Altarbild in der Kapelle des Erzbischöflichen Hauses, Palais Holnstein

Altarbild in der Kapelle des Erzbischöflichen Hauses, Palais Holnstein
Brigitte Stenzel, Maria, 2018, Öl auf Leinwand, 180 x 110 cm.
Bildquelle: Diözesanmuseum Freising / Foto: Walter Bayer
Die 1981 in Freising geborene Künstlerin Brigitte Stenzel gehört zur neuen Kunstbewegung der Neorealisten. Ihre Ausbildung absolvierte sie an der Münchner Kunstakademie und war Meisterschülerin von Anke Doberauer.

Das neue Altarbild ist ein Auftragswerk für den Erzbischöflichen Stuhl. Die Ikonografie folgt einerseits den klassischen Mustern, bricht sie jedoch auch, besonders durch die Abwesenheit des Engels. Der leicht geöffnete Vorhang mit dem Lichtschein steht nun für die göttliche Offenbarung der Inkarnation, das vorsichtige Staunen der jungen Frau, für das Geheimnis des Göttlichen in dieser Welt. Die sich aus dem Bild schleichende Schlange erinnert auch an bekannte ikonographische Vorlagen (Immaculata), in diesem Zusammenhang jedoch ist es eine zeitgenössische Interpretation der neuen Eva und dem Dilemma des Schuldigwerdens in dieser Welt.

Die Künstlerin identifiziert sich immer sehr stark mit ihren Werken und gab Maria ihre eigenen Gesichtszüge. Damit ist ein starker Moment der Identifikation geschaffen, der in der europäischen Kunstgeschichte eine durchaus starke Wirkungsgeschichte hat. Damit wird der theologische Gehalt radikal aktualisiert und personalisiert. Die Künstlerin hat mit ihrer gezielten Komposition (Bild und Altar) und Farbwahl den Altar im wahrsten Sinne zu einer Schwelle zwischen Realität und Transzendenz gemacht. Damit trifft sie den Kern der Idee des Altares.

Text: Steffen Mensch, Diözesanmuseum Freising

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