Auf einer offenen Holzbühne auf dem Marktplatz von Traunstein hält ein in rot gewandeter Mann mit Hut ein Schwert und geht vorwärts. Hinter ihm beugen sich in zwei Reihen links und rechts von ihm in schwarz, weiß und grün gewandete Männer, die mit ihren Schwertern ein Spalier bilden.
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Der Schwertertanz, der symbolisch für das Austreiben des Winters steht, fand heuer zum 100. Mal seit der Erstaufführung an Ostern 1926 statt.
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Georgiritt in Traunstein: Prachtvolle Pferde und Schwertertanz-Jubiläum

Mit mehr als 22.000 Zuschauerinnen und Zuschauern gehört der traditionsreiche Pferdeumritt in Traunstein auch in diesem Jahr zu den größten und schönsten Brauchtumsveranstaltungen in Bayern. Am Ostermontag war Kardinal Reinhard Marx dabei, der im Ettendorfer Kircherl einen Festgottesdienst feierte.

Bei idealen äußeren Bedingungen am Ostermontag erwies sich der Georgiritt in Traunstein wieder als Publikumsmagnet. Mit mehr als 22.000 Zuschauern in diesem Jahr gehört der traditionsreiche Pferdeumritt zu den größten und schönsten Brauchtumsveranstaltungen in Bayern. Kardinal Reinhard Marx nahm in einer Kutsche an der Pferdewallfahrt vom Traunsteiner Stadtplatz zur Segnung am Ettendorfer Kircherl teil. Der Erzbischof, der 2016 den neuen Altar in St. Vitus und St. Anna geweiht hatte, trug sich vor Beginn des Umzugs ins Goldene Buch der Stadt ein und zelebrierte im Anschluss im Ettendorfer Kircherl einen Festgottesdienst.

Untrennbar mit dem Georgiritt sind die Schwerttänzer verbunden, die Darsteller eines uralten germanischen Frühlingsbrauches, in Form eines Kampf- und Waffenspieles, dessen Vorführung schon im Jahre 1530 durch eine Stadtkammerrechnung beurkundet ist. Dieser Brauch war anlässlich des 400-jährigen Bestehens des Lindlbrunnens eigens für ein Festspiel an den Osterfeiertagen und für den Georgiritt 1926 komponiert und choreographiert worden. Seit 2016 gehören Schwerttanz und Georgiritt zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Ritter, Ritterfräulein, Landsknechte, Pfeifer und Trommler

Um 10:00 Uhr erhob der Herold auf dem Stadtplatz seinen Stab und gab dadurch das Zeichen zum Aufbruch. Unter dem Geläut aller Kirchenglocken setzte sich der Zug in Bewegung. In vier Gruppen mit rund 1.000 Mitwirkenden bewegte sich der Festzug durch die von den Besucherinnen und Besuchern gesäumten Straßen. Für Aufsehen sorgte nicht zuletzt die historische Gruppe mit dem „Eisernen Ritter“ und dem Lindl in ihren blankpolierten Rüstungen, begleitet von Ritterfräulein, Landsknechten, Pfeifern und Trommlern. 

Aus 16 Landgemeinden des Chiemgaus sowie bis von Schönau am Königssee hatten sich Reiter mit ihren prachtvoll herausgeputzten Pferden eingefunden. Hufgetrampel und wildes Wiehern signalisierten, dass der Festtag auch für die rund 345 prachtvoll geschmückten Pferde eine aufregende Sache war. In den geschmückten Festwagen saßen Trachtler und Musikgruppen.

In der geistlichen Gruppe boten Festwagen mit der St. Georgsfigur und dem Ettendorfer Kircherl neben dem einherreitenden Heiligen Georg, Engerln und Postillion-Bläsern, den Gebirgsschützen und Stadtpfarrer Konrad Roider mit der Geistlichkeit ein prachtvolles Bild. Die Kutschen mit Kardinal Reinhard Marx, Stadträten und Ehrengästen, Festwagen mit Bürgern in historischer Tracht und schön herausgeputzten Trachten sowie Reiter sorgten in der Schlussgruppe für Freude bei den vielen Zuschauern.

Pferdesegnung vor Panoramakulisse

Nach dem mühsamen Anstieg am Zottelberg hinauf nach Ettendorf folgte vor der Panoramakulisse mit Blick in die Chiemgauer Alpen am Ettendorfer Kircherl die Pferdesegnung, die Diakon Tobias Raab von der Stadtkirche Traunstein vornahm. Zum Ausklang nach der Rückkehr des Wallfahrtszuges auf den Stadtplatz folgte vor der Stadtpfarrkirche die zweite Benediktion.

Simon Schreiber, 1. Vorsitzender des St. Georgsvereins, freute sich in seinem Resümee über die „tolle Beteiligung“ am Georgiritt, der vom St. Georgsverein, der Stadtpfarrkirche und der Stadt Traunstein veranstaltet wird. „Ich bin froh, dass der Ritt wieder unfallfrei verlaufen ist, auch wenn es vereinzelt mit Kreislaufproblemen oder einem vertretenen Fuß kleine Zwischenfälle gab.“ (Axel Effner)