Kardinal Marx: „Die Taufe ist der Schlüssel“ Diözesaner Seelsorgetag in Rosenheim nahm "Taufe und Zugehörigkeit" in den Fokus

Kardinal Reinhard Marx hat beim Diözesanen Seelsorgetag 2024 die Relevanz der Taufe für das kirchliche Leben betont. „Die Taufe ist der Schlüssel. Damit beginnt das Leben als Christ. Da öffnet sich der Himmel und er soll nie wieder geschlossen werden“, sagte der Erzbischof von München und Freising am 16. Mai 2024 in Rosenheim. 
 
Kardinal Reinhard Marx im Gespräch beim Seelsorgetag
Kardinal Reinhard Marx im Gespräch auf dem Seelsorgetag
Kardinal Reinhard Marx hat auf dem Diözesanen Seelsorgetag in Rosenheim alle Anwesenden dazu eingeladen, den Blick zu weiten, was die Auswirkungen veränderter Lebensrealitäten für das Thema Taufe in der Gesellschaft bedeute. Zwar werde „dieses Schema, dass Kinder geboren und in der Regel getauft werden“, zumindest in Bayern absehbar weiter Bestand haben. Jedoch müsse auch an die gedacht werden, „die sonst noch da sind, die noch nicht getauft sind“, so der Erzbischof von München und Freising.
 
Zuhörer auf dem Seelsorgetag 2024
Zuhörende in Rosenheim
Mehr als 200 Seelsorgende, Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten nahmen an der vom Ressort "Seelsorge und kirchliches Leben" des Erzbischöflichen Ordinariats München (EOM) organisierten Veranstaltung teil, ebenso Generalvikar Christoph Klingan und Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg, Bischofsvikar für die Region Süd der Erzdiözese.
 
Kardinal Marx wies darauf hin, dass die Zahl der Jugendlichen und Erwachsenen, die nicht getauft seien, von Jahr zu Jahr steige. Deshalb müsse man hinsichtlich der Zukunft der Kirche nicht nur auf die Kirchenaustrittszahlen blicken, „sondern auch auf die Zahl der Menschen, die gar nicht erst durch die Taufe in die Kirchenzugehörigkeit eingetreten sind“. Einen besonderen Stellenwert nehme in diesem Kontext die kirchliche Jugendarbeit ein: „Das ist mir ein großes Anliegen – da müssen wir uns neu Mut machen, in die Jugendarbeit und die Arbeit mit jungen Familien zu investieren. Denn in diesen Bereichen geschieht Entscheidendes“, so Marx.

Der Seelsorgetag, so der Erzbischof, solle die pastoral Wirkenden „ermutigen, das Thema Taufpastoral noch stärker in den Blick zu nehmen“, auf dass man sich gegenseitig bestärke, auch neue Wege zu gehen. Es müsse der Anspruch sein, so Kardinal Marx, die Taufe „von einem einmaligen Akt in eine Begleitung junger Menschen und Familien hineinzuführen“.
 
Bertram Stubenrauch
Bertram Stubenrauch
Bertram Stubenrauch, Direktor des Lehrstuhls für Dogmatik und Ökumenische Theologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, beschäftigte sich in einem Impuls mit der Frage, wie die hiesige Gesellschaft seiner Meinung nach auf Riten allgemein und insbesondere den Taufritus blickt. Der Theologe verwies darauf, dass die moderne westliche Gesellschaft wohl eine „Zuspitzung der Wende zum Subjekt“ erlebe, beziehungsweise einen gesteigerten Individualismus. Zwar seien Riten nach wie vor beliebt, um Gemeinschaft zu stiften. Jedoch sollten sie „schön, austauschbar und wandelbar“ sein, aber seien „nicht unbedingt auf das Transzendente bezogen“ und sollten keine Art von Bevormundung durch Institutionen darstellen. Es gebe somit eine rasante Säkularisierung nach dem Motto „Ritus ja, Kirche nein“.

Diese Entwicklung betreffe auch die Taufe. Jedoch gehe es bei der Spende der Taufe aus Sicht Stubenrauchs „nicht darum, dass es einfach schön ist“. Die Frage müsse vielmehr lauten: „Was machen Sie eigentlich, wenn Sie taufen?“ Taufe sei nicht voraussetzungslos, so Stubenrauch, sondern immer an den sie begründenden theologisch-kirchlichen Rahmen gebunden. Es brauche diesbezüglich eine Vergewisserung, „sonst wurschteln wir so durch die Gegend.“ Von sehr niedrigschwelligen Angeboten wie einer „Taufe to go“, die quasi im Vorbeigehen in der Fußgängerzone gespendet werde, halte er nichts, so der Dogmatiker. Stattdessen gelte es, die besondere Bedeutung der Taufe zu verstehen, vorzuleben und zu transportieren - in der Taufvorbereitung wie auch in der Taufe selbst.
 
David Gutmann bei seinem Impulsvortrag auf dem Seelsorgetag in Rosenheim
David Gutmann
David Gutmann vom Kompetenzzentrum Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer Freiburg stellte die Entwicklung von Kirchenbindung und Entwicklung der Taufzahlen dar und leitete davon ab, wie wichtig eine „Mitgliederorientierung als Zukunftsaufgabe von Kirche“ sei. Zur Schilderung der Entwicklung bezog er sich vor allem auf die sechste Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU) mit dem Titel „Wie hältst du's mit der Kirche?“, die vergangenen November von der Evangelischen Kirche in Deutschland vorgestellt wurde.

Vor dem Hintergrund hoher Austrittszahlen und eines demographischen Wandels sei es für Kirche dringend geboten, „nicht den Anschluss an den kulturellen Wandel zu verlieren“, erklärte Gutmann. Damit die Kirche insbesondere für die jüngsten Generationen attraktiv bleibe, empfahl er eine „Dienstleistungsorientierung“, um möglichst viele Menschen zu erreichen – auch beim Thema Taufe. Bei der Suche nach passenden Angebotsstrukturen, Mitgliederorientierung und Kommunikation sei wichtig „zu verdeutlichen, weshalb eine Kirchenmitgliedschaft sinnvoll ist“, so Gutmann.

Um werdende Eltern mit Blick auf die Taufe ihrer Kinder zu erreichen, müsse man bereits sehr frühzeitig in der Biographie ansetzen. Man müsse den "Entfremdungsprozess kommunikativ unterbrechen“, der oft nach der Firmung beginne. Gutmann betonte in diesem Zusammenhang ebenfalls den „unschätzbaren Wert der kirchlichen Jugendarbeit“. In allen Lebensphasen müsse die Kirche „Angebote bekannt machen, Danke sagen, Wertschätzung zeigen und Mitgliederkommunikation sowie Mitgliederorientierung stärken!“
 
Teilnehmende des Seelsorgetags im Gespräch
Angeregte Gespräche in den Workshops
Nach einer liturgischen Feier zur Tauferneuerung unter der Leitung von Kardinal Marx tauschten sich die Seelsorgenden mit den Impulsgebern Bertram Stubenrauch („Altgewohntes wandelbar? Taufe und Gottesbild – Taufe und Kirchenbild – Taufe und Amt“) und David Gutmann („Keine Angst vor Statistik! Perspektiven für den Umgang mit Statistik in der kirchlichen Arbeit“) in Workshops aus.

Weitere Workshops boten Josef Rauffer, Leiter der Abteilung „Liturgie" im Erzbischöflichen Ordinariat („Freudig lasst uns schöpfen lebendige Wasser aus den Quellen des Heiles – Anregungen zur Feier des Taufgedächtnisses"), und der Münchner Pastoralreferent Thomas Hürten („Was bewegt Menschen, sich taufen zu lassen – Erfahrungen aus der Glaubensorientierung“) an, um über den Umgang mit dem Taufsakrament ins Gespräch zu kommen.
 
Text: Hendrik Steffens, Stabsstelle Kommunikation, Mai 2024

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