Heiliger Sturmius

Gründerabt von Fulda – 16. Dezember

Der Bajuware Sturmius dürfte um 704 im heutigen Oberösterreich geboren worden sein. Er war erster deutscher Begleiter des Angelsachsen Winfrid Bonifatius (+ 754) und erster Abt des Klosters Fulda. Er starb 779 und wurde 1139 heilig gesprochen. Sein Grab ist im Dom zu Fulda.

Die Heimat des Sturmius war bereits um 700 weitgehend christianisiert. Dennoch besuchte Bonifatius des öfteren auch diese Gegend, um das Christentum bei den Herrschenden zu festigen. Insbesondere pflegte er Kontakte zu adeligen Grundbesitzern, deren Schenkungen die materiellen Voraussetzungen für die Erbauung von Klöstern und Kirchen schufen. Auch Sturmius gehörte zu einer dieser Familien und lernte so Bonifatius kennen: Dies überliefert Eigil (+ 822), ein Verwandter von Sturmius, ungewöhnlich nüchtern und sachlich. Danach zogen Bonifatius und Sturmius Richtung Mainfranken. Im nordhessischen Kloster Fritzlar erhielt Sturmius eine gediegene Ausbildung nach Vorbild der angelsächsischen Klöster in England. Dies bedeutete ein intensives Studium der heiligen Schriften, insbesondere des Psalters, der Evangelien und der Kirchenväter. Sturmius wurde einige Jahre später zum Priester geweiht.

Das Kloster Fritzlar, Sturmius´ Ausbildungsstätte, entstand in der Nähe jenes Orts, an dem Winfrid Bonifatius der Legende nach eine Eiche fällte, die dem germanischen Gott Donar geweiht war. Weil der Baum sofort in vier Teile zersprang, deutete Bonifatius das als göttliches Zeichen und errichtete mit dem Holz zunächst eine kleine Kapelle. Hieraus entstand Kloster Fritzlar (732), seit 741 Zentrum des neu errichteten Bistums Büraburg. Diese Gründung stand in enger Verbindung mit der bayerischen und mainfränkischen Kirchenorganisation (739 bzw. 741). Neben der Förderung zahlreicher Ordensniederlassungen zur inneren Festigung der noch jungen Bistümer plante Bonifatius ein Kloster als zentralen christlichen Mittelpunkt des fränkischen Reichs. Mit der Suche nach einem geeigneten Ort hierfür beauftragte er seinen Schüler Sturmius.

Sturmius nämlich wollte
nach der neuen Bistumsgründung Fritzlar verlassen, aber keineswegs etwa aus Protest, sondern um zu prüfen, ob er sein weiteres Leben für Gott in einer Gemeinschaft von Mönchen oder besser alleine als Eremit leben sollte. Obgleich Winfrid Bonifatius den jungen Sturmius dringend für seine Missionspläne gebraucht hätte, ließ er ihn ziehen, gab jedoch die Gegend vor, in der er sich aufhalten sollte: in einer Einöde zwischen Werra, Rhön und Vogelsberg. Bald fand sich ein für die beabsichtige Klostergründung passender Platz, der 743 durch eine karolingische Schenkung an Bonifatius übertragen worden sein dürfte. Der neue Grundbesitz war zu dieser Zeit teilweise in Ruinen, teilweise völlig verwüstet. Neuere Grabungen belegen, dass hier bereits zur Merowingerzeit im 6. Jahrhundert ein Königspalast und damit ein Monument fränkischer Herrschschaft stand. Bald waren die Gebäudereste überdacht und notdürftig für einen Klosterbetrieb hergerichtet: Das Kloster Fulda war gegründet. Bonifatius besuchte es regelmäßig, um die Einhaltung der Ordensregel des hl. Benedikt zu überwachen.

Nach einer Romreise
, auf der Sturmius Montecassino, das Kloster des hl. Benedikt, kennen lernte (747), wurde er von Bonifatius zum ersten Abt des neuen Klosters Fulda ernannt. Gleichzeitig wählte Bonifatius die Benediktinerin Lioba zur Äbtissin des nahen Frauenklosters Tauberbischofsheim, mit dem man seit jeher gute Beziehungen pflegte. In der Folgezeit wurden beide Klöster zu bedeutenden Pflanzstätten des frühen Christentums im Frankenreich. Für Fulda war eine rechtliche Sonderstellung durch das Privilieg der so genannten »Exemption« erreicht: Das Kloster unterstand nicht mehr dem Machtbereich von Bischof oder König, sondern direkt und ausschließlich dem Papst.

Bonifatius brach 753
zu einer Missionsreise zu den Friesen in die Niederlande auf. Er wurde kurz darauf erschlagen (5. Juni 754). Sturmius gelang es trotz Widerständen, Bonifatius' Leichnam für das Kloster Fulda zu beanspruchen - gemäß dem Willen des Ermordeten. Seine letzte Ruhestätte fand Winfrid Bonifatius im Dom zu Fulda. Nach Zeiten von Verleumdung, Missachtung der Exemption und Verbannung wurde Sturmius als Abt rehabilitiert (765) und das Kloster unter königlichen Schutz gestellt. Danach nahm Sturmius an einem Missionszug gegen die Sachsen teil (772), den Karl der Große (747 - 814) leitete. Am 17. Dezember 779 starb Abt Sturmius in seinem Kloster. Hier setzte man ihn in der Salvatorkirche bei. Der bald beginnenden weit über Fulda hinausreichenden Verehrung des Sturmius folgte 1139 die Heiligsprechung.

Brauchtum und Verehrung
Sturmius wurde anlässlich der 1000-Wiederkehr seines Todes (1779) umgebettet Dabei verteilte man die Reliquien auf vier Sarkophage und schuf in der Klosterkirche den Sturmius-Altar (Relief-Zyklus mit Szenen aus Sturmius' Leben). Die Schädel von Bonifatius und Sturmius bewahrt das Fuldaer Dommuseum.

Darstellung, Attribute, Patronate

Dargestellt wird Sturmius als Mönch oder Abt mit Stab, Buch und/oder Kirchengrundriss. Dergestalt sieht man ihn etwa als Statue an der Außenseite des Fuldaer Doms. Sturmius ist Nebenpatron des Bistums Fulda, Winfrid Bonifatius dessen Hauptpatron. Fulda erinnert an Sturmius alljährlich am 17. Dezember mit einem Hochfest.
Christiane Schwarz

Literatur

* Bavaria Sancta III 33-47 (Andreas Bauch)
* Stefan Schipperges, Bonifatius ac socii eius. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung des Winfrid-Bonifatius und seines Umfeldes (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 79), Mainz 1996, 142-146
* Maria-Elisabeth Brunert, Fulda als Kloster in eremo. Zentrale Quellen über die Gründung im Spiegel der hagiographischen Tradition, in: Gangolf Schrimpf (Hg,). Kloster Fulda in der Welt der Karolinger und Ottonen (FuIdaer Studien 7), Frankfurt am Main 1996, 59-78


Lied zum hl. Sturmius
Sankt Sturmius, den wir ehren,
du Sproß aus edlem Stamm,
der aufbrach, Gott zu hören,
als er den Ruf vernahm.
Dein Herz hat treu umfangen,
was Jesus sprach und tat;
du bist ihm nachgegangen
als Mönch, nach seinem Rat.

Gott hieß ein Haus dich bauen
als unsres Landes Stern,
in dessen Licht wir schauen
die Heilstat unsres Herrn.
Ein Kloster sollt es werden.
Das reiche Frucht bring ein:
es füllt sich mit Gefährten.
Die sich, wie du, Gott weihn.

Sankt Sturmius, Abt und Vater
du hast der Mönche Schar
als Hirte und Berater
geleitet treu und klar.
Den Glauben zu verkünden,
hast du sie ausgesandt:
das Dunkel mußte schwinden
und Licht ging auf im Land.

Sei uns in diesen Zeiten,
Sankt Sturmius, beigesellt,
den Glauben auszubreiten
in einer wirren Welt.
Bitt Gott, daß er uns lenke
in Not und Dunkelheit
und uns sein Leben schenke
jetzt und in Ewigkeit.

Text: Maria-Luise Thurmair, 1980;
Melodie: Gotteslob 468 (Oh Gott nimm an die Gaben)