauben: Es liefert konkrete Namen, Orte, Daten und Details.
 
Zu bedenken ist dabei freilich: In den amtlichen Akten schlagen sich naturgemäß zumeist problematische Sachverhalte nieder, die nicht kurzschlüssig zu einer Skandalchronik verallgemeinert werden dürfen. Aussagen von Streitparteien sind natürlicherweise interessengeleitet und deshalb entsprechend kritisch zu interpretieren. Oft kann der „Normalfall“ einer Beziehung aber durch die geschilderten Abweichungen von der Norm bzw. den Erwartungen zumindest annähernd erschlossen werden.
 
Welche Quellengattungen gerade kirchlicher Herkunft welche Auskünfte geben, wird hier anhand der Bestände des Archivs des Erzbistums München und Freising als eines der großen katholischen Diözesanarchive in Deutschland erstmals gezeigt. Sechs wahre „Fälle“ beleuchten wichtige Aspekte des Themas – von der gescheiterten Verlobung bis zum sexuellen Missbrauch. Vier Kirchenhistoriker:innen und Historiker:innen haben die bisher unbekannten Texte ausgewählt und aufbereitet. Die jeweils vollständig wiedergegebenen und ggf. auch übersetzten Quellen lassen Menschen vergangener Epochen selbst zu Wort kommen. Sie eröffnen neue Zugänge zum „wirklichen“ Leben und liefern historische Fakten zur aktuellen Diskussion.
 
Der Band erscheint im Zusammenhang mit der vielbeachteten Ausstellung „Verdammte Lust! Kirche. Körper. Kunst.“ des Diözesanmuseums Freising, doch reicht seine Bedeutung weit darüber hinaus. Er richtet sich an Forscher:innen ebenso wie an alle an Geschichte Interessierten. Er macht sichtbar, aus welchen Informationsbausteinen die historische Forschung gerade bei einer quellenmäßig schwer greifbaren Thematik wie Sexualität und Partnerschaft ihre Aussagen aufbauen muss. Die Abbildungen zeigen, mit welchen Originaldokumenten es die Forscher:innen zu tun bekommen und welchen Aufwand Recherche, Transkription, sprachliches Verständnis und inhaltliche Auswertung erfordern. Dabei soll aber auch deutlich werden, dass sich dieser Aufwand letztlich lohnt, weil so Informationen zutage gefördert werden, die auf anderem Wege kaum zu gewinnen sind.
 
Inhalt
  • Johannes Merz / Christoph Kürzeder: Vorwort
  • Roland Götz: Einführung: Quellen zu Sexualität und Partnerschaft im Archiv des Erzbistums München und Freising
  • Christopher Kast: Die Ehezuerkennungsklage von Michael Wolgemut gegen die Malertochter Magdalena vor dem Freisinger Offizialat, 1471
  • Roland Götz: Der Eheverspruchsprozess von Maria Margaretha Fischer gegen Michael Franz vor dem Archidiakonatsgericht Baumburg, 1664-1665
  • Irmgard E. Zwingler: Zwei Fälle von Missbrauch in Münchner Frauenklöstern, 1769
  • Maria Hildebrandt: Der Peitinger Pfarrer Franz Xaver Kuile und die Vergewaltigung der Köchin Maria Elisabeth Lidl, 1783-1784
  • Roland Götz: Die uneheliche Mutter Elisabeth Babl, 1833-1892
 
Buchdaten
  • Roland Götz (Hrsg.), Kirchliche Quellen zu Sexualität und Partnerschaft. Sechs „Fälle“ im Originaltext (= Schriften von Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising 20), Regensburg (Verlag Schnell & Steiner) 2023; 254 S. mit 26 Abb.; ISBN 978-3-7954-3855-5; € 19,90
  • Bezug über den Buchhandel, den Shop des Diözesanmuseums Freising oder den Verlag Schnell & Steiner, Leibnizstraße 13, 93055 Regensburg; Tel. 0941/78785-26, Fax -16; E-Mail: bestellung@schnell-und-steiner.de
 
Veranstaltungen
  • Ein Teil der im Buch abgedruckten Dokumente ist noch bis zum 2. Juli 2023 in der Sonderausstellung „Verdammte Lust! Kirche. Körper. Kunst.“ des Diözesanmuseums Freising zu sehen.
  • Am 25. Mai 2023 und am 16. Juni 2023 werden sie (und weitere Quellen) von Roland Götz in der Veranstaltungsreihe „DIMU-DATE“ erläutert. Anmeldung: Montag bis Freitag unter kunstvermittlung@dimu-freising.de

Bewährte Zusammenarbeit: 10 Jahre bayerisches Kulturportal bavarikon

Bulle „Inter curas multiplices“ von Papst Alexander VI., 22. Dezember 1499. Einblattdruck, Dombibliothek Freising J115
Bulle „Inter curas multiplices“ von Papst Alexander VI., 22. Dezember 1499. Einblattdruck, Dombibliothek Freising J115
München, 18. April 2023. Am 16. April 2023 konnte das Internetportal bavarikon sein 10-jähriges Bestehen feiern. bavarikon präsentiert digitalisierte Kunst-, Kultur- und Wissensschätze aus Einrichtungen in Bayern. Zu den Kulturinstitutionen, die in dieser Zeit erfolgreich mit bavarikon zusammengearbeitet haben, zählen Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising.
 
Aktuell werden drei „Sammlungen“ aus den Beständen von Archiv und Bibliothek des Erzbistums (auch) in bavarikon präsentiert:
 
Von den insgesamt 285 Inkunabeln der Diözesanbibliothek waren 19 Ausgaben im Jahr 2010 noch nicht im Bibliotheksverbund Bayern nachgewiesen. Diese Objekte wurden in der Folge digitalisiert und stehen der Forschung nun online zur Verfügung. Von einer Inkunabel (J 115) besitzt die Diözesanbibliothek sogar das einzige bekannte Exemplar: Am 22. Dezember 1499 rief Papst Alexander VI. mit der Bulle Inter curas multiplices das Jubeljahr 1500 aus. Der Einblattdruck war wohl für die Befestigung am Kirchenportal gedacht und zeigt in Holzschnitten die Patrone der vier Hauptkirchen Roms (St. Peter, St. Paul vor den Mauern, St. Johannes im Lateran und S. Maria Maggiore), die es zur Erlangung des Jubelablasses zu besuchen galt.
 
Göttlicher Schutz für die Stadt München. Kupferstich von Michael Wening, in: Lieblich rüchende Centifolia […], München 1709, Dombibliothek Freising Rar00241
Göttlicher Schutz für die Stadt München. Kupferstich von Michael Wening, in: Lieblich rüchende Centifolia […], München 1709, Dombibliothek Freising Rar00241
In der Kombination von Text und Bild stellen Embleme eine besonders reizvolle intermediale Gattung dar, mit der sich sowohl Literatur- als auch Kunstwissenschaft beschäftigen. Emblembücher, die eine mehr oder weniger große Zahl emblematischer Darstellungen umfassen, erfreuten sich seit dem 16. Jahrhundert großer Beliebtheit. Neun Titel (in 13 Bänden) des 17. bis 19. Jahrhunderts mit mehr als 220 Emblemen aus den Beständen der Diözesanbibliothek, die bisher noch nicht digital greifbar waren, sind nun online in hoher Auflösung zu betrachten. Für die Bistumsgeschichte von besonderem Interesse ist darunter der Titel "Lieblich rüchende CENTIFOLIA" aus dem Jahr 1709. Die Predigtsammlung erschien anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Corporis-Christi-Erzbruderschaft bei St. Peter in München. Zahlreiche Kupferstiche dokumentieren die Embleme, die als Festdekoration in der Kirche angebracht waren.
 
Wunder des heiligen Isidor. Entwurfszeichnung von Balthasar Mang d.Ä., um 1765<br/>Archiv des Erzbistums München und Freising, Plansammlung PLS20162
Wunder des heiligen Isidor. Entwurfszeichnung von Balthasar Mang d.Ä., um 1765, Archiv des Erzbistums München und Freising, Plansammlung PLS20162
Im Jahr 2022 konnte die Plansammlung des Archivs des Erzbistums München und Freising in Kooperation mit bavarikon vollständig und in hoher Qualität digitalisiert werden. Die Sammlung umfasst rund 1.050 handgezeichnete Pläne und Landkarten aus der Zeit vom 17. bis ins 20. Jahrhundert, die Bau- und Kunstwerke sowie Landschaften aus dem ganzen Bistumsgebiet und darüber hinaus darstellen. Begleitend wurde der attraktive Bestand in der Online-Ausstellung „Entwerfen – Dokumentieren – Streiten“ vorgestellt. Künstlerisch wie kulturgeschichtlich reizvoll sind darin u.a. die Entwürfe des Malers Balthasar Mang d.Ä. (1720-1803) für die Ausstattung der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Rattenkirchen (Landkreis Mühldorf a. Inn), darunter sechs Darstellungen von Mirakeln des heiligen Isidor.
 
Alle genannten Bestände sind sowohl über bavarikon als auch über die digitalen Angebote des Archivs und der Diözesanbibliothek des Erzbistums kostenlos recherchier- und nutzbar. Weitere gemeinsame Projekte sind in Vorbereitung.
 
Darüber hinaus besonders nützlich für alle an der Freisinger Bistumsgeschichte und an der Geschichte ihrer Heimatorte Interessierten ist es, dass bavarikon eine der wichtigsten Quellen zur bayerischen Frühgeschichte online zugänglich macht: Den so genannten Cozroh-Codex der „Traditionen“ des Hochstifts Freising. Darin sind alle Besitzschenkungen an den Freisinger Dom vom Jahr 744 an bis 848 dokumentiert. Für viele Orte im Bistumsgebiet ist die Nennung hier die erste urkundliche Erwähnung überhaupt. Entsprechend oft wird das Archiv des Erzbistums nach dieser Handschrift gefragt, die sich heute aber nicht mehr in kirchlicher Hand, sondern infolge der Säkularisation im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet. Nun können alle Interessierten einfach auf die Online-Präsentation verwiesen werden.

Wissenschaftliche Tagung: „Bistumsgeschichte original. Historische Quellen von Korbinian bis heute neu befragt“

Gottesmutter Maria und die Heiligen Korbinian und Sigismund als Patrone des Freisinger Doms. Kol. Holzschnitt aus ersten gedruckten Freisinger Messbuch, 1487 (Dombibliothek Freising M/J 00214)
Die Gottesmutter Maria und die Heiligen Korbinian und Sigismund als Patrone des Freisinger Doms. Kolorierter Holzschnitt aus ersten gedruckten Freisinger Messbuch, 1487 (Dombibliothek Freising M/J 00214)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 6. April 2023. In Kooperation mit der Domberg-Akademie Freising und dem Verein für Diözesangeschichte von München und Freising e.V. veranstalten Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising am 11. und 12. Mai 2023 eine wissenschaftliche Tagung zum 2024 bevorstehenden 1300-Jahr-Jubiläum der Ankunft des hl. Korbinian in Freising.
 
Jeweils ausgehend von einer archivischen oder bibliothekarischen Quelle beleuchten renommierte Referentinnen und Referenten in jeweils halbstündigen Vorträgen (mit anschließender Diskussionsmöglichkeit) zentrale Themen der gesamten Bistumsgeschichte neu.
 
Tagungsprogramm 11. Mai 2023, 9.00-20.00 Uhr
  • Prof. Dr. Marc-Aeilko Aris: Ein Bistumsgründer für Freising. Arbeos "Vita Corbiniani"
  • Dr. Roman Deutinger: Freising und die Welt. Die Weltchronik Ottos von Freising
  • PD Dr. Johannes Lang: Salzburg in Bayern. Die Gründungsurkunde des Bistums Chiemsee
  • Prof. Dr. Christof Paulus: Strukturen eines Bistums. Die Verwaltungshandschriften Bischof Konrads III.
  • Dr. Caecilia Hein: Humanistische Mönche. Cusanus-Briefe nach Tegernsee
  • Prof. Dr. Johannes Merz: Eine standhafte Frau und die Reformation. Die Flugschriften Argulas von Grumbach
  • Dr. Roland Götz: Eine Herrscherin für Bayern. Das Lied "Maria Himmelkönigin"
  • Prof. Dr. Britta Kägler: Barocke Geschichtsbilder. Der Vertrag mit den Brüdern Asam über die Barockisierung des Freisinger Doms
 
Tagungsprogramm 12. Mai 2023, 8.30-17.30 Uhr
  • Prof. Dr. Rainald Becker: Die Macht der Mystik. Briefe von Maria Anna Lindmayr
  • Florian Sepp M.A.: Musikalische Botschaften. Eine Kantate aus dem Kloster Weyarn
  • Prof. Dr. Hannelore Putz: Das Recht des Staates und das Recht der Kirche. Das Bayerische Konkordat von 1817
  • PD Dr. Johann Kirchinger: Moral und Wirklichkeit. Die diözesanen Sittlichkeits-Akten
  • Dr. Norbert Göttler: Poesie und Provokation. Kirche in Gedichten Ludwig Thomas
  • Prof. Dr. Klaus Unterburger/Ferdinand Müller, Kirche im Krieg. Berichte vom Ende des Zweiten Weltkriegs
  • Prof. Dr. Franz Xaver Bischof: Der Kairos der Reform. Die Silvesterpredigten Kardinal Döpfners
 
Weitere Informationen und Anmeldung bei der Domberg-Akademie Freising.

Online-Ausstellung „Münchner Kindl“: Ungewöhnliche Lebensläufe aus dem alten München

„Iuri“ aus Brasilien. Farblithographie aus: Atlas zur Reise in Brasilien von Dr. v. Spix und Dr. v. Martius. Dritter und letzter Theil, 1831 (Ausschnitt)
„Iuri“ aus Brasilien. Farblithographie aus: Atlas zur Reise in Brasilien von Dr. v. Spix und Dr. v. Martius. Dritter und letzter Theil, 1831 (Ausschnitt)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 21. März 2023. Mit der Online-Ausstellung „Münchner Kindl. Ungewöhnliche Lebensläufe aus dem alten München im Spiegel von Pfarrmatrikeln“ geben Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising Einblick in die Schicksale von Menschen, die sich zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert zwar in München zugetragen haben, aber nicht dem Klischee vom „echten Münchner Kindl“ entsprechen.
 
Hauptquelle hierfür sind die historischen Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher der Münchner Innenstadtpfarreien, die seit 2019 vollständig online nutzbar sind. Sie werden meist zur Familienforschung verwendet, erweisen hier jedoch ihre Bedeutung als Quelle auch für soziale Verhältnisse und historische Ereignisse. Die Matrikelbände werden durch weitere Text- und Bildquellen aus Archiv und Bibliothek des Erzbistums sowie anderen Institutionen (Bayerische Staatsbibliothek, Monacensia Literaturarchiv, Münchner Stadtmuseum) ergänzt. Das Online-Format der Ausstellung ermöglicht es, neben den jeweils ausgewählten Seiten auch Volldigitalisate der meisten Ausstellungsobjekte anzusehen und sich durch „Mouseover“ zeilengetreue Transkriptionen der handschriftlichen Texte anzeigen zu lassen.
 
Die in vier Abschnitte gegliederte Ausstellung macht zunächst auf „Findelkinder“ aufmerksam, die in den sozial schwierigen Jahren um 1800 in München in erschreckend großer Zahl ausgesetzt wurden. Besonders anrührend ist dabei der originale Zettel, den eine arme Mutter dem kleinen „Joseph“ mitgab, als sie ihn 1808 in der Nähe des Marienplatzes in einem Hausflur ablegte. Das Taufbuch der Pfarrei Zu Unserer Lieben Frau dokumentiert die – wie in solchen Fällen üblich – „bedingungsweise“ gespendete Taufe.
 
„Münchens ersten Türken“, darunter zahlreiche Jugendliche, kamen ab 1684 als Kriegsgefangene des bayerischen Kurfürsten in die Stadt. Sie wurden zu Fabrikarbeit und Kanalbau, aber auch als Sänftenträger und Bedienstete am Hof eingesetzt. Ein Teil von ihnen ließ sich taufen, heiratete und blieb in München. Die türkisch-münchnerische Geschichte der Familie „Achmet“ kann in den Pfarrmatrikeln sogar bis in die dritte Generation verfolgt werden.
 
Die berühmten bayerischen Wissenschaftler Karl von Martius und Johann Baptist von Spix brachten von ihrer Brasilien-Expedition 1820 neben Pflanzen und Tieren schockierenderweise auch zwei indigene „Indianer“-Kinder mit nach München, um ihre Entwicklung zu beobachten. Trotz aller Fürsorge erkrankten beide jedoch bald. Die Sterbebücher der Pfarrei Zu Unserer Lieben Frau verzeichnen ihren Tod 1821 bzw. 1822 und das Begräbnis auf dem (Alten) Südlichen Friedhof.
 
Herzog Max in Bayern, bekannt als Vater der Kaiserin Elisabeth von Österreich, unternahm 1838 eine Orientreise. Dabei „erwarben“ er und seine Begleiter fünf „Mohren“ (wie Menschen mit dunkler Hautfarbe damals allgemein bezeichnet wurden) im Alter zwischen 12 und 16 Jahren und nahmen sie als „quasi-Sklaven“ mit nach Hause. Sie waren im Kindesalter von arabischen Sklavenhändlern aus ihrer subsaharischen Heimat entführt worden. In München erhielten sie Unterricht durch einen Hauslehrer und wurden zu Ostern 1839 im Dom feierlich getauft. Auch das weitere Schicksal der jungen Afrikaner ist durch die Matrikeln der Dompfarrei teilweise zu verfolgen. Erstmals publiziert wird in der Ausstellung die Liste, welche die für sie jeweils bezahlten Preise dokumentiert.
 
Die Online-Ausstellung möchte sich keineswegs auf Münchner Lokalgeschichte beschränken. Vielmehr knüpfen sich an die lokalen Quellen weltweite Perspektiven und grundsätzliche Fragen wie die nach Freiheit, religiöser Selbstbestimmung, Respekt vor kulturellen Identitäten, Rassismus und Diskriminierung. So soll die Ausstellung auch zur selbstkritischen Besinnung auf die frühere Haltung und Vorgehensweise der Kirche insgesamt und von einzelnen Christen gegenüber Menschen anderer Herkunft anregen. Bewusst wurde der Start der Ausstellung deshalb an den Beginn der diesjährigen Internationalen Wochen gegen Rassismus gelegt, die in München vom 20. März bis zum 2. April 2023 stattfinden. Parallel startet im Münchner Dom eine neue Führungslinie, die sich gezielt an alle Menschen richtet, die nichtchristlichen Religionen angehören oder nicht gläubig sind.

„Verdammte Lust!“: Leihgaben aus Archiv und Bibliothek zur Ausstellung des Diözesanmuseums

Liebespaar. Holzschnitt von Hans Baldung Grien, aus: Marquard von Lindau, Die zehe gebot [...], Straßburg 1516
Liebespaar. Holzschnitt von Hans Baldung Grien, aus: Marquard von Lindau, Die zehe gebot [...], Straßburg 1516
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 7. März 2023. Mit einer Reihe von Leihgaben beteiligen sich Archiv und Bibliothek des Erzbistums an der Sonderausstellung „Verdammte Lust! Kirche. Körper. Kunst“, die vom 5. März bis 29. Mai 2023 im Diözesanmuseum Freising gezeigt wird.
 
Inmitten vieler bedeutender Kunstwerke eröffnen die Originaldokumente einen ganz eigenen Zugang zu Sexualität und Partnerschaft. Sie geben Einblicke in das tatsächliche Leben von Menschen vergangener Epochen. Denn sie erzählen ganz konkrete, oft zu Herzen gehende Geschichten – etwa von den sehr geliebten Töchtern eines Freisinger Fürstbischofs, von unglücklicher Liebe oder vom Bemühen der Kirche, die allzu verbreiteten „gschlamperten“ Verhältnisse in den Griff zu bekommen. Besonders berührend sind darunter mehrere rund 350 Jahre alte Liebesbriefe und ein originaler Zettel, den eine verzweifelte Mutter ihrem Kind mitgab, als sie es 1808 in der Münchner Innenstadt aussetzte.
 
Speziell diesen Dokumenten widmen sich zwei Veranstaltungen im umfangreichen Begleitprogramm zur Ausstellung. Am Dienstag, 28. März, und am Donnerstag, 4. Mai, referiert jeweils um 15.00 Uhr in der Reihe DIMU-DATE Dr. Roland Götz, stv. Direktor von Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising, zum Thema „Liebe im Archiv – Einblicke in mehr oder weniger ‚gschlamperte Verhältnisse‘ durch historische Dokumente“. Ab 16.00 Uhr gibt es für diejenigen, die Lust dazu haben, die Möglichkeit zur gemeinsamen Lektüre von Originaltexten. Die Teilnahmegebühr beträgt 5,- € (zuzüglich Eintritt); Anmeldung von Montag bis Freitag unter kunstvermittlung@dimu-freising.de

Einblicke ins kirchliche Archivwesen: Staatliche Archivanwärter:innen zum Praktikum im Archiv des Erzbistums München und Freising

Die Archivanwärter:innen und ihr Praktikumsbetreuer, Archivleiter Michael Volpert (3. v. r.)
Die Archivanwärter:innen und ihr Praktikumsbetreuer, Archivleiter Michael Volpert (3. v. r.)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 28. Februar 2023. Vom 30. Januar bis 24. Februar 2023 absolvierten sechs angehende staatliche Archivarinnen und Archivare ein Praktikum im Archiv des Erzbistums München und Freising und lernten dabei die Arbeit in einem großen Kirchenarchiv kennen.
 
Sie erhielten zunächst eine Einführung in Geschichte und Struktur der katholischen Kirche und in die spezifischen Aufgaben eines Diözesanarchivs sowie in die Bestände des Archivs des Erzbistums. In drei Zweiergruppen bearbeiteten sie als ihre Praktikumsaufgabe eine bislang unerschlossene Abgabe von Sachakten des Generalvikariats aus den Jahren 1945-1980, die sehr unterschiedliche Themenbereiche umfassen – etwa die Rückführung von im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten Kirchenglocken, Volksmissionen und die Beisetzungsfeierlichkeiten für den 1976 verstorbenen Erzbischof Julius Kardinal Döpfner. Dabei kam die im Diözesanarchiv ebenso wie in den Staatlichen Archiven Bayerns verwendete Software ACTApro zum Einsatz. Insgesamt wurden 418 Akten verzeichnet und in 101 Archivkartons verpackt.
 
Zwei Praktikumstage verbrachten die Anwärter:innen im Außendepot von Archiv und Diözesanbibliothek in Neufahrn bei Freising. Dort konnten sie den Weg des Archivgutes von der Anlieferung über den Quarantänebereich bis ins Magazinregal nachvollziehen und die computergestützte Magazinverwaltung kennenlernen. Anhand der Archive von 240 Pfarreien, die mittlerweile als Deposita in Neufahrn verwahrt werden, erhielten sie auch einen Einblick über die kirchliche Archivpflege.
 
Ergänzende Lehreinheiten betrafen die digitale Aktenführung, den EDV-Einsatz bei der Steuerung archivischer Aufgabenerfüllung, das Digitale Archiv des Erzbistums und die dort seit 2019 online nutzbaren Pfarrmatrikeln als die meistgenutzten Unterlagen des Diözesanarchivs. Besonders beeindruckt zeigten sich die Anwärter:innen von der konsequenten Digitalisierung der Archivarbeit und von Umfang und Nutzerfreundlichkeit der Online-Angebote. Kurz vor Abschluss des Praktikums lernten sie bei einer Führung auch den Münchner Dom näher kennen.
 
Die Anwärter:innen, die teilweise bereits ein abgeschlossenes anderweitiges Fachstudium vorweisen können, befinden sich in einem dreijährigen Studiengang an der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern, Fachbereich Archiv- und Bibliothekswesen, Fachrichtung Archivwesen, den sie 2024 als Diplom-Archivarin (FH) bzw. Diplom-Archivar (FH) abschließen werden. Diese in Bayern bereits seit 1924 existierende Ausbildung soll sie befähigen, mit den unterschiedlichsten Unterlagen aus über 1.200 Jahren sachkundig umzugehen. Dass sie sowohl ein Praktikum in einem entsprechend qualifizierten Kirchenarchiv als auch in einem Kommunalarchiv absolvieren, ist seit Längerem fester Bestandteil des Studiums. Dies dient dazu, Einblicke in wichtige andere Archivsparten zu gewinnen und so die künftige Zusammenarbeit zu fördern.

Hilfe bei der Online-Forschung: 18 Archivlotsinnen und -lotsen zertifizert

Die angehenden Archivlotsinnen und -lotsen bei der Abschlussveranstaltung in Miesbach
Die angehenden Archivlotsinnen und -lotsen bei der Abschlussveranstaltung in Miesbach
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 20. Februar 2023. 18 zertifizierte Archivlotsinnen und -lotsen stehen ab sofort allen Interessierten bei der Forschung im Digitalen Archiv des Erzbistums zur Seite.
 
Sie haben im Lauf des Jahres 2022 am Kurs „Ausbildung zum Archivlotsen. Der digitale Weg zur Geschichte von Familie, Heimat, Kirche und Gesellschaft“ teilgenommen, der erstmals vom Katholischen Bildungswerk im Landkreis Miesbach in Kooperation mit Archiv und Bibliothek des Erzbistums angeboten und von der Katholischen Erwachsenenbildung München und Freising unterstützt wurde. Über dieses innovative Projekt wurde sowohl auf der Homepage des Erzbistums als auch im Newsletter der Katholischen Erwachsenenbildung München und Freising berichtet.
 
Der Kurs umfasste sechs Halbtagsveranstaltungen (davon vier online) und eine Exkursion ins Archivdepot des Erzbistums in Neufahrn bei Freising. Unterrichtsinhalte waren Grundlagen des Archivwesens und der Schriftkunde, Recherche und Nutzung im Digitalen Archiv des Erzbistums, Familienforschung und Forschung zur Orts- und Pfarrgeschichte im Digitalen Archiv des Erzbistums, weitere digitale Angebote und Hilfsmittel zur Heimatgeschichte sowie Vermittlungskompetenz.
 
Für die Zertifizierung musste eine schriftliche Prüfung mit Sachfragen aus allen Unterrichtseinheiten und eine mündliche Prüfung mit Präsentation eines selbstgewählten Praxisbeispiels absolviert werden. Im Dezember 2022 erhielten die 18 erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen ihre Zertifikate. Sie können nun allen Interessierten fachkundige Unterstützung bei entsprechenden Forschungsvorhaben leisten. Ihre Namen, Kontaktdaten (Mail-Adresse) und ihre Spezialgebiete sind ab sofort online verfügbar.
 
Zur weiteren Qualifizierung der Archivlotsinnen und -lotsen sind regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen und ein jährliches Austauschtreffen geplant.

„True Crime“ im Diözesanarchiv: Mord in Miesbach 1801

Eintrag zum Mord an Maria Anna Hartl im Sterbebuch der Pfarrei Miesbach
Eintrag zum Mord an Maria Anna Hartl im Sterbebuch der Pfarrei Miesbach
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 8. Dezember 2022. „True Crimes“ – also wahre Kriminalfälle – sind ein besonders erfolgreicher Trend auf dem Podcast-Markt und bei einigen Fernsehsendern. Radio- und Podcast-Redakteurin Brigitte Strauß-Richters vom Medienhaus Sankt Michaelsbund hat sich im Archiv des Erzbistums München und Freising auf Spurensuche begeben.
 
Dort erzählte ihr Archivar Roland Götz von einem erschütternden Mordfall, der sich 1801 im oberbayerischen Miesbach ereignete und im Sterbebuch der Pfarrei dokumentiert ist. Der Täter steht bei dieser „höllischen Gräuelthat“ schnell fest, doch Vor- und Nachgeschichte müssten noch weiter erforscht werden.
 
Der Bericht und ein 14-minütiges Interview, das auch Recherchemöglichkeiten im Digitalen Archiv des Erzbistums vorstellt, sind online verfügbar – Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

Kirchengeschichte konkret: Online-Findbücher zu Pfarrarchiven

Chronik der katholischen Pfarrei Großhadern, 1920-1935, aus dem Pfarrarchiv München-St. Canisius (Einband)
Chronik der katholischen Pfarrei Großhadern, 1920-1935, aus dem Pfarrarchiv München-St. Canisius (Einband).
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)

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München, 6. Dezember 2022. Neu online gestellte Findbücher ermöglichen über das Digitale Archiv des Erzbistums den Zugang zu zahlreichen Pfarrarchiven aus dem ganzen Gebiet des Erzbistums München und Freising. Damit werden die oft bis ins Mittelalter zurückreichenden Unterlagen, die reizvolle Einblicke in das kirchliche und weltliche Leben in den Pfarreien bieten, einfacher für Forschungen zur Pfarr- und Ortsgeschichte nutzbar.
 
Rund 220 Pfarrarchive werden derzeit vom Archiv des Erzbistums in dessen Depot in Neufahrn bei Freising verwahrt (Liste). Dies erfolgt auf Grundlage von Depositalverträgen, die mit den örtlichen Kirchenstiftungen geschlossen wurden; dadurch geht die Verantwortung für die fachgerechte Archivierung an das Diözesanarchiv über, während das Eigentumsrecht bei den Kirchenstiftungen verbleibt.
 
Die übernommenen Pfarrarchive werden vom Diözesanarchiv bzw. durch beauftragte Dienstleister erschlossen und die Unterlagen dabei in Anlehnung an den Aktenplan für Pfarrarchive einheitlich in zehn Hauptgruppen gegliedert. Bereits vorhandene Findbücher werden nach diesem Standard überarbeitet. Mittlerweile sind endgültig bearbeitete Findbücher zu 49 Pfarrarchiven online zugänglich. Bei der jüngsten Erweiterung des Angebots kamen u.a. die Archivalienverzeichnisse für die fünf Pfarr- bzw. Kuratiearchive des Pfarrverbands Dietramszell (Dietramszell, Ascholding, Hechenberg, Linden, Thankirchen) und für das Archiv der alten und einst sehr ausgedehnten Pfarrei München-St. Peter und Paul/Feldmoching, hinzu.
 
Aus den Pfarrarchiven sind bisher (neben den Pfarrmatrikeln) nur ausgewählte Einzelstücke digitalisiert; doch können alle verzeichneten Objekte nun im Digitalen Archiv des Erzbistums recherchiert und – soweit von den gesetzlichen Schutzfristen her zulässig – über dessen Bestellfunktion im Original zur Einsichtnahme in den Lesesaal bestellt werden.
 
Bereits vorhandene Findbücher zu Pfarrarchiven, die vor der Online-Stellung noch einer Überarbeitung bedürfen, sind vorläufig über die Stelle für Archivberatung im Diözesanarchiv zugänglich. Archivar Dr. Christopher Sterzenbach ist auch darüber hinaus Ansprechpartner für alle Fragen zum Umgang mit Pfarrarchiven und zu deren Nutzung. Kontakt: archivberatung@eomuc.de

Jahrhundertfund in der Diözesanbibliothek: Neue Zugänge zu Hegels Denken

Erste Seite der Vorlesungsmitschrift „Philosophie des Geistes“
Erste Seite der Vorlesungsmitschrift „Philosophie des Geistes“
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München/Bamberg/Jena, 24. November 2022. Der Fund bisher nicht ausgewerteter Vorlesungs­mitschriften in der Diözesanbibliothek des Erzbistums München und Freising eröffnet neue Zugänge zum Denken des berühmten Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831). Verschiedene Teile von Hegels Philosophie sind zumeist nur durch Vorlesungsmitschriften dokumentiert, die somit herausgehobene Bedeutung für Hegels Einsichten besitzen und Einblicke in sein Philosophieren als „work in progress“ erlauben. Der Hegel-Biograph Professor Klaus Vieweg von der Friedrich-Schiller-Universität Jena fand in der Diözesanbibliothek des Erzbistums München und Freising fünf Archivkartons mit eng beschriebenen Kladden und Papieren, die seit fast 200 Jahren von der Forschung nicht näher betrachtet wurden. Vieweg zeigt sich begeistert: „Eine solche höchst überraschende und glückliche Entdeckung gelingt wohl nur einmal im Leben und ist vergleichbar mit dem Fund einer neuen Mozart-Partitur.“
 
Die rund 4.000 Seiten umfassenden Mitschriften stammen aus der Feder von Friedrich Wilhelm Carové (1789-1852), einem der ersten Hegel-Schüler an der Universität Heidelberg. Der katholische Schriftsteller, Publizist und Politiker war einer der führenden Intellektuellen seiner Zeit. Die jetzt entdeckten Manuskripte sind Teil des Nachlasses des Theologen Friedrich Windischmann (1811-1861), Professor für katholische Theologie in München, Domkapitular und von 1846 bis 1856 Generalvikar der Erzdiözese München und Freising. Er war Sohn des Bonner Philosophieprofessors und Mediziners Karl Joseph Hieronymus Windischmann (1775-1839), der in Kontakt mit Hegel stand und die Mitschriften als Geschenk von Carové erhielt.
 
Die Handschriften umfassen fast alle Teile von Hegels enzyklopädischer Architektonik, darunter eine schon lange gesuchte Mitschrift einer Ästhetik-Vorlesung in Heidelberg, über die es bisher noch keine anderen Unterlagen gibt. Sie werden im Rahmen eines mehrjährigen wissenschaftlichen Projekts von den Professoren Klaus Vieweg (Universität Jena) und Christian Illies (Universität Bamberg) mit Unterstützung von Privatdozent Marko Fuchs (Universität Bamberg) und internationalen Experten für eine umfangreiche Edition unter dem Titel „Carovés Hegel-Mitschriften“ vorbereitet; auch begleitende Studien sind geplant. Die Brougier-Seisser-Cleve-Werhahn-Stiftung zur Förderung von Kultur und Wissenschaft unterstützt die Transkription der Mitschriften in eine Rohfassung mit einer Stelle an der Universität Bamberg.
 
Historische Fotografie nach einem Stahlstich von Lazarus Sichling (nach 1828)
Historische Fotografie nach einem Stahlstich von Lazarus Sichling (nach 1828)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
Die Manuskripte gelangten als Nachlass von Friedrich Windischmann in die ehemalige Dombibliothek Freising, deren Bestände jetzt Teil der Diözesanbibliothek des Erzbistums sind. Der Nachlass wurde im Rahmen der Handschriftensammlung der Bibliothek katalogisiert; seine Existenz war überdies über das Online-Portal „Kalliope“, ein deutschlandweites Nachweisinstrument für Nachlässe, Autographen und Verlagsarchive, bekannt. Der Bonner Forscher Willi Ferdinand Becker wies 1988 in seinem Aufsatz „Hegel und Bonn. Fundstücke einer Spurensuche“ darauf hin, „daß in der Dombibliothek Freising Windischmanns Nachlaß der Bearbeitung harrt“. Doch erst Vieweg ging diesem Hinweis nach, unterzog im Sommer 2022 das Material einer genauen Durchsicht und erkannte seine volle Bedeutung. Bibliothekarisch betreut wurde er dabei von Bibliotheksoberrat Martin Walko von der Diözesanbibliothek. Im Vorfeld waren die Manuskripte, die durch frühere ungünstige Lagerbedingungen in Mitleidenschaft gezogen waren, durch einen Papierrestaurator gereinigt und so wieder benutzbar gemacht worden.
 
Professor Johannes Merz, Direktor von Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising, hat dem Forscherteam seine Unterstützung zugesagt. Für ihn unterstreicht die Neuentdeckung „die erstaunliche Vielfalt des in der Diözesanbibliothek verwahrten Kulturguts und ihre Bedeutung als eine der großen kirchlich-wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland“.

Hühnerhaus und Christusbild: Neues im Digitalen Archiv des Erzbistums

Entwurf für ein Hühnerhaus beim Pfarrhof Langenpreising, 1753
Entwurf für ein Hühnerhaus beim Pfarrhof Langenpreising, 1753 (Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 19. Oktober 2022. Um über 300.000 Digitalisate und das Findbuch zu einem bedeutenden Künstlernachlass erweitert das Digitale Archiv des Erzbistums ab sofort sein Online-Angebot.
 
Entsprechend dem Fortschritt der Konservierungs-, Verzeichnungs- und Digitalisierungsarbeiten an den historischen Originalunterlagen wird die Online-Stellung von Digitalisaten des Bestandes „Pfarrakten“ kontinuierlich weitergeführt. Dieser zentrale Bestand umfasst Unterlagen der Diözesanverwaltungen Freising und Salzburg zu allen Pfarreien des heutigen Erzbistums München und Freising vom 16. Jahrhundert bis gegen 1880. Die Dokumente sind sowohl für die Orts- und Pfarrgeschichte als auch für die religiöse Volkskunde von hoher Bedeutung.
 
Neu zur Verfügung gestellt werden rund 3.200 Verzeichnungseinheiten, die Pfarreien von Kirchdorf am Haunpold (Dekanat Bad Aibling) bis (Nieder-)Aschau im Chiemgau (Dekanat Chiemsee) betreffen; der große Block von Unterlagen zu Münchner Pfarreien bleibt dabei allerdings aus arbeitsökonomischen Gründen vorläufig ausgespart. Dagegen können nun die Akten zu den Pfarreien der niederbayerischen Hauptstadt Landshut online genutzt werden. Der Umfang der neu verfügbaren Akten beträgt ca. 190.000 Einzeldigitalisate. Inhaltlich betreffen sie ein breites Themenspektrum von Bau- und Ausstattungsmaßnahmen an Kirchen und Pfarrhöfen bis hin zu Beschwerden der Gemeinden gegen ihren Pfarrer.
 
Es handelt sich dabei – ungeachtet ihrer inhaltlichen Bedeutung – zu allermeist um äußerlich recht schlichte amtliche Korrespondenz, doch finden sich auch immer wieder optisch reizvolle Stücke: So wollte der Pfarrer von Langenpreising (Dekanat Erding) 1753 das Hühnerhaus bei seinem Pfarrhof neu errichten und übersandte deshalb der Freisinger Geistlichen Regierung eine kolorierte Entwurfszeichnung; sie zeigt eine geradezu herrschaftliche Unterkunft für das Federvieh – mit Fassadenmalerei und Kachelofen.
 
Weitere rund 125.000 neu online gestellte Digitalisate betreffen „Resignationen und Verlassenschaften“ von Geistlichen und ergänzen die schon bisher zugänglichen Unterlagen zu zahlreichen Pfarreien. Reizvolle Informationen zur Lebenswelt des frühneuzeitlichen Klerus bieten dabei insbesondere die Pfarrhof-Inventare, die nach dem Tod eines Geistlichen angefertigt wurden und es erlauben, „virtuell“ die einzelnen Räume zu durchschreiten – vom Schlafzimmer des Pfarrers bis zum Pferdestall.
 
Christus-Darstellung aus einem Notizbuch von Gebhard Fugel (Ausschnitt)
Christus-Darstellung aus einem Notizbuch von Gebhard Fugel (Ausschnitt)
(Fotos: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
Ebenfalls online recherchierbar ist das Findbuch zum schriftlichen Nachlass des bekannten Malers Gebhard Fugel (1863-1939). In Ravensburg geboren, besuchte er zunächst die Zeichenschule seiner Heimatstadt, bis er zur weiteren Ausbildung an die Kunstakademie Stuttgart wechselte. Bereits in dieser Zeit wandte sich Fugel christlichen Motiven zu, die er in einem realistischen, von der Historienmalerei und den Nazarenern beeinflussten Stil verwirklichte. 1890 ließ er sich in München nieder. Hier gründete Fugel mit Kollegen 1893 die bis heute tätige Deutsche Gesellschaft für Christliche Kunst. Zielsetzung dabei war, im Umbruch zur Moderne künstlerische Qualität und Freiheit im Raum der Kirche wiederzugewinnen.
 
Bekannt wurde Fugel insbesondere durch seine Darstellungen biblischer Szenen. Das 1902-1903 gemalte, bis heute existierende Passions-Panorama in Altötting sowie die (im Zweiten Weltkrieg zerstörten) großen Kreuzweg-Darstellungen in der Münchner Pfarrkirche St. Joseph von 1904-1908 bildeten Höhepunkte in seinem Werk. Seine Bibelillustrationen und Bildtafeln für den Religionsunterricht fanden weite Verbreitung. 1905 wurde der Maler durch die Verleihung des Titels eines königlichen Professors geehrt. 1921 erhielt er das Ritterkreuz des päpstlichen Gregorius-Ordens.
 
Nach dem Tod von Gebhard Fugel 1939 verwalteten seine Ehefrau Maria bzw. seine beiden Töchter und deren Ehemänner das Erbe. Vor einigen Jahren wurde der Nachlass dem Diözesanmuseum Freising übergeben. Während dessen künstlerischer Teil im Museum verwahrt wird, befindet sich der schriftliche seit 2020 im Archiv des Erzbistums, wo er nun abschließend verzeichnet wurde. Er umfasst 226 Verzeichnungseinheiten ab dem Jahr 1890, darunter insbesondere Korrespondenzen zu seinen Werken und ein Reihe von Notizbüchern, die immer wieder auch kleine Bleistift-Skizzen enthalten. Der Zugang zu den einzelnen Archivalien erfolgt gemäß den Bestimmungen des kirchlichen Archivrechts und kann im Einzelfall zum Schutz von Persönlichkeitsrechten noch Beschränkungen unterliegen.

Vom Kriegsende bis zur Liturgiereform: Zentrale Quellen zur jüngeren Orts- und Pfarrgeschichte

Fragebogen B für die Pfarrei Holzkirchen (Ausschnitt)
Fragebogen B für die Pfarrei Holzkirchen (Ausschnitt)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 27. Juli 2022. Mit der Online-Stellung von Findbüchern bzw. Digitalisaten mehrerer Berichtsserien hat sich die Forschungssituation zur jüngeren Orts- und Pfarrgeschichte weiter verbessert. Im Digitalen Archiv des Erzbistums stehen diese zentralen Quellen nun flächendeckend für das gesamte Bistumsgebiet zur Verfügung.
 
Immer wieder in den letzten zwei Jahrhunderten mussten die Pfarrer für das Münchner Ordinariat den aktuellen Stand ihrer Pfarreien beschreiben oder schriftliche Ausarbeitungen zu pastoralen Themen einsenden. Die Pfarrer wird dies weniger gefreut haben. Doch für die historische Forschung schufen sie damit höchst aufschlussreiche Quellen, die Einblicke in die Ortsgeschichte und in das kirchliche Leben erlauben.
 
Bereits seit einiger Zeit online nutzbar sind die Pfarrbeschreibungen von 1817, die sozusagen die „Eröffnungsbilanz“ des neuen Erzbistums bildeten, die gedruckte Bistumsbeschreibung von Anton Mayer und Georg Westermayer aus den Jahren 1874-1884 und Fragebogenaktionen aus den Jahren 1936/44 und 1954. Seit April dieses Jahres ist auch die vollständige Edition der „Kriegs- und Einmarschberichte“ von 1945/46 verfügbar. Nunmehr kommen eine weitere Fragebogenaktion und zwei Berichtsserien hinzu.
 
Im Juli 1946 sandte das Erzbischöfliche Ordinariat München allen Klerikern des Erzbistums drei Fragebögen zum Thema „Nationalsozialistische Verfolgung“ zu: Neben dem Schicksal der Geistlichen selbst (Fragebogen A) und antikirchlichen Maßnahmen sachlicher Art (Fragebogen C) ging es im Fragebogen B um die Verfolgung katholischer Laien. Die Geistlichen sollten melden, wer in ihrem Seelsorgebezirk von solcher Verfolgung betroffen war, die Art der Verfolgung (von „1. Zur Rede gestellt“ bis „24. Hingerichtet“) und deren „Vorwand oder Anlaß“; hierbei waren drei Hauptgruppen vorgegeben: „1. Persönliche katholische Gesinnung und Betätigung“; „2. Apostolische Tätigkeit“; „3. Antinazistische Gesinnung oder Tätigkeit“. Aber auch nach „Sippenhaftung“ und Zwangssterilisierung und Ermordung aufgrund von „Geisteskrankheit“ wurde gefragt. Die Antworten dokumentieren – teils knapp, teils in ausführlichen Schilderungen – zahlreiche, anderweitig kaum überlieferte Schicksale mutiger Menschen, die mit dem NS-Regime in Konflikt gerieten.
 
In den „Seelsorgeberichten“ hatten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Pfarrer alljährlich dem Ordinariat Bericht über die pastorale Situation in ihren Pfarreien zu erstatten. Von dem so entstandenen riesigen Datenbestand sind die älteren Teile (bis einschließlich des Berichtsjahrs 1943) bei Bombenangriffen 1944 größtenteils zerstört worden; in der Regel ist allenfalls eine Komplementärüberlieferung im jeweiligen Pfarrarchiv zu erhoffen. Die Berichte für die Jahre 1944-1966 sind dagegen fast vollständig erhalten. Sie umfassen eine Vielzahl von Informationen, u.a. zur Seelenzahl, zur soziologischen Situation und zum religiös-sittlichen Stand der Gemeinde, zu den Schulverhältnissen, zum Bauzustand der Kultusgebäude, zu kirchlichen Vereinigungen und pastoralen Herausforderungen. Sie zeichnen damit ein differenziertes Bild der kirchlichen Wirklichkeit, sind aber auch aussagekräftig für die Sichtweise der Geistlichen, die diese gegenüber ihrer vorgesetzten Behörde beschrieben. Im letzten, die Jahre 1964-1966 betreffenden Bericht werden bereits die ersten Auswirkungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sichtbar: die Liturgiereform und die Einführung von „Pfarrausschüssen“ als Vorläufern der Pfarrgemeinderäte.
 
Der Bestand „Pastoralkonferenzen“ umfasst den nahezu gleichen Zeitraum 1943-1965. Er versammelt Ausarbeitungen zu vom Ordinariat vorgegebenen Themen, mit denen sich die Geistlichen eines Dekanats bei ihren regelmäßigen Treffen zu befassen hatten. Darin geht es um verschiedenste pastorale Herausforderungen der jeweiligen Gegenwart (wie die Auswirkungen von Krieg und NS-Diktatur, die Integration von Flüchtlingen, die Situation der christlichen Ehe oder das Schwinden frommen Brauchtums), um Fragen des Religionsunterrichts, aber auch um historische Themen, die die Pfarrer anhand ihres Pfarrarchivs bearbeiten sollten. Diese Ausarbeitungen, die teilweise pro Dekanat, teilweise aber für jede einzelne Pfarrei erstellt wurden, ergänzen die jährlichen Seelsorgeberichte um zahlreiche dort nicht oder nur knapp behandelte Aspekte.
 
In welcher Form diese Berichtsbestände über das Digitale Archiv genutzt werden können, hängt davon ab, ob darin daten- oder persönlichkeitsschutzrechtlich sensible Belange berührt werden, auf die nach staatlichen und kirchlichen Vorschriften Rücksicht zu nehmen ist. Zum Teil sind sie vollständig (Fragebogen C; Pastoralkonferenzen) oder größtenteils (Fragebogen A) online einsehbar; zum Teil (Fragebogen B; Seelsorgeberichte) sind sie durch detaillierte Findbücher erschlossen, somit über das Digitale Archiv recherchierbar und in den Lesesaal zu bestellen.

Wichtige Quellen zur Geschichte des Klerus: Findbücher zu Priester- und Studienseminar Freising online

Titelseite der Chronik des Priesterseminars 1945-1959 (Ausschnitt)
Titelseite der Chronik des Priesterseminars 1945-1959 (Ausschnitt)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 18. Juli 2022. Rund 150 Jahre lang war der Freisinger Domberg der zentrale Ort der Priesterbildung für das Erzbistum München und Freising. Zu den Unterlagen zweier dafür wichtiger Institutionen – des Priesterseminars (früher Klerikalseminars) und des Studienseminars (früher Knabenseminars) Freising – stehen im Digitalen Archiv des Erzbistums nun detaillierte Online-Findbücher zu Verfügung. Damit existiert eine neue Grundlage für wissenschaftliche Forschungen zur Geschichte des katholischen Klerus.
 
Am 22. Februar 1826 befahl Ludwig I. von Bayern die Errichtung eines Klerikalseminars in Freising zur Ausbildung von Diözesanpriestern. Dazu stellte er die ehemalige fürstbischöfliche Residenz zur Verfügung, so dass Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel die Eröffnung am 30. November vornehmen konnte. 1828 folgte die Gründung eines „Knabenseminars“ (d.h. eines Internats für Gymnasiasten), parallel die Errichtung eines humanistischen Gymnasiums, das – anfangs personell eng mit dem Knabenseminar verbunden – von 1858 an eine rein staatliche Schule war und seit 1949 Dom-Gymnasium heißt. Abschließender Schritt war 1834 die Errichtung eines Königlichen Lyzeums als staatlicher Studienanstalt für die philosophische und theologische Ausbildung der Priesteramtskandidaten, die 1923 in Philosophisch-Theologische Hochschule umbenannt wurde. Somit war ein räumlich wie organisatorisch eng verzahntes System entstanden, in das fromme und begabte Knaben mit Beginn der Gymnasialzeit eintraten und das sie im Idealfall erst als im Freisinger Dom frisch geweihte Priester wieder verließen. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde die Priesterausbildung im Erzbistum neu geregelt, das Priesterseminar 1968 nach München verlegt, die Hochschule im selben Jahr, das Studienseminar 1972 geschlossen.
 
Während sich das Archiv der Hochschule im Staatsarchiv München befindet, wurden die Unterlagen von Klerikal- und Knabenseminar in der Folge dem Archiv des Erzbistums übergeben. In den vergangenen beiden Jahren wurden sie hier neu geordnet und in detaillierten Online-Findbüchern erschlossen.
 
Die Bestände umfassen 2.251 (Studienseminar Freising) bzw. 2.235 (Priesterseminar) Verzeichnungseinheiten aus dem gesamten Zeitraum von der Gründung bis zur Aufhebung bzw. Verlegung und sind damit sehr umfangreich. Sie enthalten Unterlagen der jeweiligen Seminarverwaltung und betreffen Organisations-, Personal-, Bau- und Finanzfragen. Bemerkenswert sind insbesondere die Seminarchroniken, die Korrespondenzen der Seminarvorstände mit Seminaristen, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg Kriegsdienst leisteten, bzw. mit deren Familien und die Akten zur Inanspruchnahme der Seminargebäude in der NS-Zeit. Da der Regens des Priesterseminars zugleich Rektor der Domkirche war, enthält das Archiv des Priesterseminars auch zahlreiche Dokumente zu Unterhalt und Ausstattung des Freisinger Doms. Ebenso sind die Akten zu den ehemaligen Seminargebäuden, die heute als Bildungszentrum und Diözesanmuseum des Erzbistums genutzt werden, von hoher Bedeutung für die derzeitige Neugestaltung des Dombergs.
 
Für die Schülerakten des Studienseminars gelten, was die Anzeige im Online-Findbuch und die Nutzbarkeit betrifft, die einschlägigen Vorschriften zum Daten- und Persönlichkeitsschutz. Die Personalakten zu den Alumnen des Priesterseminars bildeten nach der Weihe den Grundstock für die Priester-Personalakten des Ordinariats und sind deshalb heute in den Beständen des Generalvikariats (BB001/2 „Personalia“ und BB009/2 „Personalakten pastoraler Mitarbeiter“) zu suchen.
 
Alle bereits nutzbaren Unterlagen können über das Digitale Archiv online zur Vorlage im Lesesaal bestellt und dort im Original eingesehen werden.

Archivalientausch sorgt für mehr Klarheit für die Forschung: Archiv des Erzbistums tauscht historische Unterlagen mit Staatlichen Archiven Bayerns

Symbolischer Vollzug des Archivalientausches
Symbolischer Vollzug des Archivalientausches; v.l.n.r. Prof. Dr. Johannes Merz (Direktor von Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising), Dr. Margit Ksoll-Marcon (Generaldirektorin der Staatlichen Archive) (Foto: Bayerisches Hauptstaatsarchiv)
München, 21. Juni 2022. 542 Urkunden, Bände und Akten wurden am Montag, 20. Juni, zwischen den Staatlichen Archiven Bayerns und dem Archiv des Erzbistums München und Freising ausgetauscht. Dieser große Archivalientausch, der in der Generaldirektion der Staatlichen Archive in München vollzogen wurde, soll insbesondere die archivarische Forschung erleichtern. Die nun zwischen Generaldirektorin Margit Ksoll-Marcon und Archiv- und Bibliotheksdirektor Johannes Merz ausgetauschten Archivalien waren durch verschiedene historische Umstände vor längerer Zeit ins „falsche“ Archiv gelangt.
 
Ein solcher Tausch ist im Archivwesen ein zwar fachlich anerkannter, jedoch eher seltener Vorgang. So bedurfte er einer längeren Vorbereitung und beiderseits der Genehmigung der vorgesetzten Stellen, unter anderem einer Einschätzung des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst hinsichtlich der Gleichwertigkeit der zum Tausch vorgesehenen Archivalien. Auch wenn durch den nun vollzogenen Tausch noch nicht sämtliche Fragen bei der Verteilung von Beständen bereinigt sind, bedeutet er eine wesentliche Vereinfachung für die Forschung, da nun klarer ist, an welcher Stelle welche Unterlagen zu finden sind. Er ist überdies ein weiterer Beleg für die seit Langem bestehende vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Staatlichen Archiven und dem Archiv des Erzbistums, die sich auch in der Mitwirkung kirchlicher Archive an der Ausbildung staatlicher Archivarinnen und Archivare und in der gemeinsamen Beteiligung an wissenschaftlichen Projekten zeigt.
 
Vom Archiv des Erzbistums wurden an die Staatlichen Archive zwei geschlossene Unterlagenkomplexe abgegeben. Zum einen Unterlagen der Stiftungsadministration Wasserburg: Bei der Stiftungsadministration handelt es sich um eine staatliche Behörde, die von 1807 bis 1817 die Vermögensverwaltung und Rechnungslegung für alle Kirchen, Bruderschaften und anderen kirchlichen Stiftungen im Bereich des ehemaligen Land- und Pflegegerichts Kling wahrnahm.  Dafür standen ihr auch ältere Serien von Kirchenrechnungen zur Verfügung. Insgesamt handelt es sich um 146 meist umfangreiche Bände mit Rechnungen der Kirchen in den Pfarreien Eggstätt, Eiselfing, Evenhausen, Grünthal, Höslwang, Obing und Schnaitsee aus den Jahren 1700 bis 1803, sowie 78 weitere Bände und Aktenkonvolute aus den Jahren 1672 bis 1847. Die Unterlagen wurden 1985 vom Archiv des Erzbistums von der Empore der Pfarrkirche Schnaitsee geborgen, wohin sie auf unbekanntem Weg gelangt waren.
 
Zum anderen Professurkunden des Zisterzienserklosters Kaisheim (bei Donauwörth): Die 96 Urkunden aus dem Zeitraum 1575 bis 1727 wurden meist von den Novizen eigenhändig auf Pergament geschrieben, die damit ihren Eintritt in die Klostergemeinschaft vollzogen. Sie wurden bei der Säkularisation der bayerischen Klöster 1803 offenbar nicht wie das übrige Klosterarchiv von den staatlichen Archiven übernommen und kamen über die Sammlung des historisch überaus interessierten Münchner Dompropstes Martin von Deutinger (1789-1854) ins Archiv des Erzbistums.
 
Die vom Archiv des Erzbistums abgegebenen Unterlagen werden künftig in den jeweils zuständigen staatlichen Archiven verwahrt und schließen dort Lücken in der Überlieferung: die Unterlagen der Stiftungsadministration im Staatsarchiv München, die Kaisheimer Professurkunden im Staatsarchiv Augsburg.
 
Von staatlicher Seite wurden dem Archiv des Erzbistums vielfältige Einzelstücke übergeben. Bei der in den letzten Jahren im Bayerischen Hauptstaatsarchiv vorgenommenen genaueren Analyse der Bestände, in die die Freisinger Archivalien im 19. Jahrhundert eingeteilt worden sind, haben sie sich als zur geistlichen Verwaltung gehörig herausgestellt. Nach der Säkularisation des Hochstifts Freising 1802 war die Trennung zwischen Unterlagen der geistlichen Verwaltung, die bei der Freisinger Bistumsverwaltung verblieben und heute den Altbestand des Archivs des Erzbistums bilden, und solchen der weltlichen Regierung des geistlichen Fürstentums Freising, die mit der Übernahme von dessen Territorien vom neuen Landesherrn übernommen wurden, nicht immer sauber vollzogen worden. Das wurde nun durch den Archivalientausch korrigiert.
 
Aus dem Hauptstaatsarchiv gingen an das Archiv des Erzbistums 222 Archivalien der geistlichen Regierung des Bistums Freising (Offizialat, Geistlicher Rat beziehungsweise Geistliche Regierung, Generalvikariat) aus den Jahren 1418 bis 1802 mit sehr vielfältiger Thematik. Sie betreffen unter anderem Synoden, Visitationen, kirchliche Ehegerichtsverfahren und Klöster im Bistumsgebiet. Die dem Archiv des Erzbistums übergebenen Unterlagen werden in nächster Zeit in die entsprechenden Verzeichnisse eingearbeitet, dann gescannt und online im Digitalen Archiv des Erzbistums zur Nutzung bereitgestellt.

Oberammergau 1633: Das pfarrliche Sterbebuch als „Gründungsurkunde“ des Passionsspiels

Einträge im Sterbebuch der Pfarrei Oberammergau zum März 1633 (Ausschnitt; Kontrast verstärkt)
Einträge im Sterbebuch der Pfarrei Oberammergau zum März 1633 (Ausschnitt; Kontrast verstärkt)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 12. Mai 2022. Mit dem Sterbebuch der Pfarrei Oberammergau ist im Digitalen Archiv des Erzbistums das einzige im Original erhaltene Dokument zur Entstehung des weltbekannten Passionsspiels online einsehbar.
 
Das Oberammergauer Passionsspiel hat nach der lokalen Überlieferung seinen Ursprung in einem Gelübde der Einwohner Oberammergaus in einer Pestepidemie während des 30-jährigen Kriegs. Angesichts zahlreicher Seuchenopfer hätten 1633 die Oberammergauer gelobt, alle zehn Jahre ein Passionsspiel aufzuführen. Von da an sei kein Mensch mehr gestorben. Ein schriftliches Original des Passionsspielgelübdes gibt es jedoch nicht – oder nicht mehr.
 
Dass Oberammergau jedoch wirklich von der Pest heimgesucht wurde, lässt sich durch das Sterbebuch der Pfarrei für die Jahre 1621-1660 belegen. Starben in normalen Jahren zwischen 7 und 19 Personen, so erreichte die Zahl der Verstorbenen 1633 mit 69 Toten einen Spitzenwert. Unter dem 28. Januar und 19. März sind mit Primus Cristeiner und Marcellus Fatiga, beide Augustiner-Chorherrn aus Rottenbuch, sogar zwei Oberammergauer Pfarrer als verstorben verzeichnet. Allein im März 1633 starben 20 Oberammergauer. Angegeben sind im Sterbebuch allerdings immer nur das (Beerdigungs-)Datum und der Name, nie eine Todesursache. Die Tatsache einer Epidemie ist also nur aus dem Ansteigen der Sterblichkeit zu erschließen.
 
Erst Ende Juni pendelte sich die Zahl der Todesfälle wieder auf das übliche Maß ein. So dürften 1632/33 etwa 10 % der Pfarrangehörigen der Pest zum Opfer gefallen sein. Das Gelöbnis eines Passionsspiels ist in dieser lebensbedrohlichen Situation gut vorstellbar. Die „Pestmatrikel“ erhält so als einzig erhaltene Quelle, die über den Ursprung des Spiels Auskunft gibt, die Bedeutung einer ersatzweisen „Gründungsurkunde“ des Passionsspiels.
 
1634 fand wohl die erste Aufführung der Passion statt, weitere 1644 und 1654. Von 1662 ist ein erstes Textbuch überliefert. Seit 1680 sind die Aufführungen (in der Regel) jeweils in runden Zehnerjahren. Die Spieltradition wurde durch Krisen und Kriege hindurch bis heute beibehalten.
Das Digitale Archiv des Erzbistums bietet ein Volldigitalisat des Sterbebuchs (AEM Matrikeln 4736). Die entscheidenden Einträge finden sich hier auf Blatt 200 und 201 (Bild [203]-[204]); sie sind buchstabengetreu transkribiert im kleinen Ausstellungskatalog „Die ‚Gründungsurkunde‘ der Passionsspiele Oberammergau 1633“ (S. 17-20).

Augenzeugen zum Ende des Zweiten Weltkriegs: „Kriegs- und Einmarschberichte“ nun online

Anweisung zur Erstellung der Kriegs- und Einmarschberichte, 7. Juni 1945. Hektographie (Ausschnitt)
Anweisung zur Erstellung der Kriegs- und Einmarschberichte, 7. Juni 1945. Hektographie (Ausschnitt)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 4. Mai 2022. Mit den rund 560 „Kriegs- und Einmarschberichten“ von Geistlichen des Erzbistums München und Freising besitzt das Archiv des Erzbistums einen der wichtigsten Quellenbestände zum Ende des Zweiten Weltkriegs im südlichen Bayern. Die vollständige Edition dieser Berichte, die 2005 in Buchform erschien, ist seit langem vergriffen. Nun wird der komplette Text online gestellt.
 
Als im Gebiet des Erzbistums der Zweite Weltkrieg in den letzten April- und ersten Maitagen 1945 mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen zu Ende ging, hatten die Behörden des nationalsozialistischen Regimes ihre Tätigkeit bereits eingestellt; die Wehrmacht befand sich in Auflösung. Die kirchlichen Verwaltungsstrukturen funktionierten dagegen weiterhin. Dies war die Voraussetzung dafür, dass die Ereignisse vor 77 Jahren heute noch fast unmittelbar nachverfolgt werden können: Am 7. Juni 1945 forderte der Münchner Generalvikar Ferdinand Buchwieser alle Seelsorgestellen auf, über die Kriegsereignisse und speziell das Kriegsende in der jeweiligen Pfarrei zu berichten.
 
Die so entstandenen, zwischen August 1945 und Juni 1946 im Ordinariat eingegangenen „Kriegs- und Einmarschberichte“ bieten eine Fülle von Informationen zum Kriegsende an fast jedem Ort des Bistumsgebiets. Sie beruhen größtenteils auf eigenem Erleben der Geistlichen und wurden sehr bald nach den Ereignissen niedergeschrieben, auch wenn man bei der Auswertung natürlich stets den subjektiven Blickwinkel der einzelnen Berichterstatter berücksichtigen muss.
 
Entsprechend oft wurden und werden die Berichte genutzt, seitdem das Archiv sie 2005 erstmals vollständig in Buchform veröffentlicht hat. In vielen Ortsgeschichten sind sie zitiert. Zahlreiche Schülergruppen haben mit ihnen gearbeitet, um das Kriegsende in ihrer Heimatregion zu erforschen und mit Dokumenten von amerikanischer Seite sowie mit Berichten noch lebender Zeitzeugen zu vergleichen. Sie wurden genutzt, um die Vergewaltigung deutscher Frauen bei Kriegsende zu dokumentieren und sogar um Blindgänger auf Baugrundstücken aufzuspüren. Vor allem aber bieten sie den einzelnen Pfarrgemeinden die Möglichkeit, diesen einschneidenden Moment ihrer Geschichte besser kennen zu lernen und die Erinnerungen ihrer früheren Seelsorger etwa bei Gedenkveranstaltungen zum Kriegsende einzubeziehen.
 
Besonders eindrucksvoll und u.a. für Unterrichtszwecke gut einsetzbar sind z.B. folgende Berichte:
  • Pfarrei München-St. Sylvester (Dekanat München-Nord) mit einer Beschreibung der Erstkommunion kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner, während der bereits Kanonendonner vom Stadtrand her zu hören ist.
  • Pfarrei Pullach (Dekanat München-Süd) mit dem eindrucksvollen Bericht über die Ermordung eines alliierten Fliegers kurz vor und der Tötung des NS-Ortsgruppenleiters kurz nach dem Kriegsende
  • Pfarrei Dachau-St. Jakob (Dekanat Dachau) mit (diskussionsbedürftigen) Aussagen zur Befreiung des Konzentrationslagers und zum Wissen bzw. Nichtwissen der Dachauer über die NS-Verbrechen
  • Pfarrei Degerndorf (Dekanat Wolfratshausen) mit einer bewegenden Schilderung des „Todesmarsches“ von KZ-Häftlingen, der durch den Ort führte.
 
Die anhaltende Nachfrage nach den Berichten hat das Archiv des Erzbistums verlasst, den gesamten, 1.498 Seiten umfassenden Buchtext der Edition mit Einverständnis des Verlags Schnell & Steiner (Regensburg) in seinem Internetangebot online zu stellen. Mit Hilfe des Ortsregisters können alle gesuchten Einzelberichte schnell aufgefunden und dann heruntergeladen oder ausgedruckt werden. Die Texte sind mit kurzen Angaben zu den berichtenden Geistlichen versehen. In einer ausführlichen Einleitung werden Entstehung und Quellenwert der Berichte sowie (vom renommierten Münchner Landeshistoriker Prof. Dr. Walter Ziegler) der Verlauf des Kriegsendes im Erzbistum dargestellt.

Wunder über Wunder: Mirakelbücher im Digitalen Archiv des Erzbistums

Das Marien-Gnadenbild von Egern am Tegernsee. Kupferstich im Mirakelbuch „Marianischer Wunderbaum“, um 1710 (Ausschnitt)
Das Marien-Gnadenbild von Egern am Tegernsee. Kupferstich im Mirakelbuch „Marianischer Wunderbaum“, um 1710 (Ausschnitt)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 28. April 2022. Mit der Online-Stellung von 53 Mirakelbüchern aus 13 Wallfahrtsorten erweitert das Digitale Archiv des Erzbistums sein Quellenangebot zu einem zentralen Bereich katholischer Frömmigkeit.
 
Die Mirakelbücher stammen aus Pfarreien, in denen – oft schon seit dem Mittelalter – Wallfahrten bestanden. Zahlreiche Menschen pilgerten dorthin, um an den Reliquien von Heiligen oder vor ihrem Bildnis um ihre Fürsprache bei Gott in verschiedensten Anliegen zu bitten oder um ihnen für erfahrene wunderbare Hilfe zu danken.
 
Dieser zweite Aspekt ist in den Mirakelbüchern dokumentiert: Gläubige, die überzeugt waren, dass ihre Gebete erhört worden waren, meldeten dies den Geistlichen des jeweiligen Wallfahrtsortes entweder brieflich oder (in der Regel) persönlich bei der gelobten Dankwallfahrt. Diese Geschichten wurden handschriftlich in den Mirakelbüchern aufgezeichnet und einmal im Jahr öffentlich von der Kanzel verkündet. Sie bieten eindrucksvolle Schilderungen der Sorgen und Nöte des früheren Lebens, sei es im Alltag oder bei besonderen Ereignissen (wie Kriegen oder Seuchen). Die Mirakelaufzeichnungen machen nicht nur Angaben zu Anliegen, Verlöbnis, Votivgaben und Zeugen sowie Datierung, sondern nennen regelmäßig auch Namen, Stand und Herkunftsort der Votanten, die somit eindeutig identifizierbar sind.
 
Die nun im Digitalen Archiv zugänglichen Mirakelbücher kamen meist durch die Deponierung ganzer Pfarrarchive, teils auch auf anderen Wegen ins Diözesanarchiv. Fallweise wurden Mirakelbücher aus Pfarrarchiven, die bis heute vor Ort verwahrt werden, eigens digitalisiert, um Forscherinnen und Forschern eine einfachere Nutzung zu ermöglichen. Sie stammen aus folgenden Pfarreien bzw. Wallfahrtsorten: Dorfen, Egern, Endlhausen, Föching, Grunertshofen (Luttenwang), Irschenberg (Wilparting), Ismaning, Miesbach, Mittenwald, München-Forstenried, Neukirchen bei Weyarn (Reichersdorf, Esterndorf, Holzolling), Tegernsee und Wang. Es sind also große und bis heute bestehende Wallfahrten wie die von Dorfen ebenso vertreten wie kleine, nur regional bekannte oder erloschene. Ziele der Pilger waren meist Gnadenbilder der Gottesmutter Maria, aber auch die Reliquien von Heiligen (wie des heiligen Quirinus in Tegernsee oder der Heiligen Marinus und Anian in Wilparting am Irschenberg). Die Bücher decken den Zeitraum von ca. 1640 bis Säkularisation von 1803 ab, die für die meisten Wallfahrten ein zumindest vorläufiges Ende bedeutete. Die Zahl der darin aufgezeichneten Gebetserhörungen dürfte mehrere 10.000 erreichen. Nur ein Teil davon war bisher bekannt und erforscht.
 
Auch wenn die nun online zur Verfügung stehenden Quellen nur einen Teil der aus dem Erzbistum insgesamt überlieferten Mirakelbücher ausmachen (vgl. den Versuch eines Gesamtverzeichnisses von Georg Brenninger, Teil 1 und Teil 2), so erleichtern sie nicht nur lokale oder regionale Forschungen, etwa zur Entwicklung einer Wallfahrt oder zu Herkunft und Anliegen der Wallfahrer. Ihr Umfang ermöglicht auch die Bearbeitung übergreifender Fragestellungen zu diesem zentralen Bereich barocker Frömmigkeit, etwa zu Votivbrauchtum, Medizin- und Alltagsgeschichte.
 
Die digitalisierten Mirakelbücher finden sich im Digitalen Archiv des Erzbistums unter der Rubrik „ausgewählte Objekte“ und sind dort nach den Pfarrorten geordnet.

Entwerfen – Dokumentieren – Streiten: Handgezeichnete Pläne jetzt online

Deckenfresko der Pfarrkirche Rattenkirchen. Entwurfszeichnung von Balthasar Mang d.Ä., 1765 (AEM PLS20088; Ausschnitt)
Deckenfresko der Pfarrkirche Rattenkirchen. Entwurfszeichnung von Balthasar Mang d.Ä., 1765 (AEM PLS20088; Ausschnitt)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 6. April 2022. Das Archiv des Erzbistums München und Freising besitzt eine Sammlung von rund 1.050 handgezeichneten Plänen und Landkarten aus der Zeit vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Diese einmaligen Stücke sind oft künstlerisch sehr reizvoll. Sie zeigen Bau- und Kunstwerke sowie Landschaften aus dem ganzen Bistumsgebiet und darüber hinaus.
 
In Kooperation mit dem bayerischen Kulturportal bavarikon wurde die Sammlung vollständig und in hoher Qualität digitalisiert. Sie ist nun sowohl über bavarikon als auch über das Digitale Archiv des Erzbistums kostenlos recherchier- und nutzbar.
 
Unter Plänen im archivischen Sinn sind handgezeichnete Darstellungen von Bau- und Kunstwerken oder Landkarten zu verstehen. Sie entstanden beim Entwurf neuer Werke, um bestehende Zustände festzuhalten oder um in Streitfällen Sachverhalte zu veranschaulichen. In der Regel handelt es sich um Unikate, die nur in diesem einzigen Exemplar existieren.
 
Den Kernbestand der Sammlung des Archivs des Erzbistums bilden die Pläne aus amtlichen kirchlichen Stellen (Ordinariat, Pfarreien). Sie entstanden vor allem im Zuge von Bauplanungen kirchlicher Institutionen und deren Genehmigung durch die kirchliche Oberbehörde. Unter den zahlreichen Plänen, die darüber hinaus als Sammlungsgut erworben wurden, befinden sich neben interessanten Einzelstücken auch einige Gruppen von Plänen, die angesichts ihrer relativen Geschlossenheit von besonderer Bedeutung für die Forschung sind und die man zum Teil nicht in einem Diözesanarchiv vermuten würde:
  • Pläne mit Bezug zum Augustiner-Chorherrenstift Weyarn (18. Jh.)
  • Ansichten von Orten in der Kurpfalz (um 1699)
  • Musterentwürfe für Kistlerarbeiten (18. Jh.)
  • Nachlass des Malers Balthasar Mang d.Ä. (1720-1803)
  • Nachlass des Bildhauers Wilhelm Joseph Niessen (1827-1903)
 
Die Online-Präsentation der gesamten Sammlung erfolgt in Kooperation mit dem bayerischen Kulturportal bavarikon, das Projekte zur Digitalisierung von Kulturgut in Bayern fördert. Für das Jahr 2021 wurden Fördermittel bewilligt, die bei einem Teil der erforderlichen Arbeitsschritte (Konservierung, Erschließung, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Einbindung der Digitalisate in verschiedene IT-Systeme) den Einsatz von externen Dienstleistern ermöglichten.
 
Eine Auswahl von charakteristischen Plänen aus allen Teilen der Sammlung wird auch in der Online-Ausstellung „Entwerfen – Dokumentieren – Streiten. Die Plansammlung des Archivs des Erzbistums München und Freising“ vorgestellt und inhaltlich erläutert.

Ausbildung zum Archivlotsen: Digitaler Zugang zu Schätzen der Geschichte

Digitale Archivnutzung
München, 24. März 2022. Erstmals bietet die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) in der Erzdiözese München und Freising einen Kurs an, der für die Arbeit mit dem Digitalen Archiv des Erzbistums qualifiziert. Damit soll allen Interessierten der digitale Zugang zu Schätzen der Geschichte erleichtert werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden dafür qualifiziert, selbst mit dem Digitalen Archiv des Erzbistums zu arbeiten und andere bei ihren Forschungen zu unterstützen.
 
Das Digitale Archiv des Erzbistums (www.erzbistum-muenchen.de/archiv-und-bibliothek), das im Juli 2019 den Publikumsbetrieb aufnahm, stellt mittlerweile mehr als sechs Millionen Seiten digitalisierter historischer Dokumente zur kostenlosen Online-Nutzung bereit. Dadurch ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für die Forschung sowohl zur Familien- als auch zur Orts-, Pfarr- und Bistums- und Sozialgeschichte. Darüber hinaus werden Online-Hilfen für Forscherinnen und Forscher in den Bereichen Familien-, Orts- und Pfarrgeschichte geboten.
 
In der Fülle dieser Angebote ist es mittlerweile nicht mehr ganz einfach, den besten Weg zur Beantwortung der eigenen Forschungsfrage zu finden. Der Kurs „Ausbildung zum Archivlotsen“ will deshalb historisch Interessierte befähigen, auch als Multiplikatoren für andere zu wirken. Er richtet sich deshalb insbesondere an Personen, die in den verschiedenen Bereichen der Bildung, in Heimatvereinen oder in der Familienforschung engagiert sind. Spezielle Voraussetzungen sind für die Teilnahme jedoch nicht gefordert.
 
Der Kurs wurde von der KEB angeregt und im Rahmen des Programms „Innovative Projekte“ gefördert. Konzeption und Organisation liegen beim Katholischen Bildungswerk im Landkreis Miesbach in Zusammenarbeit mit Archiv und Bibliothek des Erzbistums. Als Referentinnen und Referenten konnten ausgewiesene Fachleute aus den Bereichen Archivwesen, Geschichte und Pädagogik gewonnen werden. Von den sieben Kursmodulen werden vier online durchgeführt; Auftakt und Abschluss finden in Miesbach statt. Im Rahmen des Kurses macht das Archiv des Erzbistums erstmals sein eindrucksvolles Depot in Neufahrn bei Freising zugänglich und ermöglicht eine direkte Begegnung mit originalen historischen Dokumenten.
 
Die Kursmodule umfassen Einführungen in das Archivwesen und die alte deutsche Handschrift, Anleitungen zur Recherche und Forschung im Digitalen Archiv sowie Hinweise zur Vermittlung der erlernten Kompetenzen. Darüber hinaus gibt es Anregungen und Hilfen zur Nutzung des Digitalen Archivs in Schule und Bildungsarbeit. Ein Zertifikat über die Teilnahme kann durch einen Online-Test mit Sachfragen und die Präsentation einer kurzen Vermittlungseinheit erworben werden. Der Kurs beginnt am 30. April 2022.
 
Weitere Informationen sowie Termine und Anmeldungsmodalitäten sind dem Flyer „Ausbildung zum Archivlotsen. Der digitale Weg zur Geschichte von Familie, Heimat, Kirche und Gesellschaft“ und der Homepage des Katholischen Bildungswerks im Landkreis Miesbach (www.kbw-miesbach.de) zu entnehmen.
 
Ansprechpartner:
  • Dr. Wolfgang Foit, Katholisches Bildungswerk im Landkreis Miesbach, 08025/9929-0, wolfang.foit@kbw-miesbach.de
  • Dr. Roland Götz, Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising, 089/2137-1687, rgoetz@eomuc.de
 

Den Vorfahren auf der Spur: Familienforschung im Selbstversuch

Taufbuch der Pfarrei Ruhpolding für uneheliche Kinder 1842-1897 (Detail)
Taufbuch der Pfarrei Ruhpolding für uneheliche Kinder 1842-1897 (Detail)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 9. März 2022. Im Rahmen ihres Volontariats beim Sankt Michaelsbund, dem katholischem Medienhaus in München, hat sich die angehende Journalistin Hannah Wastlhuber auf die Suche nach ihren Vorfahren begeben. Dabei ist sie nicht allein; denn Familienforschung hat nach wie vor Konjunktur.
 
Der Hobby-Familienforscher Uli Bauer aus München berichtet im Gespräch mit Frau Wastlhuber, wie er bei seiner Vorfahren-Suche vorgegangen ist, was ihn motiviert und wie sich ein einfaches Tagebuch seines Großonkels als wichtiges Dokument der Familien- und Zeitgeschichte entpuppt hat. Was man aus den digitalisierten Pfarrmatrikeln bayerischer Bistümer – aber auch aus anderen Quellen – über die eigene Familie herausfinden kann, erklärt der stellvertretende Direktor von Archiv und Bibliothek des Erzbistums, Roland Götz. Was das Wissen um die Familiengeschichte mit einem macht und was die Vorfahren mit der eigenen Identität zu tun haben, verrät die Trainerin für Biografiearbeit, Monika Heilmeier-Schmittner. Schließlich begab sich Hannah Wastlhuber zusammen mit ihrer Mutter selbst auf die Suche nach ihren Vorfahren im Digitalen Archiv des Erzbistums München und Freising.
 
Die Gespräche und die Erlebnisse bei der Recherche kann man nachhören in der Sendung „Den Vorfahren auf der Spur“ des Münchner Kirchenradios. Weitere Informationen und Tipps bieten zwei Beiträge auf der Homepage des Erzbistums München und Freising:

Archiv-Geheimnisse: Das Archiv des Erzbistums im BlogSlam der Münchner Archive

Ehemals versiegelte Akten zum Fall „Louise Beck“
Ehemals versiegelte Akten zum Fall „Louise Beck“
(Foto: Robert Kiderle, München)
München, 7. März 2022. Anlässlich des „Tags der Archive“ haben rund 20 Münchner Archive einen gemeinsamen BlogSlam gestartet. Unter dem Motto „Fakten, Geschichten, Kurioses“ führen dessen Beiträge - über alle Archivsparten hinweg - hinein in den reichen Fundus an originalem Kulturgut, den die Archive bergen.
 
Wie gehen kirchliche Archive mit der Zugänglichkeit von Archivbeständen um? Davon handelt der Beitrag des Archivs des Erzbistums mit dem Titel „Archiv-Geheimnisse“. Der Vorwurf der Vertuschung ist in der öffentlichen Diskussion aktuell ja verbreiteter denn je. Weniger bekannt sind die Rechtsgrundlagen für den Umgang mit Archivalien. Die Thematik wird an historischen und aktuellen Beispielen verdeutlicht:
 
  • Einem Chorherrn aus dem Kloster Schlehdorf wurde um 1770 der Prozess u.a. wegen Kindstötung gemacht. Dabei spielten Aufzeichnungen in Geheimschrift eine wichtige Rolle.
  • Was 1865 eine Untersuchung seltsamer Vorgänge um die Altöttinger Seherin Louise Beck ergab, schien so brisant, dass die Akten lange versiegelt blieben.
  • Nur für sich selbst und in Stenographie hielt Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber fest, mit wem und worüber er in seiner langen Amtszeit (1917-1952) sprach. Seit 2013 sind seine Tagebücher in einer Online-Edition weltweit lesbar.
  • Bei der Aufklärung von Fällen sexuellen Missbrauchs im Bereich der Kirche spielen die kirchlichen Archive eine wichtige Rolle.
 
Mit dem Beitrag des Archivs des Erzbistums wurde der BlogSlam am 5. März eröffnet. Die Beiträge der anderen Archive werden bis zum 24. März 2022 sukzessive auf dem Kooperationsblog „Archive in München“ (https://amuc.hypotheses.org/) eingestellt. Parallel dazu erscheinen Beiträge der Staatlichen Archive Bayerns im neuen Blog „Archive in Bayern“ (https://archivebay.hypotheses.org).
 
Ein BlogSlam ist eine zeitlich befristete Blog-Aktion mit begrenztem Teilnehmerkreis. Vorbild sind Poetry Slams und Science Slams. Der Begriff bezeichnet normalerweise einen Vortragswettstreit. Bei diesem BlogSlam werden am Ende aber keine Sieger gekürt, sondern spannende Geschichten und kuriose Inhalte gesammelt.

BR Fernsehen: Das Rätsel um Attenkirchen

Akt zum Neubau der abgebrannten Pfarrkirche Attenkirchen
Akt zum Neubau der abgebrannten Pfarrkirche Attenkirchen
Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising
München, 21. Februar 2022. Das oberbayerische Dorf Attenkirchen existiert schon seit dem frühen Mittelalter. Doch seit einem Brand 1762 sind die vor Ort verwahrten Dokumente seiner Geschichte verloren. So machte sich der jetzige Pfarrer von Attenkirchen, Dekan Stephan Rauscher, 2021 in verschiedenen Forschungseinrichtungen des In- und Auslandes auf die Suche nach Informationen zur Ortsgeschichte. Dabei begleitete ihn BR-Autor Michael Mandlik mit einem Kamerateam.
 
Die Recherche führte unter anderem ins Archiv des Erzbistums München und Freising. Dabei sah Dekan Rauscher originale Dokumente zum Neubau der heutigen Pfarrkirche und erfuhr, dass sie und die älteste Bistumsbeschreibung aus dem Jahr 1315 bereits online genutzt werden können.
 
Die 45-minütige Sendung „Das Rätsel um Attenkirchen“ wird am Montag, den 28. Februar 2022, um 21.00 Uhr in der Reihe „Bayern erleben“ des BR Fernsehens ausgestrahlt. Anschließend ist sie über die Mediathek weiterhin greifbar. Eine Wiederholung ist am Sonntag, den 6. März 2022, um 13.15 Uhr ebenfalls im BR Fernsehen zu sehen.

Durchgehend geöffnet! Online-Angebote bayerischer Kirchenarchive zum „Tag der Archive“ am 5. März 2022

Tag der Archive 2022
Mit einer ganztägigen Online-Veranstaltung beteiligen sich sechs große bayerische Kirchenarchive am Tag der Archive 2022. In einer Zeit pandemiebedingter Einschränkungen bei Archivbesuch und Präsenzveranstaltungen machen sie damit aus der Not eine Tugend. Unter dem Motto „Durchgehend geöffnet!“ informieren sie darüber, wie viele ihrer Angebote bereits online zur Verfügung stehen und auch vom heimischen Computer aus genutzt werden können.
Die Veranstaltung bündelt diese Angebote erstmals bayernweit und konfessionsübergreifend. Es beteiligen sich fünf katholische Diözesanarchive (Eichstätt, München und Freising, Passau, Speyer, Würzburg) und das in Nürnberg angesiedelte Landeskirchliche Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Das Archiv des Bistums Speyer vertritt dabei die bis 1945 bayerische Pfalz; das Bistum Speyer gehört bis heute zur nordbayerischen Kirchenprovinz Bamberg. Das DFG-Projekt „Kritische Online-Edition der Tagebücher Michael Kardinal von Faulhabers (1911–1952)“, das seine Arbeit ebenfalls präsentiert, kooperiert eng mit dem Erzbischöflichen Archiv München.
Die einzelnen Programmpunkte gruppieren sich um die Themen Familienforschung, Schriftkunde, Orts- und Bistumsgeschichte. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der „live“-Vorstellung der Online-Angebote. Bei einer offenen Sprechstunde können zudem Fragen zur Familien- und Heimatgeschichtsforschung an Vertreterinnen und Vertreter aller teilnehmenden Archive gestellt werden.

Geplanter Ablauf (Änderungen vorbehalten):
ThemaArchiv
09.00
Öffnung des Zoom-Raums
-
09:30
Katholische Pfarrmatrikeln im Portal „Matricula“
Diözesanarchiv Eichstätt
10:00
Evangelische Kirchenbücher im Portal „Archion“
Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
10:30
Konfessionsübergreifende Familienforschung im Portal „Archion“
Archiv des Bistums Speyer
11:00
Die Genealogische Datenbank des Bistums Passau
Archiv des Bistums Passau
11:30
Offene Sprechstunde zur Familien- und Heimatgeschichtsforschung
alle
12:30
Pause
-
13:00
Lesekurse der alten deutschen Schrift
Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
13:30
Wie Computer lernen, Handschriften zu lesen: Die Plattform „Transkribus“
Archiv des Bistums Passau
14:00
Die Digitalisierung einer Fotodokumentation von Votivtafeln der Gnadenkapelle Altötting
Archiv des Bistums Passau
14:30
Digitalisierte Pfarrbeschreibungen aus Oberfranken
Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
15:00
Digitale Angebote von Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg
Archiv und Bibliothek des Bistums Würzburg
15:30
Recherche im Digitalen Archiv des Erzbistums München und Freising
Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising
16:00
Quellen zur Orts- und Pfarrgeschichte im Digitalen Archiv des Erzbistums München und Freising
Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising
16:30
Die Online-Edition der Tagebücher von Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber
DFG-Projekt „Kritische Online-Edition der Tagebücher Michael Kardinal von Faulhabers (1911–1952)“, München
Die Online-Veranstaltung wird in Kooperation mit der Domberg-Akademie in Freising mittels der Video-Software ZOOM durchgeführt. Alle Interessierten können zu jedem Zeitpunkt zum laufenden Programm hinzustoßen. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Der ZOOM-Link ist ab kurz vor der Veranstaltung auf der Homepage der Domberg-Akademie im Veranstaltungskalender zu finden: https://domberg-akademie.de/veranstaltungen-detail/online-angebote-bayerischer-kirchenarchive Es gelten die dort nachzulesenden Datenschutzhinweise.

Ansprechpartner:
  • Dr. Roland Götz, Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising, rgoetz@eomuc.de (bei Fragen zum Programm)
  • Dr. Stephan Mokry, Domberg-Akademie, smokry@domberg-akademie.de (bei Fragen zur Organisation)

Kirchengeschichtliche Weichenstellung: 500 Jahre Grünwalder Konferenz

Silhouetten von Martin Luther, Papst Leo X. und Kaiser Karl V. im Burghof
Silhouetten von Martin Luther, Papst Leo X. und Kaiser Karl V. im Burghof Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising (Roland Götz)
München, 11. Februar 2022. Einem hochbedeutenden kirchengeschichtlichen Ereignis ist die Freiluft-Ausstellung gewidmet, die seit 10. Februar 2022 in der Burg Grünwald und vor der benachbarten katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul zu sehen ist.
 
Im Februar 1522 war die herzogliche Burg im Isartal Ort eines Treffens, das die bayerische und deutsche Geschichte für Jahrhunderte mitbestimmte: Auf der „Grünwalder Konferenz“ berieten die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X., die als Brüder Bayern gemeinsam regierten, über ihr Vorgehen gegenüber der von Martin Luther ausgelösten Bewegung der Reformation.
 
Die Herzöge entschieden für sich und ihre Untertanen, bei der „alten“ Kirche zu bleiben. In der Folge war Altbayern für fast drei Jahrhunderte ein rein katholisches Land. Dies bedeutete nach innen Vorgehen gegen alle protestantischen Bestrebungen und zugleich energisches Bemühen um eine Reform der katholischen Kirche. Nach außen war Bayern in den konfessionspolitischen Auseinandersetzungen der Zeit neben den kaiserlich-habsburgischen Landen die prominenteste katholische Macht im Reich.
 
Doch um 1800 veränderten sich durch politische Umbrüche auch die konfessionellen Verhältnisse. In der Epoche Napoleons gewann Bayern zahlreiche evangelisch geprägte Herrschaftsgebiete (vor allem in Franken und Schwaben) hinzu. So gewährte Kurfürst Max IV. Joseph (später König Max I. Joseph) allen Christen in seinem Land gleiche Rechte. Dies führte zunächst zu einem Nebeneinander der Bekenntnisse; denn in den einzelnen Regionen dominierte weiter meist eine Konfession, das kirchliche Leben verlief strikt getrennt. Erst im 20. Jahrhundert entwickelte sich ein immer engeres ökumenisches Miteinander. Mittlerweise ist aus der einst einheitlich katholischen und dann gemischtkonfessionellen Gesellschaft in Bayern eine multireligiöse und weltanschaulich plurale geworden.
 
Die Ausstellung gibt auf Text- und Bildtafeln knappe Informationen über die Ereignisse vor 500 Jahren und die Geschichte der Konfessionen in Bayern bis zur Gegenwart. Dazu werden mit lebensgroßen Silhouetten Persönlichkeiten vorgestellt, die diese Geschichte geprägt haben – von Martin Luther, Papst Leo X. und Kaiser Karl V. über die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. bis zu König Max I. Joseph und seiner evangelischen Gemahlin Karoline. In einer kurzen Filmsequenz stellen Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Grünwald den möglichen Ablauf der Konferenz nach.
 
Die Ausstellung wird von der Archäologischen Staatssammlung München verantwortet. Konzeption und Realisierung erfolgten in Kooperation mit der Gemeinde Grünwald, der Pfarrei St. Peter und Paul und Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising. Der erste Ausstellungsteil im Burghof ist während der Öffnungszeiten des Burgmuseums (Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr), der zweite vor der Pfarrkirche jederzeit bei freiem Eintritt zu besichtigen
 
Begleitend werden mehrere Vorträge zum Thema angeboten: www.gemeinde-gruenwald.de/kultur/gruenwalder-konferenz

Weihnachten in außergewöhnlichen Zeiten: Heilige Nacht um 5 Uhr früh

Mitteilung der Verlegung der Mitternachtsmette durch den kurfürstlichen Geistlichen Rat, 10. Dezember 1800 (Ausschnitt)
Mitteilung der Verlegung der Mitternachtsmette durch den kurfürstlichen Geistlichen Rat, 10. Dezember 1800 (Ausschnitt)
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 16. Dezember 2021. Die Corona-Pandemie macht es nun schon im zweiten Jahr hintereinander schwer absehbar, in welcher Form die Weihnachtsgottesdienste stattfinden können. Das hängt nicht zuletzt davon ab, welche staatlichen Vorschriften zu diesem Zeitpunkt gelten. Dass der Staat in die Rahmenbedingungen von Gottesdiensten eingreift, ist allerdings keine neue Erscheinung. Im Archiv des Erzbistums München und Freising findet sich dazu ein rund 220 Jahre alter Akt.
 
Am 10. Dezember (!) 1800 teilte der kurfürstliche Geistliche Rat – Vorläufer des Kultusministeriums – dem Freisinger Ordinariat mit, man habe sich entschlossen, den weihnachtlichen Mitternachtsgottesdient auf 5 Uhr früh zu verlegen. Begründet wurde dies mit den „dermalig kritischen Zeiten“; denn im Zuge des Kriegs zwischen dem Reich und dem revolutionären Frankreich standen damals sowohl französische als auch kaiserliche Truppen im Land. Das Ordinariat hatte dafür zu sorgen, dass diese Anordnung umgehend per Rundschreiben an alle Dekane und Klöster ging und den Gläubigen von der Kanzel bekannt gemacht wurde.
 
Als im Jahr darauf die akute Kriegsgefahr vorüber war, zeigte sich, dass die aufgeklärte Re-gierung mit der Verlegung noch weitere Absichten verfolgte. Man führte nun „Gefahren für die häusliche Sicherheit“ bei nächtlicher Abwesenheit und die Beschwernisse tief verschneiter Wege an. Insbesondere aber wollte man „Gelegenheiten zu Ausschweifungen und Sünden“ beseitigen, „denen leichtsinnige Menschen besonders in Städten sich zur nächtlichen Zeit so gerne überlassen“. Deshalb sollte die Verschiebung der Christmette auf den frühen Morgen „für allezeit“ gelten.
 
Die Verfügung hatte immerhin ein Vierteljahrhundert Bestand. Im Oktober 1825 trat König Ludwig I. die Regierung an, der gegenüber Kirche und frommem Brauchtum ungleich aufge-schlossener war als sein Vater und Vorgänger Max I. Joseph. Unmittelbar danach wurde die traditionelle Mitternachtsmette wieder erlaubt.
 
Der Akt über des Freisinger Geistlichen Rats über das Verbot der Mitternachtsmette (AEM R3670) ist vollständig im Digitalen Archiv des Erzbistums einsehbar.

Himmlische Hilfe und grausamer Tod: Die „Sendlinger Mordweihnacht“ 1705

Votivbild in der Pfarrkirche Egern mit Darstellung der „Sendlinger Mordweihnacht“
Votivbild in der Pfarrkirche Egern mit Darstellung der „Sendlinger Mordweihnacht“
(Foto: Pfarrei Egern, Christine Pfluger)
München, 13. Dezember 2021. Als im Spanischen Erbfolgekrieg rund 2.800 Oberländer versuchten, München von der kaiserlichen Besatzung zu befreien, endete dies am Weihnachtstag 1705 in einer Katastrophe: Vor den Mauern der Stadt und beim nahen Dorf Sendling wurde fast 1.000 Männer von kaiserlichen Truppen niedergemetzelt. Die Erinnerung an dieses blutige Ereignis ist im bayerischen Oberland bis heute lebendig.
 
Zu den frühesten Quellen, die das Geschehen selbst und unmittelbare Reaktionen darauf dokumentieren, zählen die Sterbebücher der Heimatpfarreien, in die die Pfarrer jeweils die Toten aus ihren Gemeinden eintrugen. Die Aufzeichnungen liefern aber nicht nur Namen, sondern lassen auch erkennen, wie das Ereignis von kirchlicher Seite bewertetet wurde, und sie repräsentieren eine erste, religiös geprägte Phase des Gedenkens. Die Bedeutung dieser kirchlichen Archivalien wurde jüngst in einem Beitrag des Archivs des Erzbistums zur Blogparade Deutungskämpfe anlässlich des 53. Deutschen Historikertags deutlich.
 
Im Gespräch mit BR-Redakteurin Carola Zinner stellt Dr. Roland Götz, stellvertretender Direktor von Archiv und Bibliothek des Erzbistums, ausgewählte Einträge aus Sterbebüchern des Bistums Freising und aus dem Mirakelbuch der Marienwallfahrt Egern am Tegernsee vor. Die Zitate liest der bekannte Schauspieler Udo Wachtveitl.
 
Die Sendung „Bayern 1705. Die ‚Sendlinger Mordweihnacht‘ im Spiegel der Kirchenbücher“ wird in der Reihe „Bayern - Land und Leute“ am Sonntag, dem 26. Dezember 2021, von 13:05 bis 13:30 Uhr im Hörfunk-Programm BAYERN 2 ausgestrahlt. Anschließend ist sie auch als Podcast verfügbar.

Den Vorfahren auf der Spur: Einführung in die Familienforschung

München, 10. Dezember 2021. In Kooperation mit Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising (stv. Direktor Dr. Roland Götz) und dem Stadtarchiv Rosenheim (Stadtarchivar Christopher Kast) bietet das Bildungswerk Rosenheim im Januar und Februar 2022 eine dreiteilige Einführung in die Familienforschung an.
 
Modul 1: Allgemeine Einführung in die Familienforschung. Welche Schritte sind zu tun, woher bekommt man Informationen, Daten, Quellen, Links für sinnvolle Computerprogramme oder Apps?
Modul 2: Das Digitale Archiv des Erzbistums München und Freising und seine Möglichkeiten für die Familienforschung. Die Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher der Pfarreien sind zentrale Quellen für die Familienforschung. Seit kurzem stellt das Archiv des Erzbistums München und Freising alle historischen Bände aus dem Bistumsgebiet online zur Verfügung, ergänzt durch umfangreiche Hilfsangebote
Modul 3: Einführung und Recherche direkt im Stadtarchiv Rosenheim. Hier existieren Bestände, die unter Umständen für die Erforschung der eigenen Familiengeschichte von Nutzen sein können.
Modul 1 und 2 finden online, Modul 3 (soweit bzw. sobald aufgrund der Pandemie möglich) vor Ort statt.
 
Anmeldung über: Bildungswerk Rosenheim

Sorge für Menschen mit Behinderung: Findbuch zum Archiv der Franziskanerinnen von Schönbrunn online

„Pflegeanstalt Schönbrunn bei München“. Fotopostkarte, 1940
„Pflegeanstalt Schönbrunn bei München“. Fotopostkarte, 1940 (Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 3. Dezember 2021. Die 1861 von der katholischen Sozialreformerin Viktorine von Butler-Haimhausen (1811-1902) gegründete „Assoziationsanstalt“ Schönbrunn in Röhrmoos bei Dachau ist seit 160 Jahren eine der großen kirchlichen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Oberbayern. Sie wurde bis zur Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH im Jahr 1997 unter dem Namen „Franziskuswerk Schönbrunn“ getragen von der franziskanischen Ordensgemeinschaft der Dienerinnen der göttlichen Vorsehung getragen. Seit 2015 ist die „Franziskuswerk Schönbrunn gemeinnützige GmbH“ ein Tochterunternehmen der neugegründeten Viktoria-von-Butler-Stiftung.

Um Forschungen zur Geschichte der Anstalt insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus zu ermöglichen, wurde das Archiv ab 2004 fachgerecht formiert und 2006 zugänglich gemacht; seit 2018 befindet es sich als Depositum dauerhaft im Archiv des Erzbistums München und Freising. Das kürzlich überarbeitete Findbuch des Bestandes (mit 16.152 Verzeichnungseinheiten) ist nunmehr großenteils online im Digitalen Archiv des Erzbistums verfügbar.
 
Die darin verzeichneten Unterlagen entstammen zwei Provenienzstellen: der Kongregation (d.h. der Ordensgemeinschaft) und der Anstalt Schönbrunn bzw. deren Leitung. Sie umfassen den Zeitraum von der Gründung 1861 bis zum Jahr 1976. Neben klassischem Archivgut (vor allem Korrespondenz mit staatlichen und kommunalen Stellen sowie NS-Parteistellen, der Erzdiözese, dem Caritasverband und anderen Ordensgemeinschaften) enthält das Archiv auch Ordensstatuten, Chroniken und Festschriften sowie einen umfangreichen Fotobestand. Den weitaus größten Anteil (fast 75%) bilden personenbezogene Akten, vor allem Patientenakten.
 
Die Akten können im Rahmen der allgemein geltenden archivgesetzlichen Regelungen in den Lesesaal des Archivs des Erzbistums bestellt und dort eingesehen werden. Die dabei zu beachtenden Schutzfristen dienen der Wahrung von Persönlichkeitsrechten, insbesondere der Patienten und ihrer Angehörigen. Aus demselben Grund sind Patientenakten erst 100 Jahre nach dem Tod der Betroffenen online recherchierbar; Nachfragen beim Archiv nach bestimmten Personen sind jedoch möglich.
 
Im April 2021 erschien eine unter umfangreicher Auswertung der Schönbrunner Archivalien erarbeitete medizinhistorische Dissertation: Tanja Kipfelsperger, Die Associationsanstalt Schönbrunn und der Nationalsozialismus. Die Konfrontation einer katholischen Pflegeanstalt mit Zwangssterilisierung, „Euthanasie“-Maßnahmen und „Klostersturm“, München (utzverlag) 2021; ISBN 978-3-8316-4744-6 (erhältlich im Buchhandel).
Foto: „Pflegeanstalt Schönbrunn bei München“. Fotopostkarte, 1940
(Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)

Ein „modernes Managementarchiv“: Besuch der Archivschule Marburg im Archiv des Erzbistums München und Freising

Die Exkursionsgruppe am Eingang des Archivs des Erzbistums
Die Exkursionsgruppe am Eingang des Archivs des Erzbistums (Foto: Archivschule Marburg)
München, 12. November 2021. Im Rahmen einer Studienfahrt besuchten die Studierenden des 55. Wissenschaftlichen Lehrgangs der Archivschule Marburg unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Henne im Oktober mehrere Archive in München, darunter das Archiv des Erzbistums.
 
Durch Archiv- und Bibliotheksdirektor Prof. Dr. Johannes Merz und Archivleiter Michael Volpert erhielten die Referendarinnen und Referendare aus erster Hand Informationen über Zuständigkeit, Arbeitspraxis und laufende Projekte des Archivs.
 
Ein Bericht über die Exkursion wurde jetzt auf der Homepage der Archivschule veröffentlicht.
 
Die „Archivschule Marburg – Hochschule für Archivwissenschaft“ in Marburg an der Lahn (Hessen) ist die zentrale Aus- und Fortbildungseinrichtung des Archivwesens der Bundesrepublik Deutschland. Seit 1949 werden hier Archivarinnen und Archivare des höheren und des gehobenen Archivdienstes (vor allem für den Dienst bei Bund, Ländern und Kommunen) ausgebildet.

Kirchweihe und Kirchweihfest: Ein Fest und seine Ursprünge

Der Bischof klopft mit seinem Stab dreimal an die Tür der zu weihenden Kirche. Kupferstich aus: Pontificale Romanum, Rom 1595
München, 15. Oktober 2021. Alljährlich wird am 3. Sonntag im Oktober in allen Pfarreien Bayerns das Kirchweihfest begangen. Im Gespräch mit BR-Moderator Andreas Estner gab der stellvertretende Direktor von Archiv und Bibliothek des Erzbistums, der Kirchenhistoriker Dr. Roland Götz, Auskunft über den Ursprung und die Entwicklung dieses Festes.
 
Beim gemütlichen „Ratsch“ in der Sendung „Habe die Ehre!“ auf der Hörfunkwelle „Bayern Heimat“ ging es um den feierlichen Ablauf einer Kirchweihe, um die Weihereisen barocker Freisinger Fürstbischöfe, gutes Essen (u.a. Kirchweih-Nudeln) und andere weltliche Lustbarkeiten, gegen die frühere geistliche und weltliche Obrigkeiten moralische Bedenken hatten, was 1866 zur Zusammenlegung der ehemals zahlreichen Kirchweihtermine zur heutigen „Allerweltskirchweih“ führte. Schließlich kam auch die neue Bedeutung zur Sprache, die gerade diesen alten individuellen Kirchweihfesten heute, in einer Zeit immer größerer pastoraler Einheiten, bekommen könnten.
 
Das rund einstündige Gespräch ist als Podcast verfügbar: https://www.br.de/radio/br-heimat/sendungen/habe-die-ehre/kirchweih-kirta-historiker-roland-goetz-100.html

Deutungskämpfe: Beiträge des Archivs des Erzbistums zum 53. Deutschen Historikertag

Straßenschild Kardinal-Faulhaber-Straße
Straßenschild Kardinal-Faulhaber-Straße
München, 30. September 2021. Vom 5. bis 8. Oktober 2021 findet in München der 53. Deutsche Historikertag statt. Der Historikertag ist im deutschsprachigen Raum die bedeutendste Fachveranstaltung für Wissenschaftler, Geschichtslehrer, Studierende, Journalisten und andere an Geschichte Interessierte. Diesmal steht er unter dem Leitthema „Deutungskämpfe“. Dabei geht es laut Einladung um die Tatsache, dass „stets umkämpft ist, was in einer Gesellschaft als wahr, gerecht oder legitim gilt“. Nicht selten sind solche konkurrierenden Deutungen der Vergangenheit von aktuellen Problemlagen beeinflusst.
 
Zwölf Münchner Archive begleiten den Historikertag mit Präsentationen aus ihren Beständen, die solche Deutungskämpfe zum Gegenstand haben. Weil der Historikertag heuer überwiegend online stattfindet, werden die Beiträge der Archive in Form einer Blog-Parade veröffentlicht. Das Archiv des Erzbistums beteiligt sich mit Beiträgen zu zwei bis heute immer wieder und teils hitzig diskutierten Themen:
 
Die „Sendlinger Mordweihnacht“ – Verteidiger der Heimat oder Rebellen?
Die Deutungen des Volksaufstandes, der in der „Sendlinger Mordweihnacht“ von 1705 blutig endete, changieren. Im Kern geht es darum, ob die Aufständischen Verteidiger der Heimat oder Rebellen sind. Der Blog-Beitrag stellt Gedenken und Forschungslage vor. Im Fokus stehen dabei kirchliche Quellen, hier vor allem die Sterbebücher der Pfarreien, die seit 2019 im Digitalen Archiv des Erzbistums online zugänglich sind.
 
Die Auseinandersetzung um Erzbischof Michael von Faulhaber im Dritten Reich: Von der Ehrenbürgerschaft bis zum Antrag auf Straßenumbenennung
Die Rolle des 35 Jahre lang amtierenden Münchner Erzbischofs Michael Kardinal von Faul-haber (1869-1952) während der NS-Zeit wird seit Langem kritisch hinterfragt. Im Mittelpunkt des Blog-Beitrags stehen die umstrittene Ehrenbürgerschaft der Stadt München sowie die jüngsten Anträge auf Umbenennung der Kardinal-Faulhaber-Straße. Parallel zu diesen Diskussionen sind in den letzten 20 Jahren immer mehr Archivalien aus Faulhabers Amtszeit für die Forschung zugänglich geworden, zuletzt seine Tagebücher sogar in einer Online-Edition. Inwieweit deren Auswertung zu einer konsensfähigen Deutung führen wird, ist noch offen.
 
Alle Beiträge sind unter dem Hashtag #Deutungskämpfe im Gemeinschaftsblog der Münchner Archive zu finden, die aus dem Archiv des Erzbistums auch im „Schaufenster“ auf der Archiv-Homepage: 

Wunder, Dom und Heimat: Online-Veranstaltungen von Archiv und Bibliothek des Erzbistums

Online-Ausstellung „Vom Bistum Freising zum Erzbistum München und Freising“
Online-Ausstellung „Vom Bistum Freising zum Erzbistum München und Freising“
München, 27. September 2021. Bei einer Reihe von Online-Veranstaltungen informieren Archiv und Bibliothek des Erzbistums über ihre Tätigkeit, stellen digitalisierte Quellenbestände vor und geben Tipps für die eigene Forschung. Alle Veranstaltungen finden über „Zoom“ statt und können von jedem entsprechend ausgestatteten Endgerät mit Internet-Anschluss aus verfolgt werden. Die Anmeldung erfolgt über den angegebenen Link bei den jeweils veranstaltenden kirchlichen Bildungswerken.
 
Wunder über Wunder. Was Mirakelbücher aus dem Landkreis Miesbach erzählen
Vor der Säkularisation 1803 gab es im Landkreis Miesbach eine Reihe von Wallfahrtsorten. Aus mehreren davon sind „Mirakelbücher“ erhalten. Waren Menschen der Überzeugung, dass sie auf Fürsprache eines Heiligen wunderbare Hilfe in ihren Nöten erfahren hatten, meldeten sie die Gebetserhörung den Geistlichen des jeweiligen Wallfahrtsortes. Die so entstandenen Mirakelbücher bieten eine Vielzahl von Geschichten aus dem Leben der „kleinen Leute“ und geben eindrucksvoll Zeugnis von ihrem Glauben.
Mittlerweile sind Mirakelbücher aus Egern, Föching, Miesbach, Tegernsee und Wilparting im Digitalen Archiv des Erzbistums online zugänglich. Der Vortrag stellt anhand zahlreicher Beispiele diese Quellengattung und ihre Auswertungsmöglichkeiten (u.a. für die Heimatgeschichte) vor.
Donnerstag, 14.10.2021, 19.00 - 20.30 Uhr
Anmeldung: Katholisches Bildungswerk im Landkreis Miesbach
  
München wird Bischofsstadt. Digitale Ausstellungs-Führung
Vor 200 Jahren wurde München Bischofsstadt. Am 23. September 1821 wurde die Errichtung des Erzbistums München und Freising verkündet, am 5. November der erste Erzbischof in sein Amt eingeführt. Aus diesem Anlass haben Archiv und Bibliothek des Erzbistums eine innovative Online-Ausstellung gestaltet, die mit zahlreichen Bildern, Dokumenten und Kunstwerken den Weg vom alten Bistum Freising zum neuen Erzbistum zeigt. Dabei geht es u.a. um die Beförderung der Pfarrkirche Zu Unserer Lieben Frau zur Kathedrale, um die Unterbringung von Erzbischof und Ordinariat sowie um die (bis heute diskutierte) Frage nach deren Bezahlung. Das Vokalensemble der Jungen Domkantorei München hat eigens für die Ausstellung erstmals das Lied aufgenommen, das die Münchner Schuljugend 1821 zur Amtseinführung des Erzbischofs sang.
Montag, 18.10.2021, 18.00 - 19.30 Uhr 
Anmeldung: Münchner Bildungswerk
 
Heimat online. Neue Möglichkeiten der Orts- und Pfarrgeschichtsforschung im Digitalen Archiv des Erzbistums
 Mehr als sechs Millionen Seiten digitalisierter historischer Dokumente stehen mittlerweile im Digitalen Archiv des Erzbistums München und Freising zur Online-Nutzung bereit. Dadurch ergeben sich ganz neue Möglichkeiten auch für die Orts- und Pfarrgeschichtsforschung. Die bequem zugänglichen Quellen reichen von Bistumsbeschreibungen über Visitationsprotokolle bis hin zu den vom Ordinariat über alle Pfarreien geführten Akten. Über das kirchliche Leben im engeren Sinn hinaus geben sie Auskunft über vielfältige weitere Aspekte des örtlichen Lebens – von der Siedlungsstruktur bis zur „Moral und Sittlichkeit“ des Pfarrvolkes.
Bei der Online-Veranstaltung werden „live“ Recherchewege und ausgewählte Quellen im Digitalen Archiv vorgestellt, und es gibt Tipps für die eigene Heimatforschung.
Donnerstag, 25.11.2021, 19.00 - 20.30 Uhr
Anmeldung: Bildungswerk Rosenheim

Britischer Gelehrter und Lieblingsbruder der Kaiserin: Neue Pfarrmatrikeln im Digitalen Archiv des Erzbistums

Beerdigungseintrag von Lord John Acton (Ausschnitt)
Beerdigungseintrag von Lord John Acton (Ausschnitt)
München, 22. September 2021. Der Bestand an historischen Pfarrmatrikeln im Archiv des Erzbistums München und Freising wird immer wieder durch die Abgabe neuerer (d.h. nach 1876 begonnener) Bände aus den Pfarreien ergänzt. Alle diese Bände werden umgehend verzeichnet und im Digitalen Archiv des Erzbistums nachgewiesen. Anschließend werden sie digitalisiert. Soweit die Laufzeit der Bände vollständig außerhalb der archivgesetzlich festgelegten Schutzfristen liegt, werden die Digitalisate umgehend online gestellt und sind im Digitalen Archiv des Erzbistums uneingeschränkt nutzbar.
 
Bei der jüngsten Aktualisierung des Digitalen Archivs wurden Matrikelbände aus den folgenden Pfarreien online gestellt:
  • Bischofswiesen-Herz Jesu
  • Dachau-St. Jakob
  • Dietramszell-Mariä Himmelfahrt
  • Ebersberg-St. Sebastian
  • Egern-St. Laurentius
  • Forstinning-Mariä Himmelfahrt
  • Gerolsbach-St. Andreas
  • Helfendorf-St. Stephanus
  • Högling-St. Martin
  • Kreuth-St. Leonhard
  • Landshut-St. Jodok
  • Landshut-St. Martin
  • Moosburg-St. Kastulus
  • München-Hl. Geist
  • München-St. Anton
  • München-St. Canisius
  • München-St. Johann Baptist/Solln
  • Pellheim-St. Ursula
  • St. Wolfgang bei Dorfen-St. Wolfgang
  • Seeon-St. Lambert Taching-St. Peter
  • Tegernsee-St. Quirinus
  • Vachendorf-Mariä Himmelfahrt
 
In einzelnen Bänden finden sich Einträge, die über familiengeschichtliche Fragestellungen hinaus von Interesse sein können: So ist im Sterbebuch der Pfarrei Tegernsee für die Jahre 1882-1913 (AEM M10329) nicht nur der berühmte britische Historiker Lord John Acton, der am 19. Juni 1902 in Tegernsee starb und auf dem Ortsfriedhof begraben wurde, aufgeführt, sondern auch Herzog Karl Theodor in Bayern (verstorben am 30. November 1909 in Wildbad Kreuth), Augenarzt und Lieblingsbruder der Kaiserin Elisabeth von Österreich.

Erdöl und Heiligenverehrung Leihgaben zu einer Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg

Quirinusöl-Zettel. Einblattdruck der Tegernseer Klosterdruckerei, 18. Jahrhundert
Quirinusöl-Zettel. Einblattdruck der Tegernseer Klosterdruckerei, 18. Jahrhundert
München, 6. September 2021. Dass Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising Leihgaben zu einer Ausstellung beitragen, die „Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters“ zum Thema hat, mag zunächst überraschen. Doch den Ausstellungskuratoren lag daran zu zeigen, dass man mit Erdöl in der Geschichte auch ganz anders umgegangen ist als wir es heute gewöhnt sind.
 
Seitdem die Mönche des Benediktinerklosters Tegernsee Mitte des 15. Jahrhunderts entdeckt hatten, dass am Westufer des Sees Erdöl aus dem Boden sickerte, verwendete man es zu Heilzwecken und schrieb seine Wirkkraft der Fürsprache des Klosterpatrons Quirinus zu. Das „Quirinusöl“ wurde in kleine Fläschchen gefüllt und an Hilfesuchende abgegeben, in der Barockzeit sogar mit einem in der Klosterdruckerei gefertigten „Beipackzettel“. Darauf waren nicht nur die Leiden angegeben, bei denen man das Öl anwenden konnte, sondern auch zwei Gebete zum hl. Quirinus. Eine Auswahl der auf dessen Fürsprache von Gott gewirkten wunderbaren Heilungen veröffentlichte das Kloster 1766 in einem kleinen Mirakelbüchlein.
 
Beipackzettel, Mirakelbüchlein und ein originales – wenn auch leeres - Ölfläschchen (aus dem Museum Tegernseer Tal) sind vom 4. September 2021 bis zum 9. Januar 2022 zu bewundern in der Ausstellung „Oil. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters“ des Kunstmuseums Wolfsburg. Diese Ausstellung will eine historisch und geografisch umfassende Retrospektive auf künstlerische Auseinandersetzungen mit Erdöl, seinen Materialien und dem vom Erdöl angetriebenen Geschichtsprozess sein. Sie lädt ein zum Blick auf eine Epoche, die die Menschen der Gegenwart besser verstehen sollen, um ihr bevorstehendes Ende aktiv mitzugestalten. Dazu dienen rund 220 Gemälde, Skulpturen, Installationen, Videos, Fotografien aus zahlreichen Weltgegenden, eigens für die Ausstellung geschaffene Kunstwerke sowie technische und naturwissenschaftliche Objekte.

Heilige und Wunder. Neu digitalisierte Akten im Digitalen Archiv des Erzbistums

Altarentwurf Wilparting 1776
Entwurf zur Neugestaltung des Wilpartinger Hochaltars, 1776
München, 16. August 2021. Das Angebot des Digitalen Archivs des Erzbistums wird – entsprechend dem Fortschritt der Konservierungs-, Verzeichnungs- und Digitalisierungsarbeiten an den historischen Originalunterlagen – kontinuierlich erweitert. Die jüngste nun online zur Verfügung stehende Tranche umfasst Unterlagen, die sowohl für die Orts- und Pfarrgeschichte als auch für die religiöse Volkskunde von Bedeutung sind.
 
Um rund 1.800 Akten wird der Bestand „Pfarrakten“ erweitert, der Unterlagen der Diözesanverwaltung zu allen Pfarreien des Bistums umfasst. Neu zur Verfügung stehen die Akten zu den Pfarreien von „Hart“ (Dekanat Traunstein) bis „Kienberg“ (Dekanat Baumburg).
 
Besonders bemerkenswert erscheinen hierunter die umfangreichen Unterlagen zur bekannten Wallfahrtskirche Wilparting in der Pfarrei Irschenberg (Dekanat Miesbach). Sie entstanden im Zuge einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung zwischen der Pfarrei und dem Benediktinerkloster Rott am Inn über die Frage, an welchem Ort die Reliquien der beiden frühmittelalterlichen Heiligen Marinus und Anianus aufbewahrt werden. 1723 und 1776 erfolgte jeweils auf bischöfliche Anordnung eine Öffnung der Grabstätte in Wilparting und eine medizinische Untersuchung der vorgefundenen Gebeine. Schließlich erhielt die Pfarrei Irschenberg Recht. In diesem Zusammenhang entstand ein (letztlich nicht ausgeführter und bisher unveröffentlichter) Entwurf zur Neugestaltung des Wilpartinger Hochaltars mit den zusammengesetzten und bekleideten Skeletten der beiden Heiligen (PfarrA10252, Bild [1328]).
 
Aus dem Pfarrarchiv Miesbach stammen drei handschriftliche Bände, in denen die Geschichte der von 1693 bis um 1800 bestehenden Wallfahrt zur schmerzhaften Gottesmutter Maria in der Miesbacher Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt dokumentiert ist. Von 1730-1800 zeichneten die örtlichen Geistlichen nicht weniger als 7.500 Gebetserhörungen auf, die ihnen von Wallfahrern gemeldet worden waren. Die so genannten Mirakelbücher bieten damit eine Vielzahl von Geschichten aus dem Leben der „kleinen Leute“ und geben eindrucksvoll Zeugnis von ihrem Glauben. Inhalt und Auswertungsmöglichkeiten der bereits im Digitalen Archiv enthalten Mirakelbücher werden am 14. Oktober 2021 bei der Online-Veranstaltung „Wunder über Wunder“ vorgestellt. Anmeldung: Katholisches Bildungswerk im Landkreis Miesbach

200 Jahre Erzbistum München und Freising. Film zu den Anfängen des Erzbistums

 
Startbild des Films
München, 20. Juli 2021. Die Anfänge des Erzbistums München und Freising vor 200 Jahren behandelt ein Filmbeitrag des kirchlichen Medienhauses Sankt Michaelsbund, der neu auf Youtube zu sehen ist. Darin gibt Roland Götz, stellvertretender Direktor von Archiv und Bibliothek des Erzbistums, Auskunft über die kirchenpolitischen Entwicklungen, die 1821 zur Errichtung des Erzbistums führten, über die Münchner Frauenkirche als neuen Dom und über den ersten Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel.
 
Autor des rund 13-minütigen Films ist Jochen Reiling, Redakteur in der Fernseh-Redaktion des Sankt Michaelsbundes. Gedreht wurde am und im Münchner Dom, vor dem Erzbischöflichen Palais und in Archiv und Bibliothek des Erzbistums, wo einige Originaldokumente zu den Anfängen des Erzbistums gezeigt werden.
 
Ab sofort ist der Film über den Youtube-Kanal des Sankt Michaelbundes zu sehen: https://youtu.be/_EN2HtlgksU
 
Darüber hinaus wird er voraussichtlich am Sonntag, dem 31. Oktober 2021, im Rahmen des ökumenischen Kirchenmagazins „Kirche in Bayern“ (https://www.kircheinbayern.de/) von mehreren Privatsendern ausgestrahlt. Dazu zählen im Bistumsgebiet: münchen.tv, Regional Fernsehen Oberbayern und Niederbayern TV.

Langfristige Erhaltung musikalischer Unikate

Sichtung und Schadenserfassung
Sichtung und Schadenserfassung (Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising, Alfred Stemp)
München, 24. Juni 2021. Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising verwahren einen großen Schatz der Musikgeschichte: handschriftliche und historische gedruckte Noten, die ihnen zumeist von Kirchenstiftungen aus dem Erzbistum anvertraut wurden. Dazu zählen u.a. Musikalien des Münchner Doms (mit über 1.600 Nummern der größte Einzelbestand), der Pfarrkirche Wasserburg-St. Jakob (über 1.200 Nummern) und der ehemaligen Stiftskirche Berchtesgaden (ca. 270 Nummern). Besonderen Rang besitzt (mit fast 700 Nummern) das Musikarchiv des Augustiner-Chorherrenstifts Weyarn, in dem mit seltener Vollständigkeit klösterliche Musizierpraxis vor der Säkularisation dokumentiert ist.
 
Diese Musikalien stellen einen zentralen Überlieferungsbestand zur süddeutschen Musikkultur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts dar. Nur zum Teil sind die Werke auch anderwärtig überliefert. So wird regelmäßig für Editionen und Wiederaufführungen darauf zurückgegriffen.
Recherchierbar ist der Großteil der Musikalien im Online-Katalog des Projekts „Répertoire International des Sources Musicales (RISM) - Internationales Quellenlexikon der Musik“, das sich zum Ziel gesetzt hat, weltweit vorhandene musikalische Quellen zu dokumentieren: https://opac.rism.info/metaopac/start.do?View=rism&SearchType=2&Language=de Unter „Bibliothek“ ist hier jeweils die Eigentümer-Institution sowie „Dombibliothek“ angegeben. Die originalen Noten sind über den Lesesaal von Archiv und Bibliothek des Erzbistums nutzbar.
 
Am Gesamtbestand der historischen Musikalien erfolgte kürzlich eine vollständige Schadenserfassung, die Grundlage für weitere Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen ist. Dabei wurden alle rund 8.300 Einheiten durchgesehen und die Verpackungssituation sowie eventuelle Schäden an den Musikalien festgestellt. Wo nötig, folgten eine Neuverpackung mit säurefreien Materialien oder eine Reinigung der Objekte.
 
Die Maßnahme, deren Gesamtkosten sich auf ca. 58.000 € beliefen, wurde zu 50% aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) über die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) gefördert.
https://www.kek-spk.de/start
Logo KEK

Kirchliches und weltliches Leben vor 200 Jahren: Die Pfarrbeschreibungen des Erzbistums von 1817

gedrucktes Formular und Instruktion zur Abfassung der Pfarrbeschreibungen, 1817
gedrucktes Formular und Instruktion zur Abfassung der Pfarrbeschreibungen, 1817
München, 22. Juni 2021. Über die Forschungsmöglichkeiten, die die Pfarrbeschreibungen des Erzbistums von 1817 bieten, informierte am 21. Juni 2021 Dr. Roland Götz, stellvertretender Direktor von Archiv und Bibliothek des Erzbistums, im Rahmen der Hörfunksendung „Habe die Ehre“ des Bayerischen Rundfunks. Im Gespräch mit Redakteur Andreas Estner schilderte er die Entstehungsgeschichte dieser Quelle und stellte anhand von Beispielen aus dem ganzen Bistumsgebiet ihren vielfältigen Informationsgehalt vor. Er reicht von den rechtlichen und geografischen Verhältnissen in den einzelnen Pfarreien über eine detaillierte Auflistung sämtlicher, auch kleinster Orte (mit Häuser- und Einwohnerzahlen) bis hin zur Beschreibung aller Pfarr-, Filial- und Nebenkirchen. Auch über die Lebensverhältnisse und die Tätigkeit der Geistlichen ist daraus einiges zu entnehmen. Das Gespräch ist als rund 50-minütiger Podcast in der Mediathek des BR nachhörbar: https://www.br.de/radio/br-heimat/sendungen/habe-die-ehre/kirchenhistoriker-pfarrbuecher-roland-goetz-muenchen-freising-ahnenforschung-100.html
 
Anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Erzbistums wurden die vollständigen Texte der Pfarrbeschreibungen jüngst in Buchform ediert und mit Registern erschlossen: Die Pfarrbeschreibungen des Erzbistums München und Freising von 1817, hg. von Franz Xaver Bischof im Auftrag des Vereins für Diözesangeschichte von München und Freising, 3 Teile (Studien zur altbayerischen Kirchengeschichte 16/1-3), München 2021. Bezug des Gesamtwerks über den Buchhandel (ISBN 978-3-96049-088-3) oder über info@vdg-muenchen.de zum Preis von 120,- € (ggf. zzgl. Versandkosten).
 
Die Digitalisate der handschriftlichen Originalbände und auch jüngerer Pfarrbeschreibungen sind jederzeit im Digitalen Archiv des Erzbistums einsehbar: https://www.erzbistum-muenchen.de/archiv-und-bibliothek/pfarrgeschichte/quellen (unter Punkt 2.3).
 
Am Donnerstag, den 15. Juli 2021, führt Dr. Götz von 19.00 bis 20.30 Uhr bei einer Online-Veranstaltung der Domberg-Akademie Freising in die Auswertungsmöglichkeiten der Pfarrbeschreibungen für die Orts- und Pfarrgeschichte ein:  „In drei Schritten durch zwei Jahrhunderte: Digitale Quellen für die eigene Orts- und Pfarrgeschichtsforschung“. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung unter: https://domberg-akademie.de/veranstaltungen-signup?tx_events_signup%5Baction%5D=signup&tx_events_signup%5Bcontroller%5D=Event&tx_events_signup%5Bevent%5D=534&cHash=1aa0b229ed8261f912eda4bbb86451b6

Ein „Gras-Ober“ als Trumpf gegen den Tod: Historische Spielkarte in einer Ausstellung über den „Brandner Kaspar“

Gras-Ober, wohl 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts
Foto: Gras-Ober, wohl 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts (Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 17. Juni 2021. Vor 150 Jahren erblickte ein bayerischer Mythos das Licht der Welt: In der Münchner humoristischen Wochenzeitschrift „Fliegende Blätter“ veröffentlichte 1871 der dichtende Mineralogieprofessor Franz von Kobell (1803-1882) „Die G’schicht‘ von‘ Brandner-Kasper“.
Ihr Titelheld, der Schlosser Kaspar Brandner, ist im Alpbachtal bei Tegernsee daheim. Dort pflegt er auch seine Liebe zum Jagen und Scheibenschießen, bis ihn eines Tages unvermutet der Tod zu Hause aufsucht. Unter Einsatz von reichlich Kirschgeist und eines (rechtzeitig zur Seite gebrachten) „Gras-Obers“ als Trumpf gewinnt er dem beschwipsten „Boandlkramer“ beim Kartenspiel zusätzliche Lebensjahre ab. Die freuen ihn allerdings nicht mehr, nachdem er seine Frau Traudl und seine beiden Söhne verloren hat. So lässt er sich vom Tod überreden, wenigstens einen Probe-Blick ins Paradies zu werfen, und bleibt schließlich freiwillig dort.
Den heurigen 150. „Geburtstag“ des Brandner Kaspar nimmt das Museum Tegernseer Tal zum Anlass für eine Sonderausstellung: „Im bayerischen Paradies. 150 Jahre ‚Die G’schicht‘ von‘ Brandner-Kasper‘“. Darin wird die Geschichte mit einem Augenzwinkern anhand von Objekten aus dem Museumsbestand und von vielfältigen Leihgaben nacherzählt.
Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising haben dazu ein entscheidendes Objekt beigetragen: einen historischen „Gras-Ober“. Die Spielkarte mit bayerischem Standard-Kartenbild entstand wohl in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und wurde kürzlich (zusammen mit einigen alten Schriftstücken) bei den laufenden Bauarbeiten auf dem Freisinger Domberg im Fehlboden eines denkmalgeschützten Hauses gefunden.
Das Museum Tegernseer Tal hat (im Rahmen der jeweils geltenden Hygienevorschriften) vom 19. Juni bis 10. Oktober 2021 zu folgenden Zeiten geöffnet: Mi-Sa 10-13 Uhr, So 13-16 Uhr. Aktuelle Informationen dazu und zu den geplanten Begleitveranstaltungen gibt es unter: www.museumtegernseertal.de
Das BR Fernsehen widmete dem Thema „150 Jahre Brandner Kaspar“ kürzlich einen Beitrag seiner Reihe „Zwischen Spessart und Karwendel“: „Unsterblicher Boandlkramer vom Tegernseer Tal“, zu sehen in der Mediathek: https://www.br.de/mediathek/video/150-jahre-brandner-kaspar-unsterblicher-boandlkramer-vom-tegernseer-tal-av:60a813e60133350007857f4c

900 Jahre Kloster Beuerberg: Handschriften aus Mittelalter und Barock online nutzbar

Bildnis des Propstes Balthasar Schropp (1615-1619) mit Blick ins Refektorium des Klosters; Illustration aus der „Historia Canoniae Beyrbergensis“ von 1770
Bildnis des Propstes Balthasar Schropp (1615-1619) mit Blick ins Refektorium des Klosters; Illustration aus der „Historia Canoniae Beyrbergensis“ von 1770 (Foto: Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising)
München, 7. Juni 2021. Anlässlich des 900-jährigen Gründungsjubiläums des Klosters Beuerberg befasst sich die diesjährige Ausstellung des Diözesanmuseum Freising in den ehemaligen Klostergebäuden von Beuerberg mit der Geschichte, den Werten und dem Wirken der Augustiner-Chorherren (https://www.dimu-freising.de/kloster-beuerberg/). Zu der am 22. Mai eröffneten Ausstellung „Kommune 1121 – Visionen eines anderen Lebens“ haben Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising zahlreiche Leihgaben aus ihren Beständen beigetragen. Dazu zählen mehrere mittelalterliche und barocke Handschriften, die im Kloster Beuerberg entstanden sind und vielfältige Einblicke ins Klosterleben erlauben.
Diese Handschriften sind jetzt auch vollständig digitalisiert im Digitalen Archiv des Erzbistums einsehbar: https://digitales-archiv.erzbistum-muenchen.de/actaproweb/altview.xhtml?id=142470. Das ermöglicht ihre Online-Nutzung unabhängig von den Öffnungszeiten der Ausstellung und von den dort gerade aufgeschlagenen Seiten.
Die ältesten Stücke sind zwei spätmittelalterliche Abschriften der Regel des hl. Augustinus, die bis heute die Grundlage des Ordenslebens in den Klöstern der Augustiner-Chorherren ist (KB199, KB200).
Besonders attraktiv präsentiert sich die von P. Benno Zaisberger 1712 verfasste Chronik des Klosters („Historia Canoniae Beyrbergensis“; KB189). Eine Abschrift des Texts aus dem Jahr 1770 wurde mit einer Vielzahl farbiger Illustrationen geschmückt.
Das Totenbuch des Klosters („Mortilogium Beyrbergense“; KB186) verzeichnet alle zwischen 1600 und 1801 verstorbenen Klosterangehörigen, deren im klösterlichen Gottesdienst gedacht wurde.
Die 1770 gefertigte Abschrift des im Jahr 1354 angelegten Grundbesitz-Verzeichnisses („Stifft- und Saal-Buch“; KB193) und die Dekanatsrechnung für die Jahre 1779-1781 (KB195) bieten Informationen über die Wirtschaftsverwaltung des Klosters.

Newsletter „Aus der Arbeit von Archiv und Bibliothek“

AuB Newsletter
München, 6. Mai 2021. Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising bieten künftig allen Interessierten als neuen Service einen Newsletter an. Er informiert in unregelmäßigen Abständen über Aktuelles aus der Arbeit von Archiv und Bibliothek, z.B. die Bereitstellung von neuen Findbüchern und Digitalisaten im Digitalen Archiv des Erzbistums, bemerkenswerte Neuzugänge oder Medienberichte.
 
Der Newsletter kann hier abonniert werden.
 
www.erzbistum-muenchen.de/archiv-und-bibliothek

Von Oberbayern bis Schweden: Neue Findbücher im Digitalen Archiv des Erzbistums München und Freising

Porträt Postkarte Johannes Erik Müller (klein)
München, 2. Mai 2021. Das Digitale Archiv des Erzbistums hat Online-Findbücher zu weiteren Beständen in sein Angebot aufgenommen.
Dazu zählen insbesondere die Verzeichnisse der Sach- und der Ortsakten des Generalvikariats seit 1945 (Bestände BB001/2/1 und BB001/2/3). Mit rund 5.500 Verzeichnungseinheiten wird damit ein zentraler Unterlagenbestand für die Nachkriegsgeschichte des Erzbistums recherchierbar.
Über den Nachlass von Domkapitular Franz Sales Müller (Bestand FA0011) sind auch Unterlagen seines Onkels, Bischof Johannes (Erik) Müller (Bestand FA013), in das Archiv des Erzbistums gelangt, der ab 1922 als Apostolischer Vikar und ab 1953 als erster Bischof von Stockholm wichtige Aufbauarbeit für die Katholische Kirche in Schweden leistete.
Zu folgenden Pfarrarchiven stehen nun Findbücher zur Verfügung:
  • Eschlbach-Mariä Geburt (CB086)
  • Mitterndorf-St. Nikolaus (CB238)
  • München-St. Canisius (CB267)
  • Piding-Maria Geburt (CB368)
  • Seeon-St. Lambert (CB424)
Des Weiteren können mit den Unterlagen des Sprecherrats der Berufsgruppe der Pastoralreferenten (Bestand EA012) und des Berufsverbands der Pastoralreferent*innen Deutschlands e.V. (Bestand EA013) die Anfänge eines neuen kirchlichen Berufs erforscht werden.
Die genannten Unterlagen sind online über das Digitale Archiv zu recherchieren und zu bestellen. Sie werden aber im Original im Lesesaal des Archivs zur Einsichtnahme vorgelegt.
 
https://www.erzbistum-muenchen.de/archiv-und-bibliothek

Wertvolle Quellen zur Münchner Geschichte für die Zukunft gesichert

Urkunden St. Peter gross
alte Urkundentaschen und neue säurefreie Verpackung mit Siegelschutz (Foto: Archiv des Erzbistums München und Freising, Alfred Stemp)
München, 28. April 2021. Das Archiv des Erzbistums München und Freising hat den bedeutenden Urkundenbestand des Pfarrarchivs München-St. Peter durch konservatorische Maßnahmen für die Zukunft gesichert.
Der rund 900 Urkunden umfassende Bestand reicht bis zum Jahr 1278 zurück und stellt nicht nur für die Kirchen- und Pfarrgeschichte, sondern auch für die Erforschung der Münchner Bürgerschaft eine wichtige Informationsquelle dar. Ein Großteil der Urkunden kann bereits online über das Portal Monasterium (https://www.monasterium.net/mom/DE-ASP/Urkunden/fond) genutzt werden.
Seit 2020 wurden die bislang unzulänglich verpackten Originalurkunden von Restauratoren gereinigt, auf weiteren Restaurierungsbedarf hin durchgesehen und fachgerecht neu verpackt. Die Arbeiten konnten kürzlich abgeschlossen werden.
Die Maßnahme, deren Gesamtkosten sich auf ca. 42.000 € beliefen, wurde aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) über die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) gefördert.
 
https://www.kek-spk.de/start
Logo KEK

Neues Grundlagenwerk zur Diözesangeschichte: Edition der Pfarrbeschreibungen von 1817

Buchcover Pfarrbeschreibungen
München, 26. April 2021. Im Rahmen der wissenschaftlichen Tagung „200 Jahre Erzbistum München und Freising 1821-2021“ hat am 22. April 2021 der Münchner Kirchenhistoriker Prof. Dr. Franz Xaver Bischof ein von ihm herausgegebenes neues Grundlagenwerk zur Geschichte des Erzbistums vorgestellt.
Es handelt sich um die erstmalige vollständige Edition einer für die Bistumsgeschichte zentralen Quelle, deren Originale im Archiv des Erzbistums verwahrt werden: der 1817 nach einem vorgegebenen einheitlichen Fragenkatalog erstellten Beschreibungen sämtlicher Pfarreien des 1821 formell errichteten Erzbistums München und Freising. Die Beschreibungen dokumentieren detailliert und flächendeckend die strukturellen und pastoralen Verhältnisse am Beginn einer neuen Epoche der Diözesangeschichte. Sie geben Auskunft über die tatsächliche Beschaffenheit einer jeweiligen Pfarrei, liefern Informationen über das kirchlich-religiöse Leben wenige Jahre nach der Säkularisation; sie orientieren über Frömmigkeitstraditionen, Kirchenbau und Kirchenkunst, Siedlungs- und Verkehrsstruktur; sie geben Aufschluss über Seelsorgepersonal, Seelenzahl und – soweit vorhanden – auch über die Schulen.
Die Pfarrbeschreibungen von 1817 bilden damit gleichsam die „Eröffnungsbilanz“ der Erzdiözese München und Freising. Darüber hinaus sind sie eine Fundgrube für demografische, geografisch-topografische und volkskundliche Untersuchungen, für die Schulgeschichte im frühen 19. Jahrhundert und für die Siedlungsgeschichte und Ortsnamenforschung in großen Teilen von Ober- und Niederbayern.
Das dreibändige, mehr als 2.200 Druckseiten umfassende und durch Register erschlossene Edition kann über jede Buchhandlung bezogen werden. Der Buchhandelspreis beträgt 120,- €. Mitglieder des Vereins für Diözesangeschichte können das Werk direkt beim Verein (info@vdg-muenchen.de) zum ermäßigten Preis von 90,- € (zzgl. Versandkosten) bestellen.
Buchdaten: Die Pfarrbeschreibungen des Erzbistums München und Freising von 1817, hg. von Franz Xaver Bischof im Auftrag des Vereins für Diözesangeschichte von München und Freising, 3 Teile (Studien zur altbayerischen Kirchengeschichte 16/1-3), München 2021. ISBN 978-3-96049-088-3

Online-Sprechstunde zur Pfarrarchivpflege

Dr. Christopher Sterzenbach
München, 19. April 2021. Das Archiv des Erzbistums München und Freising erweitert seine Angebote zu einer fachgerechten Betreuung von Pfarrarchiven. Ab April 2021 gibt der zuständige Fachreferent des Diözesanarchivs, Dr. Christopher Sterzenbach M.A., auch online Rat und Hilfe.
Pfarrarchive enthalten wertvolle Unterlagen zur Orts- und Pfarrgeschichte und dienen darüber hinaus (z.B. durch die dauerhafte Aufbewahrung von Verträgen) auch der kirchlichen Verwaltung. Über 500 Pfarrarchive werden derzeit in den Pfarreien des Erzbistums von Verwaltungskräften oder Ehrenamtlichen betreut. Der sachgerechte Umgang mit den historisch wertvollen Unterlagen umfasst u.a. die Ordnung und Verzeichnung, die sichere Lagerung und die Nutzung der Dokumente.
Die neue Online-Sprechstunde findet regelmäßig an jedem letzten Freitag im Monat von 14.00 bis 15.00 Uhr (und in Ausnahmefällen auch nach individueller Terminvereinbarung) statt. Die Anmeldung wird bis zwei Tage vor dem Termin (d.h. bis zum letzten Mittwoch im Monat) erbeten. Zur Anmeldung gelangen Sie hier: https://arbeo2.eomuc.de/index.php?id=1397&no_cache=1&MP=1300-22
Notwendig zur Teilnahme sind ein internetfähiger PC mit Lautsprecher und Mikrofon (bzw. Headset) und am besten einer Webcam. Alternativ ist die Teilnahme auch über ein Smartphone (Apple oder Android) möglich. Für die Online-Sprechstunde wird die Anwendung Zoom verwendet. Sie muss nicht auf dem Teilnehmer-Gerät installiert sein. Der Zugangs-Code, der mit der Terminbestätigung zugesandt wird, kann mit dem jeweiligen Browser aufgerufen werden.
Im Rahmen der Sprechstunde können aktuelle Fragen der örtlichen Archivarbeit persönlich besprochen werden. Zielgruppen sind sowohl Personen, die bereits mit einem Pfarrarchiv arbeiten, als auch solche, die sich für eine Tätigkeit in einem Pfarrarchiv interessieren.

Von der Frauenrechtlerin bis zum Luzienhäuserl-Schwimmen

Porträt Ellen Ammann
Digitales Archiv des Erzbistums erweitert sein Angebot, unter anderem mit Findbüchern zu Ellen Ammann

München, 23. November 2020 (zur Pressemeldung) Das Digitale Archiv des Erzbistums München und Freising hat sein Angebot erneut wesentlich ausgeweitet. Ab sofort stehen rund 680.000 weitere Seiten an digitalisierten Unterlagen zu Pfarreien zur Online-Nutzung zur Verfügung, darunter das älteste Zeugnis über den in Fürstenfeldbruck bis heute geübten Brauch des Luzienhäuserl-Schwimmens. Ebenso sind die Findbücher, also die Aktenverzeichnisse zu Materialien über Ellen Ammann mit rund 200 Verzeichnungseinheiten sowie zu den Akten der Erzbischöflichen Finanzkammer mit rund 4.600 Einheiten jetzt per Internet recherchierbar.
Ammann Kondolenz Faulhaber
Die gebürtige Schwedin Ellen Ammann (1870 bis 1932) entfaltete in München ein umfangreiches kirchliches, soziales und politisches Engagement, unter anderem bei der Gründung der Bahnhofsmission und des Katholischen Frauenbundes. 1919 wurde sie für die Bayerische Volkspartei in den Landtag gewählt, wo sie sich für Jugend- und Wohlfahrtspflege, Gesundheitswesen und Frauenrechte einsetzte. Unerschrocken handelte sie 1923 angesichts des Hitler-Putsches. Amman starb am 23. November 1932 kurz nach einer Landtagsrede. Ihr Ansehen spiegelt sich in der Fülle von Kondolenzschreiben hochgestellter Persönlichkeiten wider, die an den Witwer gingen. Sie sind Teil einer Dokumentensammlung, die das Archiv des Erzbistums zu Ellen Ammann besitzt.
Finanzkammer Errichtung Pfarrei Gröbenzell 01
Die umfangreichen Unterlagen der Finanzverwaltung sind unter anderem deshalb besonders wertvoll, weil sie über den finanziellen Aspekt Informationen zu Angelegenheiten bieten, zu denen die Hauptakten des Erzbischöflichen Ordinariats aufgrund von Kriegszerstörungen 1944 verloren sind. Hier sind zum Beispiel Neuerrichtungen von Pfarreien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Gut nachzuvollziehen ist auch der Aufbau eines diözesanen Kirchensteueramtes 1941, nachdem das nationalsozialistische Regime den Einzug der Steuer durch die staatlichen Finanzämter beendet hatte.
Pfarrakten Fürstenfeldbruck Luzienhäusl-Schwimmen 01
Die „Pfarrakten“ sind nun auch für die Pfarreien mit den Anfangsbuchstaben B bis G online nutzbar. Diese Akten, die von der kirchlichen Oberbehörde für alle ihr unterstehenden Pfarreien angelegt wurden, umfassen für den Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis etwa 1880 sämtliche Angelegenheiten, mit denen sich das Ordinariat bezüglich einer Pfarrei befasste. Dazu zählen Errichtung und Gebiet der Pfarrei, Besetzung der Pfarrstelle sowie Seelsorge-, Bau- und Finanzangelegenheiten. So ist hier etwa der Entwurf eines Schlossers von 1687 für das Eisengländer am barocken Kirchturm der Freisinger Pfarrkirche St. Georg überliefert. Und ein Bericht des zuständigen Dekans von 1706 ist die älteste schriftliche Erwähnung des Fürstenfeldbrucker Brauchs, am Fest der Heiligen Luzia (13. Dezember) kleine Häuschen mit einem darin brennenden Licht auf der Amper schwimmen zu lassen.
Das Digitale Archiv des Erzbistums ging am 15. Juli 2019 online und erfreut sich seither großen Zuspruchs. Das Angebot umfasst aktuell rund 5,9 Millionen digitalisierte Seiten von historischen Dokumenten. Es ist kostenlos über jeden Internetanschluss nutzbar unter www.erzbistum-muenchen.de/archiv-und-bibliothek. Noch nicht digitalisierte Akten, wie die der Finanzkammer und zu Ellen Ammann, können über das Archivsystem zur Einsichtnahme in den Lesesaal, Karmeliterstraße 1 (Eingang Pacellistraße), in München bestellt werden.

Weltweites Interesse an bayerischen Kirchenarchivalien

München, 29. Juli 2020 (zur Pressemeldung). Vor einem Jahr startete das Archiv des Erzbistum München und Freising sein umfangreiches Online-Angebot mit Findbüchern, die über vorhandenes Aktenmaterial informieren, Forschungsanleitungen und digitalisierten Archivalien. Ein Jahr später ist die Bilanz überaus positiv: Rund 38.000 Nutzer haben das Digitale Archiv des Erzbistums mehr als 200.000 Mal aufgerufen. Die Zahl der Archivnutzer hat sich damit gegenüber der Zeit, als der Lesesaal in der Münchner Innenstadt noch ausschließlich persönlich aufgesucht werden musste, mehr als verzehnfacht – den virtuellen Lesesaal besuchen jetzt pro Tag ebenso viele Interessierte wie früher im Monat den realen. Zugriffe von allen fünf Kontinenten sind inzwischen verzeichnet. Nach den Nutzern aus Deutschland, die mit über 30.000 deutlich an der Spitze liegen, kommen die meisten aus Österreich (2.750) und den USA (1.600). „Sogar aus China und Australien nutzen Interessenten unser Digitales Archiv. Viele von ihnen suchen in den historischen Pfarrmatrikeln wohl nach ihren bayerischen Vorfahren“, vermutet Archivleiter Michael Volpert, der das Digitale Archiv konzipiert hat und dessen weiteren Ausbau betreut.
 
Die Zahl der online zur Verfügung stehenden Seiten hat sich binnen eines Jahres von etwa vier Millionen auf rund 5,5 Millionen gesteigert. Erst kürzlich ist der wichtige und umfangreiche Bestand der „Realia“ online gestellt worden. Das sind Sachakten der Bistumsverwaltung, die weder Pfarreien noch Personen, sondern unterschiedlichste Sachthemen im Zeitraum aus den Jahren um 1600 bis 1880 betreffen – von der Priesterausbildung und der Einführung neuer Gesangbücher bis hin zum Umgang mit unehelichen Müttern oder zur Beteiligung des Klerus an der Wilderei. Bis Ende 2020 sollen schrittweise rund eine Million weitere digitalisierte Seiten dazukommen, vor allem Unterlagen über die Pfarreien des Erzbistums.
 
Archivleiter Michael Volpert geht von einer weiter steigenden Relevanz des Digitalen Archivs gerade in Zeiten von Corona aus: „Wir sind froh, dass wir diesen großen Schritt rechtzeitig getan haben. Denn unsere Nutzer konnten somit fast unbeeinträchtigt weiterarbeiten.“ Auch an der Universität München wurden bei mehreren digitalen Lehrveranstaltungen im Sommersemester die Möglichkeiten der Online-Archivnutzung vorgestellt. Das neue Angebot ermöglicht den Studierenden unter anderem, digitalisierte Archivalien für Seminar- und Abschlussarbeiten zu nutzen. Eine weitere digitale Neuerung ist für den Herbst dieses Jahres geplant, wenn das Archiv und die Bibliothek der Erzdiözese München und Freising virtuell ein bevorstehendes Jubiläum einleiten: Eine umfangreiche Online-Ausstellung führt auf den 200. Geburtstag des Erzbistums in seinen heutigen Grenzen hin, der 2021 begangen wird.
 
Der kostenfreie Zugang zum Digitalen Archiv erfolgt über die Website von Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising unter www.erzbistum-muenchen.de/archiv-und-bibliothek. Die Pfarrmatrikeln sind zusätzlich auch über das Portal https://data.matricula-online.eu/de/ zugänglich.

Grenzübergreifende Einblicke für Historiker und Familienforscher

München, 5. Mai 2020 (zur Pressemeldung) Das Archiv des Erzbistums München und Freising baut sein digitales Archiv weiter aus und macht Unterlagen aus Kirchenbehörden, die vor der Neuordnung der bayerischen Bistümer der Erzdiözese Salzburg unterstanden, online nutzbar. In einem ersten Schritt können jetzt all diejenigen Salzburger Archivalien im Internet eingesehen werden, die mehrere Pfarreien oder pastorale Sachthemen betreffen. Dieser zunächst zur Verfügung gestellte Bestand „Salzburg“ umfasst 415 Nummern und beinhaltet unter anderem Visitationsprotokolle, Seelenstandsstatistiken und die Unterlagen der archidiakonalen Ehegerichte. Damit stehen der kirchen-, landes- und ortsgeschichtlichen Forschung wichtige Quellen zur Verfügung. Darüber hinaus sind aus dem Bestand der sehr umfangreichen Akten zu den einzelnen ehemals salzburgischen Pfarreien Findbücher für die Pfarreien mit den Anfangsbuchstaben A bis M verfügbar und die ersten bereits mit den digitalisierten Akten verknüpft (innerhalb der Bestände jeweils unter "Lokalia"). Bis Ende 2021 soll die Online-Präsentation das Ende des Alphabets erreichen. Dann folgen die Akten zu den aufgehobenen Klöstern und Stiften.
 
Bis zur Neuordnung der bayerischen Bistümer im Jahr 1821 unterstanden große Teile des heutigen Erzbistums München und Freising in kirchlicher Hinsicht dem Erzbischof von Salzburg. Dies betraf die bayerischen Gebiete rechts des Inns, darunter den gesamten Chiemgau. Im so genannten Rupertiwinkel und in der Stadt Mühldorf war der Salzburger Erzbischof auch Landesherr. Infolge der kirchenrechtlichen Unterstellung dieser Gebiete unter den Münchner Erzbischof wurden umfangreiche Aktenbestände mit Bezug auf die dortigen Pfarreien von salzburgischen Kirchenbehörden nach München übergeben. Sie stammen aus den Registraturen des Konsistoriums Salzburg, des Salzburger „Eigenbistums“ Chiemsee, der Archidiakonate Baumburg, Chiemsee und Gars sowie des Konsistoriums der Fürstpropstei Berchtesgaden.
 
Die sich aus der Digitalisierung ergebende neue Möglichkeit zu grenzüberschreitender Forschung begrüßt auch der Direktor des Archivs der Erzdiözese Salzburg, Thomas Mitterecker. Anlässlich der Online-Stellung der Archivalien würdigte er „diese Initiative der Münchner Kollegen, die den Blick über die heutigen Grenzen hinweglenkt und an unsere vielfältigen historischen Verbindungen erinnert“. Viele Salzburger Forscher würden den erleichterten Zugang zu den Unterlagen sicher gerne nutzen, so Mitterecker, „gerade wenn es um Pfarreien wie Laufen-Oberndorf geht, die 1821 geteilt wurden, oder um Familien, die dies- und jenseits der Grenze lebten“. Sogar zu den Kirchen der Stadt Salzburg gäben die in München verwahrten Unterlagen Auskunft. „Sie jetzt von überall aus einsehen zu können, ist in der aktuellen Situation geschlossener Grenzen doppelt wertvoll“, so Mitterecker.

Neue digitale Möglichkeiten der Heimatforschung

Archiv des Erzbistums präsentiert anlässlich des Tags der Archive Online-Version historischer Pfarrakten
              
München, 28. Februar 2020 (zur Pressemeldung). Neue digitale Möglichkeiten der Heimatforschung eröffnet das Archiv des Erzbistums München und Freising anlässlich des Tags der Archive: Am Samstag, 7. März, werden originale und digitalisierte Quellen zur Pfarr- und Ortsgeschichte vorgestellt. Die Präsentationen im Lesesaal des Archivs, Karmeliterstraße 1 (Eingang Pacellistraße), beginnen jeweils um 10, 11 12, 14 und 15 Uhr. Demonstriert werden die neuen Forschungsmöglichkeiten am Beispiel der Pfarrei Ampermoching im Landkreis Dachau, aus der nun mehr als 100 historische Akten digital verfügbar sind. Archivarinnen und Archivare geben zudem individuelle Tipps zum richtigen Vorgehen bei der Forschung.
 
Das Digitale Archiv des Erzbistums hat sein Angebot um die wichtige Unterlagengruppe der so genannten Pfarrakten erweitert. Diese wurden von der kirchlichen Oberbehörde im Hinblick auf die ihr unterstehenden Pfarreien angelegt und umfassen für den Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis etwa 1880 alle Angelegenheiten, mit denen sich das Ordinariat bezüglich einer Pfarrei befasste, darunter Errichtung und Gebiet der Pfarrei, Besetzung der Pfarrstelle, Beschwerden gegen die Geistlichkeit, Seelsorge-, Bau- und Finanzangelegenheiten. Diese Unterlagen sind wichtige Quellen nicht nur zur Geschichte der Pfarreien, sondern für die Ortsgeschichte überhaupt. Sie geben über das kirchliche Leben im engeren Sinn hinaus Auskunft über vielfältige weitere Aspekte des örtlichen Lebens – von der Siedlungsstruktur bis zur „Moral und Sittlichkeit“ des Pfarrvolkes.
 
Die Pfarrakten werden im Archiv des Erzbistums seit etwa zwei Jahren für die Online-Stellung aufbereitet: Die bis zu 500 Jahre alten Dokumente werden zunächst konservatorisch behandelt und neu verpackt; diese Maßnahme wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) unterstützt (www.kek-spk.de, www.schriftgutschuetzen.kek-spk.de) unterstützt.

Eine detaillierte Neuverzeichnung ermöglicht die zielgenaue Recherche in Online-Findbüchern. Die Findbücher werden anschließend sukzessive mit Digitalisaten verknüpft. Derzeit sind Findbücher zu den Pfarreien mit den Anfangsbuchstaben A bis G verfügbar. Zum Tag der Archive erfolgt die erste Online-Stellung von digitalisierten Akten. Mit dem Abschluss der Aktion wird in etwa zwei Jahren gerechnet.



weiterführende Informationen und Berichte:

  • Ebenfalls neu im Digitalen Archiv finden Sie die Digitalistate zu den Beständen Realia und Salzburg
  • Einen ausführlichen Bericht zur Online-Stellung der Pfarrakten finden Sie hier.
  • Podcast zum Digitalen Archiv auf BR Heimat. Informationen zum Tag der Archive am 7. März 2020, zu neuen Beständen im Digitalen Archiv und zu den online nutzbaren Mirakelbüchern.

Pfarrmatrikeln aus dem Erzbistum München und Freising jetzt auch über das Portal „Matricula“ nutzbar

Die rund 10.000 Bände historischer Matrikelbände aus den Pfarreien des Erzbistums München und Freising, die seit dem 15. Juli 2019 über das Digitale Archiv des Erzbistums einzusehen sind, können seit Jahresbeginn 2020 zusätzlich über das Spezialportal „Matricula“ genutzt werden: http://data.matricula-online.eu/de/. Das Portal bietet einen einheitlichen Zugang zu digitalisierten Matrikeln aus Deutschland, Österreich, Polen, Serbien, Luxemburg und Bosnien-Herzegowina. Besonderheiten sind die Möglichkeit einer geographischen Suche und die Verknüpfung mit Wikipedia-Informationen zum jeweiligen Pfarrort sowie mit aktuellen und historischen Landkarten.

Materialien zur Eröffnung des Digitalen Archivs am 15. Juli 2019



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