Strahlender Sonnenschein, hunderte Gläubige auf den Beinen: In der Münchner Innenstadt hat der Kreuzweg der Völker am Karfreitag wieder ein Zeichen für die Verbundenheit von Menschen über Sprachen und Konfessionen hinweg bezeugt.
Auf Initiative von Mitgliedern der muttersprachigen Gemeinden war der Kreuzweg der Völker 1998 zum ersten Mal in der Münchner Fußgängerzone gebetet worden. Insbesondere Gläubige aus spanischsprachigen Ländern, aus Italien und Vietnam, die dieses Brauchtum aus ihrer Heimat kennen, hatten sich für eine Karfreitagsprozession in der bayerischen Landeshauptstadt eingesetzt. Damit wurde eine Tradition aus der Barockzeit, in der Karfreitagsprozessionen in Deutschland weit verbreitet waren, in neuer Form wiederbelebt.
28 Jahre später zeigt sich, dass der Kreuzweg der Völker nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Von St. Michael in der Neuhauser Straße führte der Karfreitagszug mit Generalvikar Christoph Klingan und dem Apostolischen Exarchen Bischof Dr. Bohdan Dzyurakh über 14 Stationen zum Marienplatz. Verschiedene Prozessionsteilnehmende schulterten dabei das große Holzkreuz.
Auf dem Marienplatz betonte Kardinal Reinhard Marx in seiner Karfreitagsbotschaft, dass Christen für die universale Menschheitsfamilie stünden, „die zusammengehört und die gemeinsam einen Weg gehen muss“.
Das Kreuz bezeichnete der Erzbischof als "Zeichen der universalen Liebe Gottes": "Mit dem Kreuz sind Rassismus und Nationalismus, Gegeneinander der Völker, Hass und Gewalt unvereinbar. Das Kreuz steht für den Blick Gottes auf alle Menschen. Das Kreuz ist Zeichen unseres gemeinsamen christlichen Glaubens hier in dieser Stadt: Über alle Grenzen der Sprachen und Kulturen hinweg sind wir eine Gemeinschaft. Das macht dieser Kreuzweg der Völker deutlich." (hor/ra)