Sebastian Weber, junger Mann mit Brille, dunkler Jacke und Kreuzkette, steht lächelnd vor Bäumen mit Herbstlaub.
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Sebastian Weber ist Diözesanvorsitzenden der KLJB In München und Freising.

Jugendarbeit auf dem Land: „Wir halten zusammen“

Sebastian Weber seit seiner Jugend in der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) im Landkreis Erding, 2025 wurde er zum Diözesanvorsitzenden der KLJB In München und Freising gewählt. Warum er sich in der Landjugend engagiert und was er sich für das kirchliche Ehrenamt wünscht, darüber haben wir mit dem 26-Jährigen gesprochen.

Herr Weber, wie sind Sie zur Katholischen Landjugendbewegung gekommen?

Sebastian Weber: Ich komme aus der Gemeinde Kirchberg im Pfarrverband Holzland. Meine Familie betreibt im Nebenerwerb eine ökologische Landwirtschaft. Bei uns auf dem Land kann man sich als Jugendlicher entweder im Sport- oder Schützenverein einbringen oder bei der Feuerwehr – einen Trachtenverein gibt es bei uns nicht. Häufig tritt man wie ich nach der Firmung in die Ortsgruppe der Landjugend ein. Unsere Ortsgruppe war schon immer sehr gut vernetzt. Irgendwann wurde ich zum Gruppenleiter-Grundkurs geschickt. Dort und auf mehreren Auslandsreisen der Landjugend habe ich dann die Verantwortlichen auf Kreis- und Diözesanebene gut kennen gelernt. Das waren coole Leute, die wie ich Lust auf offene Kommunikation hatten. Da fühlte ich mich sehr wohl und beschloss, mich auf Kreisebene selbst einzubringen. 

Was ist das Besondere an der Katholischen Landjugend?

Bei der Landjugend wird man auch aufgenommen, wenn man nicht der „Allercoolste“ ist oder einen riesigen Freundeskreis hat. Man findet dort eine starke Gemeinschaft vor, die auch mit den anderen Altersgruppen der Gemeinde in Kontakt tritt- Man hängt also nicht nur mit der eigenen Clique ab. Man ist nicht nur für sich, der Verband bringt sich bei Veranstaltungen im Kirchenjahr ein oder macht bei Aktionen wie „Saubere Landschaft“ oder „Rumpelkammer“, eine Altkleidersammlung, mit. Wir halten zusammen, nicht nur für uns, sondern auch für die Gemeinde und für viele wohltätige Zwecke.

Sebastian Weber, junger Mann mit Brille, dunkler Jacke und Kreuzkette, steht lächelnd vor Bäumen mit Herbstlaub.
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„Die Landjugend mehr ist als gemütliches Beisammensein: Es geht auch darum, den Glauben konkret zu leben und sich intensiv über seine Spiritualität auszutauschen.“

Sebastian Weber, Diözesanvorsitzenden der KLJB In München und Freising

Welche prägenden Erfahrungen haben Sie in Ihrem kirchlichen Ehrenamt gemacht?

Also der Gruppenleiter-Grundkurs war schon so eine Art „Erweckungserlebnis“ für mich. Da habe ich das erste Mal richtig mitbekommen, dass die Landjugend mehr ist als gemütliches Beisammensein und Aktionen vor Ort. Da gibt es noch viel mehr zu entdecken. Ein paar Wochen nach dem Grundkurs waren wir in der Schweiz am Wirkungsort unseres Patrons Niklaus von Flüe. Das war für mich ein spirituelles Erlebnis, bei dem ich gesehen habe: Es geht auch darum, den Glauben konkret zu leben und sich intensiv über seine Spiritualität auszutauschen. Das hat mich insgesamt so geprägt, dass ich mir gesagt habe: Hier bei der Landjugend, da will ich nicht nur teilhaben, sondern die will ich aktiv mitgestalten, um auch anderen diese Erlebnisse zu ermöglichen.

Was muss passieren, dass sich Menschen weiter in der kirchlichen Jugendarbeit engagieren?

Ich sehe das Ehrenamt in der Jugendarbeit schon massiv gefährdet. Gerade die Räume, in denen unser Engagement stattfindet, werden immer mehr eingeschränkt. Die Jugend braucht Platz, um sich frei zu entfalten und auch mal „Schmarrn“ zu machen. Wenn man die Jugendlichen in der Kirche halten will, braucht es aber diesen Platz für sie.

Auch die fehlende Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre ist eine Gefahr. Natürlich gehört das Bewahrende, das Konservative zur Kirche. Aber wenn die jungen Leute sehen, dass sich in der Kirche wenig bewegt, ist das nicht gut. Unsere Vorschläge werden zwar gehört, aber oft fehlt es dann in der Umsetzung. Auch dass die Missbrauchsfälle schonungslos aufgeklärt werden, ist essenziell. Denn viele Ehrenamtliche, die damit nichts zu tun haben, werden damit in Verbindung gebracht, nur weil sie in der Kirche Jugendarbeit machen.

Zwei Personen in Tracht tragen Fahnen vor sitzendem Publikum bei Veranstaltung im Freien.
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Katholische Landjugendbewegung

In der Katholische Landjugendbewegung (KLJB) engagieren sich junge Menschen für eine Zukunft des ländlichen Raumes nach christlichen Grundwerten. In unserer Erzdiözese zählt der Jugendverband über 4.500 Mitglieder, die sich in ca. 140 Ortsgruppen selbst organisieren. Hier werden Entscheidungen basisdemokratisch getroffen, so dass jedes Mitglied aktiv mitgestalten kann. Im Heimatort genauso wie auf diözesaner Ebene.

Was macht für Sie – trotz dieser Probleme – Kirche aus?

Kirche ist für mich die Leute vor Ort, die hier miteinander Glauben leben wollen. Es braucht meiner Meinung nach einen solchen Ort, der möglichst dezentral ist, wo sich die Menschen darüber austauschen können. Wo sich konservative und progressive Christen außerhalb ihrer eigenen Bubble zusammensetzen müssen. Wo es Reibungen gibt, wo aber auch gemeinsame Entscheidungen getroffen werden.

Zur Person

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Sebastian Weber stammt aus der Gemeinde Kirchberg im Pfarrverband Holzland. Seit seiner Jugend engagiert er sich in der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB). 2025 wurde er zum Diözesanvorsitzenden gewählt.