„Wie schön ist das, ein Zeichen der Hoffnung, aber auch ein Zeichen dafür, dass sich Menschen orientieren wollen, dass sie einen Grund in ihrem Leben finden wollen, ein Fundament, auf dem man stehen kann, eine Gemeinschaft, die verlässlich ist“: Kardinal Reinhard Marx freute sich bei der Zulassungsfeier zu den Sakramenten der Taufe, der Firmung und der Eucharistie Ende Februar im Münchner Dom, dass „mehr Menschen als sonst nachfragen, katholisch zu werden, Christ zu werden“.
Rund 60 Erwachsene werden an Ostern in München getauft – deutlich mehr als in den Jahren zuvor. 42 von ihnen bereiteten sich allein in der Glaubensorientierung der Erzdiözese in St. Michael in den vergangenen Monaten auf den Empfang der Sakramente vor und damit 60 Prozent mehr als 2025. Die Taufanwärterinnen und -anwärter sind zwischen 16 und 65 Jahre alt. Rund 20 von ihnen kommen aus Deutschland, die übrigen aus weiteren europäischen Ländern, aus Südamerika, Afrika und Asien. Sie lernten in den Abendkursen der Glaubensorientierung die Heilige Schrift, den katholischen Glauben, den Gottesdienst und das christliche Leben kennen. Die übrigen Erwachsenen wurden in Pfarreien oder in den muttersprachlichen Gemeinden vorbereitet.
Christ oder Christin zu sein, das sei „nicht anstrengend – aber anspruchsvoll“, sagte Kardinal Marx bei der Zulassungsfeier am 22. Februar. „Was wäre das für ein Leben, das wir einfach dahinleben, ohne dass wir Ansprüche an uns stellen, dass wir ein Niveau haben wollen, dass wir mit großer Freude intensiv leben wollen?“ Es gehe darum, dem Leben ein „Siegel“ aufzuprägen, „das Siegel der Liebe und der Hoffnung, der Zuversicht, der Freude“. Das sei ein Lernweg, der das ganze Leben dauere.
Berufung werde konkret mit der Entscheidung: „Ich gehöre an seine Seite. Wir gehören an die Seite Jesu, so wie Gott entschieden hat, an unsere Seite zu treten und in diesem Jesus von Nazareth der Bruder aller Menschen zu werden, besonders der Schwachen, der Unterdrückten, der Vergewaltigten, der Kriegsopfer, der Armen, der Hungrigen, der ungerecht Verfolgten. An diese Seite wollen wir treten.“ Hinter diesem Anspruch blieben Menschen immer wieder zurück, sagte Kardinal Marx, „aber wir haben ja die Hoffnung, dass Jesus Christus mit uns geht, ganz egal, was passiert. Wir treten immer wieder an seine Seite und gehen hinter ihm her, manchmal stolpernd, manchmal suchend und fragend, aber immer wissend, er ist da.“ (hor)
Aufgrund der hohen Zahl werden nur einem Teil der Anwärterinnen und Anwärter aus der Glaubensorientierung die Sakramente im Dom in der Osternacht gespendet. Die übrigen empfangen sie in der Osternacht in St. Michael, am Ostersonntag in St. Bonifaz sowie an weiteren Orten der Erzdiözese. Aufgrund der großen Nachfrage bietet die Glaubensorientierung einen weiteren Taufkurs ab 12. März, 19 Uhr, in St. Michael an, der im Oktober in die Taufe mündet.