Michael Schöpfel hatte sich 1644 am Nordhang des Heubergs bei einer Quelle niedergelassen und eine erste Kapelle für das Mariengnadenbild errichtet, das er von seiner Pilgerreise aus Rom mitgebracht hatte. Schon bald kamen die Wallfahrer herauf, weshalb sein Nachfolger Wolfgang Rieder 1667 bis 1669 die erste steinerne Kirche etwas höher liegend, am heutigen Gnadenort, errichten ließ und das Marienbild hierher überführte.
1644 Gründung einer Einsiedelei mit hölzerner Kapelle am Heuberg durch Michael Schöpfel / 1667 erster Kirchenbau durch Hanns Taurer aus Rohrdorf / um 1720 Errichtung der heutigen Kirche durch Wolfgang Dienzenhofer in Aibling und 1722 Weihe / 1756 Altarausstattung des Rokoko / 2022 neue liturgische Orte
Doch bereits 1718 entschied der damalige Eremit Casimir Weiß, wegen Baufälligkeit eine neue Kirche errichten zu lassen, die er zum Großteil aus Spenden finanzieren konnte. 1722 konsekrierte Graf Franz Adolph von Wagensperg, Fürstbischof von Chiemsee die Kirche, und durch die Stiftung des „Goldenen Samstag“ 1744 hielt der Zulauf im 18. Jahrhundert an. Selbst die Säkularisation konnte der Kapelle nichts anhaben und auch heute kommen noch viele Besucher zur Gnadenmuttergottes von Nußdorf herauf. Und nach wie vor wohnt in Kirchwald ein Eremit, der hier lebt, wirkt und arbeitet.
In der Vorhalle schmückt die hölzerne Umrahmung den Zugang zum Innenraum. Sie stammt von 1758 und ist als Rokokoportal mit Pilastern und halbrundem Aufsatz gestaltet. In Rocaillekartuschen wird die Geschichte des Gnadenortes in Bild und Schrift erzählt: oben erhält der erste Eremit das Gnadenbild in Rom, links ist er bei seiner ersten Kapelle und bei der Quelle zu sehen, die er durch Wasser aus Weihenlinden heilsam machte. An der rechten Seite wird das Gnadenbild in die heutige Kirche überführt.
Der Inn wurde seit alters her trotz des hohen Unfallrisikos beschifft, wie Votivtafeln an der Nordwand des Langhauses bezeugen. Auf die Existenz einer Schiffsleutbruderschaft im 18. Jahrhundert weisen die barocken Prozessionsstangen hin. Sie zeigen ein authentisches Inn-Schiff mit einem am Bug stehenden Engel, der das Ruder führt. Auf dem Schiff verteilt stehen neben der oben thronenden Maria mit Kind die Wasserheiligen Johannes Nepomuk und Nikolaus. Ein Schiffsmann in typischer Tracht steuert am Heck.
Anlässlich des 300-jährigen Weihejubiläums wurde von Florian Lechner aus Nußdorf eine neue liturgische Ausstattung geschaffen. Zelebrationsaltar und Ambo erheben sich über dreieckigen, gläsernen Stelen, die durch ihre helltürkise Farbe Bezug auf die gewendelten Säulen der Altäre nehmen und zugleich an lebensspendendes Wasser erinnert. Die Positionierung der sechs Stelen des Altars orientiert sich am Bodenpflaster und oben ist die aus sieben Holzteilen gefertigte Mensa zu sehen. Der an der Chorstufe stehende Ambo folgt mit zwei Stelen demselben Gestaltungsprinzip.
Anfahrt mit dem Auto, Wanderweg durch den Wald von Nußdorf am Inn, keine Barrierefreiheit
Marktplatz 10
83115 Neubeuern