Der Ort hat seinen Namen tatsächlich von einer Glashütte erhalten, die im 17. Jahrhundert vom Kloster Tegernsee hier betrieben wurde. Als die Kirche 1698 gemeinsam mit dem Gasthaus errichtet wurde, war diese allerdings schon wieder wohl wegen Unrentabilität geschlossen.
1680er Jahre Glashüttenbetrieb / 1698 Errichtung der Kirche und des Gasthauses / 1700 Weihe durch den Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing / 1841 Anbau der Sakristei / 1931, 1957 und 2000 Instandsetzungsmaßnahmen / 2019 Restaurierung und neue liturgische Ausstattung
Glashütte liegt an der Straße nach Tirol, war immer ein Ort am Weg, und dieses Auf-dem-Weg-Sein spiegelt sich im Patrozinium Mariä Heimsuchung wider – auch Maria hatte sich für den Besuch bei Elisabeth auf den Weg gemacht. Das ganze Tal und der Weg stehen also unter dem Schutz Mariens. Der kleine, barocke Bau, den Abt Bernhard Wenzl errichten ließ – auf ihn verweist die Inschrift über dem Eingang – , wurde 1700 vom Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing geweiht. Der schlichte Saal zeigt im Inneren eine Pilastergliederung mit umlaufendem, verkröpftem Gesims und das Gewölbe ist mit stuckierten Felderungen versehen. Im Chor ist mittig das IHS für „Iesus Hominum Salvator“ (= Jesus, Retter der Menschheit) zu lesen. Darunter erhebt sich der frühbarocke Hochaltar, der vermutlich aus der Klosterkirche stammt.
Der Hochaltar zeigt in seiner Mittelnische die spätgotische Skulptur der Maria mit dem Kind auf der Mondsichel. Stilistisch verweist sie auf eine Münchner Werkstatt gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Maria erhebt sich über der Mondsichel als siegreiche Himmelskönigin mit dem lebhaften Jesusknaben auf ihrem Arm. An der Predella darunter erscheint das wohl älteste, hier in Deutsch wiedergegebene Mariengebet, das schon im 3. Jahrhundert bekannt war: „Under deinen Schutz und Schirm fliehen wir O H[eilige] Gottes Gebererin“.
2019 erhielt die Glashütter Kirche eine neue liturgische Ausstattung. Matthias Larasser-Bergmeister aus Ebersberg schuf die filigranen Orte aus teilweise verzinnter Bronze. Mittig steht nun der durchlässige, schlanke Ambo und an der Südwand des Chors ist der hochrechteckige Tabernakel mit Ablage und Ewiglicht positioniert. Davor erhebt sich der schmale Osterleuchter und gegenüber wurde eine rechteckige Kredenz montiert. Sedilien mit Filzauflage komplettieren das geradlinige Arrangement, das sich stimmig in den barocken Raum einfügt.
An der Emporenbrüstung ist die Skulpturengruppe der Anna Selbdritt zu sehen. Dieser Bildtypus zeigt Anna, Maria und das Jesuskind. Letzteres ist hier mittig auf der mit einem Tuch bedeckten Konsole im lebhaften Sitzen erfasst, während die beiden Frauen in Halbfigur, Maria mit der Feige links und Anna rechts, sich ihm zuwenden. Fein sind die Gesichter gezeichnet und Haare und Falten detailliert ausmodelliert. Nach 1500 entstand das kunstvolle Bildwerk, das als Andachtsbild die Herkunft Jesu verbildlicht.
Anfahrt mit dem Auto, Gasthof Glashütte außer Montag und Dienstag jeden Tag von 11:30-19 Uhr geöffnet, keine Barrierefreiheit
Kißlingerstraße 45
83700 Rottach-Egern