Gebet Pater Rupert Mayer
EOM
Er war Jesuit, Seelsorger, Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten und Vater der Bahnhofsseelsorge im Münchner Hauptbahnhof: Pater Rupert Mayer, 1987 selig gesprochen, beeindruckt mit seinem Lebensweg bis heute – und ist am Hauptbahnhof weiter präsent.
Seit 2024 ist die aus Linden- und Eschenholz geschnitzte Figur von Pater Rupert Mayer am Münchner Hauptbahnhof bei Gleis 11 aufgestellt. Sie wurde von einer polnischen Bildhauer-Schule hergestellt. Die Arbeit an der Figur nahm rund ein halbes Jahr in Anspruch. Sie steht symbolhaft für die Arbeit der beiden Seelsorger am Münchner Hauptbahnhof, Pfarrer Eugen Strasser-Langenfeld und Diakon Matthias Scheidl, die ebenfalls seit 2024 dort für die Menschen da sind, ein offenes Ohr für sie haben und sie seelsorgerisch begleiten.
Pater Rupert Mayer„Ich werde ihnen ganz klar sagen, dass ein deutscher Katholik niemals Nationalsozialist sein kann.“
Rupert Mayer wurde am 23. Januar 1876 in Stuttgart geboren. Nach seinem Abitur in Ravensburg studierte er von 1894 bis 1899 Theologie in Fribourg, München und Tübingen. Am 2. Mai 1899 wurde Rupert Mayer zum Priester geweiht. Anschließend trat er in den Jesuitenorden ein. Die Zeit seines Noviziats und seiner weiteren Ausbildung verbrachte er in Feldkirch in Österreich und in Valkenburg in den Niederlanden. Von 1906 bis 1911 wirkte er als Volkskommissar in den Niederlanden, in Deutschland und der Schweiz.
1912 wurde Pater Rupert Mayer nach München berufen. Der Erzbischof von München, Franz von Bettinger, hatte den Jesuitenorden um einen fähigen, jüngeren Pater gebeten, der eine neuartige und besonders wichtige Aufgabe übernehmen sollte: die Seelsorge für die Zugereisten.
Dann brach der Erste Weltkrieg aus; bereits im August 1914 meldete sich Pater Rupert Mayer als Feldgeistlicher. 1916 schwer verwundet, musste ihm das Bein amputiert werden. Er konnte nicht an die Front zurückkehren und nahm daher seine Tätigkeit in München wieder auf. Dort stand er zunächst den Invaliden und Heimkehrern zu Seite. In den politisch unruhigen Zeiten rief er in seinen Predigten stehts zu Besonnenheit, Ausgleich und Friedfertigkeit auf. 1921 übernahmen die Jesuiten wieder die Seelsorge an der St. Michaelskirche in München. Pater Rupert Mayer wirkte dort als Prediger, „Caritasapostel“ und Beichtvater. Zudem wurde er zum Präses der marianischen Männerkongregation in München ernannt.
1925 führte Pater Rupert Mayer die Bahnhofsmessen ein. Bereits um 3:20 Uhr hielt er selbst jeden Sonntag die erste Frühmesse. Es folgten weitere Messen, damit die vielen Ausflügler, aber auch die Menschen, die in der Früh aus den umliegenden Dörfern nach München zum Arbeiten kamen, ihrer „Sonntagspflicht“ nachkommen konnten. 1925 zählte man 13.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In den dreißiger Jahren stieg die Zahl auf 70.000 an!
Schon vor der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler predigte Pater Rupert Mayer gegen die erstarkenden Nationalsozialisten und stellte Falschbehauptungen über die Kirche richtig. Nach der Machtergreifung trat er noch vehementer für die Religionsfreiheit ein. Öffentlich erklärte er, dass ein Katholik nicht Nationalsozialist sein könne.
Am 18. Mai 1935 wurde die öffentliche Caritassammlung verboten. Es war wiederholt zu Ausschreitungen gegen Spenderinnen und Spender durch Anhänger der Nationalsozialisten gekommen. Pater Rupert Mayer stellte sich daher am selben Tag aus Protest mit der Sammelbüchse vor die Kirche St. Michael. Da er auch weiterhin für die Rechte der Kirche eintrat und in Predigten und persönlichen Gesprächen aus seinem Glauben heraus Antworten auf die Fragen der Zeit gab, wurde er im April 1937 im Rahmen der Sittlichkeitsprozesse verurteilt. Er durfte nicht mehr predigen.
Im Juni 1937 wurde er verhaftet und wegen „Kanzelmissbrauch“ verurteilt. Auch dies reichte nicht, Pater Rupert Mayer davon abzuhalten, sich in seinen Predigten gegen die Nationalsozialisten zu wenden. In der Folge war er zunächst in Landsberg am Lech inhaftiert, danach sieben Monate in Isolierhaft im KZ Sachsenhausen. Da man Angst hatte, er würde dort sterben und zum Märtyrer erklärt werden, entließ man ihn in die „Verbannung“ ins Kloster Ettal. Dort blieb er bis zum Kriegsende.
Bereits im Mai 1945 kehrte er nach München zurück und setzte sich trotz seines geschwächten Zustands unermüdlich für die notleidende Bevölkerung und Flüchtlinge ein. Am 1. November erlitt Pater Rupert Mayer während einer Messe in der Kreuzkapelle von St. Michael einen Schlaganfall. Er starb noch am selben Tag an den Folgen. Er wurde zunächst auf dem Ordensfriedhof der Jesuiten in Pullach beigesetzt, seine Gebeine 1948 in die Unterkirche der St. Michaels-Kirche verlegt, um den Tausenden von Menschen, die zu seinem Grab pilgerten, den Weg zu erleichtern.
Am 3. Mai 1987 erfolgte die Seligsprechung von P. Rupert Mayer durch Papst Johannes Paul II. im Olympiastadion in München.
Dieses Gebet stammt von Pater Rupert Mayer. Es gibt einen Einblick in die Grundeinstellung des Jesuiten. Er will die Wege Gottes gehen, auch wenn sie schwer verständlich sind. Er will bereit sein, wenn Gott ihn mitten im Leben anspricht. Und er macht die Erfahrung, dass gerade das Schwere leicht macht, wenn es im Vertrauen auf Gott angegangen wird. Dieses Gebet ist damit eine Konkretisierung des zentralen Gebetes des Ordensgründers: Das Suscipe von Ignatius von Loyola.
Das Gebet ist auf der rechten Seite der Glaseinfassung der Statue von Pater Rupert Meyer abgedruckt, weil es auch heute in schweren und herausfordernden Zeiten helfen kann. Es kann Entschlossenheit, Stärke und Mut vermitteln, wenn wir versucht sind, auszuweichen oder davonzulaufen. Es bezeugt die Stärke und Klarheit, die in einer vertrauenden Verbindung mit Gott liegt.