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Früher war mehr Verschwendung Elisabeths Familie feiert Weihnachten erstmals Schöpfungs-freundlicher

Die Erinnerung ans letzte Jahr ist noch frisch – ein Berg voller Geschenkpapier, sperrige Kunststoffverpackungen, die Gans, die sie vor dem Fest billig beim Discounter gekauft hatte. Das schlechte Gewissen danach hat Elisabeth aber auch nicht vergessen. Alle Jahre wieder irgendwie zu viel von allem – muss das sein? Übers Jahr hat sie sich Gedanken gemacht, wie sie diese Advents- und Weihnachtszeit ein wenig umwelt- und Schöpfungs-freundlicher gestalten kann. Bei ihrer Familie kommt das gut an – mit einer Ausnahme …
Strohstern und rote Christbaumkugel an Baum
Lametta benutzt heute kaum jemand mehr. Dafür erlebt der Klassiker Strohstern ein Revival. (Foto: imago / Rene Traut)
Getreu dem Motto, dass es die Veränderungen im Kleinen sind, die Großes bewirken können, hat Elisabeth als Erstes den Weihnachtsstern weggelassen. Die tropische Pflanze liebt Wärme und braucht viel Energie, Dünger und Chemie, um sich bei uns entfalten zu können. Stattdessen hat sie mit ihrem Mann Thomas beim letzten Waldspaziergang fleißig gesammelt: Tannen-, Buchs- und Birkenzweige, Moos, Zapfen, sogar getrocknete Blütenstände haben sie gefunden. Aus den natürlichen Materialien und einem Strohkranz als Grundlage hat sie den Adventskranz gebastelt, so wie früher. „Das war gar nicht schwer“, erzählt sie ihrer Freundin. 

Die richtigen Kerzen zu finden dagegen schon. Dabei sind sie in der Advents- und Weihnachtszeit unverzichtbar. „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“, sagt Jesus im Johannes-Evangelium (Joh 8,12). Die Kerzen in den Kirchen und Wohnungen sind leuchtende Hinweise auf dieses „Licht der Welt“. Elisabeth hat gelernt, dass die meisten aus Paraffin sind, einem Erdölprodukt, oder aus Stearin, für dessen Palmöl oft Regenwälder abgeholzt werden. Die umweltfreundlichen Bienenwachs-Kerzen vom Imker des Kindergartens waren ihr für den Kranz dagegen zu teuer. So entschied sie sich am Ende für welche aus Biomasse, die aus gereinigten Speisefettabfällen hergestellt werden. Sie brennen sauber ab und riechen neutral, da keine synthetischen Geruchs- und Farbstoffe zugesetzt sind.

Der Christbaum? Ein Abfallprodukt der Fichten-Monokultur

Die größte Herausforderung war im Nachhinein aber der Christbaum, der auch bei ihnen unbedingt dazugehört. Kurz hatte sie darüber nachgedacht, im Sinne der Nachhaltigkeit keinen gefällten Baum, sondern einen mit Wurzelballen zu kaufen und ihn nach den Feiertagen wieder einzupflanzen. Ein Freund hatte ihr aber erzählt, dass dem Wald durch das Ausgraben des Baumes wertvoller Humus verloren gehe – und viele Bäume nach dem Aufenthalt in beheizten Räumen beim Auspflanzen ohnehin nicht mehr zu retten seien. Dann also doch die gefällte Variante.
 
Die letzten Jahre hat Thomas immer eine Nordmanntanne vom Baumarkt besorgt – die in Deutschland am meisten verkaufte, aber bei uns nicht heimische Baumsorte für Weihnachten. Nachdem Elisabeth gelesen hatte, dass viele davon in Monokulturen im In- und Ausland wachsen, mit Herbiziden behandelt werden und zum Teil lange Transportwege hinter sich haben, kommt sie ins Grübeln. Mitte Dezember erzählt ihr Thomas dann von Bäumen mit Ökosiegeln von Demeter oder Naturland, die es auch im Biomarkt um die Ecke gebe. „Die sind zwar etwas teurer, sehen aber gut aus und scheinen nachhaltig aufgewachsen zu sein“, meint er.
 
Als sie dort vorbeischauen, fällt ihnen eine Rotfichte auf. Die meisten dieser Bäume stammen aus Forstbetrieben aus deutschen Mittelgebirgen. Bei der Aufforstung werden die Fichten sehr eng gepflanzt und müssen nach einigen Jahren „durchforstet“, also ausgedünnt, werden. Eine dieser dabei anfallenden mittelgroßen Fichten stand jetzt direkt vor ihnen – und warum nicht? Das Abfallprodukt der Fichten-Monokultur! Sie kaufen den Baum, stellen ihn in einen Eimer Wasser – und einen Tag vor Heilig Abend ins Wohnzimmer. Die Reaktion der Kinder ist eindeutig: „Soll das ein Witz sein?“ Jonas ist sprachlos, als er den Baum sieht. Zugegeben, der Stamm ist etwas krumm, die Abstände zwischen den Ästen eher unregelmäßig, und die Nadeln sind irgendwie kürzer als sonst. „Aber seine Ökobilanz stimmt“, tröstet sich Elisabeth. Und nach dem Zieren des Baumes werde man bestimmt keinen Unterschied mehr merken – ganz sicher!
Christbaum und zerknülltes Geschenkpapier
Weihnachten wird schnell zur Materialschlacht - es lohnt sich aber, bewusst zu kaufen und zu schenken. (Foto: imago / Westend61)

„Früher war mehr Lametta“

„Früher war mehr Lametta“, erkannte schon Opa Hoppenstedt im berühmten Loriot-Sketch – und hatte natürlich recht damit. Heute gibt es das bunte Glitzerzeug fast überhaupt nicht mehr zu kaufen, da die Stanniolstreifen Blei enthalten. Neben den Christbaumkugeln, die schon seit Jahren im Keller lagern und immer noch ein schönes Bild abgeben, hat Elisabeth den Baum in diesem Jahr sogar wieder mit Lebkuchen, Strohsternen, Äpfeln und Tannenzapfen geschmückt. Auch selbst angefertigte Holzfiguren, die sie mit Biofarben angemalt hat, eignen sich dafür – auch wenn man etwas Zeit dafür braucht. „So wie früher“, sagt sie – und ist zufrieden. Die Kommentare ihrer beiden Söhne wegen des noch immer krummen Baumes versucht sie zu ignorieren. Irgendwie sind die seit der Montage der frisch gekauften LED-Solar-Lichterkette, diesmal nicht aus China, sondern aus der Werkstätte aus dem bayerischen Wald, auch ziemlich verstummt.    
 
Glücklich ist Elisabeth in diesem Jahr auch mit der Auswahl der Geschenke für die Kinder, Großeltern und Verwandte – da sind bestimmt einige Volltreffer dabei! Nur das Einpacken bereitet ihr Kopfzerbrechen. Das beschichtete Papier kann nicht recycelt werden. In der Regel sind auch kritische Farb- oder sonstige umweltschädliche Stoffe drin enthalten, während bei der Herstellung belastende Chemikalien in die Umwelt und unsere Kläranlagen gelangen können. Für ein Kilogramm Primärfaserpapier, das oft sogar aus Urwäldern stammt, sollen bis zu 50 Liter Wasser und 5 Kwh Energie verbraucht werden, sagt man. Und wofür das alles? Nach dem Auspacken – bzw. hemmungslosen Aufreißen, wie bei ihren Jungs – wird es eh weggeworfen. Zum Glück gibt es schöne Alternativen aus Recyclingpapier mit dem Blauen Engel-Siegel, dafür wird kein einziger Baum gefällt. Zumindest dieses Problem lässt sich also einfach lösen. Jetzt muss Thomas das Papier nach den Feiertagen nur noch sortieren und richtig entsorgen.
Adventskranz mit roten Wachskerzen
Ob Bio-Gans oder Kerzen aus Bienenwachs - nachhaltig Weihnachten feiern, ist gar nicht schwer. (Foto: imago / CHROMORANGE)

Die Bio-Gans hat ihren Preis – und Auslauf

Und das Weihnachtsessen? Hier ist sich Elisabeth mit ihrer Familie einig: lieber weniger billiges Fleisch auf dem Tisch, dafür in besserer Qualität und artgerecht gehalten. Die obligatorische Weihnachtsgans („Würstchen mit Kartoffelsalat? Wir feiern doch Weihnachten, keinen Kindergeburtstag“, sagt Elisabeth) hat sie in diesem Jahr bereits im Oktober beim örtlichen Biobauern vorbestellt. Das Tier hatte das Jahr über ausreichend Auslauf, wurde artgerecht gefüttert und ohne präventive Antibiotikagabe aufgezogen, versicherte er ihr. Das schlägt sich natürlich auch im Preis nieder. Während die Gans beim Discounter rund 25 Euro kostet (Freilandhaltung aus Ungarn), verlangt der heimische Biobauer ca. 90 Euro oder mehr, je nach Gewicht. Mehr als das Dreifache also! Das gute Gewissen hat seinen Preis, erkennt Elisabeth – und wird es einfach mal ausprobieren. Hier geht es schließlich um ein Mitgeschöpf, das auf unserer festlich gedeckten Tafel landet. „Denn wir wissen, dass alles Geschaffene insgesamt seufzt und sich schmerzlich ängstigt bis jetzt“, schreibt der Apostel Paulus im Römerbrief. Da soll die Gans wenigstens art- und tiergerecht gelebt haben – zumal Fisch auch keine Alternative darstellt. Im Greenpeace-Fischratgeber werden wegen der Überfischung der Meere nur noch wenige Arten empfohlen. Und marinierten Hering oder einen Karpfen möchte sie bei aller Nachhaltigkeit zu Weihnachten dann doch nicht essen. Die Witzeleien wegen des Baumes reichen ihr. Viel eher wird sie sich fürs nächste Jahr frühzeitig nach vegetarischen Alternativen umschauen und die Männer in der Familie davon überzeugen, dass man auch beim Sylvester-Feuerwerk noch sparen kann. Fürs noch bessere Gewissen.

Text: Christian Horwedel
Umwelt
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Abteilungsleiter und Diözesaner Umweltbeauftragter:
Mattias Kiefer

Projekt "Wir übernehmen Schöpfungsverantwortung - Umweltmanagement"
Anselm Kirchbichler
Projektleiter
Tel: 089/2137-2580
nachhaltig(at)eomuc.de

Hermann Hofstetter
Referent im Projekt
Umweltmanagementbeauftragter des Erzbischöflichen Ordinariats München
Tel.: 2137-1601
HHofstetter(at)eomuc.de

Checkliste

Alle Tipps rund um einen nachhaltigen Advent und ein schöpfungsbewusstes Weihnachtsfest finden Sie hier in der der Checkliste der Abteilung Umwelt.