Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos
Mit Dekret vom 18. Oktober 2018 hat die Religiosenkongregation des Vatikan Sr. M. Benedicta Tschugg OSCCap. zur apostolischen Kommissarin für das Kloster Reutberg ernannt, wodurch das Erzbistum im Augenblick nicht für Reutberg zuständig ist. Die Homepage „Reutberg retten“ spiegelt den Stand bis zum Wirksamwerden dieses Dekrets.
 

Fragen und Antworten

 

Häufig gestellte Fragen zur Auflösung des Klosters Reutberg

Warum steht die Auflösung des Konvents der Franziskanerinnen am Reutberg zur Entscheidung an?

Bereits 2013 hat der Vatikan den Schwestern mitgeteilt, dass die Auflösung des Konvents unausweichlich ist. Als Gründe für die notwendige Auflösung nennt Rom: die geringe Anzahl der Schwester, wobei damals noch vier der insgesamt sieben Schwestern auf dem Reutberg lebten, das hohe Alter der meisten Schwestern und die Tatsache, dass der Konvent schon seit dem Jahr 2008 keine eigene Oberin hat. Wörtlich heißt es in dem Brief, dass „die Auflösung des Klosters unvermeidlich ist“ und die Schwestern eine Entscheidung bezüglich der Übersiedlung in ein Schwesternaltenheim treffen mögen, um dort weiterhin als Gemeinschaft leben zu können (Schreiben der Religiosenkongregation/Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und Gesellschaften des Apostolischen Lebens vom 21. August 2013).
 
Welche Schwestern leben am Reutberg?

Zwei der heute nur noch vier zum Konvent gehörenden Schwestern leben im Reutberger Kloster: Schwester M. Faustina (50 Jahre) und Schwester M. Augustina (90 Jahre). Eine weitere Schwester lebt im Ordensaltersheim St. Hildegard der Barmherzigen Schwestern, Bad Adelholzen. Eine vierte Schwester lebt seit Jahren außerhalb der Gemeinschaft auf dem Reutberg und ist zum Zweck ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit beurlaubt. Sie zieht einen Austritt ernsthaft in Erwägung.

Warum ist die Zahl der Schwestern im Kloster Reutberg so stark zurückgegangen?
 
1999 gab es im Kloster Reutberg noch 17 Schwestern. Viele waren bereits in fortgeschrittenem Alter und sind mittlerweile verstorben, mehrere jüngere Schwestern sind ausgetreten. Zugleich gab es seit längerer Zeit am Reutberg kaum Eintritte. Von Nachwuchsmangel sind viele Ordensgemeinschaften betroffen. Beim Kloster Reutberg kommt hinzu, dass es seit mehreren Jahrzehnten kaum Berufungspastoral und Ausbildung gab, wie eine päpstliche Untersuchung im Jahr 2008 ergab: „Die gesamte Ausbildung – angefangen bei der faktisch nicht vorhandenen Berufungspastoral – über die Zulassung von Kandidatinnen und die Noviziatsausbildung werden seit 20 Jahren kaum noch angemessen wahrgenommen.“ Spätestens seit dem Jahr 2010 war der Orden ohne Oberin, Novizenmeisterin und Schwesternrat ohnehin nicht mehr in der Lage, Novizinnen aufzunehmen und sie auszubilden.
 
Warum gibt es keine neuen Schwestern am Reutberg?

Eine Ordensgemeinschaft muss zur Ausbildung (Gebetsleben, Formen der Spiritualität, Umgang mit Keuschheit und Armut, Theologie) neu aufzunehmender Schwestern personell in der Lage sein. Das ist am Reutberg seit Jahren nicht mehr der Fall. Die Regeln der Reutberger Schwestern schreiben vor, dass die Aufgabe der Ausbildung der von der Oberin bestellten Novizenmeisterin zufällt. Oberin und die sie beratenden Schwestern  bestimmen nach der mehrjährigen Ausbildung über die Aufnahme für immer (Zulassung zur ewigen Profess). Alle Konventmitglieder begleiten die auszubildenden Schwestern durch ihr Beispiel und Gebet. Die vom Reutberger Konvent selbst aufgestellten Anforderungen zur Aufnahme neuer Schwestern, die denen anderer klösterlicher  Gemeinschaften vergleichbar sind, sind nicht erfüllbar, weil es keine Oberin, keinen Rat der Schwestern und keine Novizenmeisterin mehr gibt.
 
Wann muss ein Kloster aufgelöst werden?

Ein Konvent muss rechtlich und tatsächlich selbständig existieren können. Voraussetzungen hierfür sind: die Leitungsämter, beispielsweise das Amt der Oberin und eine Schwester, die für wirtschaftliche Fragen und Verwaltung zuständig ist, müssen besetzt werden können, die Gemeinschaft darf nicht überaltert sein und die Zahl der Schwestern darf nicht zu gering sein. Im Fall der Organisationsform des Reutberger Konvents darf die Zahl 5 nicht unterschritten werden (vgl. Artikel 8 der Apostolischen Konstitution „Vultum Dei quaerere“ von Papst Franziskus http://w2.vatican.va/content/dam/francesco/pdf/apost_constitutions/documents/papa-francesco_costituzione-ap_20160629_vultum-dei-quaerere_ge.pdf
Wer entscheidet über eine Auflösung?

Die Entscheidung über die Auflösung einer Ordensgemeinschaft liegt allein bei der Religiosenkongregation in Rom. Dies ist in Kanon 584 des Codex Iuris Canonici, dem weltweit gültigen Recht der katholischen Kirche, so festgelegt.
 
Auf welcher Grundlage entscheidet Rom?

Es ist Aufgabe der Oberin wie auch des Ortsbischofs, die Religiosenkongregation über die Situation des Klosters regelmäßig zu informieren. Darüber hinaus kann die Religiosenkongregation einen eigenen Visitator schicken, der in ihrem Auftrag die Situation eines Klosters unabhängig prüft. Dies ist für Kloster Reutberg im September 2008 geschehen, als der Franziskanerpater Claudius Groß OFM eine Apostolische Visitation durchführte. In seinem Bericht heißt es: „Die gesamte Ausbildung – angefangen bei der faktisch nicht vorhandenen Berufungspastoral – über die Zulassung von Kandidatinnen und die Noviziatsausbildung werden seit 20 Jahren kaum noch angemessen wahrgenommen. (…) In gleichem Maß ist auch die permanente spirituelle Weiterbildung auf einem Stand geblieben, der neuen Formen kaum eine Chance lässt“. Der Altersdurchschnitt der Schwestern beträgt zum Zeitpunkt der Visitation 70 Jahre.
 
Warum wurde in Reutberg bereits  2010 ein Verwalter eingesetzt?

Die Gemeinschaft am Reutberg war personell nicht mehr in der Lage, eine eigene Oberin zu wählen und weitere Aufgaben, wie etwa der Ökonomin (zuständig für wirtschaftliche Fragen), Schwestern zu übertragen. Als zuständiger Ortsbischof ernannte Kardinal Marx deshalb im April 2010 Domkapitular Lorenz Kastenhofer zu seinem Beauftragten für das Kloster „zur Sorge, Verantwortung, Aufsicht und Entscheidungskompetenz in spirituellen, geistlichen und die klösterliche Disziplin betreffenden Belangen der Schwestern“. Den wirtschaftlichen Bereich übertrug Kardinal Marx einem externen Verwalter unter der Aufsicht der Erzbischöflichen Finanzkammer, der vom Kloster nach dem im Verwaltungsbereich für Art und Umfang der Aufgaben üblichen Stundensatz vergütet wird.
 
Warum ist ein eigener Verwalter für das Kloster Reutberg nötig?

Der Verwalter nimmt die Aufgaben des Klosters im wirtschaftlichen Bereich wahr, wie es im Normalfall eine damit beauftragte Schwester, die Ökonomin, tun würde. Der Verwalter wird vom Erzbischof eingesetzt, da es im Kloster Reutberg auch keine Oberin mehr gibt, die dies selbst tun könnte. Zu den Aufgaben des Verwalters, für die entsprechende Fachkenntnisse notwendig sind, gehören unter anderem Vertragsverwaltung, Buchhaltung und Rechnungswesen, Versicherungswesen  sowie die allgemeine Organisation. Er kümmert sich um die Mitarbeiter, um die Liegenschaften, um die Wirtschaftsbereiche wie die Landwirtschaft und den Klosterladen sowie um Baumaßnahmen. Da der Verwalter die wirtschaftlichen Interessen des Klosters auch gegenüber dem Erzbistum vertritt, ist es wichtig, dass er selbstständig arbeitet. Seine Aufgabe kann also nicht von der Finanzkammer des Erzbistums wahrgenommen werden. Zudem ist es wichtig, dass der Verwalter vor Ort am Reutberg präsent ist. So kann er zum Beispiel den Kontakt zur Klosterbrauerei und zur Kommune leichter halten. Der Verwalter wird vom Kloster nach dem im Verwaltungsbereich für Art und Umfang der Aufgaben üblichen Stundensatz vergütet.
 
Welche Rolle haben das Erzbistum München und Freising und der Erzbischof?

Zunächst versucht die Religiosenkongregation im direkten Kontakt mit dem selbständigen Konvent dessen Auflösung vorzubereiten, wenn diese unvermeidlich ist. Dazu diente das bereits oben erwähnte Schreiben an die Schwestern  vom 21. August 2013, in dem es heißt, dass „die Auflösung des Klosters unvermeidlich ist“ und die Schwestern eine Entscheidung bezüglich der Übersiedlung in ein Schwesternaltenheim treffen mögen. Doch die Schwestern haben keine Entscheidung getroffen. Daraufhin kam die Religiosenkongregation zu der Überzeugung, dass die Schwestern sich weigern, die unvermeidliche Auflösung des Klosters zu akzeptieren und an den hierfür notwendigen Entscheidungen mitzuwirken. Daher wurde im Februar 2016 der Erzbischof von München und Freising von der Religiosenkongregation ausdrücklich beauftragt zu klären, wie sich die nun noch verbliebenen vier Schwestern ihre Zukunft ohne den Reutberg vorstellen, und der Religiosenkongregation „die Ausführung dieser Anweisung zu bestätigen“.
Was wird nach der Auflösung des Klosters aus den verbliebenen Schwestern?

Die Entscheidung, welchen weiteren Weg die Schwestern nach der Auflösung ihres Konvents gehen wollen, liegt bei ihnen. Sie können beschließen, das Ordensleben aufzugeben oder einen anderen Orden suchen. Da Ordensleben immer an eine Gemeinschaft gebunden ist, kann es ein Ordensleben außerhalb einer Gemeinschaft auf Dauer nicht geben.  Diese beiden Möglichkeiten des Austritts oder des Übertritts hat die Religiosenkongregation auch den Schwestern vom Reutberg genannt. Diejenigen, die sich im Altenheim befinden, bleiben aufgrund des sehr hohen Alters weiter in der Gemeinschaft des Schwesternaltenheims Adelholzen. Die anderen müssen bei einem Austritt auf jeden Fall entsprechend den in Deutschland geltenden gesetzlichen Vorschriften in der Rentenversicherung nachversichert werden, dies wird wie üblich aus dem vorhandenen Kapital des Ordens finanziert. Darüber hinaus erhalten sie das Erbe, das sie bei ihrem Ordenseintritt mitgebracht haben, wieder zurück. Sie werden aus den Mitteln des aufgelösten Klosters für eine gewisse Zeit unterstützt, um in einem Beruf Fuß fassen zu können. Wenn sie in ein anderes Kloster übertreten, hat dieses Kloster dann auch die Pflicht, die Schwestern zu versorgen, weshalb ein solches Kloster vom aufzulösenden Kloster immer auch entsprechende Zahlungen erhalten wird. Wenn die Schwestern nicht selbst über ihre Zukunft entscheiden und einen der beiden Wege wählen, wird die Religiosenkongregation letztlich eine Entscheidung treffen, die die Schwestern dann akzeptieren müssen. Für ältere, gerade pflegebedürftige Schwestern trägt das Erzbistum Sorge und stellt Pflege und Versorgung sicher.
 
Was wird aus dem ehemaligen Spiritual der Schwestern, Monsignore Beheim?

Über seine Zukunft werden jetzt Gespräche geführt. Die Verantwortlichen im Erzbistum haben mit  Monsignore Beheim vereinbart, dass er in Absprache mit dem Ortspfarrer bis auf Weiteres am Reutberg seine bewährte pastorale Arbeit fortsetzen und Gottesdienste halten wird.
 
Was passiert nach der Auflösung mit dem Besitz des Klosters Reutberg?
 

Die Franziskanerinnen am Reutberg haben in ihren Ordensregeln in eigener Verantwortung festgelegt, dass im „Fall der Auflösung des Klosters Reutberg (…) das Klostervermögen an das Erzbistum München und Freising“ fällt. Dabei beziehen die Schwestern sich in ihren Ordensregeln auf das Kirchenrecht: Ein rechtlich selbstständiges Nonnenkloster aufzuheben, steht dem Apostolischen Stuhl zu, unbeschadet der Vorschriften der ordenseigenen Regeln hinsichtlich des Vermögens. Rom wird bei der Übertragung des Besitzes dem Willen der Schwestern entsprechend vorgehen.  Im vergleichbaren Fall des ehemaligen Birgittinnen-Klosters von Altomünster wurden dem Erzbistum Liegenschaften im Wert von etwa 10 Millionen Euro übertragen. Dem stehen unausweichliche Investitionen wie die Sanierung der Gebäude und die Restaurierung von Kunstgegenständen oder Archivalien  von mindestens  40 Millionen Euro gegenüber. Auch im Fall Reutberg sind erfahrungsgemäß sehr hohe Kosten für Renovierung und Umbau zu erwarten.
 
Kann es passieren, dass die vatikanische Religionskongregation das Kloster Reutberg doch nicht auflöst?

Die vatikanische Religiosenkongregation hat bereits entschieden, dass das Kloster Reutberg aufgelöst wird. Es ist nicht davon auszugehen, dass sie ihre Entscheidung zurücknehmen wird. Die Kongregation kann nicht beliebig entscheiden. Es gibt klare Voraussetzungen dafür, dass ein Kloster weiter existieren kann. Dazu gehört, dass die Leitungsämter besetzt werden können, dass die Gemeinschaft nicht überaltert ist und dass die Zahl der Schwestern nicht zu gering ist. All diese Voraussetzungen erfüllt das Kloster Reutberg nicht. Davon abgesehen ist es Aufgabe und Anliegen der Religionskongregation wie auch des Erzbistums München und Freising, klösterliches Leben zu fördern und zu unterstützen. Die Schließung von Klöstern ist immer nur die allerletzte Möglichkeit. Wenn Kloster Reutberg also eine Chance auf eine Zukunft hätte, hätte die Religiosenkongregation seine Auflösung gar nicht erst beschlossen.
 

Häufig gestellte Fragen nach Alternativen zu einer Auflösung von Kloster Reutberg


Könnten Schwestern einer anderen Gemeinschaft die Reutberger Schwestern unterstützen?
 
Grundsätzlich ist die Unterstützung eines Klosters durch ein anderes Kloster möglich. Diese Unterstützung kann eine vorübergehende Hilfe in einer Notsituation sein, dabei darf jedoch die Selbständigkeit des Klosters nicht beeinträchtigt werden. Wenn ein Kloster in größeren Schwierigkeiten ist, weil es zwar rechtlich aber nicht tatsächlich selbständig oder gar vollkommen unselbständig ist, kann die Religiosenkongregation eine Kommission einsetzen, der Ordensleute und auch ein Vertreter der betroffenen Diözese angehören. Wenn unklar ist, ob die Schwierigkeiten des Klosters vorübergehend sind und behoben werden können oder dauerhaft sind und die Schließung des Klosters unausweichlich ist, kann die Religiosenkongregation eine Affiliation genehmigen. Das andere Kloster hat dann die Aufgabe, dem in Schwierigkeiten befindlichen Kloster entweder bei der Überwindung der Schwierigkeiten zu helfen oder den Weg zur Auflösung zu beschreiten. Für das Kloster Reutberg kam die Religiosenkongregation schon vor fünf Jahren zu der Überzeugung, dass die Auflösung des Klosters unausweichlich ist. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Religiosenkongregation der Bitte um Genehmigung einer Affiliation nicht entsprechen wird, weil die mit Hilfe einer Affiliation zu klärende Frage für die Religiosenkongregation schon geklärt ist.
 
Könnte die 2018 neu eingeführte Möglichkeit einer Affiliation dem Kloster Reutberg helfen?

Nein, denn bereits 2013 hat die vatikanische Religiosenkongregation den Franziskanerinnen vom Reutberg mitgeteilt, dass „die Auflösung des Klosters unvermeidlich ist“. Die Bemühungen, den Konvent am Reutberg zu retten, hatten keinen Erfolg gezeigt und wurden somit beendet. Selbst wenn es 2013 die Möglichkeit der Affiliation bereits gegeben hätte, hätte sie für das Kloster Reutberg nicht mehr angewandt werden können. Eine Affiliation ist nur dann sinnvoll, wenn unklar ist, ob die Schwierigkeiten eines Klosters behoben werden können oder ob die Schließung des Klosters unausweichlich ist. Für das Kloster Reutberg stand aber 2013 bereits fest, dass es geschlossen werden muss. 2016 wurde die Auflösung dann von der Religionskongregation beschlossen. Details zur Affiliation erläutert ein Beitrag von Stephan Haering OSB, Professor für Kirchenrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Sind andere Formen des Zusammenlebens möglich?

Es gibt andernorts vereinzelt Projekte, wo Schwestern unterschiedlicher Ordensgemeinschaften zusammenleben. Voraussetzung dafür ist, dass die Schwestern, die sich zusammenfinden, aus einer funktionierenden Ordensform kommen, in der sie zusammenleben. Dieser Weg ist am Reutberg mit den dort ansässigen zwei Franziskanerinnen nicht mehr möglich, weil diese keine funktionierende klösterliche Gemeinschaft mehr haben.
 
Warum konnten einzelne Schwestern von anderen klösterlichen Gemeinschaften nicht am Reutberg angesiedelt werden, um so die Zukunft des Konvents zu sichern?

Mit Schwester M. Benedicta war eine Klarissen-Kapuzinerin aus dem Bethlehem-Kloster in Koblenz in der Zeit von Pfingsten 2017 bis Dreikönig 2018 für von vorneherein begrenzte Zeit als Gast auf dem Reutberg. Da es auf dem Reutberg keine funktionierende Klostergemeinschaft mehr gibt, war ihre Aufnahme in den Konvent nicht möglich.
Das Kommen einer kleinen Gruppe der Salzburger Schwestern aus dem dortigen Loretokloster wurde durch den Salzburger Erzbischof untersagt mit der Begründung, dass durch deren Hilfe keine dauerhafte und verantwortbare Lösung für den Reutberg gefunden werden könne. Zudem würde sich der Konvent der Loretoschwestern kräftemäßig überfordern, wenn sie Schwestern auf den Reutberg sendeten.
 
Können am Reutberg – wie in anderen Gemeinschaften – junge Frauen aus dem Ausland aufgenommen werden?

Manche Orden haben weltweit Niederlassungen, da ist es ganz selbstverständlich, dass Ordensmitglieder aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Die Franziskanerinnen vom Reutberg haben aber keine weitere Niederlassung, Kloster Reutberg ist das einzige Kloster ihres Ordens. Wenn Frauen aus dem Ausland in einen Orden eintreten wollen, gelten die gleichen Voraussetzungen wie bei allen Frauen: Es muss eine lebensfähige Gemeinschaft geben, die nicht überaltert ist, mit einer Oberin, einer Novizenmeisterin und einem Schwesternrat. Das ist im Kloster Reutberg schon lange nicht mehr der Fall.
 
Kann das Erzbistum das Kloster Reutberg doch noch erhalten?

Man muss unterschieden zwischen dem Konvent am Reutberg, also der Gemeinschaft der Schwestern, und dem Kloster am Reutberg, also dem Gebäude. Der Konvent am Reutberg kann nicht erhalten werden. Praktisch gibt es ihn bereits jetzt nicht mehr, denn die beiden Schwestern, die noch im Kloster leben, sind zu wenig, um eine klösterliche Gemeinschaft zu bilden. Weder das Erzbistum noch die vatikanische Religiosenkongregation noch die Schwestern selbst haben jetzt noch eine Möglichkeit, den Konvent zu erhalten – obwohl ihnen allen das klösterliche Leben ein wichtiges Anliegen ist. Damit es jetzt einen lebensfähigen Konvent gäbe, hätte sich bereits vor Jahrzehnten eine Reihe von Frauen für einen Eintritt ins Kloster Reutberg entscheiden müssen. Das Klostergebäude aber wird das Erzbistum selbstverständlich als geistlichen Ort erhalten. Ein Konzept für die Nutzung wird derzeit ausgearbeitet. Voraussichtlich werden Priester einer Ordensgemeinschaft einziehen und in den Pfarreien in der Umgebung mitarbeiten, außerdem soll ein Zentrum für Familienpastoral entstehen. In die Zukunft des Klosters Reutberg wird das Erzbistum München und Freising eine hohe Summe investieren, unter anderem in die Sanierung der Gebäude. Das Kloster soll ein geistlicher Ort werden, dessen klösterliches Erbe in neuen Formen weiterwirkt. Dafür ist die hohe Summe, die erforderlich sein wird, gut investiert.
 

Häufig gestellte Fragen nach der Zukunft des Klosters Reutberg


Warum engagiert sich die Erzdiözese am Reutberg?

Die Erzdiözese übernimmt die Verantwortung für den Reutberg, da es für sie wichtig ist, über Jahrhunderte hinweg christlich geprägte Klosterorte für die Gegenwart und Zukunft zu erhalten. Deswegen hat sie in den letzten Jahren die Verantwortung für das Kloster Beuerberg, das Ursulinenkloster in Landshut und das Birgittinnen-Kloster in Altomünster übernommen. Die für die Menschen wichtigen Klosterorte sollen zukünftig nicht als Luxushotels, Wohnanlagen oder Betriebe genutzt werden, sondern weiterhin Orte der Seelsorge, der Bildung und des Gebets sein. Sie sollen auf die seelsorglichen Anforderungen der Zukunft ausgerichtet sein und dabei soweit möglich an die jeweilige Spiritualität und das Gründungscharisma der Ordensleute anknüpfen. So wird zum Beispiel im Ursulinenkloster in Landshut das Bildungsangebot weiter ausgebaut und für das Birgittinnen-Kloster Altomünster wird diskutiert, ob es als diözesanes Haus der Stille genutzt werden könnte.
 
Was sind die Planungen der Erzdiözese für die Zukunft des Klosters Reutberg?

Das Kloster Reutberg soll zu einem Pastoralen Zentrum entwickelt werden. Dazu gehört, dass zwei oder drei  Patres der Familienmissionare in das Kloster ziehen werden, um in der Region die Seelsorge mit zu gestalten. Es sollen Räume für Veranstaltungen von Pfarreien, kirchlichen Verbänden usw. entstehen. Denkbar sind Angebote in den Bereichen Familienseelsorge, Nachhaltigkeit, Tourismusseelsorge oder Ökumene. Ebenso wird es weiterhin den Klosterladen geben. Möglicherweise könnten Pfarrverbänden aus der Region ihre Verwaltung auf dem Reutberg ansiedeln. Auch kulturelle Angebote werden in den Blick genommen.
 
Werden am Reutberg auch zukünftig Gottesdienstes gefeiert?

Es wird weiterhin Gottesdienste am Reutberg geben. Da der Pfarrer von Sachsenkam Kirchenrektor der Klosterkirche ist, ist er gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat zuständig für die Gottesdienstordnung am Reutberg. In naher Zukunft steht die Sanierung der Klosterkirche an.
 
Wie können die Gläubigen vor Ort sich einbringen für die Zukunft des Reutbergs?

Bereits 2014 gab es Gesprächsrunden mit unterschiedlichen Gruppierungen aus der Region, um die Vorstellungen bezüglich der Zukunft des spirituellen Ortes Kloster Reutberg einzufangen. Die Ergebnisse wurden damals dokumentiert. Ebenso haben Menschen sich per Telefon und Mail gemeldet, um den Verantwortlichen im Erzbischöflichen Ordinariat ihre Nutzungsideen mitzuteilen. Die „Sachsenkamer Gruppe“ hat einen Konzeptentwurf gemacht und zur Verfügung gestellt.  Das Ordinariat hat die Region sozialgeographisch analysiert (zum Beispiel Einwohnerzahlen, Altersstruktur, Katholikenzahlen, Entfernungen zum Reutberg, kirchliche Gebäude) und mit den Verantwortlichen für die Seelsorge in der Region bezüglich der pastoralen Entwicklung in den nächsten 10 bis 20 Jahren gesprochen. Aus all diesen Daten entwickelte sich die Idee des Pastoralen Zentrums Kloster Reutberg, dafür liegt ein Konzeptentwurf vor, der jetzt – zunächst mit Seelsorgern aus der Region – weiterentwickelt wird. Die Entwicklung einer neuen Nutzung ist für viele Menschen in der Region nicht einfach, da sie mit starken Veränderungen verbunden ist. Deshalb ist es wichtig, dass viele Menschen uns unterstützen, auch mit ihrem Gebet um eine gute Zukunft für den spirituellen Ort Kloster Reutberg. Ebenso freut sich das Ordinariat, wenn sich die Gläubigen an der Diskussion um die Zukunft beteiligen und ihre Fragen an die auf der Homepage genannten Ansprechpartner richten.
 

Häufige Fragen zum Ordensleben


Was sind die Merkmale einer funktionierenden Ordensgemeinschaft?

Ein Kloster ist eine lebendige Gemeinschaft von Menschen, die aufgrund ihrer Ordensregel versprechen, auf Dauer wie Jesus Christus leben und handeln zu wollen. Eine Ordensgemeinschaft ist geprägt von ihrem je eigenen geistlichen Leben, das sich entweder rein auf  Gebet und Meditation (kontemplativ) oder auf  eine Tätigkeit im Sozial- oder Bildungsbereich (apostolisch) konzentriert. Die eigene Selbständigkeit ist eine grundlegende Voraussetzung für jedes Kloster. Dazu gehört eine von der Gemeinschaft gewählte Leitung mit ihrem Rat, die eigene Vermögensverwaltung und insbesondere die Fähigkeit, im Hinblick auf die Zukunft verantwortbar Bewerberinnen oder Bewerber  für das klösterliche Leben aufzunehmen. Damit will man sicherstellen, dass nur Menschen eintreten, die ein solch radikal an Jesus Christus ausgerichtetes Leben wirklich führen wollen und können.
 
Wer bestimmt im Kloster?

Ämter im Kloster sind Dienstämter. Die Ordensoberin ist gehalten, ihr Amt als Dienst an der Gemeinschaft zu betrachten. Sie untersteht, wie auch die sie beratenden Schwestern, den Vorgaben der Regeln der jeweiligen Gemeinschaft sowie den von der Versammlung der ganzen Gemeinschaft gefassten Beschlüssen. Durch ihr Gehorsamsgelübde sind die Schwestern verpflichtet, den Anweisungen der Oberin in allem, was das Leben der Gemeinschaft betrifft, zu folgen. Zu ihrer Unterstützung hat die Oberin die Vikarin (Stellvertreterin) und die beratenden Schwestern an ihrer Seite, die bei wesentlichen Entscheidungen der Gemeinschaft mitwirken. Außerdem gibt es in der Regel die Aufgabe der Ökonomin, die zur Sorge um den wirtschaftlichen Bereich des Kosters beauftragt ist. Die Novizenmeisterin trägt Sorge für die Ausbildung (Formation) der Ordensanwärterinnen.
 
Was bedeuten die Gelübde?

Bei der Ablegung der Gelübde verpflichtet sich jede Ordensfrau und jeder Ordensmann dazu, die Evangelischen Räte der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams zu leben. Das Gelübde der Armut beinhaltet, im Orden weitgehend auf persönliches Eigentum zu verzichten und schließt ein Leben in Einfachheit und in der Einschränkung im täglichen Gebrauch von Dingen ein. In der Befolgung des Keuschheitsgelübdes übt der Ordenschrist sexuelle Enthaltsamkeit in einem ehelosen Leben. Die Keuschheit um des Himmelreiches willen ist Zeichen für das Reich Gottes, das nach Aussage von Jesus Christus bereits begonnen hat. Der Gehorsam in der Nachfolge Christi verpflichtet die Ordensleute, ihren eigenen Willen unter den ihrer Oberen stellen, wenn diese entsprechend den Regeln der Gemeinschaft eine Anordnung treffen, und verfügbar zu sein für die ihnen übertragenen Aufgaben. Gelübde sind stets eine verbindliche Entscheidung für das Ordensleben. Das Ablegen von Gelübden in Ordensgemeinschaften findet stets in feierlichen Gottesdiensten statt und wird gern an den Ordensfesttagen (zum Beispiel Namenstag des Gründers, Gründungsdatum) gehalten.
 
Was ist ein Spiritual?

Spiritual wird ein Priester genannt, der in einer Ordensgemeinschaft und damit auch in einem selbständigen Kloster, als Berater in allen Gewissensangelegenheiten das geistliche Leben des Ordens und der einzelnen Mitglieder fördert. Seine ausdrückliche Aufgabe ist der Gottesdienst, ausdrücklich verboten ist ihm die Einmischung in die innere Leitung des Klosters. Es ist die Aufgabe des Ortsbischofs oder seines Generalvikars, den Spiritual zu ernennen.
 
Hat die Erzdiözese gegenüber der Ordensgemeinschaft am Reutberg eine Fürsorgepflicht?

Die Selbstständigkeit einer Ordensgemeinschaft ist ein hohes Gut. So kann sie ihr Leben weitestgehend selbstbestimmt gestalten und ihre Werke entsprechend ihres Charismas führen. Der jeweilige Diözesanbischof hat nur begrenzte Möglichkeiten, in eine Ordensgemeinschaft hineinzuwirken. Mit dieser hohen Selbstständigkeit geht eine hohe Verantwortung einher: Für die Gestaltung ihres Zusammenlebens, für die Umsetzung ihres Auftrages und auch für ihre eigene Zukunft ist die Ordensgemeinschaft selbst verantwortlich. Auch in Bezug auf das Kloster Reutberg konnte das Erzbistum zunächst nur in einem begrenzten Rahmen handeln. Erst als die Schwestern nicht mehr in der Lage waren, aus ihren Reihen eine Oberin zu wählen, musste sich der Diözesanbischof verstärkt um die Ordensgemeinschaft kümmern, was er auch tat, unter anderem durch die Ernennung zweier Beauftragter, einen für die spirituell-geistliche Begleitung der Schwestern und einen für die Verwaltung des Klosters. 2016 kam der Auftrag der vatikanischen Religiosenkongregation hinzu, die Zukunft der verbliebenen vier Schwestern zu klären, damit dann der Auflösungsbeschluss der Religiosenkongregation umgesetzt werden kann.
 
Sie haben Fragen, die auf dieser Seite nicht beantwortet werden?
Bitte richten Sie Ihre Anfragen an unsere Ansprechpartner.