Orte der Wärme im Erzbistum: Die Münchner Insel Die Leiterin der Münchner Insel über die 50-jährige Insititution am Marienplatz, die Besonderheit des Ortes - und ihre Wünsche für 2023

Münchener Insel
Sybille Loew
1. Was macht die Wärme Ihres Ortes aus?
Begegnung und Resonanz in einem persönlichen Gespräch vor Ort für Menschen in einer akuten Lebenssituationen. Wir klären mit ihnen gemeinsam die aktuelle Krise, ordnen das Chaos, überlegen erste Schritte der Lösung oder Entlastung, stabilisieren und ermutigen sie, mit ihren Ressourcen, Kräften und Werten einen eigenen Weg zu finden. Wir trauern mit ihnen, wir lachen mit ihnen, wir fühlen uns ein, und wir bieten auch auf Grund unserer fachlichen Distanz die Entwicklung einer Perspektive an.
 
2. Was unterscheidet Sie von anderen Einrichtungen?
Wir sind persönlich und sofort für die Menschen da! Bei uns haben sie keine oder keine langen Wartezeiten, sie können spontan vorbeikommen, können anonym bleiben, werden kostenfrei beraten - als ein schon seit 50 Jahren existierendes Angebot beider Kirchen. Wir beraten sie vertraulich.
 
3. Welche Menschen kommen zu Ihnen? 
Menschen mit allen Themen wie sie und ich. Ob familiäre Konflikte, Einsamkeit, Trauer, psychische Verletzungen, akute Traumatisierung oder Zeugenschaft derselben, Themen rund um Arbeit, Ausbildung, finanzielle Sorgen, soziale Beziehungen, Fragen zur eigenen Religiosität und Spiritualität, zur Identität oder zu Sinn und Werten des eigenen Lebens. Wir beraten die Menschen, die zu uns kommen, Trauma-, interreligiös und interkulturell sensibel.
  
4. Wie reagieren die Menschen auf Ihren Ort bzw. die Wärme, die sie dort finden? 
Überrascht darüber, so unkompliziert eine fachlich kompetente und menschliche Beratung oder ein Seelsorge-Gespräch zu bekommen. Und dankbar, niederschwellig eine persönliche Begegnung und Ermutigung zu erleben.

5. 
Hat sich im Umgang mit den Menschen in diesem Jahr etwas verändert? 
Die Belastungen der vergangenen Jahre und der aktuellen gesellschaftlichen Situation haben ihre innere und äußere Not möglicherweise vergrößert und haben Spuren hinterlassen. Dafür haben wir ein Ohr, das nehmen wir ernst.
Gut ist es, dass Menschen sich Hilfe holen und nicht meinen, alles alleine meistern zu müssen.
 
6. Was wünschen Sie sich für ihren Ort der Wärme und für sich selbst im neuen Jahr? 
Ihnen und uns gute Begegnungen! Kreativität und Offenheit im Umgang mit den aktuellen Herausforderungen. Das Teilen von Schwerem, aber auch von Freudigem. Das Erleben nicht nur von Mangel, sondern auch von Fülle – manchmal in kleinen Dingen der Freude. Gottes Segen und gegenseitiges Vertrauen!
Sybille Loew, Katholische Leiterin und Beraterin in der Krisen- und Lebensberatungsstelle „Münchner Insel“