Barocke Krippen in der Erzdiözese München und Freising

„Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ (Lk 2,6-7)

In vielen Kirchen der Erzdiözese werden in diesen Tagen die Weihnachtskrippen aufgestellt, die für uns zum Sinnbild der Vorfreude auf die Geburt Christi geworden sind. Gerade barocke Krippen, die mancherorts noch erhalten sind und Jahr für Jahr ihren Platz finden, bezeugen die aufwendige und kunstfertige Gestaltung dieser Figurengruppen und ihre Überlieferung belegt zugleich die hohe Wertschätzung und Pflege, die ihnen über die Jahrhunderte zuteil wurde. Drei dieser Krippen der Barockzeit, die sich in St. Andreas in Elbach, in St. Johann Baptist in Sulzemoos und im Pfarrheim Mariä Himmelfahrt in Tuntenhausen befinden, werden neben einem kurzen Abriss über die geschichtliche Entwicklung der Weihnachtskrippe im Folgenden vorgestellt.
Elbach_Krippe 06_Geburt Jesu mit Cherubim
Weihnachtskrippe in St. Andreas, Elbach (Foto: EOM/Mülbe)
Die ersten Belege für Weihnachtskrippen in Bayern finden sich in den Jahren 1601 für Altötting und 1607 für St. Michael in München. Beide Krippen wurden von Jesuiten aufgestellt, die zugleich mit Philip de Berlaymont (1576 – 1637) den ersten Theoretiker des Krippenbrauchs hervorbrachten. Im Jahre 1616 legte er fest, dass die Krippe mit dem Kind zwischen Maria und Joseph in einer Hausruine aufgestellt werden soll. Am Dach sollte ein Stern befestigt sein und Hirten und Engel sollten der Szene beiwohnen. Die Anschaulichkeit des heilsgeschichtlich zentralen Ereignisses und die Anregung der Frömmigkeit standen für den Jesuiten im Vordergrund, eine Maßnahme also, die im historischen Kontext als gegenreformatorisches Programm gedeutet werden kann. Bis sich die Krippe auch in den Landkirchen durchsetzen konnte, dauerte es allerdings bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Zur selben Zeit wurden überall barocke Kirchenbauten errichtet, die oft von reichen Gönnern mitfinanziert wurden. Aufgrund der Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges war das Land verarmt und so verwundert es nicht, dass auch die Weihnachtskrippen, die vielerorts aus vielfigurigen Szenen bestanden, oft von hochrangigen Persönlichkeiten gestiftet wurden. Für die Ausgestaltung der Figurengruppen samt Kulissen konnte manch bekannter Künstler gewonnen werden: für Straubing schuf Cosmas Damian Asam 1707 mehrere Hintergründe und Rahmungen für die Krippe von St. Jakob und für Ettal ist Ignaz Günther für das Anfertigen von Krippenfiguren belegt. Meist waren es aber wohl einheimische Schnitzer und Maler, die mit den Arbeiten betraut wurden und Gewänder aus Seide, Damast und Samt mit Gold- und Silberspitze wurden nicht selten von ortsansässigen Näherinnen gefertigt, die zugleich Verschlissenes ergänzen konnten.

Charakteristisch für die Krippen der Barockzeit in Bayern ist der bühnenartige Aufbau in der Gestalt von kulissenartigen Rahmungen oder weiträumigen Miniaturlandschaften mit gemalten Hintergründen. Die Landschaften sind aus natürlichen Materialien wie Holz, Moos und Stein gefertigt und die antike Ruine, die auf den vorhergesagten Tempeleinsturz bei der Geburt Christi verweist, dient als Stall. Die Figuren sind entweder vollrund geschnitzt, oder sie bestehen aus Gliedern, sodass sie verschiedene Haltungen annehmen können. Die Kleidung, ob schlicht oder prachtvoll, je nach Rolle der entsprechenden Figur, geben Zeugnis über die regionale Tracht und Kultur damaliger Zeit. Bestehende Weihnachtskrippen wurden in den Folgejahren oftmals erweitert, sodass sie bald mancherorts an die 300 Figuren umfassten, mit denen man verschiedene Szenen darstellen konnte. Mancherorts wurden sogar eigens Regiebücher dafür verfasst.

St. Andreas, Elbach

Die Elbacher Krippe zeigt, wie die Frohe Botschaft der Menschwerdung Christi in unseren bayerischen Lebensraum eingefügt wurde. Bereits für das Jahr 1790 ist überliefert, dass der Mesner anhand vieler bekleideter und beweglicher Holzfiguren die Evangelien der Weihnachtszeit erklären konnte. Pfarrer Kreitmayer hat im Jahr 1851 seine eigene Krippe der Pfarrei vermacht, die harmonisch in den Bestand eingegliedert wurde. Köpfe, Körper und Gliedmaßen der etwa 30 cm großen Figuren sind aus Holz geschnitzt, farbig gefasst und lassen sich durch Holzgelenke oder Drahtverbindungen bewegen. Manche Figuren haben echtes Haar und gläserne Augen. Besonders Augenmerk verdienen die feinen, zum Teil noch originalen Gewänder, deren Pracht durch die Wahl erlesener Stoffe sowie durch die Gold- und Silberstickereien zum Ausdruck kommt. Eingebettet ist die Krippe in eine Landschaft aus Zweigen, Moos und Flechten in einem Berg aus gefärbten und mit Leim versteiften Rupfen. Daneben erhebt sich eine Stadt aus bemalten Brettern mit orientalischen und barocken Sakralbauten.

Elbach, St. Andreas
Weihnachtskrippe in der alten Sakristei
Besichtigungszeiten: Samstag, Sonntag ab 16.12.2017 bis 28.1.2018, jeweils von 14 - 16 Uhr
In den Ferien täglich von 14 - 16 Uhr, nach den Gottesdiensten und nach Absprache.

St. Johann Baptist, Sulzemoos

Die Krippe der Pfarrkirche St. Johann Baptist entstammt sicherlich dem späten 18. Jahrhundert. Die außerordentlich prachtvolle Krippe könnte im Zusammenhang mit den damals im Schloss Sulzemoos ansässigen Hofmarksherren in die Kirche gekommen sein. Die Figuren stellen bewegliche Gliederpuppen dar, die einen Korpus aus Draht, Stroh und Stoff besitzen. Ihre Arme und Beine sind aus Holz geschnitzt und die hoch qualitätvollen Köpfe aus Wachs geformt. Dadurch erhalten die Gesichter mit Glasaugen und zum Teil echtem Haar sehr lebensnahe Züge und die in großer Zahl noch erhaltenen barocken Kostüme zeigen eine außerordentlich reiche Ausgestaltung mit Stickerei und Spitze, die die kostbaren Gewebe schmücken. Daneben gewähren volkstümliche Gewänder Einblick in die Trachtenkultur damaliger Zeit. In einer neu angefertigten Landschaft schildern die dargestellten Personen und Tiere die Geburt des Kindes in der Vorstellung barocker Frömmigkeit.

Sulzemoos, St. Johann Baptist Ganzjahreskrippe in der Pfarrkirche
Besichtigungszeiten: Samstag, Sonntag und an den Feiertagen

Mariä Himmelfahrt, Tuntenhausen

Die Entstehung der barocken Krippe der Wallfahrtskirche in Tuntenhausen geht auf die Zeit des bayerischen Kurfürsten Maria Ferdinand (1636 – 1679) zurück und eine finanzielle Beteilung des Fürsten und seiner Frau Henriette Adelaide von Savoyen ist anzunehmen. Es ist überliefert, dass sie die besten Näherinnen und Stickerinnen aus ihrer Heimat mitbrachte, die damals die Bekleidungen der Figuren geschaffen haben könnten. Der größte, heute überlieferte Bestand entstammt wohl der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Figuren sind zumeist Gliederpuppen aus Holz und ihre fein geschnitzten Köpfe besitzen eine außerordentlich kunstfertige, farbige Ausgestaltung. Die Gewänder zeigen sich als einheimische Trachten, die vieles über die ländliche Bekleidungskultur der Barockzeit verraten, bis zu höfisch-vornehmer Kleidung. Letztere besteht aus feinsten Gold- und Silberstickereien auf erlesenen Stoffen wie Seide, Samt und Damast. Gemeinsam mit den zahlreichen Tieren und vielseitigen Architekturkulissen formieren sie die großartigen Szenerien, die die historischen Geschehnisse um die Geburt Christi zum Leben erwecken.

Tuntenhausen, Mariä Himmelfahrt Weihnachtskrippe im Keller des Pfarrheims
Besichtigungszeiten: an den Adventssonntagen 13 -16 Uhr
24.12.2017 – 6.1.2018 täglich 13 – 16 Uhr
6.1.2018 – 2.2.2018 sonntags 13 -16 Uhr
Kunst
Kapellenstr. 4
80333 München
Telefon: 089 2137-2635
Hauptabteilungsleiter:
Dr. Norbert Jocher,
Ordinariatsrat

Fachreferent für zeitgenössische Kunst und Kirche
Dr. Alexander Heisig
Telefon: 089 2137-2630
E-Mail: AHeisig@eomuc.de

Fachreferent für kirchliche Kunstpflege
Dr. Hans Rohrmann
Telefon: 089 2137-2630
E-Mail: HRohrmann@eomuc.de


Landkarte Weihnachtskrippen

Wo im Erzbistum es weitere Weihnachtskrippen zu bestaunen gibt, zeigt eine bebilderte Landkarte auf www.erzbistum-muenchen.de/kripperl.