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Der Freisinger Domberg – ein Berg mit Geschichte

Domberg von Süden, Kupferstich von Matthäus Merian, 1644
Der Domberg von Süden. Kupferstich von Matthäus Merian, 1644
(Foto: Archiv des Erzbistums München und Freising)
Der Freisinger Domberg ist einer der Herzorte bayerischer Geschichte und Kultur. Schon in vorgeschichtlicher Zeit war die Anhöhe an der Isar, am Nordrand der Münchner Schotterebene besiedelt. Im 8. Jahrhundert stand auf ihr die Residenz eines bayerischen Teilherzogs. Dieser lud den aus der Nähe von Paris stammenden Bischof Korbinian ein, von hier aus den christlichen Glauben zu verkünden. Korbinian (+ um 730) wurde so zum geistlichen Vater des Bistums Freising, das 739 durch den heiligen Bonifatius in päpstlichem Auftrag errichtet wurde.
Mehr als ein Jahrtausend lang hatten die Fürstbischöfe von Freising auf dem Domberg ihren Sitz. Der Ruf der mittelalterlichen Domschule brachte ihm den Ehrentitel „mons doctus“ (gelehrter Berg) ein.
Domberg von Südwesten, Luftaufnahme, 1935
Der Barocksaal der Dombibliothek, ausgestattet um 1735
(Foto: Archiv des Erzbistums München und Freising)
Auf die Säkularisation des Fürstbistums 1802 folgte 1821 die Verlegung des Bischofssitzes nach München. Ab 1826 erhielt der Domberg eine neue Bestimmung als Ort der Priesterbildung mit Erzbischöflichem Knabenseminar, Domgymnasium, Priesterseminar und Philosophisch-Theologischer Hochschule. Hier studierte und lehrte zwischen 1945 und 1959 Joseph Ratzinger, später Erzbischof von München und Freising (1977-1982) und von 2005 bis 2013 Papst Benedikt XVI.
Domberg von Südwesten, Luftaufnahme, 1935
Der Domberg von Südwesten. Luftaufnahme um 1935
(Foto: Archiv des Erzbistums München und Freising)
Nach Verlegung bzw. Schließung von Seminaren und Hochschule hat die Erzdiözese München und Freising seit 1968 auf dem Freisinger Domberg eine Reihe bedeutender Kultur- und Bildungseinrichtungen versammelt: Das Bildungszentrum Kardinal-Döpfner-Haus, das Diözesanmuseum für christliche Kunst und die Dombibliothek.
Alljährlich treffen sich in Freising die bayerischen Bischöfe zur Freisinger Bischofskonferenz. Seit 1993 hat „Renovabis“, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, ihren Sitz auf dem Domberg, der somit weit nach Europa ausstrahlt.

Text: Dr. Roland Götz

Chronik

um 2000 v.Chr. erste, bronzezeitliche Siedlungsspuren
um 715 Residenz des bayerischen Teilherzogs Grimoald auf dem Domberg
um 724 Ankunft des hl. Korbinian
um 730 Tod des hl. Korbinian in Freising; Begräbnis in Mais bei Meran
739 kirchenrechtliche Errichtung des Bistums Freising durch den hl. Bonifatius in päpstlichem Auftrag; Einsetzung von Bischof Ermbert (+ 748)
764 Amtsantritt von Bischof Arbeo (+ 783), des ersten bayerischen Geschichtsschreibers; erste Blüte der Freisinger Schreibschule
768 Überführung der Reliquien des hl. Korbinian in den Freisinger Dom
um 860 Neubau des Doms durch Bischof Anno (+ 875)
955 wunderbare Rettung des Dombergs vor angreifenden Ungarn auf Fürbitte des hl. Bischofs Lantpert
um 1060 Gründung des Kollegiatstifts St. Andreas
1138 Amtsantritt von Bischof Otto I. von Freising (+ 1158), des größten mittelalterlichen Geschichtsschreibers, der den Domberg zu einem Zentrum der Bildung macht
1159 Brand des Doms, nachfolgend Neubau als dreischiffige romanische Basilika mit Krypta
um 1290 Ausbildung der fürstbischöflichen Landesherrschaft mit dem Domberg als Regierungssitz und dem „Freisinger Mohren“ als Wappen
1319 Errichtung des Kollegiatstiftes St. Johann Baptist und Bau der frühgotischen Johanniskirche
um 1320 Neubau der spätmittelalterlichen Residenz
um 1340 Bau der gotischen Benediktuskirche
um 1450 Bau des Domkreuzgangs
um 1480 Erneuerung der Befestigung des Dombergs mit zwei Toren
1519 Renaissance-Arkaden im Hof der fürstbischöflichen Residenz
1534 Bau des Philipps-Schlosses als Alterssitz für Fürstbischof Philipp Pfalzgraf bei Rhein (+ 1541)
1617 Einrichtung der frühbarocken Bischofskapelle im Residenzturm
um 1625 erste Barockisierung des Doms
1670 Bau des Marstall- und Galerietrakts am Domhof
1682 Bau von Belvedere und Fürstengang; damit Vollendung des Domhofs
1710 Anbau der Maximilianskapelle an die Domkrypta
1716 barocke Umgestaltung von Domkreuzgang und Benediktuskirche
1724 barocke Umgestaltung des Doms zur 1.000-Jahr-Feier der Ankunft des hl. Korbinian
1732 Errichtung des Barocksaals der Dombibliothek über dem Domkreuzgang
1802 Säkularisation des Fürstbistums
1803 Tod des letzten Fürstbischofs Joseph Konrad von Schroffenberg
1804 Abbruch der Stiftskirche St. Andreas
1821 Umzug der Bistumsverwaltung nach München
1826 Errichtung des Erzbischöflichen Klerikalseminars (Priesterseminars) in der ehem. fürstbischöflichen Residenz
1828 Errichtung des Knabenseminars und des Domgymnasiums
1834 Errichtung des Königlichen Lyzeums (seit 1923 Philosophisch-Theologische Hochschule)
1850 erste Freisinger Bischofskonferenz der bayerischen Bischöfe
1858 Aufstellung des Denkmals für Bischof Otto I. im Domhof
1868 Neubau des Knabenseminars
1896 Neubau des Domgymnasiums
1902 Erweiterung des Priesterseminars
1942 Beginn der Korbinianswallfahrt der Jugend
1959 Neubau des Erweiterungsbaus des Priesterseminars
1968 Verlegung des Priesterseminars nach München; Aufhebung der Philosophisch-theologischen Hochschule
1968 Eröffnung des Bildungszentrums der Erzdiözese (seit 1977 Kardinal-Döpfner-Haus) in der ehem. fürstbischöflichen Residenz
1972 Schließung des Knabenseminars
1974 Eröffnung des Diözesanmuseums für christliche Kunst im ehem. Knabenseminar
1981 Umzug des Domgymnasiums ins Philipps-Schloss
1983 Erhebung des Doms zur Konkathedrale des Erzbistums
1993 Gründung von „Renovabis“, der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, mit Sitz auf dem Domberg
1994 Eröffnung der neuen Dombibliothek am Domhof
2006 Besuch von Papst Benedikt XVI.
2014 Auftakt zur Neugestaltung des Dombergs
2015 Veröffentlichung der bei einem Architekturwettbewerb prämierten Entwürfe für die Neugestaltung des Diözesanmuseums
2017 Vorstellung der in einem Architekturwettbewerb ermittelten Siegerentwürfe für die grundlegende Sanierung und den teilweisen Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses
2018 Baustelleneinrichtung und Beginn der Neugestaltung des Dombergs
2019 Weiterführung der Baumaßnahmen zur Domberg-Neugestaltung, Anpassung der Planungen für das Kardinal-Döpfner-Haus