Mach mal Pause! Bräuche & Rituale für den Familienalltag

Vater Kind
Meist geht es turbulent zu im Familienalltag. Ein Termin jagt den anderen. Die Kinder wollen betreut sein, und auch die Arbeit soll nicht zu kurz kommen. Um die täglichen Herausforderungen zu bewältigen und sich im Familien-Chaos die Freude am Miteinander zu bewahren, tut es gut, ab und zu innezuhalten. Die eigenen Gedanken wahrzunehmen, Abstand zu gewinnen und neue Kraft zu schöpfen. Zum Beispiel mit den folgenden Ritualen und Ideen.



Frau mit Tee

Anker werfen

Im stürmischen Alltag
innehalten und Anker werfen,
den Kurs verlassen und beidrehen,
die Flaute genießen
und den Horizont neu ermessen;
und irgendwann viel später
mit frischen Winden die Segel neu setzen.

„PSST“-Rituale

Mit Kindern ist immer was los: selten, dass keiner was sagt, dass alle lauschen und andächtig sind - eine heilsame, meditative Kontrasterfahrung, die sehr reizvoll sein kann:

  • mit einem Streichholz:
    Streichholz anzünden - mit Kopf nach oben senkrecht halten und stumm warten, bis die Flamme erlischt
  • mit einem Kreisel:
    Kreisel drehen - gemeinsam zuschauen, bis er zur Ruhe kommt
  • mit einer Spieluhr:
    Spieluhr aufziehen - lauschen, bis das kleine Musikstück zu Ende ist
  • mit einer Schwimmkerze:
    Schwimmkerze in einer Schale mit Wasser anzünden - die Schale vorsichtig herumreichen, dann in der Mitte abstellen
  • mit einer Schale:
    (Klang-)Schale anschlagen - lauschen, bis der Ton verklungen ist


„Große“ Aus-Zeiten im Leben der Familie

Strandkörbe
Ferienzeiten / Urlaub - sie schaffen Raum für anderes:
Arbeit ruhen lassen - mir Langeweile gönnen - neue Ideen spinnen / Alternativen ausprobieren - den Tag anders beginnen ... 

Feiertage - sie unterbrechen den Familienalltag: gewohnte (und neue) Rituale pflegen - sich beschäftigen mit dem religiösen oder weltlichen Anlass des Tages - eine (gottesdienstliche) Feier besuchen - ein festliches Essen genießen (bei dem alle mit angepackt haben) ...

„Erfundene“ Feier-Tage - sie zeigen unsere Individualität:
z.B. die ersten 100 Tage Schulzeit würdigen - den Besuch der Großeltern vorbereiten - einen „Meerschweinchen-Geburtstag“ feiern ...

          
       

Die Kirche - ein besonderer Ort, um innezuhalten

Kerzen
„Unterbrechung ist die kürzeste Definition von Religion“ (J.B. Metz). Jede Pause - egal wann, egal wo - kann eine Art der Andacht sein. Im Kirchenraum wird das besonders deutlich spürbar:

  • eintreten - langsamer und ruhig werden, staunen, …
  • stehen bleiben - innehalten, Weihwasserkreuz auf die Stirn zeichnen, …
  • umschauen - wahrnehmen was vorn, oben, ringsum, … ist
  • hinsetzen - (m)einen Platz aussuchen, ein Gebet sprechen, …       
  • lauschen - die Stille genießen, leise Geräusche wahrnehmen, …
  • gedenken - eine Kerze für einen lieben Menschen anzünden
  • verabschieden - mit einer Geste: Kreuzzeichen, Kniebeuge, Verneigung oder …
Auch Jesus brauchte und suchte sich Aus-Zeiten: auf einem Berg (Mt 14,23), auf einem Schiff (Mk 6,32), in einem Garten (Mk 14,32ff). Dort konnte er sich sammeln, im Gebet Kraft schöpfen und gestärkt den Menschen neu begegnen. Er lädt  uns ein: „Kommt mit an einen einsamen Ort … und ruht ein wenig aus.“ (Mk 6,31)


Die Texte stammen von Robert Benkert und sind entnommen aus der Broschüre "Mach mal Pause! Kostbare Momente im Familienalltag", erschienen in der Reihe Hot Spots des Lebens, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung.

Weitere Hefte der Reihe und Bestellmöglichkeit unter http://www.ehe-und-familie.info/anregungen_materialien-paare-familien.php

Fotos: imago/Westend61 (2), imago/Carola Koserowsky, imago/SCIENCE PHOTO LIBRARY