Heiliger Quirinus von Tegernsee

Märtyrer - 16. Juni


Mehrere Heilige tragen den altrömischen Namen Quirinus. Die bekanntesten davon sind der römische Tribun und Märtyrer Quirinus (gestorben um 130; Fest: 30. März), dessen Reliquien sich seit dem Mittelalter in Neuß am Rhein befinden und der in Nordwestdeutschland hoch verehrt wird, und der Bischof und Märtyrer Quirinus von Sissek (gestorben 308/9; Fest: 4. Juni). Hiervon zu unterscheiden ist der römische Märtyrer Quirinus, dessen Reliquien im frühen Mittelalter ins Benediktinerkloster Tegernsee kamen.

Die älteste erhaltene Legende erzählt, wie Quirinus unter Kaiser Claudius II. Gothicus (268-270) in Rom das Martyrium für seinen Glauben erlitt: »Zu Zeiten des Kaisers Claudius kam aus Persien ein Mann namens Marius mit seiner Frau Martha und seinen Söhnen Audifax und Abacuc nach Rom, um zu den Aposteln zu beten, denn sie waren Christen. Dort begannen sie, die Leiber der Heiligen in den Kerkern und Grabstätten aufzusuchen.... Sie kamen ins Lager jenseits des Tiber und fanden im Kerker einen Mann namens Quirinus, der schon viele Schläge für den Namen Christi erduldet hatte und seines Vermögens beraubt worden war. Als sie zu ihm kamen, warfen sie sich ihm zu Füßen ..., damit er für sie beten möge. Und sie blieben dort acht Tage und begannen, aus ihrem Vermögen dem heiligen Quirinus aufzuwarten und die Füße derer zu waschen, die in Fesseln lagen. « Als »zur selben Zeit Claudius befahl, wenn Christen im Volk oder in Haft gefunden würden, diese ohne Untersuchung hinzurichten«, wurden viele Christen getötet. Und Marius und Martha gingen mit ihren Söhnen, um »die Leiber der Heiligen« zu begraben. »Als sie wieder nach Rom zu dem Lager kamen, suchten sie den heiligen Quirinus, und als sie ihn nicht fanden, wurden sie überaus betrübt. Doch sie fanden einen Priester namens Pastor. Der erzählte ihnen alles, was geschehen war, und wie in der Nacht der heilige Quirinus mit dem Schwert getötet und in den Tiber geworfen worden war und sein Leib auf der Insel Lycaonia verblieben war. Und sie machten sich zur Nachtzeit ... auf, bargen seinen Leib und bestatteten ihn in einem unterirdischen Gang auf dem Pontianus-Friedhof am 25. März.« Die Legende erzählt weiter von großer Verehrung, die dem Heiligen in Rom zuteil geworden sei.

Um die Mitte des 8. Jahrhunderts gründeten die beiden adeligen Brüder Adalbert und Otkar das Benediktinerkloster Tegernsee. Gemäß der Quirinus-Legende brachen sie dann nach Rom auf, »um die Stätten der Heiligen zu besuchen und mit Gottes Hilfe von dort einige Heiligenreliquien mitzubringen«. Als Lohn für Hilfe gegen seine Feinde versprach der Papst ihnen die Reliquien des hl. Quirinus aus der Pontianus-Katakombe. Um die Übertragung nach Tegernsee ranken sich drei Wundererzählungen:


Als die Boten, die im Auftrag der Klosterstifter den Heiligen nach Tegernsee holen sollten, aus Neugier versuchten das versiegelte Reliquienbehältnis zu öffnen, »da brach sofort, als sie die Bedeckung anzuheben versuchten, die Majestät Gottes in Gestalt flammenden Feuers hervor, und alle, die dabeistanden, wurden wie von einem Blitzstrahl getötet«. Die Flammen erwiesen die Anwesenheit eines wundermächtigen Heiligen.

Als man kurz vor der Ankunft - halbwegs zwischen Gmund und Tegernsee - noch einmal rastete, »floss dort, wo die Trage mit dem heiligen Leib gestanden war, eine lichte Quelle hervor. Sie war angenehm im Geschmack und heilsam bei Berührung, und viele Heilungen wurden dort durch die Kraft des Herrn gewirkt.« Über der Quelle wurde die Kirche von St. Quirin erbaut, in deren Mitte sich bis heute ein Ziehbrunnen befindet.

Schließlich wurden die Reliquien am 16. Juni 804 feierlich in der Klosterkirche beigesetzt. »Als er in die Grabstätte gelegt werden sollte, fiel durch die Umhüllung ein Teil seines Leibes in die Hände des Priesters, der so blutig war, als ob der Heilige an diesem Tag erst entleibt worden wäre.« Ein Glasgefäß mit der Blutreliquie befindet sich noch immer im Tegernseer Kirchenschatz.

Quirinus wurde zum Hauptpatron von Tegernsee. Seine Verehrung breitete sich überall dort aus, wo diese reiche Abtei Besitzungen hatte - bis nach Südtirol und in die Wachau. Spätere Ausschmückungen der Legende machten Quirinus zum Sohn des angeblich ersten christlichen Kaiser Philippus Arabs(244-249).

Um 1430 entdeckte man am Westufer des Tegernsees eine Erdölquelle. Man verwendete bis ins 19. Jahrhundert das Öl zu Heilzwecken bei Mensch und Vieh und schrieb seine Heilkraft der Fürsprache des heiligen Quirinus zu.

Brauchtum und Verehrung
Traditioneller Festtermin ist nicht der Todestag (25. März), sondern der Jahrestag der Übertragung nach Tegernsee (16. Juni). Während die Quirinusöl-Quelle inzwischen versiegt ist, waschen sich einzelne Besucher immer noch am Brunnen von St. Quirin die Augen aus. Im Innenhof des 1993 eingeweihten Tegernseer Pfarrzentrums »Quirinal« erinnert ein aus vier verschiedenfarbigen Steinsorten zusammengesetzter Brunnen an die vier Hauptwunder des Heiligen (Feuer-, Wasser-, Blut- und Ölwunder).

Darstellung, Attribute, Patronate
Zumeist ist Quirinus als Kaisersohn in römischer Rüstung (mit Krone, Szepter, Reichsapfel) sowie Schwert und Palmzweig (als Zeichen des Martyriums) dargestellt. Als weitere Attribute finden sich Wassergefäß und Ölfläschchen. Quirinus ist Patron des Tegernseer Tals und mehrerer ehemals zum Kloster gehöriger Orte, die ihre Verbindung zum Teil heute noch (bzw. wieder) pflegen.


Literatur

Johann Weißensteiner, Tegernsee, die Bayern und Österreich. Studien zu Tegernseer Geschichtsquellen und der bayerischen Stammessage. Mit einer Edition der Passio secundas. Quirini (Archiv für österreichische Geschichte 133), Wien 1983


Quirinus-Lied
Heilger Quirin, sei gepriesen,
Gottes Zeuge, hochgeehrt,
der sich standhaft hat erwiesen
und sich bis zum Tod bewährt.
Sankt Quirin, dem wir uns weihten,
sei in diesen Erdenzeiten
unser großer Schutzpatron.

Heilger Quirin, hoch erhoben
aus den Leiden dieser Zeit,
hell von Gottes Glanz umwoben
in des Himmels Herrlichkeit:
Sei uns nah in allen Stürmen,
neige dich, uns zu beschirmen;
unser großer Schutzpatron.

Quirinus-Lied; Text: Maria-Luise Thurmair, 1997; Melodie: Gotteslob 615