Fastenzeit - Geistliche Impulse für mehr Achtsamkeit von Dr. Gabriela Grunden, Leiterin der Abteilung Spiritualität und des Fachbereichs Exerzitien

In der Fastenzeit laden wir ein, dem eigenen Leben mit mehr Achtsamkeit zu begegnen. Jede Woche neu folgt ein Impuls, der Sie begleitet - ganz ohne Verzicht, sondern mit mehr Zuwendung zu sich selbst.
 

2. Woche in der Fastenzeit: Hören - "So sei du dein, so werde ich dein sein!"

Kopf einer Jugendlichen mit Herzen im Gesicht
«Du hörst mir gar nicht zu.» Wie schnell kann das passieren. Eine WhatsApp ist angezeigt, etwas anderes, das unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, und dann ist es vorbei mit dem aufmerksamen Hören. Dann gehen die Worte des Gegenübers an uns vorbei ins Leere. Vielleicht sind wir auch einfach bei einem losen Faden des Gesprächs hängen geblieben, haben ihn für uns weitergesponnen und darüber den Anschluss verloren. Das passiert ganz ohne böse Absicht.

Wer hören will, in welcher „Sprache“ Gott spricht, der benötigt Stille und Schweigen und ein  hörendes Herz. Der Alltagslärm überfordert. Wir können uns schlecht schützen vor dem, was zu laut, zu viel oder einfach unangenehm, unbequem zu hören ist. Wir haben Augenlider, aber keine Ohrenlider (Fulbert Steffensky).

Nach biblischem Verständnis ist das Herz das Organ des Intellekts, wo alle Sinneswahrnehmungen zusammenlaufen, gespeichert und verarbeitet werden: All unser Denken, Fühlen, Spüren, Sehen, Hören. Gott kommt uns durch die Sinne in den Sinn. Das erlebt man immer wieder in Exerzitienbegleitungen. Ein hörendes, fühlendes, sehendes, denkendes Herz, will ersehnt, erbetet sein. Ob wir uns im Alltag oder in Exerzitien zum Gebet sammeln, immer geht es darum, die Sinne zu öffnen und zu entschlacken von den Bildern und Vorstellungen, die wir uns von uns selbst und von Gott machen.

Nikolaus von Kues hat Gottes Stimme so erfahren: „Und wie ich im Schweigen der Betrachtung ruhe, antwortest du mir, Herr in der Tiefe meines Herzens. Und du sagst: So sei du dein, so werde ich dein sein!“
 

1. Woche in der Fastenzeit: „Achtsam mitgehen mit deinem Gott“ (Micha 6,8)

Tasse Tee auf Nachttisch neben Bett
Die Fastenzeit lädt dazu ein, den seelischen Kompass auf Gott neu auszurichten: wach, aufmerksam, achtsam. Achtsamkeit beginnt im Kleinen.
Ein paar Anregungen: 
  • Den Morgen bewusst beginnen. Bei einer Tasse Kaffee oder Tee (Handy ausschalten), eine Kerze entzünden und drei Minuten oder mehr in Stille da sein.
  • Einem Menschen mit Aufmerksamkeit zuhören (Handy auf lautlos stellen).
  • Einmal täglich auf mein Herz hören.
  • Den Abend ausklingen lassen mit einem kurzen Rückblick auf den Tag: Worüber habe ich mich gefreut? Wofür bin ich dankbar?
Achtsam leben heißt auch, sich nicht gefangen nehmen lassen von Ärger, Pessimismus und Resignation.

Niemand braucht den Weg allein zu gehen. Gott geht mit und sucht mitgehende Menschen. „Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte lieben und achtsam mitgehen mit deinem Gott.“ Micha 6,8

Spiritualität
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Abteilungsleiterin:
Dr. Gabriela Grunden