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180517_Titelbild Dom
Bild: Dompfarrei

Kirche im Fokus: Dom Zu Unserer Lieben Frau


Am so genannten Brautportal an der Südseite des Münchner Liebfrauendoms weist eine Tafel auf deren Baubeginn hin, der sich heuer zum 550. Male jährt. Herzog Sigismund hat am 9. Februar 1468 den Grundstein gelegt. Für den 14. April 1494 ist dann die Weihe der Frauenkirche, wie sie die Münchner noch heute nennen, überliefert. Damals hatte die Stadt 10.000 Einwohner, von denen die meisten in niedrigen Handwerkerhäuschen und Hütten wohnten. Und mittendrin diese gewaltige Kirche! Der Legende nach wurde sogar der Teufel darauf aufmerksam, der Überirdisches vermutete, sich hinten in den noch nicht geweihten Raum hineinschlich und zunächst einen hellen, aber fensterlosen Raum erblickte. In seiner diabolischen Freude über die Dummheit der Erbauer, die vermeintlich die Fenster vergaßen, stampfte er auf und hinterließ den „Teufelstritt“. Als er weiter hineinschritt, sah er aber die vielen hohen Fenster in einem fast wandlosen Raum. Sein Ärger darüber ließ ihn aus der Kirche fahren, die er seitdem als Sturmwind umkreist.

Diese bekannte Legende, entstanden in der Barockzeit, als das Chorhauptfenster im Osten wegen des barocken Hochaltarbildes und des Bennobogens nicht sichtbar war, ist oft das Erste, was die vielen Besucher des Münchner Doms erfahren. Manche kommen überhaupt nur wegen des Teufelstritts in den Dom und machen es wie er: Sie stellen ihren Fuß in den Abtritt hinein, fotografieren von hinten den Raum und gehen zur nächsten Sehenswürdigkeit. Wer aber den Raum betritt und durchmisst, wer an den die mächtige Halle umgebenden Kapellen vorbeischreitet, dem öffnet sich eine Welt des Sakralen, der wird hineingenommen in einen Sog nach oben, der alles Profane vergessen lässt. Ein Gotteshaus – domus Dei!

Dabei war die Frauenkirche nicht von Anfang an Domkirche. Erst seit 1821 ist sie Bischofskirche der damals neu gegründeten Erzdiözese München und Freising, Kathedrale, denn dort steht die „Kathedra“, der Sitz des Bischofs. Dabei ist der Name „Frauenkirche“ die Verschmelzung des Titels der Schutzherrin, der Gottesmutter Maria, mit dem Kirchenbau der ehemaligen Pfarr- und Stiftskirche.

Unser Dom ist Glaubenszeugnis unzählig vieler Menschen, der Künstler aller Jahrhunderte, die in und an ihm gearbeitet haben, aber auch der, die dieses Gotteshaus mit geistlichem Leben erfüllt haben und immer wieder neu erfüllen. Für viele Menschen in unserer Stadt und unserer Diözese ist er Heimat, geistlich eben als Gotteshaus, aber auch als Identifikationssymbol und Wahrzeichen. Für all jene, die in dem Bau aus Steinen mehr sehen, als ein Kunstwerk, ist er Zeichen für die Anwesenheit Gottes, für sein Da-Sein inmitten der Stadt als maßgebende Mitte, die Orientierung gibt.

Apropos Orientierung: Eine besonders schöne Tradition christlichen Kirchenbaus haben die mittelalterlichen Baumeister in der Frauenkirche grandios umgesetzt. Die Kirche ist geostet – orientiert. Wenn man den Dom von Westen her betritt, nach alter Vorstellung dem Bereich des Weltlichen, der Dunkelheit, des Bösen, sieht man als einzige Lichtquelle das Chorhauptfenster. Wer den Dom von hinten nach vorne durchschreitet, geht den Weg aus der Dunkelheit (Sonnenuntergang, Westen) in das erwartete Licht (Osten). An sonnigen Tagen wird dies morgens eindrücklich erfahrbar. Die im Osten aufgehende Sonne bringt Licht und Leben in die Welt, gibt Orientierung. Sie ist Symbol des auferstandenen, erhöhten und wiederkommenden Christus, dessen Gegenwart wir im Dom zu Unserer Lieben Frau, der „Kirche im Zentrum“, erfahren und feiern dürfen.

Diakon Bernhard Stürber
Domzeremoniar