Festlicher Klang zum Lobe Gottes Wie mehr als 6.000 Kirchenglocken im Erzbistum die Gläubigen zum Gebet rufen und die Herzen der Menschen erfreuen

In den Glockentürmen des Erzbistums München und Freising finden sich Glocken aus acht Jahrhunderten. Von Scheyern bis Garmisch-Partenkirchen, von Rottenbuch bis Freilassing erklingen Hunderte Geläute unterschiedlicher Prägung, welche die Menschen sprichwörtlich von der Wiege bis zur Bahre begleiten.
 
Glocke St. Georg Bogenhausen
Glocken aus dem 15. und 16. Jahrhundert in St. Georg in München-Bogenhausen. So wie diese Geläut erschallen täglich Tausende Glocken von den Türmen der Kirchen und Kapellen im Erzbistum.
In den Glockentürmen des Erzbistums München und Freising finden sich mehr als 6.000 Glocken aus acht Jahrhunderten. Von Scheyern bis Garmisch-Partenkirchen, von Rottenbuch bis Freilassing erklingen Hunderte Geläute unterschiedlicher Prägung. Über große und mächtige Geläute verfügen unter anderem der Münchner Liebfrauendom, der Freisinger Mariendom, die Klosterbasilika in Scheyern oder die Stiftsbasilika St. Martin in Landshut. In anderen Kirchen und Kapellen erheben kleine Glocken ihre Stimmen. Manchmal ruft nur eine einzelne Glocke vom Turm herab, während andernorts ein ganzer Glockenchor erschallt.
 
Alle diese Glocken verkünden das Lob Gottes. Sie rufen dreimal am Tag zum Angelus-Gebet und laden zur Feier von Gottesdiensten ein. In manchen Orten erinnert am Freitagnachmittag um 15 Uhr das Geläut einer meist tontiefen Glocke an die Todesstunde Jesu. In einigen Kirchen ist noch das sogenannte Angstläuten am Donnerstagabend üblich, das an den Leidensweg des Herrn erinnert. Je nach Region läuten am Samstagnachmittag oder vor Feiertagen zwischen 14 und 16 Uhr die Glocken den Sonn- oder Feiertag ein. Das im Volksmund als Feierabendläuten bekannte Glockengeläut ist im Erzbistum bis heute weit verbreitet. In einigen Kirchen wurde es in den vergangenen Jahren wieder eingeführt, nachdem es dort schon fast in Vergessenheit geraten war. In ländlichen Gebieten wird auch während der Erteilung des Wettersegens geläutet.
 
Glocken strukturieren den Tag und erinnern an die Vergänglichkeit des Lebens
 
Der Klang der Glocken stimmt freudig, wenn sie zu Hochzeiten, Taufen und anderen festlichen Anlässen rufen. Vielerorts erklingt beim Tod eines Gemeindemitglieds ein Trauergeläut. Glocken begleiten die Menschen sprichwörtlich von der Wiege bis zur Bahre. Ihr Klang berührt auf unterschiedliche Weise. So sorgt gerade an Weihnachten der Klang der Glocken für eine besonders festliche Stimmung. Am Gründonnerstag verstummen nach dem Gloria die Glocken und schweigen, bis sie zum Gloria der Osternacht wieder feierlich ihre Stimmen erheben.
 
Das Geläut der Glocken strukturiert nicht nur den Tag. Der Glockenschlag der Turmuhr erinnert auch an die Vergänglichkeit des Lebens. Und jedes neue Jahr wird in der Silvesternacht mit festlichem Glockengeläut begrüßt.
 
Um eine wohlklingende Glocke und ein harmonisches Geläut zu gießen, braucht es sehr viel Wissen und Erfahrung. Nur noch wenige Betriebe beherrschen heute die hohe Kunst des Glockengusses. Glocken sind Musikinstrumente. Innerhalb eines Geläuts sind sie klanglich aufeinander abgestimmt. Größere Geläute können in den unterschiedlichsten Kombinationen freudige, nachdenkliche und traurige Anlässe verkünden. Im Advent und in der Fastenzeit sind andere Motive zu hören als beispielsweise beim Gloria in der Osternacht. Feierlich klingt es, wenn nach der Fronleichnamsprozession der volle Glockenchor zum Te Deum ertönt. Nachdenklich stimmen die Glocken, wenn sie zum Trauergeläut einsetzen. Egal zu welchem Anlass: Glocken berühren die Menschen bis heute. Nur so ist zu erklären, dass auch in unserer säkularen Zeit immer wieder neue Glocken oder sogar neue Geläute angeschafft werden.
 
Geläute suchen und anhören im Internet
 
Tonaufnahmen vieler Geläute im Erzbistum finden sich in der Nationalen Glockendatenbank. Über einen Glocken-Finder kann dort unter anderem mit Postleitzahl, Name der Kirche oder Gussjahr nach Glocken gesucht werden.
 
In den Türmen des Erzbistums befinden sich viele sehr alte Glocken. Eine der ältesten Glocken in München hängt im Turm der ältesten Münchner Pfarrkirche St. Peter. Es ist die Zwölferin, die 1382 gegossen wurde. Man kann davon ausgehen, dass die Glocke schon zur Grundsteinlegung der Frauenkirche 1468 zu hören war. Je eine Glocke in der Kirche Mariä Heimsuchung in Feldkirchen im Landkreis Freising und eine Glocke in der Kirche Hl. Kreuzauffindung in Neukirchen bei Kirchseeon stammen aus dem 13. Jahrhundert. Bereits im 12. Jahrhundert gegossen wurde die „Arnoldusglocke“ in St. Vitus in Gilching. Sie hängt heute im Chorraum der Kirche und kann dort besichtigt werden. Von europäischem Rang ist das Renaissance-Geläut in den Türmen des Freisinger Doms. Diese Glocken haben, wie viele andere, die Vernichtungsmaßnahmen in den zurückliegenden Kriegen überstanden.
 
Bei den Vernichtungsmaßnahmen von Glocken gingen die Machthaber vor allem im Zweiten Weltkrieg rigoros vor. In den Jahren 1942/43 wurden Tausende Glocken vernichtet und teilweise zu Kanonen gegossen. Nach dem Ende der Kriege war es den Menschen immer wichtig, dass die verlorengegangenen Glocken schnellstmöglich ersetzt wurden. Obwohl in den ersten Jahren nach Kriegsende oft große Not herrschte und es den Menschen an lebensnotwendigen Dingen fehlte, setzten sie sich mit großer Opferbereitschaft dafür ein, die geraubten Glocken baldmöglichst durch neue zu ersetzen. Die Menschen fühlten sich mit ihren Kirchen und den dazugehörenden Glocken in besonderer Weise verbunden. Der Glockenklang war identitätsstiftend für die Bewohner eines Dorfes oder einer Stadt, sie waren stolz auf das jeweilige Geläut.
 
Glockenläuten Münchner Dom
 

Glocken als Zeichen der Kirche und Klang der Heimat

 
Auch wenn es Menschen gibt, die sich von Glockengeläut gestört fühlen: Viele Menschen erfreuen sich an der Musik der Glocken. Das gilt auch für Menschen, die der Kirche nicht nahestehen. Früher wurden Glocken als „Signum ecclesiae" (Zeichen der Kirche) bezeichnet. Man könnte auch sagen, Glockenklang verbindet. Ohne ihn würde Dörfern und Städten etwas fehlen. Glocken sind für viele Menschen mit Heimat verbunden. Den vertrauten Klang der Heimatglocken würden sie unter Hunderten anderer Geläute erkennen.
 
Die meisten unserer Glocken haben Namen. In der Regel sind sie Heiligen geweiht. Oftmals werden Glocken auch nach dem Anlass benannt, zu dem sie läuten oder in früheren Zeiten geläutet haben. Die Salve-Glocke in der Münchner Frauenkirche beispielsweise läutet zum Salve Regina bei der Vesper an Hochfesten. In großen Geläuten gibt es oftmals eine Glocke mit dem Namen Hosanna, die in der Regel nur zu Hochfesten oder ganz besonderen Anlässen erklingt. Die „Elferin“ oder „Zwölferin“ sind benannt nach der Uhrzeit, zu der sie erklingen oder in früheren Zeiten erklungen sind. Die Sterbeglocke verkündet den Tod eines Menschen. Einen neuen Weg bei der Namenswahl für ihre Glocken ging die Münchner Pfarrei St. Philippus, als sie 2018 neue Glocken bekam. Die Namen der Glocken lauten „Friede und Vollendung bei Gott“, „Gegenwart“, „Zukunft“ und „Vergangenheit“.
 
Die schwerste und tontiefste Glocke des Erzbistums läutet im Turm der Basilika im Kloster Scheyern. Es die mehr als zehn Tonnen schwere Christus-Salvator-Glocke, die 2009 in Passau gegossen wurde. In der Vergangenheit wurden Glocken unter anderem aus Stahl oder Eisen gegossen. Vor allem Eisen hat sich aber als nicht sehr langlebig erwiesen. Ideales Material zur Herstellung von Glocken ist Glockenbronze. Sie besteht zu etwa 78 Prozent aus Kupfer und 22 Prozent aus Zinn. Viele Glocken aus Bronze haben mehrere Jahrhunderte überdauert und erfreuen die Menschen noch heute mit ihrem Klang.
 
Text: Ralf Müller, ehrenamtlicher Referent der Glockensachverständigen in der Erzdiözese München und Freising, Juni 2021

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