Seit dem 11. Jahrhundert wird der hl. Leonhard in Bayern an vielen Orten verehrt, weil er als der Beschützer der Haustiere, also auch der Pferde und Rinder gilt. Deshalb hatte er viele Jahrhunderte eine existentielle Bedeutung für die Landbevölkerung, wie sich in St. Leonhard eindrücklich an der Vielzahl der Votivgaben ablesen lässt.
Bedeutende Wallfahrtskirche seit dem Mittelalter / Romanische Langhausmauer / Um 1650 Chorbau im gotischen Stil, in der Folge Schaffung der barocken Ausstattung / Zahlreiche Restaurierungen, die jüngste endet 2021 mit der Vollendung der neuen liturgischen Orte
Die Wallfahrtskirche erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe in der Mitte des Ortes, und der eindrucksvolle Chorbau heißt den Besucher willkommen. Vorbei an zwiebelbekrönten Kapellen von 1670 kann die Kirche über das Westportal betreten werden. Die mit feinstem Rokoko-Stuck verzierte Raumschale hat sogleich beim Betreten einen erhebenden Effekt. Erst dann, nach ausgiebigem Betrachten, wird der außerordentliche Kunst- und Zeugnisreichtum sichtbar – gotische Tafelbilder, barocke Altäre, zahllose Votivgaben und neue liturgische Orte – Frömmigkeitsgeschichte, die bewegte Zeiten schildert und die durch eine sensible Restaurierung gestärkt wurde.
An der südlichen Außenwand öffnete sich einst ein Portal, das heute vermauert ist. Auf einem Sockel daneben hält aber immer noch ein lagernder Löwe Wache, der sicherlich zum Bestand dieses Portals gehörte. Der Löwe aus Rotmarmor wendet dem Betrachter sein rundliches Gesicht zu, das durch die mandelförmigen Augen und den breiten Mund nahezu menschliche Züge erhält. Er wurde für die romanische Kirche im ausgehenden 12. Jahrhundert geschaffen, wie seine üppige Mähne verrät.
An der Nordwand ist der volkreiche Kalvarienberg zu sehen, der den Ort der Hinrichtung Christi in der Auffassung der Spätgotik zeigt. Christus hängt mittig am Kreuz und Longinus stößt gerade seine Lanze in Christi Seite. Einige Heilige mit goldenen Nimben, darunter seine Mutter Maria und sein Jünger Johannes, stehen ihm bei. Die Schächerkreuze befinden sich an den Seiten, dem rechten Schächer entreißt gerade ein Teufel seine Seele, die als nackter Mann verbildlicht ist.
Vor dem frühbarocken steil aufragenden Säulenretabel des Hochaltars mit dem Altarblatt von Caspar Amort und der barocken Skulptur des Kirchenpatrons steht seit 2021 die neue liturgische Ausstattung aus Kelheimer Auerkalk von Werner Mally aus München. Der fünfeckige Zelebrationsaltar greift als Motiv die Rundungen hängender Ketten auf und verweist somit auf Leonhards Attribut. Der an der Vorderseite gewölbte Ambo ist an den Chorstufen platziert, um die Raumteile miteinander zu verbinden.
St. Leonhard am Buchat 34
83547 Babensham