Weibliche Führungskräfte in der Kirche Die Erzdiözese engagiert sich beim Programm „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ – Start des sechsten Jahrgangs

Es gibt in der katholischen Kirche zu wenige Frauen in Führungspositionen. Deshalb haben der Hildegardisverein und die Deutsche Bischofskonferenz das Programm „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ initiiert, in dem sich auch die Erzdiözese München und Freising engagiert. Neben zentralen Veranstaltungen zu Leitungsthemen ist die Begleitung der Mentees durch erfahrene Führungskräfte zentrales Herzstück des Programms. Zum Auftakt des neuen Jahrgangs stellt sich eines der „Tandems“ vor: Dr. Sandra Krump, Leiterin des Ressorts Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat München, und Fachreferentin Gabriele Bognitschar.
 
Auf dem Foto sind zwei Frauen zu sehen. Dr. Sandra Krump übergibt  Gabriele Bognitschar ein
Mentorin Dr. Sandra Krump (links) übergibt Gabriele Bognitschar das „Lerntagebuch“, in dem die Mentee ihre Entwicklung festhalten kann.
 
Auf dem Foto sieht man Gabriele Bognitschar. Sie ist Mentee im Programm
Mentee Gabriele Bognitschar, Fachreferentin im Ressort Bauwesen und Kunst, möchte mit ihrer Teilnahme am Programm den ersten Schritt tun, um später eine Führungsaufgabe übernehmen zu können.
„Wenn wir in der Kirche gezielt Frauen fördern wollen, dann müssen wir etwas dafür tun. Deshalb halte ich dieses Mentoring-Programm für sehr wichtig“, beschreibt Dr. Sandra Krump ihre Motivation, einen persönlichen Beitrag zum Programm zu leisten.
Die Leiterin des Bildungsressorts im Erzbischöflichen Ordinariat ermöglicht nicht nur Mitarbeiterinnen ihres eigenen Ressorts die Teilnahme am Programm, sondern sie stellt sich darüber hinaus bereits zum zweiten Mal als Mentorin zur Verfügung. Dabei achtet sie darauf, dass sie Frauen aus anderen Ressorts begleitet. Diesmal bildet Dr. Sandra Krump ein Jahr lang mit Gabriele Bognitschar ein so genanntes Tandem. Die 39-Jährige ist derzeit Fachreferentin in der Stabsstelle Fachmanagementsysteme im Ressort Bauwesen und Kunst.

„Ich habe die Ausschreibung zum Mentoring-Programm bisher schon aufmerksam verfolgt. Vergangenes Jahr habe ich mich dann dafür entschieden, dass ich mich selbst bewerben will. So möchte ich den ersten Schritt tun, um später eine Führungsaufgabe übernehmen zu können“, berichtet Gabriele Bognitschar.

Die Mentee bringt einen Werdegang mit, der Zielstrebigkeit und Belastbarkeit verrät: So schloss sie zunächst im Bischöflichen Ordinariat Passau eine Ausbildung zur Bürokauffrau ab. Schließlich gelangte sie zur Industrie- und Handelskammer München, wo sie sich berufsbegleitend zur Betriebswirtin weiterqualifizierte. Danach kam sie ins Erzbischöfliche Ordinariat München, wo sie bereits in mehreren Aufgabenbereichen aktiv war. Beworben hat sich Gabriele Bognitschar für das Mentoring-Programm mit einem Projekt, durch das sie die Weiterarbeit an Leitbildern und Strategien im Ressort Bauwesen und Kunst voranbringen möchte.
 
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Ich habe im Verlauf meines Berufslebens durchaus Frauen wahrgenommen, die ich als beeindruckend empfunden habe. Aber es ist ein Unterschied, ob man sieht ‚Die macht das gut!‘ oder ob man die Chance bekommt, wirklich gemeinsam systematisch in den Austausch über Führungsfragen zu gehen.
Dr. Sandra Krump, Leiterin des Ressorts Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat München.
Hervorragendes Lernmaterial

Kürzlich ging die erste von drei zentralen Veranstaltungen zu Ende, in die beide auf unterschiedliche Weise eingebunden waren. Den Mentees wurde das Programm vorgestellt, dann hörten sie einen Vortrag zum Thema „Was ist Führung?“. Sie lernten einander und die Mentorinnen und Mentoren spielerisch per Zoom kennen. Das Programm der Mentees dauerte drei Tage. Die Mentorinnen und Mentoren waren einen Abend und einen Tag digital vor Ort. „In Corona-Zeiten müssen Formate, die ursprünglich als Präsenzveranstaltung konzipiert sind, per Videokonferenz durchgeführt werden. Man muss also einiges anpassen, damit sich die Teilnehmenden kennenlernen können. Es gab deshalb nicht nur die große Runde, sondern auch kleinere Diskussionsgruppen in Breakout-Sessions. Das war gut gelöst“, lobt Dr. Sandra Krump die Veranstaltung. Auch die weiterentwickelten Unterlagen zum Programm hält sie für ausgezeichnet: „Ganz toll finde ich das ‚Lerntagebuch‘, das die Mentees bekommen haben. Hier kann man die eigene Entwicklung festhalten und später nachvollziehen.“
 
Auf dem Foto sieht man Dr. Sandra Krump. Sie ist Mentoring.
Dr. Sandra Krump, Leiterin des Ressorts Bildung, stellt sich schon zum zweiten Mal als Mentorin zur Verfügung und ist überzeugt, dass im Tandem beide vom Austausch profitieren.
Ein Austausch, von dem beide profitieren

Die beiden Frauen kannten sich bereits zuvor aus verschiedenen Begegnungen im Erzbischöflichen Ordinariat. „Das passt“, freute sich Gabriele Bognitschar spontan, als sie erfuhr, wer ihre Mentorin sein würde. Bei einem Vorgespräch tauschten sich beide über ihre Erwartungen aneinander aus. Spätestens hier hätte jede die Kooperation noch beenden können. Doch das stand nicht zur Debatte.
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Ich habe mich auf dieses Mentoring-Programm beworben, weil es mich reizt und ich weiterkommen will, ohne dass ich schon eine konkrete Stelle im Hinterkopf hätte.
Gabriele Bognitschar, Mentee des sechsten Programm-Jahrgangs.
Einmal pro Monat verabreden sich Dr. Sandra Krump und Gabriele Bognitschar nun zum Austausch. Die Themen, die dabei besprochen werden, stammen von der Mentee. Sie darf dabei alles fragen, was sie wissen möchte – von konkreten Organisationsthemen bis hin zu den philosophischen Grundlagen guter Führung. Auch die Möglichkeit zum „Shadowing“ wird angeboten. Das heißt, dass Gabriele Bognitschar ihre Mentorin zu Terminen begleiten darf, wo Führungskompetenz konkret erfahrbar wird. Beide hoffen darauf, dass das dann Termine im analogen Leben sein können. „Nicht nur die Mentee hat etwas vom Programm, sondern auch ich profitiere davon. Es ist total spannend, die Sichtweise der Mentee zu erfahren. Der konzentrierte Austausch über Führungsfragen ist ein Gewinn“, betont Dr. Sandra Krump.

Gabriele Bognitschar freut sich nun auf das, was vor ihr liegt: „Der Hildegardisverein und meine Mentorin stülpen uns thematisch nichts über, sondern sie bieten uns ein Silbertablett, von dem wir uns bedienen dürfen. Das ist einfach großartig.“

Text: Gabriele Riffert, freie Redakteurin
 

„Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“

Im Jahr 2014 beschloss die Deutsche Bischofskonferenz, den Anteil von Frauen in Führungspositionen innerhalb der katholischen Kirche auf mindestens 30 Prozent zu erhöhen. Dazu wurde unter anderem das Programm „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ aufgelegt, das vom Hildegardisverein verantwortet wird und in Kooperation mit mehreren Bistümern konzipiert wurde. 2016 startete der erste Durchgang. Die Erzdiözese München und Freising beteiligt sich an dem Programm seit dessen Beginn und ermöglicht pro Jahr jeweils drei Frauen diese Qualifikation. Seit 2019 erhält auch je eine Mentee des Hilfswerks Renovabis die Möglichkeit zum Cross-Mentoring durch eine Führungskraft der Erzdiözese. Im Juni 2021 startete die nunmehr sechste Kursphase.

Das Programm basiert auf drei mehrtägigen Seminaren zu Führungsthemen, der Begleitung durch erfahrene Mentorinnen und Mentoren, Intervisionsgruppen der Mentees für einen spezifischen Austausch untereinander und nicht zuletzt auf der praktischen Ausarbeitung eines Projekts jeder Mentee. Im Jahr 2024 soll überprüft werden, wie sich der Anteil an weiblichen Führungskräften in der Kirche entwickelt hat.