Die eigene Berufung entdecken Pfarrer Klaus Hofstetter leitet die Berufungspastoral der Erzdiözese und unterstützt Menschen bei der Klärung ihres Berufs- und Lebensweges

„In jedem Menschen steckt ein Ruf Gottes. Die Frage ist nur, ob man ihn hört“, so sagt es Pfarrer Klaus Hofstetter. Er leitet die Berufungspastoral der Erzdiözese München und Freising und unterstützt Menschen dabei, dem Ruf zu folgen, der in ihnen ist. Dabei geht es ihm nicht nur darum, Priester, Ordensleute oder Gemeindereferentinnen zu finden: „Berufung ist kein rein geistlicher Begriff. In jedem Menschen sind Talente, Interessen, Leidenschaften angelegt.“ Es gehe darum, dieses Potential zu erkunden und dem eigenen Leben eine Richtung zu geben, die ihm entspricht.
 
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Die Berufungspastoral hilft bei der Orientierung auf dem eigenen Berufs- und Lebensweg
Wie kann das gelingen? Der Schlüssel ist in der Berufungspastoral das personale Angebot, der persönliche Austausch und die Begleitung durch Menschen, die bei der Klärung der eigenen Berufung unterstützen. Das gelingt durch ein tragfähiges Netzwerk und durch persönliche Präsenz, auch durch das Einbringen der jeweils eigenen Berufungsgeschichte. Neben eigenen Veranstaltungen und Gottesdiensten arbeitet die Berufungspastoral zum Beispiel mit den Schulen der Erzdiözese zusammen sowie mit dem Erzbischöflichen Jugendamt und den Jugendverbänden. Sie hat einen eigenen Raum im KorbiniansHaus der kirchlichen Jugendarbeit in München-Haidhausen und ist bei Veranstaltungen in der ganzen Erzdiözese präsent, überall dort, wo junge Menschen sind.

Bei der Jugendkorbinianswallfahrt hat Hofstetter zum Beispiel schon eine Talkrunde mit jungen Leuten auf die Beine gestellt, die sich auf der Bühne zum Thema Berufung austauschten und aus ihren eigenen Berufungsgeschichten erzählten. Wichtig bleibt auch das Gebet für geistliche Berufungen. Es gibt feste Tage, an denen in der ganzen Kirche für dieses Anliegen gebetet wird, aber auch zahlreiche Einzelinitiativen. „Das Gebet ist sehr wertvoll“, sagt Hofstetter. „Es ist das geistliche Fundament, auf dem alle anderen Aktivitäten und Angebote gründen.“

Niemanden zu einem geistlichen Beruf überreden

Hofstetter ist auch selbst in der Einzelbegleitung engagiert. Was ihm dabei wichtig ist: „Ich will niemanden zu einem geistlichen Beruf überreden. Ich will auch niemandem sagen, was das Beste für ihn ist – sondern ich unterstütze ihn dabei, das für sich selbst zu entdecken.“ Natürlich hat die Erzdiözese ein Interesse daran, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen. Die Berufungspastoral konzentriert sich dabei auf die geistlich orientierten Berufe: Priester, Diakone, Pastoralreferentinnen und -referenten, Gemeindereferentinnen und -referenten, Religionslehrkräfte, Ordensmitglieder und Mitglieder von geistlichen Gemeinschaften.

Sie arbeitet eng mit dem Fachbereich Strategische Personalentwicklung zusammen, der die zahlreichen weiteren Berufe in der Kirche im Blick hat: Erzieherinnen und Erzieher, Kirchenmusikerinnern und -musiker, Verwaltungskräfte und vieles mehr. Der Fachbereich kümmert sich auch um die übergreifende Präsenz der Erzdiözese als Arbeitgeberin, ist zum Beispiel auf Jobmessen präsent und kümmert sich um die Bespielung von Jobportalen.
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Berufungswege verlaufen heute weniger geradlinig als früher
Es ist nicht leicht, heutzutage Menschen für einen Beruf in der Kirche zu gewinnen. Zum allgemeinen Fachkräftemangel, der durch den demographischen Wandel bedingt ist und nicht nur die Kirchen trifft, kommen spezielle Faktoren hinzu: der Missbrauchsskandal, die Wahrnehmung von Kirche als Organisation, die sich mit Veränderungen schwertut, dazu eine schwindende religiöse Bindung in der Gesellschaft und generell ein Bedeutungsverlust großer Institutionen, auch der Kirchen. Welche Antwort hat die Berufungspastoral darauf? „Man darf diese Fragen nicht ignorieren, sie müssen ehrlich angeschaut werden“, sagt Hofstetter. „Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass Veränderung von innen möglich ist. Wer sich für ein Engagement in der Kirche, sei es hauptberuflich oder ehrenamtlich, entscheidet, der hat auch die Chance, Kirche zu gestalten.“

Manchmal braucht es eine Krise und Neuorientierung

Ein Gutes hat der gesellschaftliche Wandel jedenfalls: „Niemand geht heute mehr zur Kirche, weil es die Eltern so wollen oder weil sozialer Druck ausgeübt wird. Wer kommt, der kommt bewusst und aus freiem Entschluss.“ Motivationen dafür gibt es viele. Hofstetter berichtet von einer jungen Frau, die aus wissenschaftlichem Interesse ein Theologiestudium begann und sich bald für die begleitende Ausbildung zur Pastoralreferentin entschied. Oder von einem jungen Mann, der sich jahrelang in einer Pfarrei in der Firmvorbereitung engagierte, dann sein Ehrenamt zum Beruf machen wollte und nun Religionslehrer wird. Oder von einem erfolgreichen Manager, der sich irgendwann fragte, ob das, was er in seinem Beruf erlebte, schon alles im Leben gewesen sei. Mittlerweile bereitet er sich auf die Weihe zum Diakon vor.

Insgesamt verliefen Berufungswege heute weniger geradlinig als früher, erklärt Hofstetter. „Abitur, Priesterseminar und Theologiestudium, Priesterweihe mit 26, wie das bei mir war – das gibt es immer seltener.“ Viele Menschen arbeiten zuerst in einem anderen Beruf, bevor sie sich für die Kirche entscheiden. Aus Sicht von Hofstetter durchaus ein Vorteil: „Man lernt etwas anderes kennen, macht Erfahrungen, von denen man später profitieren kann und die auch eine Bereicherung in der Seelsorge sein werden.“ Er ermutigt generell dazu, offen für Veränderungen zu bleiben. „Vielleicht entdecke ich das volle Potenzial, mit dem Gott mich ausgestattet hat, erst später im Leben. Manchmal braucht es dazu auch eine Krise, eine Zeit der Klärung und Neuorientierung“, sagt Hofstetter. „Der Ruf ist immer da, und es ist nie zu spät für eine Antwort.“

Bettina Scharnhorst, Stabsstelle Kommunikation

 
Ein Angebot der Berufungspastoral ist der Wort-des-Lebens-Treff für junge Erwachsene Er findet monatlich als Videokonferenz statt, zum nächsten Mal am Sonntag, 5. Dezember, um 18 Uhr, und bietet Gelegenheit, über Bibelverse ins Gespräch zu kommen und sie als Orientierung für das eigene Leben zu nutzen. Unter dem Titel „Happy Ending“ lädt die Berufungspastoral zusammen mit den Schwestern vom Heiligen Kreuz in Altötting zu gemeinsamen Tagen über den Jahreswechsel ein. Für nähere Informationen und zur Anmeldung können sich Interessierte an klhofstetter@eomuc.de wenden.
 
Berufungspastoral
Kapellenstr. 4
80333 München
Telefon: 089 2137-77312
KlHofstetter@eomuc.de

Leiter der Stabsstelle:
Klaus Hofstetter, Pfarrer

Mitarbeiterin:
N.N., Ordenschristin (ab 1.1.2022)

Vier Fragen an Pfarrer Klaus Hofstetter

Interview mit dem Leiter der Berufungspastoral

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